Arsinoë II.
Namen von Arsinoë II.
Arsinoe II Isis-Selene Louvre Ma4891.jpg
Büste der Arsinoë II., dargestellt als Isis-Selene (Paris, Louvre)
Eigenname
Hiero Ca1.svg
M17 E23
O34
D4
N35
X1 G1 H8
Hiero Ca2.svg
Arsin[o]at
ˁrsin3t
Arsinoe
Griechisch Basilissa Arsinoë Thea Philadelphos

Arsinoë II. Philadelphos (altgriechisch Ἀρσινόη B' ἡ Φιλάδελφος; * um 316 v. Chr.; † 270 v. Chr.) gilt als die erste bedeutende weibliche Persönlichkeit der in Ägypten herrschenden Dynastie der Ptolemäer. Sie war eine Tochter des Diadochen und Dynastiegründers Ptolemaios I. und dessen zweiter Ehefrau Berenike I. Bekannt war Arsinoë II. vor allem durch ihre dritte Ehe mit ihrem Vollbruder Ptolemaios II. (Geschwisterehe), davor war sie mit ihrem Halbbruder Ptolemaios Keraunos und dem Diadochen Lysimachos verheiratet.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Ehe mit Lysimachos

Arsinoë wurde 300/299 v. Chr. ihm Rahmen eines Bündnisses ihres Vaters mit König Lysimachos von Thrakien verheiratet, dem sie nacheinander drei Söhne gebar, Ptolemaios, Philippos und Lysimachos.[2] Ihr wesentlich älterer Mann war 287 v. Chr. auch König von Makedonien geworden, auf den sie einen dominierenden Einfluss ausübte. So ließ dieser einen seiner Höflinge, Telesphoros, den Löwen zum Fraß vorwerfen, weil dieser es gewagt hatte sich abwertend über eine ihrer musikalischen Darbietungen zu äußern.[3] Nachdem Lysimachos 284 v. Chr. Herakleia Pontike erobert hatte wusste Arsinoë ihn soweit zu manipulieren, dass er ihr diese Stadt übertrug.[4] Insgeheim hegte Arsinoë leidenschaftliche Gefühle für ihren Stiefsohn, Prinz Agathokles, der als Ehemann ihrer Schwester Lysandra zugleich auch ihr Schwager war. Weil dieser sie aber nicht erwiderte schlugen ihre Gefühle in Hass um, die sie zu einer Beseitigung des Prinzen verleiteten, durch die sie zugleich den Weg ihrer eigenen Kinder auf die Thronfolge ebnen wollte. Dazu bezichtigte sie Agathokles des Hochverrats und eines geplanten Giftmordes am Vater, worauf dieser bereitwillig der Hinrichtung seines Sohnes zugestimmt hatte.[5]

Lysandra war darauf nach Syrien zu Seleukos geflohen, der sich zum Rächer des Prinzen erklärte und Lysimachos den Krieg erklärte. In der Schlacht von Kurupedion bei Sardis wurde Lysimachos 281 v. Chr. getötet.[6] Arsinoë hatte sich in dieser Zeit in Ephesos aufgehalten, das ihr zur Ehren in „Arsinoeia“ umbenannt worden war.[7] Als die vormarschierenden seleukidischen Truppen in die Stadt eingedrungen waren, hatte sie sich als einfache Frau verkleidet unerkannt zum Hafen durchgeschlagen um ein rettendes Schiff erreichen zu können. Eine Sklavin, die sie an ihrer Stelle drapiert hatte, wurde dagegen von der Soldateska im Glauben die Frau des Feindes aufgegriffen zu haben getötet.[8]

Ehe mit Ptolemaios Keraunos

Arsinoë war auf dem Seeweg die Flucht nach Kassandreia gelungen, wo sie sich verschanzte. Auch Seleukos hatte sich dahin auf dem Weg gemacht um die Herrschaft in Makedonien übernehmen zu können, aber schon bei Lysimacheia wurde er von Ptolemaios Keraunos ermordet, der einer ihrer Halbbrüder war. Dieser beabsichtigte nun selbst die Herrschaft in Makedonien zu übernehmen und suchte dies durch eine Ehe mit seiner Halbschwester zu legitimieren. Um deren Einwilligung zu erhalten versprach er sie und ihre Söhne zu beschützen und deren Thronfolgerecht anzuerkennen sobald sie das Mündigkeitsalter erreicht hätten.[9] Diese Versprechen bekräftigte er durch einen Eid gegenüber den Göttern, womit er das Vertrauen von Arsinoë gewann. Doch als sie ihm die Tore von Kassandreia öffnete, ließ Keraunos umgehend die Zitadelle besetzen und ihre zwei jüngeren Söhne ermorden, der ältere war dem Attentat entkommen. Sie selbst wurde verschont und mit lediglich zwei Dienern der Stadt verwiesen, worauf sie ihre Zuflucht in Samothrake nahm.[10] Dort hatte sie zwischen den Jahren 287 und 281 v. Chr. den nach ihr benannten Tempel Arsinoeion gestiftet, der mit 17 m Durchmesser der größte stützlose Rundbau der griechischen Antike war.[11]

Ehe mit Ptolemaios II.

Münzportrait des Ptolemaios II. und der Arsinoë II.

