Wasserverband Hessisches Ried

Wasserverband Hessisches Ried

Der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) ist ein Wasser- und Bodenverband. Aufgabe des Verbandes ist die Bewirtschaftung des Grundwassers im Hessischen Ried. Sitz des 1979 gegründeten Verbandes ist Biebesheim am Rhein.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe und Geschichte

Der zum Bundesland Hessen gehörende nordöstliche Teil der Oberrheinebene, das Hessische Ried, weist nur relativ geringe jährliche Niederschläge auf. Ursprünglich eine Sumpflandschaft, wurde das Gebiet vor allem in den 1930er Jahren durch verschiedene Maßnahmen zur Entwässerung landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Dadurch wurde der Wasserhaushalt verändert und auch in die Grundwasserleiter eingegeriffen. Das Ried ist als wichtiger Grundwasserspeicher für das Rhein-Main-Gebiet von Bedeutung, aus dem seit Mitte der 1960er Jahre doppelt soviel Wasser wie zuvor gefördert wurde.[1] In einer Trockenperiode von 1970 bis 1976 sank der Grundwasserspiegel um mehrere Meter; die Folge waren Setzungsrisse an Gebäuden und Straßen, das Trockenfallen von Brunnen sowie Vegetationsschäden.

1979 wurde die Gründung des Wasserverbandes Hessisches Ried beschlossen. Mit aufbereitetem Rheinwasser sollte der Absenkung des Grundwasserspiegels auf zwei Wegen begegnet werden: Einmal sollte die Landwirtschaft im Ried von diesem Oberflächenwasser ausreichende Mengen zur Bewässerung der Felder erhalten, statt selbst Grundwasser zu entnehmen; zum anderen sollte das Wasser in den Untergrund infiltriert werden, um so Grundwasser künstlich anzureichern. 1989 wurde mit der Wasseraufbereitung begonnen, in den Folgejahren wurden die Anlagen ausgebaut, ein weiterer Ausbau ist vorgesehen. Ab April 2005 hat Hessenwasser die Geschäftsführung des Wasserverbandes übernommen.

1991 war eine weitere Trockenperiode zu verzeichnen, in den Jahren 1982, 1988 und 2001 waren sehr hohe Grundwasserstände zu verzeichnen.[2] Infolgedessen kam es 2001 im Hessischen Ried wie auch in anderen Regionen zu Vernässungen: Landwirtschaftliche Flächen standen unter Wasser, in zahlreichen Orten kam es zu Kellervernässungen.

Anlagen und Betrieb

Zur Grundwasseranreicherung werden bei Biebesheim dem Rhein bei Strom-Kilometer 463,6 bis zu 5400 Kubikmeter Wasser pro Stunde entnommen. Dies entspricht einem Tausendstel des mittleren Abflusses des Rheins an dieser Stelle. Das Rheinwasser wird im Wasserwerk Biebesheim zu einem Wasser mit Trinkwasserqualität aufbereitet. Zur Verteilung des Wassers steht ein 30 km langes Leitungssystem zur Verfügung. Nördlichster Punkt des Leitungsnetzes ist Dornheim bei Groß-Gerau, der südlichste Lampertheim an der Grenze zu Baden-Württemberg. Ein Teil des Wassers wird für Beregnungsanlagen auf einer Fläche von 33.200 ha der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt, der andere Teil wird für Grundwasseranreicherungsanlagen verwandt. Letztere befinden sich in der Nähe von Grundwasserentnahmestellen und sollen einer Absenkung des Grundwasserspiegels entgegenwirken. Grundwassermessstellen überwachen den Grundwasserspiegel, der durch die Anreicherung innerhalb einer festgelegten Schwankungsbreite[3] bleiben soll.

Einzelnachweise

  1. nach Grundwasserbewirtschaftungsplan Hess. Ried 1999
  2. zu Vernässungen siehe Gesamtkonzept zur Vermeidung von Vernässungen im Hessischen Ried beim Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie
  3. Engelbert Schramm (2005): Naturale Aspekte sozial-ökologischer Regulation. netWORKS-Papers, H. 14 (pdf)

Weblinks

  • Homepage des Wasserverbandes Hessisches Ried

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