Bahnstrecke Kautenbach–Wiltz
Kautenbach–Wiltz
Kursbuchstrecke: Linn 10
Streckenlänge: 9,48 km
Legende
Strecke – geradeaus
von Luxemburg
Bahnhof, Station
0,0 Kautenbach Keilbahnhof
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Troisvierges
Haltepunkt, Haltestelle
Merkholtz
Haltepunkt, Haltestelle
Paradiso
   
9,4 Wiltz
   
ehemalig nach Bastogne
Haltepunkt Paradiso

Die Bahnstrecke Kautenbach–Wiltz (CFL Linn 10) ist eine 9,48 Kilometer lange elektrifizierte Nebenbahn in Luxemburg und verbindet die Stadt Wiltz mit dem an der Luxemburger Nordstrecke liegenden Bahnhof Kautenbach im Kiischpelt.

Erste Überlegungen zur Anbindung von Wiltz gab es bereits während der Planung der Nordstrecke 1860. Eine direkte Anbindung, d. h. eine Verschwenkung der Hauptstrecke nach Wiltz, wurde sehr schnell verworfen, so dass nur der Bau einer Anschlussstrecke in Frage kam. Als Abzweigungsbahnhof waren sowohl Kautenbach als auch Wilwerwiltz in Gespräch, wobei sich der Anschluss von Kautenbach aus aufgrund der einfacheren Geländeverhältnisse und der kürzeren Entfernung durchsetzen konnte. Mit der "Prinz-Heinrich-Eisenbahngesellschaft" entstand 1869 eine zweite Eisenbahngesellschaft in Luxemburg. Ziel war ein zweites, von der WL unabhängiges Netz, das die luxemburgischen Eisenerzvorkommen mit Kohlevorkommen in Belgien und Deutschland verbinden sollte. Diese Gesellschaft realisierte 1880/81 die heutige Strecke von Kautenbach nach Wiltz. Eröffnet wurde sie am 1. Juni 1881. Aus Kostengründen wurde der Mindestradius für die Kurven auf 200 m reduziert. So sparte man einige Brücken und Tunnel, außerdem konnte die Länge der Geländeeinschnitte verkürzt werden. Die maximale Steigung liegt bei 1,5 %.

Am 1. Juli 1888 wurde die Weiterführung von Wiltz zur belgischen Grenze und damit die Verbindung nach Bastogne eröffnet. Die geplanten Verbindungsstrecken über Redange oder Reichlingen zur Attertlinie sowie über Oberbesslingen nach Troisvierges, die zwischen Wiltz und der Grenze auf die Strecke nach Bastogne treffen sollten, wurden nie gebaut. Allerdings gab es seit 1885 eine Verbindung von Libramont über Bastogne nach Gouvy.

1907 und 1916 erhielten die Steinbrüche bei Merkholtz einen Bahnanschluss, die Haltestelle Merkholtz 1907 einen Wartesaal. Die Strecke war aber, abgesehen von einigen Jahren, immer ein Verlustbetrieb.

Genau wie die Nordstrecke gab es auch hier während der Ardennenoffensive starke Zerstörungen. Nur der Bahnhof in Kautenbach blieb weitgehend verschont. 1945 war der Betrieb bis Wiltz wieder möglich, erst 1946 bis Bastogne.

Im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg führten die CFL 1948 einen vereinfachten Nebenbahnbetrieb ein. Bereits 1950 wurde der Personenverkehr auf dem belgischen Teil eingestellt. Die CFL setzten seither nur noch Triebwagen bis Schimpach, also bis zur Grenze, ein. Am 24. September 1967 wurde schließlich ab Wiltz der gesamte Personen- und Güterverkehr eingestellt. Dieser Teil der Strecke wurde (durchgehend bis Bastogne) in einem Radweg umgewandelt.

Auf der verbleibenden Stichstrecke von Kautenbach nach Wiltz wurden 1969 der Oberbau und die Gleise erneuert sowie 1981 die Bahnhofsgebäude renoviert. Im Rahmen der Elektrifizierung der Nordstrecke wurde auch diese Strecke 1991 elektrifiziert (Eröffnung am 20. April 1991). In den Jahren 2001 und 2004 wurde schließlich eine komplette Sanierung der Strecke, auch des Unterbaus und der Brücken, vorgenommen (offizielle Neueröffnung 2005, Video siehe [1]).

Nahverkehr findet auf der Strecke in Form von Regionalexpress-Zügen und Regionalbahnen im Stundentakt statt, die meisten dieser Züge sind über die Nordstrecke nach Luxemburg-Stadt durchgebunden und haben den Laufweg Luxemburg–Mersch–Ettelbruck–Kautenbach–Wiltz. Eingesetzt werden Wendezüge mit Elektroloks der Baureihe 4000 und Elektrotriebwagen der BR 2000 vonDe Dietrich Ferroviaire.

Die Haltepunkte Paradiso und Mäerkels werden nicht von allen Zügen bedient (nur RBs) und sind außerdem Bedarfshalte.

Weblinks

Quellen

  • Ed Federmayer (2007): Eisenbahnen in Luxemburg. Band 1. - Wolfgang Herdam Fotoverlag, Gernrode/Harz

Fußnoten

  1. Reportage zur Neueröffnung 2005

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