Sowjetische Aktiengesellschaft

Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) war die Bezeichnung für Wirtschaftsbetriebe in der SBZ/DDR, die von der sowjetischen Besatzungsmacht gegründet und geleitet wurden. Hauptzweck der Sowjetischen Aktiengesellschaften war die Abdeckung von Reparationsansprüchen der UdSSR.

Geschichte

Zu den SAG-Betrieben gehörten rund 200 in sowjetisches Eigentum überführte größere Industriebetriebe in der SBZ/DDR. Die bereits 1945 enteigneten Großbetriebe wurden ab Mitte 1946 als Sowjetische Aktiengesellschaften nach deutschem Aktienrecht gegründet. Ein Teil der SAG-Betriebe wurden neu aufgebaut. Dazu gehörte der größte Teil des Schiffbaus an der Ostseeküste und Teilbereiche des Schwermaschinenbaus. Hundertprozentiger Eigentümer war die Hauptverwaltung des sowjetischen Vermögens im Ausland beim Ministerrat der UdSSR. Die Betriebe unterstanden der Verwaltung für Angelegenheiten der sowjetischen staatlichen Aktiengesellschaft in Deutschland der SMAD. Nach dem Volksaufstand von 17. Juni 1953 wurden mit Wirkung zum 1. Januar 1954 die Reparationszahlungen eingestellt und die letzten 33 sowjetischen Aktiengesellschaften in Eigentum der DDR überführt.

Eine Besonderheit stellt hier die SAG Wismut dar. Dieser Reparationsbetrieb war keine SAG wie oben beschrieben. Die Wismut wurde mit dem Beschluss des Ministerrates der UdSSR vom 10. Mai 1947 in Moskau gegründet. Die Hauptaktionäre der SAG Wismut waren mit 70 Prozent der Aktien die Hauptverwaltung des sowjetischen Vermögens im Ausland, die dem Ministerium für Außenhandel der UdSSR unterstand sowie die Staatliche Aktiengesellschaft für Buntmetalle, die dem Ministerium für Buntmetallurgie unterstand, mit 30 Prozent der Aktien. Am 4. Juni 1947 wurde durch die Generalversammlung der Aktionäre der Beschluss zur Gründung einer Zweiggesellschaft in Deutschland gefasst. Diese wurde am 2. Juli 1947 in Aue in das Handelsregister eingetragen. Die Wismut unterstand direkt sowjetischer Verwaltung. Zum 31. Dezember 1953 wurde die SAG Wismut liquidiert. Sämtliches Eigentum wurde am 1. Januar 1954 von der neu gegründeten Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut übernommen.

Im besetzten Nachkriegsösterreich verwaltete die UdSSR bis 1955 etwa 300 Betriebe unter einer Holding mit der Bezeichnung USIA.

Literatur

  • Wolfgang Mühlfriedel: SAG-Betriebe – Schulen des Sozialismus. Eine Skizze der historischen Entwicklung des staatlichen sowjetischen Eigentums an industriellen Produktionsmitteln in der sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik. in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1980/4, Akademie-Verlag, Berlin 1980, S. 159–186 (Digitalisat des gesamten Jahrbuches).

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