Baschkiren
Baschkiren in idealisierter Nationaltracht
baschkirischer Bogenschütze, Darstellung des 19. Jahrhunderts

Die Baschkiren (baschkirisch Башҡорт, Башҡорттар Bashqort, Bashqorttar) sind eine turksprachige Ethnie im russischen Uralgebirge. Sie sind das namensgebende Volk Baschkortostans.

Etwa 68 Prozent der Baschkiren leben als Titularnation in der russischen autonomen Republik Baschkortostan, der Rest in Tatarstan und den Nachbarrepubliken. Anders als die anderen turksprachigen Bevölkerungsgruppen der Region werden die Baschkiren nicht den Wolga-Ural-Tataren zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Die Hypothesen der Herkunft

Version über die finno-ugrische Ethnogenese[1][2]

Im Allgemeinen werden die Baschkiren als Teil der Finno-Ugrier und der Wolga-Magyaren angesehen, der erst spät turkisiert wurde und eine Variante des Tatarischen annahm. Die Baschkiren selbst sehen sich als Nachkommen jener Nogaier, die am südlichen Ural siedelten.[3]

Die Baschkiren waren bereits Anfang des 10. Jahrhunderts als nomadisierende Viehzüchter zwischen Wolga, Kama und Ural ansässig, bis sie im 13. Jahrhundert von den Mongolen unterworfen wurden. Ab dem 16. Jahrhundert wurden sie mit der Eroberung der mongolischen Khanate durch Iwan IV. russische Untertanen. Im heutigen Russland sind sie das zweitgrößte muslimische Volk. Zusammen mit den Tataren waren sie für ihre Bienenzucht bekannt. Sie züchten gelockte Ponys, die Baschkire genannt werden. Sie nutzen sie als Reit- und Zugtiere, zur Fleischproduktion und zur Milchgewinnung.

Version über die turkstämmige Ethnogenese

Die turksprachige Ethnizität der Baschkiren lässt sich laut dem deutschen Schriftsteller und Historiker Michael Hess bis ins Altertum nach Zentralasien zurück verfolgen. Hierbei geht es vor allem um die Ethnogenese der sieben Stämme der Baschkiren.[4] Eine weitere Version basiert darauf, dass die arabischen, persischen und mittelasiatischen Autoren über die Baschkiren wie über Türk schreiben. Unter ihnen Achmet ibn Fadlan, Massudi, Sharif Idrissi, Raschid at-Dyn, Machmud Kaschgari.[5][6][7]

Ein Baschkire aus dem Clan der Men und die Darstellung des skythen-baschkord-ischkusa auf der griechischen Vase Olwii (4. Jahrhundert v. Chr.)

Version der iranischen Ethnogenese

Unter der iranischen Theorie der Herkunft der Baschkire werden die mittelalterlichen Völker des Urals und des Kaspischen Meeres herangezogen, die man heute unter den Namen Saken/Sarmaten, Dacho/Massageten summiert.[8][9][10][11][12]

Größe

Insgesamt gibt es weltweit ca. 1,8 Millionen Baschkiren. Davon entfallen auf:

Religion

Siehe Islam in Russland.

Geschichte

Siehe Geschichte der Republik Baschkortostan.

Anthropologische Besonderheit

Die anthropologische Besonderheit spiegelt sich im Volkswesen der Baschkiren und ihren ursprünglich 7 Stämmen wider. Jeder dieser Stämme hatte eine spezifische anthropologische Eigenheit, aus der sich durch Vermischung später die baschkirische Nation formte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts z.B. ging aus den ersten anthropologischen Studien für Baschkiren und Meschtscherjaken (einen assimilierten Teilstamm der "Baschkiren" mit meist blonden Haaren) folgendes Resultat hervor[16]:

  1. Die Baschkiren und die Meschtscherjaken sind Mischvölker.
  2. Es gibt anthropologisch weder einen Baschkirentypus, noch einen Meschtscherjakentypus.
  3. Die Baschkiren gehören anthropologisch zu den Turkvölkern, während die Meschtscherjaken wahrscheinlich finnischer Abstammung sind.

Des Weiteren wird in Berg-Baschkiren und Steppen-Baschkiren unterteilt.[17]

Quellen

  1. Decsy Gy: Einführung in die finnisch-ugrische Sprachwissenschalft. Wiesbaden, 1965, стр. 149—150.
  2. М. И. Артамонов: История хазар. М.-Л., 1962, С.338.
  3. Das Lexikon des Zeitungslesers (1888), abgerufen am 19. November 2011
  4. Michael Hess: Relativische Prädikationen im Baschkirischen, Otto Harrassowitz Verlag 2008, S. 185: Im Jahre 884, steht da, brachen die von unserem Herrgott erschaffenen sieben Anführer, die man "Hetu Moger" nannte, aus dem Osten, aus dem Land der Skythen, auf. Vermutlich ist "[...] aus dem Land der Skythen [...]" das zentralasiatische Gebiet zwischen dem Altai-Gebirge und dem Aralsee gemeint. Diese geografische Benennung kann ein Indiz dafür genommen werden, dass die turksprachige Ethnizität der heutigen Baschkiren auch zentralasiatische Wurzeln trägt.
  5. Р. Г. Кузеев: Происхождение башкирского народа, М, Наука, 1974
  6. Янғужин Р. З. Башҡорт ҡәбиләләре тарихынан (Из истории башкирских племён). Өфө: «Китап», 1995
  7. Кузеев Р. Г.: Народы Поволжья и Приуралья, М. Наука, 1985.
  8. С. И. Руденко. Башкиры. М.-Л., Наука, 1955, с.351.
  9. К. Ф. Смирнов. Ранние кочевники Южного Урала//Археология и этнография Башкирии. Т.IV. Уфа, 1971. С.72.
  10. Р. М. Юсупов. Краниология башкир. — Л., Наука, 1989.
  11. Погребова М. Н., Раевский Д. С. Ранние скифы и Древний Восток. М., 1992. С. 198—199.
  12. Галлямов С. А. Башкорды от Гильгамеша до Заратуштры. Уфа, РИО РУНМЦ Госкомнауки РБ, 1999.
  13. Всероссийская перепись населения 2002 года. perepis2002.ru. Abgerufen am 20. Juni 2011.
  14. http://www.ide.go.jp/English/Publish/Mes/pdf/51_cap1_2.pdf (Link nicht mehr abrufbar)
  15. http://www.ukrcensus.gov.ua/eng/results (Link nicht mehr abrufbar)
  16. A. Bastian, R. Hartmann, R. Virchow, A. Voss: Zeitschrift für Ethnologie, Organ der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Berlin 1892, S.216
  17. A. Bastian, R. Hartmann, R. Virchow, A. Voss: Zeitschrift für Ethnologie, Organ der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Berlin 1892, S.212

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