Bernd Zimmer

Bernd Zimmer (* 1948 in Planegg bei München) ist ein deutscher Maler und einer der prominenten Vertreter der Neuen Wilden. Er lebt und arbeitet in Polling, Oberbayern (Deutschland), und Monteventano, Italien. Bernd Zimmer malt figurativ, aber nicht direkt nach der Natur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bernd Zimmer ist 1948 in Planegg bei München geboren. Von 1968 bis 1970 absolviert er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Carl Hanser Verlag in München. 1969 reist er nach Marokko und Spanien. Von 1970 bis 1972 ist er Assistent für grafische Gestaltung im Carl Hanser Verlag. 1972 reist er vier Monate nach Malaysia, Thailand, Laos, Burma und Hongkong. 1973 siedelt er nach Berlin über und beginnt seine Tätigkeit als Buchgestalter im Verlag Klaus Wagenbach. Er studiert Philosophie und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin. 1975/76 hält er sich fünf Monate lang in Mexiko und im Süden der Vereinigten Staaten auf. Er beginnt seine künstlerische Arbeit.

Mit Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salomé und anderen gründet er 1977 die Galerie am Moritzplatz, die bis 1981 besteht. 1980 werden Arbeiten dieser sogenannten Jungen Wilden im Berliner Haus am Waldsee unter dem Titel Heftige Malerei erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. 1981 ist Bernd Zimmer in der Ausstellung Rundschau Deutschland vertreten.

Auch in den kommenden Jahren unternimmt Zimmer zahlreiche Reisen, unter anderem nach Java, Bali, Lombok und in die Dominikanische Republik. Die künstlerische Umsetzung des Gesehenen und Erlebten erfolgt erst mit erheblicher zeitlicher und räumlicher Distanz im Atelier. Dabei verzichtet Zimmer auf Skizzen oder Fotografien. So entstehen Bilder, die den „gegenständlich sinnlichen Grund“ (Zimmer) oft nur noch erahnen lassen, denn dezidiertes Ziel des Künstlers ist die Entwicklung einer freien Malerei.

Ein Stipendium der Villa Massimo führt ihn 1982 nach Rom, wo er fast 2 Jahre lang lebt und arbeitet. 1984 übersiedelt er nach Polling in Oberbayern und bezieht in einem ehemaligen Klostergut Wohnung und Atelier. 1990 reist er nach Indien und richtet sich im Jahr darauf in Monteventano in der Emilia Romagna ein weiteres Atelier ein. 1993 erscheint erstmals im Eigenverlag das Künstlermagazin PlantSÜDEN, das er zusammen mit Roland Hagenberg, Tokio, herausgibt.

Seit 1993 bereist Zimmer mehrfach die Sahara. In den unter diesem Eindruck stehenden Wüstenbildern treibt Zimmer die formale Reduktion häufig bis an die Grenze abstrakter Farbfeldmalerei. 1994 verlegt er sein Atelier von Polling nach Oberhausen, Oberbayern.1995 reist er mit einem Frachtschiff zu den Marquesas-Inseln nach Hiva Oa. Im Sommer 1996 entstehen während eines Aufenthalt in Salerno, Campania, die ersten Skulpturen.

Das wiederholte Erlebnis des überwältigenden Sternenhimmels über der Wüste sowie sein großes Interesse an Astronomie und Physik führen Bernd Zimmer 1998 zu seinen Cosmos-Bildern, die bis 2006 parallel zu anderen Bildzyklen entstehen. Auch bei diesem Thema geht es Bernd Zimmer nicht um Abbildlichkeit, sondern um ein expressives Nachempfinden dynamischen Prozesse, die im All wirksam sind.

2001 führt ihn eine Reise nach Ägypten, 2003 nach Karelien in Nordwestrussland, 2004 nach Syrien und 2005 nach Island. 2006 zeigt die Kunsthalle Mannheim die erste umfassende Ausstellung der Cosmos-Bilder. 2007 bezieht Bernd Zimmer in Warthe/Brandenburg ein weiteres Atelier.

Stipendien

  • 1979 Stipendium der Karl-Schmidt-Rottluff-Stiftung
  • 1982/83 Stipendium der Villa Massimo, Rom

Zitate

„Ich übertrage Gesehenes, besser Erlebtes, in Abstraktion und Fiktion. Dahinter steckt der Wunsch, das erlebnisorientierte Bild von der Gegenständlichkeit zu befreien, aus dem Zusammenhang der Zentralperspektive auszusteigen und einzusteigen in reine Farbmalerei.“ (zit. nach: Supralunar... Anuschka Koos im Gespräch mit Bernd Zimmer, Ausst.-Kat. Mannheim 2006, S. 99)

„Ich bin der Überzeugung, dass die gegenständliche Malerei, - und ich sehe mich in dieser Tradition -, immer noch die große Möglichkeit hat, wirklich neue Bilder zu erfinden. Der gegenständliche Bezug ist wichtig, eigentlich unumgänglich, um zum neuen Bild zu kommen. Die Malerei ist trotzdem frei. Aber sie ist nicht gefangen in der »Kunst der Kunst wegen«, sondern hat einen inhaltlichen Träger, der dann auch das Bild trägt.“ (zit. nach: Unbeackert – Beackert. Helmut Friedel und Bernd Zimmer im Gespräch, Juli 1989, in: Bernd Zimmer. Über-Sicht. Bilder 1986-1989, Ausstellungskatalog Rottweil/München 1989, ohne Paginierung)

Wenn ich über längere Zeit an einem Ort klebe, im Atelier festhänge, stoße ich an Grenzen. Ich formalisiere meine Bilder, gerate in den Strudel der Kunst. (...) Wenn sich dieser Zustand einstellt, ist eine Reise fällig, um meine Wahrnehmung zu stärken: Ich gerate in neue Zusammenhänge, muss keine Rolle spielen, trage keine Verantwortung, nur für mich selber. Es geht immer, im wahrsten Sinne des Wortes, um Bildung und Bewusstseinserweiterung, nicht zuletzt um Erkenntnis. (zit nach: Walter Grasskamp, Gespräche mit Bernd Zimmer, München 2008, S. 85 f.)

Weblinks


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