Behnhaus
Das Behnhaus

Das Behnhaus ist ein Lübecker Museum und Teil des Lübecker Museums für Kunst- und Kulturgeschichte. Es steht in der Stadt für die Malerei der Nazarener und den deutschen Impressionismus und Expressionismus, aber auch für die bürgerliche Wohnkultur von Rokoko, Klassizismus und Biedermeier.

Inhaltsverzeichnis

Bauwerke

Originalentwurf für die Fassade des Behnhauses, 1779/80

Das Gebäude des Kunstmuseums ist eines der repräsentativsten klassizistischen Bürgerhäuser in der Königstraße der Lübecker Altstadt, unweit von St. Jakobi und dem Koberg. Es wurde 1783 als großbürgerliches Wohnhaus errichtet und Anfang des 19. Jahrhunderts von dem dänischen Architekten und Inneneinrichter Joseph Christian Lillie für den späteren Bürgermeister Peter Hinrich Tesdorpf im heute noch erhaltenen klassizistischen Stil umgebaut und eingerichtet. 1823 erwarb die Familie des späteren Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn das Haus; es war bis 1920 im Familienbesitz. Das heutige Museum wurde in den 1920er Jahren von dem Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise gegründet und in den 70er Jahren um das links daneben liegende, gleichermaßen repräsentative Dräger-Haus als Stiftung von Heinrich und Lisa Dräger ergänzt. Rückseitig öffnet sich über eine Freitreppe von der Terrasse zwischen den Seitenflügeln beider Häuser Blick und Weg durch die Bürgergärten auf den im Garten inmitten einer Skulpturensammlung liegenden Pavillon der Overbeck-Gesellschaft im Stil der Neuen Sachlichkeit von dem Lübecker Architekten Wilhelm Bräck.

Gemäldesammlung und Schwerpunkte

Selbstportrait Friedrich Overbeck mit Familie um 1820

Nazarener

Der Sammlungsschwerpunkt Nazarener kreist um den in Lübeck geborenen Friedrich Overbeck und seinen Freundeskreis. Er beruht auf einer großzügigen Schenkung der Charlotte Overbeck, die 1914 den künstlerischen Nachlass Overbecks der Hansestadt schenkte. Eines der in Lübeck gezeigten Hauptwerke Overbecks, Die Beweinung Christi, hängt allerdings in der Marienkirche.

Romantik

Die deutsche Romantik ist mit Caspar David Friedrich, Carl Blechen und Carl Gustav Carus repräsentativ vertreten. Dem Museum wurde von dem Lübecker Sammler und Mäzen Christian Dräger große Teile seiner Sammlung von Zeichnungen der Goethe-Zeit und der Romantik übertragen.

Impressionismus

Der in Lübeck geborene Gotthardt Kuehl gehört zu den frühen deutschen Impressionisten. Er behielt Zeit seines Lebens auch als Professor an der Kunstakademie Dresden einen Bezug zu seiner Heimatstadt und Travemünde, die er häufiger besuchte. Die Themen der auf diesen Reisen entstandenen Bilder sind also für ein Lübecker Kunstmuseum naheliegendes Sammlungsinteresse. Die Entwicklung Kuehls spiegelt sich in der Ausstellung wider und wird im Vergleich zu den gezeigten Bildern von Max Liebermann, Lovis Corinth, Maria Slavona, Ulrich Hübner und Max Slevogt verdeutlicht.

Expressionismus

Aufgrund der Beziehung Edvard Munchs zu dem Lübecker Arzt und Mäzen Max Linde befindet sich ein zentrales Werk für die Porträtkunst Munchs, das Porträt Die Söhne des Dr. Linde im Behnhaus (2006 im Museum of Modern Art gezeigt) und wird als Sammlungsschwerpunkt des Museums durch weitere Werke des norwegischen Künstlers ergänzt.

Die von Heise aufgebaute Sammlung deutscher Expressionisten wurde durch die nationalsozialistische Kunstpolitik zunichte gemacht. 2006 erhielt das Museum aufgrund einer großzügigen privaten Schenkung mit dem Stehenden und knienden Mädchenakt ein Gemälde von Paula Modersohn-Becker, das Heise bereits 1930 zu kaufen versucht hatte. Es ist fraglich, ob das Bild heute in Lübeck hängen würde, wenn der Ankauf in jenen Jahren zustande gekommen wäre.

Regionale Künstler

Der Museumsbegründer Carl Georg Heise begann in den 1920er Jahren zielgerichtet, ihm bedeutsame regionale Künstler durch Ankäufe für das Museum und durch Ausstellungen zu fördern. Dazu gehören Albert Aereboe, Erwin Bossanyi, Erich Dummer, Karl Gatermann d.Ä., Alfred Mahlau und andere.

Lübecker Wohnkultur des 18. und frühen 19. Jahrhundert

Statuen auf der Fassadenbekrönung des Behnhauses

Das Behnhaus zeigt seine Gemäldesammlungen im Kontext zeitgenössischer Einrichtungen und Innendekoration der Zeit der Entstehung der beiden Museumsgebäude und gibt damit ein Bild der bürgerlichen Kultur Lübecks vom Rokoko über den Klassizismus bis zum Biedermeier. Einer der seltenen Stockelsdorfer Ofen erinnert an die kurze Zeit der Blüte der Stockelsdorfer Fayencemanufaktur vor den Toren der Stadt zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die gehobene bürgerliche Wohnkultur wird um eine Sammlung alter Musikinstrumente ergänzt, von denen viele ehemals aus Lübecker Häusern stammen.

Eine kleine Jugendstil-Sammlung ist im Mezzanin des Behnhauses zu sehen.

Skulpturen

Die Bronzeskulptur „Brigitte“ von Gerhard Marcks ist eine Wiedergabe seiner Tochter. Die Figur wurde 1932 von Heise angeschafft, von den Nationalsozialisten als entartete Kunst aus dem Behnhaus entfernt und kam 2011 als dauerhafte Leihgabe der Berliner Ferdinand-Möller-Stiftung wieder zurück. [1]

Siehe auch

Bildergalerie

Literatur

  • Ilsabe von Bülow: Joseph Christian Lillie (1760–1827). Ein Architektenleben in Norddeutschland. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2008, ISBN 978-3-422-06610-6, S. 39ff.
  • Abram Enns: Kunst und Bürgertum. Die kontroversen zwanziger Jahre in Lübeck. Christians, Hamburg 1978, ISBN 3-7672-0571-8.
  • Wulf Schadendorf: Museum Behnhaus. Das Haus und seine Räume. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk (= Lübecker Museumskataloge 3). 2. erweiterte und veränderte Auflage. Museum für Kunst u. Kulturgeschichte d. Hansestadt, Lübeck 1976.

Einzelnachweis

  1. Die Rückkehr der „Brigitte“ ins Behnhaus. In: Lübecker Nachrichten vom 30. März 2011, S.17

Weblinks

 Commons: Behnhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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