Ptah

Ptah
Ptah in Hieroglyphen
Ideogramme
C19

C20
oder
Q3
X1
V28

Pt
oder
mit Determinativ
Q3
X1
V28
A40
Transkription Pt
Griechisch Φθα
(Phtha)
Sahidisches Koptisch ⲡⲧⲁϩ
Ptah standing.svg
Ptah mit Zepter der integrieten Symbole Anch, Was und Djed

Ptah („der Bildner“) ist einer der Götter der altägyptischen Religion. Sein Hauptkultort war Memphis, eine Stadt knapp südlich des heutigen Kairo, die über lange Zeiträume der pharaonischen Geschichte königliche Residenz war. Trotz dieser zentralen Position in der bedeutendsten Königsresidenz des alten Ägypten brachte es Ptah nie zum obersten Reichsgott und stand deshalb meist in zweiter Reihe hinter den bedeutenden Göttern Re, Osiris und Amun. Das hinderte die Priester in Memphis aber nicht daran, ein eigenes theologisches Gedankengebäude zu entwerfen, in dem Ptah zum obersten Schöpfungsgott und zum Herrn aller Götter erklärt wurde. Das Denkmal memphitischer Theologie ist bis heute eines der wichtigsten theologischen Texte des alten Ägypten zu den Themen Kosmogonie und Theogonie, also der Erschaffung der Welt und der Götter.

Inhaltsverzeichnis

Darstellung

Meist wird er als menschengestaltige Mumie in engsitzendem Gewand, mit kahlgeschorenem Haupt, einer gelben Gesichtsfarbe und enganliegender blauer Haube dargestellt. In seinen Händen, die aus den Mumienbinden herausragen, hält er einen Stab, der eine Kombination aus dem Anch-Zeichen („Leben“), dem Was-Zepter („Macht“) und dem Djed-Pfeiler („Dauer“, „Beständigkeit“) ist - Symbol für Macht und Kraft. Manchmal steht er auch auf einem Sockel oder Podest (Thronsockel), das die Form der Hieroglyphe
Aa11
(m3ˁ ) hat und deren Bedeutung auch als Symbol für Maat („Ordnung“, „Weltordnung“) stand. Ab dem Mittleren Reich trägt er einen steif abstehenden, geflochtenen Kinnbart, wie ihn ägyptische Könige trugen. In Hibis ist er vor einer Töpferscheibe sitzend und mit Königsbart abgebildet.[1]

Bedeutung

Ptah galt nach der memphitischen Theologie als Hauptschöpfergott. Er war im Prinzip eine chthonische Gottheit, also ein Erdgott, was auch immer den Aspekt der Toten- und Fruchtbarkeitsgottheit in sich barg. Als Erdgottheit formte er den Menschen aus Ton mithilfe der Töpferscheibe, was ihn auch zum Schutzgott der Handwerker machte.

Als Hauptgott von Memphis, einer Stadt, die in weiten Teilen der altägyptischen Geschichte als königliche Residenz diente, bildete er mit der Löwengöttin Sachmet und seinem Sohn, dem Lotusgott Nefertem, die Dreiheit (Triade) von Memphis. Hier wurde der Apis, der Heilige Stier von Memphis, als die Inkarnation des Gottes verehrt. Ptah galt auch als der „Uralte“, in dem sich die Wesenheit von Nun und Naunet vereinigte. Imhotep, Architekt des Djoser und Erbauer der Stufenpyramide in Sakkara, wurde häufig als Sohn des Ptah angesehen. In der 18., 19. und 20. Dynastie bildete Ptah mit Amun und Re die „Reichstriade“.[1]

Schöpfergott

Ptah galt als einer der mächtigsten Schöpfergötter. Er hat sich aus sich selbst erschaffen und trug den Beinamen „Vater der Götter, von dem alles Leben ausgeht“.[2] Die ihm zugeordneten Schöpferorgane sind Herz und Zunge. Dem „Schöpfungsmythos von Memphis“ zufolge sprach er die mit dem Herzen gebildeten Gedanken laut aus und erschuf so das Universum, den Kosmos, die Welt.[3] Er führte in Memphis eine Neunheit an, die im übrigen aus der Neunheit von Heliopolis bestand: Schu, Tefnut, Geb, Nut, Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Diese Neunheit wurde jedoch nicht durch Atum erschaffen, sondern wie das Universum, allein durch seine Gedanken und sein Wort, mit seinen schöpferischen Organen Herz und Zunge. Danach schuf er auf ebendiese Weise Orte, Götterbilder und Kultstätten sowie die Rechtsordnung. Unter allen anderen Schöpfergöttern trat er deshalb eher als „geistiger“ Schöpfer hervor. Denn der Hauptaspekt des Schöpfungsmythos von Memphis war, dass Ptah allein durch die Macht der Worte, dadurch, dass er die Namen von Mensch und Tier laut aussprach, die Welt erschaffen hat.[2]

Schutzgott der Handwerker

Als Schutzgott der Handwerker kam Ptah speziell in Karnak und Deir el-Medina, dem Handwerkerdorf im Tal der Könige, besondere Bedeutung zu, wodurch er im ganzen Land bekannt und verehrt wurde. In Memphis hatte der Hohepriester des Ptah den Titel „Oberster der Handwerksmeister“ inne.

