Pan (Mythologie)
Pan (Florenz)

Pan (griechisch Πάν) ist in der griechischen Mythologie der Hirtengott. Seiner Gestalt nach ist er ein Mischwesen aus Menschenoberkörper und dem Unterkörper eines Ziegenbockes.

Inhaltsverzeichnis

Mythos

Abstammung

Zur Abstammung des Pan gibt es mehrere mythologische Versionen.

Nach der bekanntesten war Pan ein Sohn des Hermes und der Eichennymphe Dryops. Als seine Mutter nach der Geburt feststellte, dass ihr Sohn Ziegenfüße, -hörner und einen Bart hatte, war sie so erschrocken, dass sie ihn aussetzte. Er wurde von Hermes in den Olymp gebracht. Pan erhielt aber keinen Platz im Olymp, so wurde er von Hermes wieder zur Erde auf die Insel Kreta gebracht.

Nach anderen Quellen war Pan ein Sohn des Zeus und der Kallisto bzw. des Zeus und der Nymphe Hybris.[1]

Nach einer weiteren Erzählung ist Pan ein Sohn des Kronos und der Amaltheia, also ein Halbbruder des Zeus. Die Amaltheia war zugleich die Amme des Zeus.

Darstellung

Skulptur von Pan, wie er Daphnis die Panflöte unterrichtet; ca. 100 v. Chr., gefunden in Pompeii

Er ist der Gott des Waldes und der Natur. Die Hirten verehrten Pan, fürchteten sich aber vor seinem Anblick. Doch als den Gott der Wälder und Wiesen baten sie ihn um Schutz für ihre Herden und brachten ihm dafür auch Opfer dar. Sein liebster Aufenthalt war der Berg Lykäon in Arkadien.

Der gekrümmte Hirtenstab symbolisiert die Natur der Dinge an sich und ihren Kreislauf (z. B. die Wiederkehr der Jahreszeiten).

Sein Mantel - so ist anzunehmen - ist eine Bockshaut, und in den Händen trägt er einen gekrümmten Schäferstab oder eine siebenröhrige Flöte, die Panflöte. Andere Waldgötter mit Ziegenfüßen wurden Ägipanen genannt.

Pan hat Freude an Musik, Tanz und Fröhlichkeit. Die Mittagsstunde ist ihm jedoch heilig, und er kann sehr ungehalten werden, wenn man ihn zu dieser Zeit stört. Er jagt dann z. B. ruhende Herdentiere in „panischem Schrecken“ zu jäher Massenflucht auf, woher sich das Wort Panik ableitet.

In manchen Erzählungen wird Pan auch dem Gefolge des Dionysos, dem Gott der Fruchtbarkeit und der Ekstase zugeordnet, wo er mit seiner Flöte musiziert und so die feiernde Gefolgschaft bereichert. Für seine Wollust bekannt, ist er von Nymphen und Satyrn umgeben.

Im Verlauf des christlichen Mittelalters erfuhr der altgriechische Hirtengott Pan eine negative Umdeutung, indem er äußerliches Vorbild für die christliche Mythen-Gestalt des „Teufels“ wurde (Kopfhörner, Bocksfüße). Der Habitus des aufgrund seines Verhaltens als „wolllüstig“ geltenden Ziegenbocks fügte sich schlüssig in das bereits in seinen Anfängen anti-hellenistische, tendenziell körper- und sexualfeindliche Konzept des Christentums.

Erfindung der Flöte

Skulptur des Pan (Athen, 2. Jahrhundert v. Chr.)

Die Legende der Panflöte: Pan verfolgte liebestrunken die Nymphe Syrinx, welche aber vor ihm floh. Ihre Flucht endete jäh am Fluss Ladon, wo sie sich plötzlich in ein Schilfrohr verwandelte, das Pan daraufhin umarmte. Als nun der Wind in das Rohr blies kamen klagende Töne hervor. Pan wollte die Klänge nicht verlieren, also brach er aus dem Schilfrohr sieben Teile, eines immer etwas kürzer als das vorherige, und band sie zusammen. So erfand er die Hirtenflöte und benannte sie nach der Verwandelten.

In Ovids Metamorphosen wird die Geschichte vom musikalischen Wettstreit zwischen Pan und Apollon berichtet. Richter war der Berggott Tmolos. Dieser erklärte Apollon zum Sieger, die Leier stehe über der Flöte. König Midas, der das Spiel des Pan zufällig hört, ist mit dem Urteil nicht einverstanden. Apollon ist deshalb gekränkt, weshalb er den Midas mit Eselsohren straft.

Diesen musikalischen Wettstreit hat J. S. Bach in seiner weltlichen KantateDer Streit zwischen Phoebus und Pan“ (BWV 201 - Geschwinde, ihr wirbelnden Winde) vertont.

Die besondere Liebe des Pan galt der Mondgöttin Selene.

Tod des Pan

Plutarch überliefert, dass zur Zeit des Tiberius ein ägyptischer Steuermann namens Thamus vor der griechischen Küste eine Stimme gehört habe, die ihm befahl, in Palodes kundzutun, dass „der große Pan gestorben sei“ (Ὀ μέγας Πὰν τέθνηκε)(O megas Pan tethnäke).[2] Sobald das Schiff auf der Höhe von Palodes gewesen sei, habe der Steuermann die Nachricht über das Wasser gerufen, wonach ein Wehklagen vieler Stimmen zu hören gewesen sei. Nach der Rückkehr habe Tiberius davon gehört und die Geschichte so ernst genommen, dass er Untersuchungen anstellen ließ.[3]

Salomon Reinach hat vermutet, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe und die Klage sich auf den Tod des Tammuz bezog: θαμοῦς πάνμεγας τέθνηκε (Thamos panmegas tethneke „der unendlich große Tammuz ist tot!“).[4] Dem wurde unter anderem entgegengehalten, dass der Name des Tammuz auf Griechisch Adonis ist.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Leo Vinci: Pan, Great God of Nature. London 1993, ISBN 0-9505001-8-6
  • Reinhard Herbig: Pan, der griechische Bocksgott. Frankfurt 1949
  • Hans Walter: Pans Wiederkehr. Der Gott der griechischen Wildnis. dtv, München 2001. ISBN 3-423-30811-7
  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten. dtv, München 1998. ISBN 3-423-30030-2

Weblinks

 Commons: Pan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. Zum Teil wird auch der Name Thymbris angegeben. Bibliotheke des Apollodor 1.4.1
  2. Die Lokalisierung von Palodes ist unklar.
  3. Plutarch de defectu oraculorum („Vom Verschwinden der Orakel“) 17
  4. Salomon Reinach: La Mort du grand Pan. Bulletin de correspondance hellenique 31 (1907). S. 5-19. Die Theorie geht auf W. H. Roscher zurück.
  5. A. D. Nock: Ὀ μέγας Πὰν τέθνηκε. The Classical Review, Vol. 37, No. 7/8 (1923). S. 164-165. Ausführliche Darstellung siehe auch: Philippe Borgeaud: The Death of the Great Pan: The Problem of Interpretation. History of Religions, Vol. 22, No. 3 (Feb. 1983). S. 254-283.

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