Fortpflanzung der Blumen

Fortpflanzung der Blumen. Alle Vervielfältigung der Gewächse, erfolgt durch Wurzeln, Zweige oder Samen. Beobachten wir das Wachsthum der Pflanzen vom keimenden Samen bis zur Ausbildung und Vollendung der Frucht, so gewahren wir in der Entwickelung ein unverkennbares Streben von unten nach oben, eine Fortbildung von Knoten zu Knoten, eine successive Hinzubildung und Verlängerung neuer, bisher noch nicht bestandener Theile. Sobald das Gewächs nun das gehörige Alter erreicht hat, trägt es Früchte und Samen, und streut denselben zur Zeit der Reise von selbst umher. So viel wußten unsre Vorfahren schon. Die wichtige Entdeckung aber, daß zur Vervollkommnung des Samens die Vereinigung beider Geschlechter und eine Befruchtung nöthig sei, verdanken wir erst den Naturforschern neuerer Zeit. Der Sitz der Befruchtung ist die Blüthe. Die meisten Gewächse haben männliche und weibliche Theile in einer Blüthe beisammen, und heißen deßhalb Zwitter. Bei andern findet man in jeder Blüthe nur einerlei, aber doch männliche und weibliche Blüthen an einem Stamm; auch trifft man weibliche, männliche und Zwitterblüthen vereint, und endlich sind sie ganz getrennt, jede auf einem besondern Stamm. Im letztern Falle wird der Samenstaub, wenn die Stämme nicht allzu weit aus einander stehen, theils durch die Luft, theils durch verschiedene Insekten den weiblichen Blüthen zugeführt. Zugleich veranlaßt dieses Zutragen aber auch öfters die Entstehung neuer Gewächsarten, wenn nämlich der männliche Stamm mit dem weiblichen, dessen Blüthe er befruchtet, nicht von derselben Art ist, und die aus solcher Vermischung entstandenen Bestandgewächse sind meistens fruchtbar. Wer sich einen deutlichen Begriff von dem Unterschied der Geschlechter im Gewächsreich machen will, betrachte eine Lilie, in welcher beide Geschlechter vereinigt sind. Der weibliche Theil, das Pistill, steht in der Mitte und scheint die Fortsetzung des Stiels zu sein. Man unterscheidet daran den Fruchtknoten, Griffel und die Narbe. Ersterer schließt die Samenkörner in sich. An denselben grenzt der hohle Griffel, an diesen wieder die Narbe, welche den obersten Theil des Staubwegs bildet. Diesen weiblichen Theil umschließen die männlichen, Staubfäden genannt, an deren äußerster Spitze der Staubbeutel sitzt. Der daran befindliche gelbe Staub, der eigentliche Same, besteht aus lauter kleinen Bläschen, worin sich ein seiner, elastischer Dunst befindet. Die Staubbeutel nähern sich der Narbe des Staubwegs, lassen ihren Staub fallen und somit ist die Befruchtung bewerkstelligt. Später verwelken die Blumenblätter und Staubfäden, und fallen allmälig ab. Der Fruchtknoten aber schwillt an und bildet das Samengehäus bald als Kapsel, bald als Schote u. s. w., worin der Same bis zur vollkommenen Reise eingeschlossen bleibt.

L. M.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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