Birgit Hogefeld
Birgit Hogefeld (Fahndungsfoto des BKA von 1986[1])

Birgit Elisabeth Hogefeld (* 27. Juli 1956 in Wiesbaden) ist ein ehemaliges Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF). Sie wurde unter anderem wegen mehrfachen Mordes, versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Hogefeld zählte zur so genannten „dritten RAF-Generation“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

RAF

Birgit Hogefeld studierte Rechtswissenschaften und ist musisch begabt. Sie empörte sich 1977 über die Haftbedingungen der RAF-Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart und brach ihr Studium ab.

Zu ihrer RAF-Karriere sind nur wenige Details bekannt: Hogefeld war Mittäterin bei der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimental und bei dem Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base im August 1985. Dabei hat sie den jungen Soldaten mit der Aussicht auf ein Liebesabenteuer aus einer Wiesbadener Diskothek gelockt. Er wurde später in einem Wald in den Hinterkopf geschossen. Die Richter kamen in dem späteren Verfahren zu der Überzeugung, dass das einzige Ziel der Mörder gewesen sei, seinen Ausweis zu bekommen. Mit diesem Ausweis habe ein männliches RAF-Mitglied am folgenden Tag einen VW-Passat mit 240 Kilogramm Sprengstoff auf dem Gelände des Stützpunktes abgestellt. Bei der Explosion wurden einem Soldaten Gesicht und Bauch und einer US-Zivilangestellten der Schädel von Splittern aufgerissen; beide starben wenig später. Eine deutsche Zivilangestellte und ein weiterer US-Soldat überlebten verstümmelt. Hogefelds Unterschrift unter dem Kaufvertrag des VW-Passats und die Aussagen des Verkäufers bewiesen ihre Mittäterschaft, so der Senat.

Festnahme

Am 27. Juni 1993 wurde sie gemeinsam mit Wolfgang Grams im Verlauf des GSG-9-Einsatzes in Bad Kleinen von der Polizei gestellt. Hogefeld wurde festgenommen. Wolfgang Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella kamen bei einem anschließenden Schusswechsel ums Leben.

Verurteilung

Am 5. November 1996 sprach das Oberlandesgericht Frankfurt am Main das Urteil zu folgenden Anklagepunkten:

  • Mord am US-Soldaten Edward Pimental: Hogefeld hatte den Soldaten in einer Wiesbadener Kneipe kennengelernt und ihn zu sich nach Hause eingeladen. Später wurde Pimental in einem Waldstück durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet. Der Ausweis Pimentals ermöglichte es einem männlichen RAF-Mitglied, einen VW-Passat mit einer Sprengladung darin auf der Rhein-Main Air Base zu parken. Der Kaufvertrag für das Auto trug laut einem Schriftgutachten eine Unterschrift von Hogefeld unter einem falschen Namen.
  • Mord in zwei Fällen in Tateinheit mit versuchtem Mord in zwei Fällen sowie Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion (Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base mit zwei Toten und elf Verletzten)
  • Versuchter Mord in zwei Fällen (Attentat auf den damaligen Finanzstaatssekretär Dr. Hans Tietmeyer und seinen Fahrer)
  • Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Zerstörung von Bauwerken (Justizvollzugsanstalt Weiterstadt)
  • Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Hogefeld wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Aus den Einzelstrafen für die Taten wurde eine lebenslange Freiheitsstrafe gebildet, wobei der Senat in Zusammenhang mit dem Mord an Pimental von „menschenverachtender Gesinnung“ sprach und die besondere Schwere der Schuld feststellte.

Das Urteil wurde am 13. Februar 1998 teilweise – hinsichtlich des Tatvorwurfs des Anschlags auf die JVA Weiterstadt – aufgehoben. Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes verwies das Verfahren insoweit zur erneuten Verhandlung und zur Bildung einer neuen Gesamtstrafe zurück an das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Dort wurde das Verfahren hinsichtlich des Weiterstadt-Anschlags eingestellt und eine Gesamtstrafe in gleicher Höhe wie bisher ausgesprochen.

Gnadengesuch

Am 7. Mai 2007 lehnte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler ein Gnadengesuch Birgit Hogefelds vorerst ab. Sie befand sich in einer Frankfurter Haftanstalt. Am 29. Juli 2008 lehnte das Oberlandesgericht Frankfurt einen Antrag auf Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung ab. Eine reguläre Haftentlassung sei frühestens 2011 möglich.[2] Bei der Wahl des Zeitpunktes spielte eine Rolle, dass Birgit Hogefeld sich in der Haft von der RAF distanziert hat. Anfang Oktober 2009 wurde Birgit Hogefeld in den offenen Vollzug verlegt und hat eine Tätigkeit als Volontärin aufgenommen.[3] Am 17. Mai 2010 wurde bekannt, dass Bundespräsident Horst Köhler ein weiteres Gnadengesuch von Hogefeld abgelehnt hat.[4]

Während ihrer Haft begann Hogefeld ein Studium der Literaturwissenschaften an der Fernuniversität in Hagen, das sie 2007 abschloss. Zurzeit arbeitet sie an einer Dissertation.

Haftentlassung

Am 10. Juni 2011 teilte das Oberlandesgericht Frankfurt mit, dass Birgit Hogefeld vorzeitig aus der Haft entlassen werde. Der Rest ihrer Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt.[5][6] Am 20. Juni 2011 wurde Hogefeld aus der Haft entlassen.[7] Sie war das letzte inhaftierte RAF-Mitglied.[8]

Literatur

  • Versuche, die Geschichte der RAF zu verstehen. Das Beispiel Birgit Hogefeld; Psychosozial Verlag, Gießen 1996, ISBN 978-3-930096-87-9 (Auszug)
  • Wir waren sehr deutsch. In: Der Spiegel. Nr. 42, 1997 (online).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fahndungsplakat_-_RAF.jpg
  2. http://www.tagesschau.de/inland/hogefeld100.html (nicht mehr online verfügbar)
  3. Ex-RAF-Mitglied Hogefeld in offenem Vollzug. AFP, 11. Oktober 2009, abgerufen am 17. Mai 2010.
  4. Ex-Terroristin Hogefeld wird nicht begnadigt. In: tagesschau.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 17. Mai 2010.
  5. Nachricht im Handelsblatt
  6. Oberlandesgericht Frankfurt am Main setzt Reststrafe für Birgit Hogefeld zur Bewährung aus Pressemitteilung des OLG Frankfurt vom 10. Juni 2011
  7. Frühere RAF-Terroristin: Birgit Hogefeld aus der Haft entlassen bei sueddeutsche.de, 21. Juni 2011 (abgerufen am 21. Juni 2011).
  8. Ex-RAF-Mitglied Hogefeld aus Haft entlassen in: Spiegel Online vom 21. Juni 2011

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