Nach dem Tod des Keraunos 279 v. Chr. im Kampf gegen die Kelten wurde Arsinoë von ihrem Vollbruder, König Ptolemaios II., nach fast zwanzig Jahren zur Rückkehr nach Ägypten eingeladen. Hier war sie wohl für die Anklage und Verbannung von Arsinoë I. im Jahr 278 v. Chr. verantwortlich, der ersten Frau ihres Bruders, denn sie darauf selbst in Geschwisterehe heiratete, zum Entsetzen der exogamischen Griechen gaben sich die beiden zudem den Beinamen Philadelphoi (altgr. Φιλαδέλφοι = (die) „Bruderliebenden“). Arsinoë II. bekam alle Titel ihres Bruders und war vermutlich auch sehr einflussreich am Hof. Sie war die erste ägyptische Königin die schon zu Lebzeiten vergöttlicht wurde, indem ihr Bruder sie mit der altägyptischen Göttin Isis gleichstellte, wie zum Beispiel die Inschriften in der Tempelanlage von Philae zeugen. Dabei sollte sie nicht nur die erste sondern auch die einzige Ptolemäerin bleiben, die sowohl von Griechen als auch von Ägyptern als Gottheit anerkannt werden sollte, was unter anderem durch ihre häufigen Darstellungen mit doppelten Füllhörnern demonstriert wurde. Bruder und Schwester ließen sich weiterhin als Geschwistergötter (altgr. Θεοὶ Ἀδελφοί - Theoi Adelphoi) bezeichnen und Münzen mit ihrem Bild prägen. Nach Arsinoë wurden außerdem mehrere Städte wie die frühere Hauptstadt des Fayyum in Ägypten benannt.

Ihr Brudergemahl ließ auch einen ihr gewidmeten Tempel (Arsinoeion) im Hafengebiet von Alexandria errichten. In ihm wurde eine Statue von Arsinoë aufgestellt, die aus einem großen Edelstein vom roten Meer gestaltet wurde.[12] Der ursprüngliche Plan des Architekten Timochares sah allerdings eine Eisenstatue vor, die mittels eines an der Decke angebrachten gewölbten Magnetsteines in einer frei schwebenden Position aufgerichtet werden sollte. Der vorzeitige Tod des Architekten verhinderte aber die Ausführung dieser Konstruktion.[13] Im Jahr 2000 wurde von Franck Goddio im Hafenbecken von Alexandria, dem ehemaligen Palastviertel, eine kopflose Statue aus schwarzem Granit geborgen, deren Entstehung im 3. vorchristlichen Jahrhundert datiert und Arsinoë II. zugeschrieben wird. Dabei wird sie als eine dem Wasser entsteigende Isis-Aphrodite dargestellt, einzig gekleidet in einem transparenten Gewand.[14]

Arsinoë II. trug viel zur Politik ihre Brudergemahls bei, seinen Sieg im Ersten Syrischen Krieg (274–271 v. Chr.) zwischen Ägypten und den Seleukiden eingeschlossen. Nach ihrem Tod ließ Ptolemaios sie auf offiziellen Dokumenten weiter erwähnen, Münzen mit ihrem Bild prägen und ihre Verehrung fortbestehen.

Literatur

  • Gabriella Longega: Arsinoë II. Bretschneider, Rom 1968
  • Hermann Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus. Beck, München 1975. ISBN 3-406-00733-3. S. 111-138
  • Bringmann, von Steuben, Ameling, Schmidt-Dounas: Schenkungen hellenistischer Herrscher an griechische Städte und Heiligtümer (Akademie Verlag, 1995)
  • G. Roux: The History of the Rotunda of Arsinoe, in: Samothrace VII (1992), S. 231-239
  • Werner Huß: Ptolemaios der Sohn, in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik Bd. 121 (1998), S. 229-250
  • Sviatoslav Dmitriev: The Last Marriage and the Death of Lysimachus, in: Greek, Roman, and Byzantine Studies (GRBS) Vol. 47 (2007), S. 135-149

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Porphyrios von Tyros, FrGrHist 260 F3, 11; Diodor 22, 4.
  2. Memnon von Herakleia, Perì ʰērakleias, FrGrHist 434 F4, 9; Plutarch, Demetrius 31, 3.
  3. Athenaios, Deipnosophistai 14, 616; Plutarch, Moralia 606. Das Opfer war möglicherweise identisch mit Telesphoros (Antigonide).
  4. Memnon von Herakleia, Perì ʰērakleias, FrGrHist 434 F5, 4–5.
  5. Memnon von Herakleia, Perì ʰērakleias, FrGrHist 434 F5, 6; Pausanias, Helládos Periēgēsis 1, 10, 3.
  6. Memnon von Herakleia, Perì ʰērakleias, FrGrHist 434 F5, 7.
  7. Strabon, Geographika 14, 1, 21.
  8. Polyainos, Stratagem 8, 57.
  9. Justin 17, 2.
  10. Justin 24, 2–3; Memnon von Herakleia, Perì ʰērakleias, FrGrHist 434 F8, 7
  11. Wilhelm Dittenberger, Orientis Graeci inscriptiones selectae (OGIS) Nr. 15; Inscriptiones Graecae XII.8, 227.
  12. Plinius Naturalis historia 37.108-109; Plinius hielt diesen Edelstein für einen Topas
  13. Plinius Naturalis historia 34.148
  14. Franck Goddio: Versunkene Schätze. Archäologische Entdeckungen unter Wasser. (Theiss, Stuttgart 2005)

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