Aschera (Göttin)

Aschera ist eine syrische/ugaritische Fruchtbarkeitsgöttin. Ihr Name (ugaritisch ˀart, Vokalisation vermutlich ˀAiratu, daraus althebräisch ˀAšera) leitet sich wohl vom semitischen ar, also Heiliger Ort ab. Ihr Beiname ist „die Heilige“. Verehrt wurde sie als Kultpfahl, der einen stilisierten Baum darstellt. Der Asteroid Aschera ist nach ihr benannt.

Aschera ist die Gattin des Schöpfergottes El (il). In den ugaritischen Keilschriften wird sie mit dem Beinamen qnyt ilm versehen, der mit „Erzeugerin der Götter“ oder „Herrin der Götter“ übersetzt wird. Ilm ist dabei die Pluralform von il.[1] Aschera gebar 70 Götter und Göttinnen.

Inhaltsverzeichnis

Aschera in der Bibel und in Israel

Der Name Aschera kommt etwa vierzig mal in der Bibel vor, als Name der Göttin und als Bezeichnung für ihren Kultpfahl.

In Ri 6,25 EU ist nachzulesen, wie der Engel des Herrn dem Gideon befiehlt, die Aschera seines Vaters Joasch umzuhauen und dem lebendigen Gott JHWH einen neuen Altar zu bauen. Erst anschließend wird Gideon von JHWH gebraucht, um das Volk Israel von der Last der Midianiter zu befreien. 1 Kön 15,13 EU erwähnt, dass Königinmutter Maacha der Aschera ein Standbild errichtet hat. Auch König Manasse (2 Kön 21,7 EU) stellte ein Kultbild der Aschera auf. 400 Propheten Ascheras aßen vom Tisch Isebels (1 Kön 18,19 EU). König Joschija entfernte aus dem Tempel (2 Kön 23,4 EU) Gegenstände, „die für den Baal, Aschera und das ganze Heer des Himmels angefertigt worden waren.“ 2 Kön 23 EU beschreibt die Beseitigung des Ascherakultes.

Archäologische Funde lassen vermuten, dass Aschera in Israel als Ehefrau von JHWH verehrt wurde.[2]

So fand sich in Kuntillet 'Adschrud ein Vorratskrug aus dem 8. bis 7. Jahrhundert mit folgender Inschrift:

… Ich habe Euch gesegnet durch JHWH und seine Aschera.
Amaryo sprach zu seinem Herrn: …
Ich habe dich gesegnet durch JHWH und seine Aschera.
Er möge dich segnen,
und er möge dich behüten,
und er möge sein mit meinem Herrn

Auf einer Wand in Chirbet el Kom (nahe Hebron) fand sich folgende Inschrift:

Uriyahu, der Reiche, hat dies geschrieben:
Ein Gesegneter ist Uriyahu durch JHWH -
aus seinen Bedrängnissen hat er ihn durch Aschera gerettet.
Durch Onyahu.

In einer aramäischen Inschrift wird sie als Göttin von Teman bezeichnet. Dies ist interessant, weil es in Hab 3,3 EU heißt: „Gott kommt von Teman her.“ Folgt man Jer 49,7.20 EU, so ist mit Teman die gleichnamige Stadt in Edom gemeint.

Verwandte Götter

Aschera wurde in einer Ähnlichkeitsbeziehung zu der ägyptischen Göttin Hathor gesehen, so dass sie auch mit deren Attributen, zwei Lotosblüten als Symbole der Fruchtbarkeit, dargestellt wird.

Rezeption

Im Science-Fiction-Roman Snow Crash von Neal Stephenson ist Aschera für ein Meta-Virus verantwortlich, das in Sumer die Menschen wieder zurück in geistlose Lebewesen, die ferngesteuert mittels Me funktionieren, verwandelt. Ihr Gegenspieler ist der sumerische Gott En-Ki, bei Neal Stephenson ein Neurolinguistik-Hacker. Moderne Zungenrede wird dort mit einem wiedererweckten „Kult der Aschera“ assoziiert.

Des Weiteren erschien 2002 der Roman Maria Magdalena von Margaret George, in dem die junge Maria aus Magdala am Wegesrand ein heidnisches Götzenbild findet und heimlich aufbewahrt. Im Laufe ihres Lebens gibt sich diese Gottheit als Aschera zu erkennen, spricht zu ihr, schenkt der scheinbar unfruchtbaren Maria ein Kind, verlangt ihre Treue und treibt Maria fast in den Wahnsinn.

Siehe auch

Literatur

  • Israel Finkelstein/Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, C. H. Beck München 2002
  • Christian Frevel: Aschera und der Ausschließlichkeitsanspruch YHWHs : Beiträge zu literarischen, religionsgeschichtlichen und ikonographischen Aspekten der Ascheradiskussion. Weinheim, 1995. (=Bonner biblische Beiträge 94). ISBN 3-89547-061-9
  • Manfried Dietrich, Oswald Loretz: Jahwe und seine Aschera. Anthropomorphes Kultbild in Mesopotamien, Ugarit und Israel ; das biblische Bilderverbot. Münster, 1992. ISBN 3-927120-08-1
  • K.H. Bernhardt: Aschera in Ugarit und im Alten Testament. In: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung Nr.13, 1967.
  • William G. Dever: Did God have a wife? : archaeology and folk religion in ancient Israel. Grand Rapids, Mich. [u. a.] Eerdmans, 2005. ISBN 0-8028-2852-3

Einzelnachweise

  1. Otto Eissfeldt: El im ugaritischen Pantheon. Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse. Band 98, Heft 4. Akademie-Verlag, Berlin 1951, S. 13
  2. Israel Finkelstein/ Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho, 2002, S. 262

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