Bildwörterbuch

Bildwörterbuch ist die Bezeichnung eines informationstyporientierten Wörterbuches. Das Bildwörterbuch versucht Begriffe visuell darzustellen, oft in Zusammenhang mit verwandten Begriffen, bzw. Objekten.

Werden die Bilder noch mit (detaillierten) weiterführenden Informationen verknüpft, spricht man von einem Bildlexikon oder Bilderlexikon.

Auch ein Anatomieatlas ist im Prinzip nichts anderes als ein Bildwörterbuch zur Anatomie des Menschen.

Bildwörterbucher gedruckt auf Papier sowie auf neuen Medien, wie CD-ROM oder DVD, sind heute ganz allgemein eingebürgert und nicht nur als reines Wörterbuch, sondern auch auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet, z. B. Kinder, Techniker, Musiker.

Geschichte

Duden Bildwörterbuch 1938

Die ersten deutschen Bildwörterbücher wurden im Jahr 1935 veröffentlicht. Es waren dies Der Grosse Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache, Verlag Bibliographisches Institut AG in Leipzig, und Der Sprach-Brockhaus. Deutsches Bildwörterbuch für jedermann, Verlag F.A. Brockhaus, ebenfalls aus Leipzig. Wer zuerst war, ist schwer zu sagen; Duden schreibt im Vorwort (zur 2. Auflage 1958): "Da es das erste Werk dieser Art war, wurde es ein Welterfolg." Brockhaus schrieb im Vorwort: "Zum erstenmal bringt dies Wörterbuch der deutschen Sprache Bilder, worterklärende Abbildungen. Sein Untertitel "Deutsches Bildwörterbuch" will ausdrücken, dass das Bild nicht mehr oder weniger wichtige Zutat oder Schmuck, sondern ein gleichberechtigtes und notwendiges Glied des Ganzen darstellt." Ein Nachteil war und ist jedenfalls, dass ein Bildwörterbuch nur konkrete Sachen darstellen kann.

Im Sprach-Brockhaus illustrierten Bilder die Wörter. Zu dem Wort "Fahrrad" zum Beispiel, gab es ein Bild eines Fahrrades und verwiesen Erläuterungen gleich wie Ortsnamen auf einer Landkarte auf die Einzelheiten, so etwa "der Sattel", "die Kette", "das Pedal". Das Konzept der "Bilder-Duden" war genau umgekehrt: es gab in hunderten von Zeichnungen ein detailliertes Bild der Gesellschaft in allen seinen Gliederungen; hier illustrierten Wörter die Bilder. Die auf der einen Seite des Buches mit Nummern angedeuteten Einzelheiten des Bildes verwiesen auf die zugehörigen Wörter auf der anderen Seite. Das Fahrrad von soeben konnte sich an mehreren Stellen im Duden befinden: detailliert als Einzelbild (Tafel "Fahrrad und Radfahren"), aber auch auf anderen Seiten, z. B. wenn der Radler gestürzt war und das Rad zerknittert auf dem Boden lag (Tafel "Strasse – Verkehrsunfall"). Die entsprechenden Fundstellen wurden dann in einem Wörterverzeichnis am Ende des Buches erschlossen. Die Zeichnungen der Vorkriegsausgaben von Duden sind Meisterstücke im Vergleich zu den hölzernen Bildern in den Nachkriegsauflagen.

Das Dudenkonzept ermöglichte ziemlich einfach Veröffentlichungen in anderen Sprachen und diese erschienen auch bald nach der deutschen Ausgabe: "The English Duden" (1937), "Duden Français" (1937), "Duden Italiano" (1939) und "Duden Español" (1940). Ein japanischer Bilderduden wurde um 1940 angekündigt, erschien aber nie. Der Sprach-Brockhaus in Fremdsprachen zu veröffentlichen, war komplizierter: alle Bilder sollten von neuen Texten versehen werden und dann verschoben zu der Übersetzung. Sie erschienen erst Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Ebenfalls nach dem Krieg wurden von dem verstaatlichten VEB Bibliographischen Institut in Leipzig (später vom Verlag Enzyklopädie Leipzig) Bildwörterbücher nach dem Dudenkonzept (aber beim Verlag Enzyklopädie nicht in der Dudenreihe) verlegt und zwar in den Fremdsprachen der sozialistischen Länder: Russisch, Polnisch, Ungarisch usw.; später auch in anderen Sprachen.

Der deutschsprachige Teil des Wiktionarys wird ebenfalls bei geeigneten Einträgen zum Bildwörterbuch (derzeit etwa 11.300 Illustrationen) ausgebaut.

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