Autoantikörper

Autoantikörper (Abkürzung: AAk) sind Antikörper, die ein körpereigenes Antigen binden. Autoantikörper sind ein charakteristisches Merkmal von Autoimmunerkrankungen, sind aber beispielsweise auch nachweisbar bei Krebs oder bei Krankheiten, die mit einem chronischen Verlust an Körperzellen verbunden sind. Sie können dabei entweder an der Entstehung der Erkrankung ursächlich beteiligt sein, den Verlauf beeinflussen oder aber nur als Begleitphänomen ohne Relevanz für das klinische Bild auftreten. Für eine Reihe von Autoimmunerkrankungen ist die Rolle der identifizierten Autoantikörper umstritten oder noch nicht vollständig geklärt.

Autoantikörper sind vor allem für diagnostische Zwecke von Interesse. Zum einen ermöglichen sie die Absicherung einer Verdachtsdiagnose bei unspezifischen Symptomen. Darüber hinaus kann ihr Nachweis auch zur Unterstützung bei der Differentialdiagnose zwischen verschiedenen Formen einer Erkrankung genutzt werden, wie beispielsweise bei der Unterscheidung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Bei einigen Erkrankungen sind Autoantikörper ein wichtiger diagnostischer Parameter zur Verlaufskontrolle. Auch eine prädiktive Diagnostik, basierend auf dem Nachweis spezifischer Autoantikörper noch vor dem Auftreten von klinischen Symptomen, ist bei einigen Erkrankungen möglich. Einige Autoantikörper treten allerdings bei verschiedenen Erkrankungen auf, so dass für eine spezifische Diagnose in diesem Fall weitere Parameter notwendig sind.

Therapeutische Ansätze, deren Ziel die Unterdrückung oder Reduzierung von Autoantikörpern ist, befinden sich für einige Erkrankungen in der klinischen Erprobung.

Beispiele

Rheumafaktoren sind Immunglobuline, die gegen den Fc-Teil von IgG gerichtet sind. Sie finden sich häufig bei Patienten mit rheumatoider Arthritis. Hohe Titer korrelieren zwar mit der Schwere der Erkrankung, sind jedoch nicht spezifisch.

Antinukleäre Antikörper (ANA) sind Autoantikörper, die vor allem bei Kollagenosen auftreten und gegen intranukleäre Antigene gerichtet sind.

Anti-DNA-Antikörper können gegen Doppelstrang (ds) DNA und Einzelstrang (ss) DNA gerichtet sein. Anti-Doppelstrang-DNA-Antikörper sind für den systemischen Lupus erythematodes relativ spezifisch und korrelieren in der Regel mit dem Krankheitsverlauf.

Autoantikörper und assoziierte Erkrankungen
Autoimmunerkrankung Autoantikörper Antigene
Rheumatoide Arthritis Rheumafaktor Immunglobulin G Fc-Teil
Morbus Basedow Thyreoidea-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) Thyreotropin-Rezeptor
Myasthenia gravis Anti-Acetylcholin-Rezeptor Acetylcholin-Rezeptor
Systemischer Lupus erythematodes Anti-Doppelstrang-DNA
Anti-Sm
Doppelstrang-DNA
Sm-Ribonukleoprotein
Goodpasture-Syndrom Anti-Typ IV-Kollagen Typ IV-Kollagen
Sklerodermie Anti-Scl-70 DNA-Topoisomerase
Polymyositis / Dermatomyositis Anti-Jo-1 Histidyl-Synthetase
Morbus Wegener Anti-Proteinase 3 Proteinase 3
Pemphigus vulgaris Anti-Plakoglobin, Anti-Desmoglein III Plakoglobin, Desmoglein III
Sjögren-Syndrom Anti-SS-A (Ro), Anti-SS-B (=La) Ribonukleoprotein
Diabetes mellitus Typ 1 IAA
ICSA
GADA
IA2 (synonym: ICA512)
Insulin
Inselzelloberflächen-Antigene
Glutamatdecarboxylase (überwiegend GAD65, aber auch GAD67)
Tyrosinphosphatase
Zöliakie ARA
EMA
Anti-tTG
Reticulin
Endomysium
Tissue Transglutaminase

Eine umfangreiche, aber ebenfalls unvollständige Liste von Autoantikörpern hat Åke Lernmark zusammengestellt.[1]

Einzelnachweise

  1. Lernmark, A.: Autoimmune diseases: are markers ready for prediction? (Autoantikörper-Liste). In: J Clin Invest. 108, Nr. 8, 2001, S. 1091–1096. PMID 11602614.
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