Gewohnheit

Gewohnheit

Gewohnheit, ist jede in uns zur Fertigkeit gewordene Neigung, deren Unterbrechung, Unbehaglichkeit und oft selbst Schmerz und Krankheit zur Folge hat. Gewohnheit ist für den Körper, was für die Seele Tugend ist, die ebenfalls eine Fertigkeit, eine ausgebildete Neigung bei Ausübung des Guten genannt werden kann. Wo im gewöhnlichen Sprachgebrauche von guten und üblen Tugenden die Rede ist, sollte füglich die Bezeichnung Gewohnheiten gebraucht werden, da es nur eine Tugend, die allgemein wahre, aber tausend Gewohnheiten, gute und schlimme, gibt. Wer zählte alle Gewohnheiten der Menschen, nur seiner Umgebung, auf? Sie sind die kleinen Tyrannen der Gesellschaft, ihre Wechselwirkung ist der endlose kleine Bürgerkrieg der Familien, und die immer scharfe Opposition beim Einzelnen gegen seinen Vermögens- und Gesundheitsstand. Der freieste Mensch, der unabhängigste Beherrscher von Millionen, der tiefste Philosoph, wie der hochfliegende Poet, sind Sklaven der Gewohnheit, oft der lächerlichsten, wenn nicht gar der verderblichsten; ja gerade die bedeutendsten Menschen fallen durch seltsame Gewohnheiten auf, entweder, weil sie an ihnen, durch den Contrast zu ihrem Geiste, schärfer heraustreten, oder, weil es ihnen an Zeit und Ruhe fehlt, über sich selbst zu wachen. Wie einzelne Familien, so haben einzelne Volker, anderen gegenüber, auffallende Gewohnheiten, die, einmal ganz eingebürgert, Lebensweise, Landessitte u. s. f. heißen. Ländlich – sittlich!

B–l.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Gewohnheit — Gewohnheit: Das Substantiv mhd. gewon‹e›heit, ahd. giwonaheit ist eine Bildung zu dem im Nhd. untergegangenen Adjektiv mhd. gewon, ahd. giwon »der Gewohnheit gemäß, üblich, herkömmlich« (vgl. ↑ gewohnt und ↑ gewöhnlich) …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gewohnheit — (Consuetudo, Mos), die in öfterer Wiederholung begründete Bestimmung zu einer Verrichtung od. Handlung; sie übt eine verbreitete Gewalt im Leben aus, daher man sagt, G. ist die andere Natur (Consuetudo est altera natura.) Die christliche Ethik… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gewohnheit — ist die durch öftere Wiederholung der nämlichen körperlichen oder geistigen Tätigkeit sich ergebende Disposition, vermöge deren sie fortan bei dem geringsten äußern Anstoß ohne besondere Willensanstrengung (selbst unwillkürlich) und mit… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gewohnheit — ↑Habit, ↑Routine, ↑Tradition, ↑Usus …   Das große Fremdwörterbuch

  • Gewohnheit — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Angewohnheit Bsp.: • Fluchen ist eine schlechte Angewohnheit …   Deutsch Wörterbuch

  • Gewohnheit — 1. Alle gute Gewohnheit soll man behalten. – Graf, 12, 145; Lünig, I, 360. Frz.: Les bonnes coustumes sont à garder et les mauvaises à laisser. (Leroux, II, 250.) 2. Alte Gewohnheit ist stärker als Brief und Siegel. – Pistor., IX, 38; Graf, 12,… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Gewohnheit — Gepflogenheit; Angewohnheit; Sitte; Brauch; Regel; Konvention; Usus * * * Ge|wohn|heit [gə vo:nhai̮t], die; , en: das, was man immer wieder tut, sodass es schon selbstverständlich ist; zur Eigenschaft gewordene Handlungsweise: das abendliche Glas …   Universal-Lexikon

  • Gewohnheit — Als Gewohnheit (auch Usus, lat. uti „gebrauchen“) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen wie automatisch nach… …   Deutsch Wikipedia

  • Gewohnheit — (auch Routine) Wer von all seinen Gewohnheiten Kenntnis nähme, wüßte nicht mehr, wer er ist. «Elias Canetti» Die Gewohnheit ist langlebiger als die Liebe und überwindet manchmal sogar die Verachtung. «Marie von Ebner Eschenbach» Immer wieder… …   Zitate - Herkunft und Themen

  • Gewohnheit — Ge·wo̲hn·heit die; , en; 1 die Gewohnheit (+ zu + Infinitiv) eine Handlung, eine Verhaltensweise o.Ä., die durch häufige Wiederholung meist automatisch und unbewusst geworden ist <eine alte, feste, liebe, schlechte Gewohnheit; etwas aus reiner …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

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