Bad- und Waschanstalt Winterthur
Die Winterthurer Bad- und Waschanstalt, Aquarell von Jakob Ziegler-Sulzberger, 1868

Die Bad- und Waschanstalt Winterthur (auch Badanstalt Badgasse oder - in Anspielung auf den auffälligen Baustil - Badewannenmoschee[1]) war das erste Hallenbad der Schweiz. Es existierte von 1864 bis 1915 in der Altstadt Winterthurs an der Ecke Badgasse/Neustadtgasse.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte die Medizin den Zusammenhang zwischen Volksgesundheit und Hygiene und forderte - namentlich in Industriestädten mit starker Zuwanderung und sozialen Problemen - die Schaffung ausreichender Hygienemöglichkeiten für die gesamte Bevölkerung. Badewannen oder gar ganze Badezimmer in Privathäusern waren damals noch ein Privileg der bessergestellten Schichten.

Die ersten öffentlichen Badeanstalten Europas wurden 1842 in Liverpool, 1845 in London und 1854 in Hamburg eröffnet. 1864 zog mit Winterthur die erste Schweizer Stadt nach und eröffnete ein prachtvolles, in maurischem Stil gehaltenes Badehaus. Der von Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss geplante Bau wurde 1862 begonnen und 1864 fertiggestellt. Es sollte ganze 44 Jahre lang bis zur Eröffnung des Volksbad St. Gallen 1906 auch das einzige Hallenbad der Schweiz bleiben.

Ausstattung

Die Anlage umfasste zwölf Marmorwannenbäder, zwei Duschen, ein türkisches Bad mit Abkühlraum und ein Schwimmbad. Dieses war mit 12x8m - bei einer Tiefe zwischen 80cm und 1.8m - auch für die damaligen Verhältnisse sehr klein und sollte daher in seiner Art ein Unikat bleiben. Auch die Innenausstattung mit Hufeisenfenstern und Ornamenten erinnerte an die Badekultur des Orients. Der Kamin hatte die Form eines Minaretts.

Das Bad war nur während der Sommermonate von Mai bis Oktober offen. Wie zu jener Zeit üblich, war der Badebetrieb streng nach Geschlechtern getrennt.

Schliessung

1911 wurde in Winterthur mit dem Hallen- und Freibad Geiselweid das erste künstliche und noch bestehende Freibad der Schweiz eröffnet. Die Badanstalt hatte damit ausgedient und wurde 1915 geschlossen. Das Gebäude diente in der Folge als Gantlokal und sollte 1975 abgerissen werden, was aber nach Bürgerprotesten unterblieb. Heute beherbergt es eine Polizeiwache.

Fotos: die „Badewannenmoschee“ heute

Siehe auch

Literatur

  • Das Volksbad St. Gallen; Von der Pioniertat zum Kulturgut; Rolf Wirth, St. Gallen, 2006 ISBN 978-3-7291-1113-4

Weblinks

Belege

  1. Karl Keller, Winterthurer Stadtbaumeister, in: Winterthurer Jahrbuch 1981, Seite 147
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