Amun
Amun in Hieroglyphen
Ideogramm
C12
oder
O25
Altes Reich
M17 Y5
N35
[1]
Amun
Jmn
Der Verborgene
oder
mit Determinativ
M17 Y5
N35
[1]
A40
dito auch
M17 Y5
N35
C12

Griechisch Ammon oder Hammon
Bohairisches Koptisch ⲁⲙⲟⲩⲛ
(Amun)
In keilschriftlicher Überlieferung amâna / amûnu
Amun.svg
Amun

Amun (auch Amon, Amoun, Ammon, Amen oder seltener Imenand) ist der Wind- und Fruchtbarkeitsgott der altägyptischen Religion. Amun ist nicht zu verwechseln mit Ameni, einem Beinamen des Re.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Amun ist seit dem Alten Reich gemeinsam mit Amaunet belegt: Amun und Amaunet schützen ihre Götter mit ihrem Schatten.[1] Er stieg in der 11. Dynastie zur Lokalgottheit Thebens auf. Nachdem die Familie der Hermonthen den Bürgerkrieg der Ersten Zwischenzeit für sich entschieden hatte, versuchte sie Theben eine hinreichende Legitimation zu verschaffen.

Zu Beginn der 12. Dynastie wurde die neue Hauptstadt Theben in den Norden verlegt. Sesostris I. erweiterte nach der Verlegung von Theben den dort errichteten Tempel des Amun.

Darstellung

Amun wurde in der Vor-Amarna-Zeit als normale Menschengestalt mit Krone und Stab dargestellt. In der Nach-Amarna-Zeit, mit blauer Farbe und mit doppelter Federkrone aus zwei aufrechtstehenden Pfauenfedern.

Die blaue Haut soll die Luft und die Schöpfung symbolisieren. Das Volk verehrte ihn eher in seiner Urversion als Widder, Gott der Herden und Weiden und deren Fruchtbarkeit.

Liegende Widdersphingen auf Podesten säumten zum Beispiel in Karnak die Wege zum Tempel. Manchmal wurde er auch in Menschengestalt mit Widderkopf dargestellt.

Tägliches Opferritual

In Karnak wurde für Amun während des Neuen Reiches das nachfolgende tägliche Opferritual vollzogen:

  1. Verlassen des Sanktuars, danach Aufbrechen des Scheinsiegels und Zurückziehen des Türriegels, Öffnen der Scheintür
  2. Aufstellen des Feuerbeckens, danach Verbrennen von Weihrauch und Fett
  3. Herrichten des Grillfleisches und des Bratspießes
  4. Anheizen der Glut mit einem Fächer, danach Ablöschen mit Bier
  5. Darbringen von Weißbrot, Gebäck, Bier, Wein und Milch
  6. Reinigung des Gottesopfers mit erstem Trankopfer und Räucherung
  7. Zweites Trankopfer und Begrüßung mit dem Nemset-Krug
  8. Räucherung mit Weihrauch und Myrrhe
  9. Präsentation des täglichen Normalmenüs
  10. Ausrufen des Opfers und Anrichten des Opfertisches und Trankopfer
  11. Verbrennen der Myrrhe und Beschwörung des Gottes
  12. Schließen der Scheintür
  13. Beschwörung des Gottes und Ausrufen des Opfers, Besprengen der Wände mit Wasser
  14. Anruf an die Götter, Verwischen der Fußspur und Verriegeln der Scheintür
  15. Trankopfer und Räucherung für Re
  16. Vorbereitung des Opferumlaufes: Herrichten des Altars der Könige
  17. Rückkehr in das Sanktuar für den Opferumlauf
  18. Trankopfer und Räucherung nach dem Umleiten der Gaben
  19. Ausleuchten des Sanktuars mit einer Fackel, danach Auslöschen der Fackel
  20. Beschwörung der Opfergaben und Abendgesang

Bezüge

In Theben wurde auch als Gattin des Amun die Lokalgöttin Mut und der Sohn des Paars, der vogelköpfige Mondgott Chons verehrt.

Bedeutung bei anderen Völkern

Die Griechen identifizierten Amun mit Zeus, die Römer später mit Jupiter. So blieb der Amun-Kult auch nach dem Niedergang des ägyptischen Weltreichs noch einige Zeit erhalten.

In der griechischen Mythologie

Stele des Amun in drei Erscheinungsformen (Mensch, Gans, Widder) (Spätzeit, 25. Dynastie, um 700 v. Chr.; Fundort: Abydos, heute Ägyptisches Museum Berlin)

Amun war ein sagenhafter König von Libyen. Er hatte Rhea, die Tochter des Uranus und Schwester des Saturnus, zur Gattin.

Später wurde er seiner Frau mit Amaltheia untreu. Daraus entstand deren Sohn Bacchus, den sie der Eifersucht der Hera entziehen mussten und ihn deshalb nach Nysa (ein mythischer Berg) brachten. Hier erhielt das Kind den Namen Dio-Nysus (Dionysos) und wurden von Nymphen aufgezogen. Nach seinem Tod wurde Amun dann unter die Götter aufgenommen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Bonnet: Amun, in: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte, Nikol. Hamburg 2005. ISBN 3-937872-08-6 S. 31-37(früherer Titel: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte)
  • Adolf Erman: Die Aegyptische Religion, Verlag Georg Reimer, Berlin 1909
  • Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999. ISBN 3-447-04027-0
  • Erik Hornung: Der eine und die Vielen, Ägyptische Gottesvorstellungen, Darmstadt 1971, ISBN 3-534-05051-X (formal falsche ISBN)
  • Emil Nack: Ägypten. Das Reich der Pharaonen. Tosa-Verlag, Wien 2004. ISBN 3-85492-931-5 (früherer Titel: Ägypten und der Vordere Orient im Altertum)
  • Eberhard Otto, Max Hirmer: Osiris und Amun. Kult und heilige Stätten, 1966
  • Kurt Sethe: Amun und die Acht Urgötter von Hermopolis, 1929

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Amon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Amun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Pyramidentextspruch 446c–446d.

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