Aérotrain
Aérotrain im Technik Museum Speyer (Prototype Nr.02)

Der Aérotrain war ein Konzept einer mit Strahltriebwerken angetriebenen Einschienen-Luftkissenschwebebahn, das in Frankreich von 1965 bis 1974 verfolgt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Luftkissenfahrzeugtechnik nahm 1958 ihren Anfang; auch Jean Bertin, französischer Pionier auf diesem Gebiet, begann zu diesem Zeitpunkt mit seinen Arbeiten. Er gelangte schnell zum Konzept eines spurgeführten Luftkissenfahrzeugs und schaffte es 1965, dafür staatliche Subventionen zu erhalten.

Es entstanden zwei Teststrecken. Die erste, 6,7 km lange Strecke wurde zwischen Gometz-le-Châtel und Limours im Département Essonne gebaut. Die zweite Strecke war 18 km lang, verlief in gerader Linie als Teilstück der geplanten Strecke Paris-Orleans zwischen den Ortschaften Assas und Saran im Département Loiret und wurde 1969 fertiggestellt.

Die Aérotrain-Technik wurde letztlich, ebenso wie gleichzeitig verfolgte Konzepte für gasturbinengetriebene Hochgeschwindigkeitszüge zu Gunsten des TGV-Konzepts wieder aufgegeben.

Technik

Fahrbahn

Beide Versuchsstrecken hatten ein umgekehrt T-förmiges Betonprofil mit Wendeplattformen an beiden Enden, da die Züge nicht rückwärts fahren konnten. Die erste Versuchsstrecke zwischen Gometz-le-Châtel und Limours war ebenerdig ausgeführt. Die zweite Versuchsstrecke zwischen Assas/Ruan und Saran war fünf Meter über dem Boden aufgeständert. Auf halber Strecke befand sich die Wartungsplattform.

Antrieb

Erste Versuchsantriebe erfolgten mit Propellern und Raketenmotoren, später durch ein Strahltriebwerk. Nach der Ölkrise 1972 wurde geplant, das System mit einem Linearmotor zu betreiben, was jedoch nicht zum Zuge kam.

Leistungen

Verschiedene Versuchsfahrzeuge von bis zu 22 t Masse führten mehrere tausend Fahrten auf den beiden Strecken durch. Dabei wurden mehrere internationale Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Trotzdem kam es nie zu einer kommerziellen Realisierung.

Auf der Strecke Gometz-le-Châtel und Limours stellte der Aérotrain 01 am 14. November 1967 einen Geschwindigkeitsrekord mit 345 km/h auf und zwischen Assas und Saran wurde am 5. März 1974 mit 430,2 km/h ein weiterer Rekord für Schienenfahrzeuge aufgestellt.

Bedeutung und Ende

Der Aérotrain war eines der technischen Statussymbole des Frankreichs der 60er-70er Jahre wie die aufstrebende Nukleartechnik, das Gezeitenkraftwerk Rance, die Concorde oder Schiffe wie die "France".

Warum es über den Versuchsbetrieb hinaus nicht zur weiteren Verbreitung kam, kann teils mit technischen Nachteilen begründet werden. Dies waren vor allem der hohe spezifische Energieverbrauch, der durch die erste Ölkrise besonderes Gewicht bekam und der hohe Lärmpegel.

Weitere Probleme waren die schwierige Ausführung von Weichen-Konstruktionen und die Inkompatibilität zum herkömmlichen Schienennetz, wie es auch vergleichsweise für die Magnetschwebebahn gilt.

Daneben werden auch Streitigkeiten angeführt zwischen der den Aérotrain fördernden Raumplanungsbehörde und der SNCF, die einen konventionellen Hochgeschwindigkeitszug, den TGV, bevorzugte.

Heute verfällt die teilweise abgerissene Versuchsanlage und seit 2007 ist auf dem Gelände der Teststrecke die größte Photovoltaik-Anlage Frankreichs geplant.[1]

Wegen des Baus der französischen A19 wurde 2 km nördlich von Chevilly ein 120 m langes Stück der Test-Trasse des Aérotrain urbaine nördlich von Orléans abgerissen, wodurch die Trasse unterbrochen wurde.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Guichard Mourad (20. Juni 2007): Le photovoltaïque prend la voie de l’aérotrain. Liberation.fr. Abgerufen am 12. August 2010.

Siehe auch

 Commons: Aérotrain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Schienenzeppelin


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