Religiöse Weiterentwicklung

Eine Verschmelzung während des Alten Reiches mit dem falkengestaltigen Sokar, einer weiteren Gottheit aus Memphis, wird als Ptah-Sokar bezeichnet. Die weitaus tiefergreifende Verschmelzung mit dem Totengott Osiris entwickelte sich im Mittleren Reich zur Gottheit Ptah-Sokar-Osiris, die dann für Schöpfung, Tod und Auferstehung stand, und deren Abbild oft auf Grabbeigaben von Privatpersonen zu finden war. Im Neuen Reich, zur Zeit Ramses II., entstand eine weitere Verschmelzung mit dem Gott Tatenen zu Ptah-Tatenen.

In seiner Eigenschaft als Künstler beziehungsweise „Bildner“ wurde Ptah im Hellenismus, unter der Herrschaft der griechisch-makedonischstämmigen Ptolemäer, mit dem griechischen Gott Hephaistos gleichgesetzt.[4]

In der modernen Literatur

In der modernen Literatur spielt Ptah unter dem Namen Petach in dem phantastischen Roman Die Prophezeiung von Wolfgang und Heike Hohlbein eine zentrale Rolle: als Gott in menschlicher Gestalt. Außerdem repräsentiert die Figur Robert Wells in Tad Williams' Roman Otherland den Gott Ptah.

Oper

Am Schluss des ersten Aktes von Giuseppe Verdis Oper Aida wird Ptah im „Vulkantempel zu Memphis“ als Schöpfergott unter dem Namen „Phtà“ angerufen.

Literatur

  • Mary Barnett: Götter und Mythen des alten Ägypten. Verlag Gondrom 1998, ISBN 3-8112-1646-5
  • Hans Bonnet: Ptah, in: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte, Nikol Verlag Hamburg 2000 ISBN 3-937872-08-6 S. 614-619.
  • Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. Wiesbaden 1995
  • Lucia Gahlin: Ägypten - Götter, Mythen, Religionen. Edition XXL, ISBN 3-89736-312-7
  • Wolfgang Helck/Eberhard Otto: Ptah, in: Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz Verlag Wiesbaden, 1999 ISBN 3-447-04027-0 S. 227f.
  • Veronica Ions: Die großen Religionen der Welt – Götter, Mythen und Legenden. Verlag Buch und Welt 1988
  • Manfred Lurker: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter. Scherz Verlag 1998, ISBN 3-502-16430-4
  • Benedikt Rothöhler: Neue Gedanken zum Denkmal memphitischer Theologie. Heidelberg 2006 www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/7030
  • M. Sandmann-Holmberg: The God Ptah, 1946
  • Richard H. Wilkinson: Die Welt der Götter im Alten Ägypten. Glaube – Macht - Mythologie. Theis Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1819-6.

Weblinks

 Commons: Ptah – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten.S.47-48
  2. a b Lucia Gahlin: Ägypten - Götter, Mythen, Religionen.
  3. Helck/Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie.S.227-228
  4. Helck/Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie.S.228

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ptah — Divinité égyptienne Nom en hiéroglyphes …   Wikipédia en Français

  • Ptah — Saltar a navegación, búsqueda Ptah Señor de la magia , era un dios creador en la mitología egipcia. Maestro constructor , inventor de la albañilería, patrón de los arquitectos y artesanos. Se le atribuía también poder sanador. Nombre egipcio:… …   Wikipedia Español

  • Ptah — /ptah, ptahkh/, n. an ancient Egyptian deity, believed to be a universal creator and sometimes identified with other gods: worshiped esp. at Memphis when it was the royal residence. * * * In Egyptian religion, the creator god. The patron of… …   Universalium

  • PTAH — Appelé aussi Ta tenen, c’est à dire «la terre qui se soulève», Ptah est le grand dieu égyptien de Memphis. Son nom signifie peut être «le créateur» ou «le sculpteur»; de fait, Ptah est le patron de la construction, de la métallurgie et de la… …   Encyclopédie Universelle

  • Ptah — (Phtha), einer der altägypt. Hauptgötter, der als Stadtgott in der alten Residenz Memphis verehrt wurde. Seinen dortigen Tempel soll schon Menes, der erste historische König, gegründet haben. Er galt als der große Urgott, der Bildner der Welt,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ptah — era un dios de la mitología egipcia, encargado de los trabajos artesanales y de la palabra. Por eso se le asocia en ocasiones con la sabiduría. Las ciudades del Antiguo Egipo rivalizaban por ubicar a Ptah como creador del mundo (Menfis) o como… …   Enciclopedia Universal

  • Ptah — Ptah,   einer der ältesten menschengestaltigen Götter Ägyptens. Bedeutung gewann er erst gegen Ende des Alten Reiches, zunächst lokal in der Königsresidenz Memphis; hier wurden der Stier Apis als Mittler oder Erscheinungsform und die Göttin… …   Universal-Lexikon

  • Ptah — (ägypt. Myth.), so v.w. Phtha …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ptah — (Phtha), in der ägypt. Mythologie zuerst Lokalgott von Memphis, dann an der Spitze der ersten Götterdynastie, von den Griechen mit Hephaistos gleichgesetzt …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ptah — (ägyptischer Gott) …   Die deutsche Rechtschreibung


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.