Athetose
Klassifikation nach ICD-10
R25.8 Sonstige und nicht näher bezeichnete abnorme unwillkürliche Bewegungen
G80.3 Dyskinetische Zerebralparese
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Die Athetose ist der medizinische Fachbegriff für unwillkürliche, sich langsam abspielende, ausfahrende Bewegungen von Händen oder Füßen, die meist mit Gelenküberdehnung einhergehen. Sie wird zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. Häufige Ursache ist eine perinatale Schädigung der Basalganglien, die dazu führt, dass Bewegungen nicht fließend sondern „schlagartig“ ablaufen. Die Übergänge von Athetose zu Dystonie und zu choreatischen Störungen sind fließend.

Inhaltsverzeichnis

Symptome

Die Athetose als eine der häufigsten Formen der extrapyramidalen Lähmung beruht auf einer Schädigung des Striatums (Streifenhügel, Bezeichnung für ein Teil der Basalganglien des Gehirns), wodurch die hemmende Wirkung auf die Willkürmotorik entfällt.

Das Hauptmerkmal der Athetosen ist ihre gestörte tonische Koordination, die zu hyperkinetischen Bewegungsabläufen (übermäßige Bewegungstätigkeit, unkontrollierte, langsame, schraubende Bewegungen der Gliedmaßen und des Rumpfes, unwillkürlich ablaufende Körperbewegung, Muskelzucken) führt. Bei Aufmerksamkeitszuwendung und seelischer Erregung nimmt die Bewegungsunruhe zu, im Schlaf hört sie im allgemeinen auf. Ein beobachtbares Phänomen der Athetose sind langsame, wahllose, wurm- oder schraubenförmige Bewegungen, besonders am Gesicht, der Halsmuskulatur und der distalen Gliedmaßenabschnitte. Charakteristisch sind weiterhin bizarre Überstreckungen, die Spreizung der Finger, das Grimassieren bei geöffneten und verzerrten Mund, Speichelfluss und verkrampfte Nackenhaltung, sowie die Drehbewegung des Kopfes. Der Gang ist überschießend und stolpernd, im Gegensatz zur Spastik entstehen durch die ständig wechselnde Überschussbewegungen keine Kontrakturen. Athetose und Spastik sind häufig kombiniert.

Hier ist das Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten gestört. Einerseits ein die Haltung behindernder ständig wechselnder Muskeltonus und andererseits ständig ungebremste überschießende Bewegungen in bizarren Formen, die gezielte Bewegungen behindern. Der plötzliche Verlust der Haltungskontrolle kann durch hypotone Muskelaktivität kräftemäßig nicht kompensiert werden. Überbeweglichkeit in bestimmten Gelenken kann zu Luxationen führen. Die motorische Strategieentwicklung ist nicht eindeutig erkennbar und kann fehlinterpretiert werden. Ebenso führen unwillkürliche Mimik und Gestik, Sprachstörungen zu kommunikativen Missverständnissen, die emotionale Störungen begünstigen können. Die sensomotorische Entwicklung der betroffenen Kinder ist meist stark verzögert (verspätetes Gehen, teilweise nur mit Hilfsmitteln).

Behandlungsziele

Die Behandlung zielt auf ein Verändern der Haltungskontrolle durch willkürliche Steuerung unwillkürlicher Bewegungen. Sie soll die Atmung verbessern und zur Unterstützung der Kommunikation, zur Erleichterung bei der Nahrungsaufnahme und der Selbstständigkeit bei der Fortbewegung (auch mit Hilfsmitteln) beitragen. Zudem zielt sie auf das Vermeiden von Sekundärschäden auf sensomotorischer und emotional-sozialer Ebene.

Etymologie

Athetose leitet sich vom altgriechischen PPP θετός thetós des Verbs τιθέναι tithénai „veranlassen“ ab,[1] dem ein die Bedeutung umkehrendes Alpha privativum vorangesetzt ist. Wörtlich bedeutet Athetose also etwas nicht veranlasstes, d. h. unwillkürliches.

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.
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Synonyme:

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  • athétose — [ atetoz ] n. f. • 1865; gr. athetos « non fixé » et 2. ose ♦ Neurol. Maladie nerveuse caractérisée par des mouvements involontaires lents et ondulants, surtout des extrémités, accentués par les émotions et disparaissant pendant le sommeil. ●… …   Encyclopédie Universelle

  • Athetose — Athétose L athétose désigne un mouvement involontaire, incontrôlable, incoordonné (muscles agonistes et antagonistes), lent et sinueux (reptatoire mimant le mouvement d un reptile) des membres surtout, du tronc et du visage . Elle survient suite… …   Wikipédia en Français

  • Athetōse — (griech.), ein Symptomenkomplex, bei dem die Kranken Finger und Zehen unaufhörlich langsam bewegen und oft sehr absonderliche Finger und Zehenstellungen zeigen. Die A. kommt meist im Anschluß an organische Hirnkrankheiten vor, so namentlich nach… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Athetose — Athetōse (grch.), dem Veitstanz ähnliche Krampfform, mit unablässigen, oft auch im Schlaf andauernden Krampfbewegungen der Finger und Zehen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Athétose — L athétose désigne un mouvement involontaire, incontrôlable, incoordonné (muscles agonistes et antagonistes), lent et sinueux (reptatoire mimant le mouvement d un reptile) des membres surtout, du tronc et du visage. Elle survient suite à une… …   Wikipédia en Français

  • Athetose — Bewegungsstörung * * * Athetose   [griechisch áthetos »nicht gesetzt«, »ohne feste Stellung«] die, / n, zum extrapyramidalen Syndrom gehörendes Krankheitsbild, das durch langsame, unwillkürliche und regellose Bewegungen der Gliedmaßen… …   Universal-Lexikon

  • Athetose — Atheto̱se [zu gr. ἀϑετος = nicht gesetzt, ohne feste Stellung] w; , n, in fachspr. Fügungen: Atheto̱sis, Pl.: ...o̱ses: Syndrom bei verschiedenen Erkrankungen des extrapyramidalen Systems mit unaufhörlichen, ungewollten, langsamen, bizarren… …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

  • Athetose — Athe|to|se die; , n <zu gr. áthetos »nicht gesetzt, ohne feste Stellung« u. 1↑...ose> Krankheitsbild bei verschiedenen Erkrankungen mit unaufhörlichen, ungewollten, langsamen, bizarren Bewegungen der Gliedmaßenenden (Med.) …   Das große Fremdwörterbuch

  • athésie — ⇒ATHÉTOSE, ATHÉSIE, subst. fém. MÉD. Maladie caractérisée par des mouvements spasmodiques involontaires de grande amplitude, affectant surtout les extrémités des membres et la face (d apr. GARNIER DEL. 1958). PRONONC. Seule transcr. ds LITTRÉ : a …   Encyclopédie Universelle

  • Bewegungsstörung — Athetose (fachsprachlich) * * * Be|we|gungs|stö|rung 〈f. 20〉 Störung der Beweglichkeit, der Motorik * * * Bewegungsstörung,   durch Erkrankungen oder Schädigungen im Bereich der Gelenke, Muskeln oder Nerven, auch durch seelische Störungen… …   Universal-Lexikon

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