Baltische Operation

Die Baltische Operation (russisch Прибалтийская операция) war eine Schlacht zwischen Verbänden der Roten Armee und Verbänden der deutschen Wehrmacht an der Ostfront, die vom 14. September bis zum 24. November 1944 andauerte und in deren Folge fast das gesamte Baltikum sowjetisch besetzt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Truppenstärke

Die deutsche Heeresgruppe Nord unter Ferdinand Schörner und die deutsche 3. Panzerarmee unter Erhard Raus hatten eine Stärke von zusammen etwa 730.000 Soldaten, 7000 Geschützen und Mörsern, 1200 Panzern und 400 Flugzeugen. Ihr gegenüber standen vier sowjetische Fronten (1. Baltische Front unter Hovhannes Baghramjan, 2. Baltische Front unter Andrei Jerjomenko, 3. Baltische Front unter Iwan Maslennikow und die Leningrader Front unter Leonid Goworow) mit einer Gesamtstärke von ungefähr 900.000 Soldaten, 17.500 Geschützen, 3000 Panzern und 2500 Flugzeugen.

Verlauf

Am 14. September eröffneten die Truppen der drei baltischen Fronten die Rigaer Operation. Die 1.Baltische Front durchbrach deutsche Verteidigung und stieß am Ende des dritten Tages bereits 50 Kilometer vor. Das deutsche OKW befahl der Gruppierung „Narwa“ aus Estland und der linken Flanke der 18. Armee vom Wirzsee den Rückzug, um die deutsche Gruppierung bei Riga zu verstärken (Unternehmen Aster). Am 16. September erfolgten zwei erfolglose deutsche Gegenschläge, um die Lage der Truppen südlich von Riga zu erleichtern. Die Truppen der 2. und 3. Baltischen Front konnten in den ersten drei Tagen die deutsche Verteidigung nicht durchbrechen.

Am 17. September startete die Leningrader Front mit der Unterstützung der Baltischen Flotte die Tallinner Operation. Sie waren erfolgreich und nahmen am 22. September die Stadt Tallinn ein. Am 23. September begann die 18. deutsche Armee, sich zur Sigulda-Verteidigungslinie zurückzuziehen, die sich im Abstand von etwa 60 bis 80 Kilometern rund um Riga erstreckte. Die 3. Baltische Front nahm die Verfolgung auf. Am 22. September erzielten auch die Truppen der 2. Baltischen Front den Durchbruch, wurden aber zusammen mit der 3. Baltischen in der Sigulda gestoppt. Die Leningrader Front hatte bis zum 26. September ganz Estland mit Ausnahme der Inseln (Dagö, Ösel und Moon) eingenommen.

Vom 27. September bis zum 24. November führte die Leningrader Front zusammen mit der Baltischen Flotte die Moonsund-Operation durch, in deren Folge die von der deutschen Wehrmacht besetzten Inseln von der Roten Armee erobert wurden.

Bei Riga lagen bis zu 30 Divisionen der Wehrmacht, der Frontanschnitt von Auze bis zur Memel wurde aber nur durch acht deutsche Divisionen der deutschen 3. Panzerarmee verteidigt. Deswegen entschied sich die STAWKA für einen Angriff in diese Richtung. Am 5. Oktober begann die 1. Baltische Front mit Unterstützung der 39. Armee der 3. Weißrussischen Front die Memeler-Operation. Am 10. Oktober erreichten sie die Ostsee nördlich und südlich von Klaipeda und schlossen somit die Stadt Klaipeda (dt. Memel) ein. Das OKW begann am 6. Oktober mit der Evakuierung der Truppen nach Kurland. In der Nacht zum 6. Oktober begannen die 2. und 3. Baltische Front den Angriff auf Riga und nahmen die Stadt am 15. Oktober ein.

Am 16.Oktober wurde die 3. Baltische Front aufgelöst und die Truppen der 1. und 2. Baltischen Front setzten die Offensive in Richtung Tukums und Saldus fort. Am 22. Oktober erreichten sie die Tukums-Verteidigungslinien und schlossen somit die deutsche Armeen in Kurland ein.

Verluste und Folgen

Die Rote Armee stieß auf einer 1000 Kilometer breiten Front bis zu 300 Kilometer nach Westen vor, besetzte Estland, Lettland und Litauen, zerschlug 26 deutsche Divisionen (drei davon komplett),[1] blockierte 27 weitere Divisionen im Kurland-Kessel,[2] wo diese sich am 8. Mai 1945 schließlich ergaben. Die Rote Armee verlor nach eigenen Angaben 218.622 Soldaten (darunter 61.468 Tote und Vermisste), 522 Panzer und Sturmgeschütze, 2.593 Geschütze und 779 Kampfflugzeuge.[3].

Einzelnachweise

  1. http://www.rustrana.ru/article.php?nid=21738
  2. http://bse.chemport.ru/pribaltijskaya_operatsiya_1944.shtml
  3. G.F. Krivosheev, Soviet Casualties in the Twentieth Century, London 1997, S. 149 u. S.263

Literatur

Bei der Betrachtung sowjetischer Quellen mit Ausnahme von Samisdat- und Tamisdat-Literatur, die bis zum Jahr 1987 veröffentlicht wurden, muss die Tätigkeit der sowjetischen Zensurbehörden (Glawlit, Militärzensur) bei der Revision diverser Inhalte im Sinne der sowjetischen Ideologie berücksichtigt werden. (→Zensur in der Sowjetunion)

  • Duncan Anderson, Stephen Walsh, Lloyd Clark. The Eastern Front, Zenith Imprint (2001), ISBN 0-7603-0923-X
  • D. Muriyev. Preparations, Conduct of 1944 Baltic Operation Described, Military History Journal (USSR Report, Military affairs), 1984-9
  • Alexander Stilwell, Max Hastings. The Second World War: A World in Flames, Osprey (2004}, ISBN 1-84176-830-8
  • Melzer, W. Der Kampf um die baltischen Inseln
  • Niepold, G. Panzeroperationen Doppelkopf und Cäsar
  • Ziemke, E.F. Stalingrad to Berlin
  • Bagramyan So schritten wir zum Sieg

Weblinks


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