Bobonaro (Distrikt)
Distrikt von Bobonaro
Lage des Distrikts Bobonaro
Landschaft zwischen Balibo und Maliana.jpg
Daten
Hauptstadt Maliana
Fläche 1.380,82 km² (5.)[1]
Einwohnerzahl (2010) 92.049 (4.)[2]
Bevölkerungsdichte 66,7 Einw./km² (7.)[1]
Zahl der Haushalte (2010) 16.883 (4.)[1]
ISO 3166-2: TL-BO
Subdistrikte Einwohner[1] Fläche[1]
Atabae 11.024 252,80 km²
Balibo 14.851 297,08 km²
Bobonaro 23.854 217,12 km²
Cailaco 9.957 205,17 km²
Lolotoe 7.129 169,31 km²
Maliana 25.234 239,35 km²
Karte
Übersichtskarte vom Distrikt Bobonaro

Bobonaro (Tetum: Bobonaru) ist ein Distrikt von Osttimor. Er ist nach der ehemaligen Distriktshauptstadt Bobonaro benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Orte und Flüsse in Bobonaro
Grenzposten bei Mota'ain

Bobonaro hat eine Fläche von 1.380,82 km². Hauptstadt des Distriktes ist das 149 km südwestlich von der Landeshauptstadt Dili gelegene Maliana. Subdistrikte von Bobonaro sind Atabae, Balibo, Bobonaro, Cailaco, Lolotoe und Maliana.

Der Distrikt Bobonaro liegt im äußersten Nordwesten Osttimors an der Sawusee. Von Süd nach Nord durchzieht, aus Westtimor kommend, der Fluss Nunura den Distrikt und mündet schließlich in den Lóis, der im Nordosten die Grenze zum Distrikt Liquiçá und im Osten zum Teil zum Distrikt Ermera bildet. Die Quellflüsse des Nunura, Talau und Malibaka, bilden im Westen einen Großteil der Grenze zum indonesischen Westtimor, das zur Provinz Nusa Tenggara Timur gehört. In den Nunura mündet der von Osten kommende Bulobo, wo Maliana, Atabae und Cailaco aufeinander treffen. An einem schmalen Punkt trifft Bobonaro im Osten auch auf den Distrikt Ainaro. Südöstlich liegt der Distrikt Ainaro, Südlich der Distrikt Cova Lima. Nah dem Küstenort Batugade liegt der wichtigste Grenzübergang Mota'ain zwischen Osttimor und Indonesien.

Bobonaro besteht aus drei Ebenen. Die Tieflandebene im Nordwesten besteht aus kargem Land und Reisfeldern und reicht von der Küste bis zum Nunura. Im Westen reicht eine Ebene bis auf 1.000 m Höhe. Die Hochlandebene reicht bis 1.500 m. Die höchsten Berge des Distrikts sind der Tapo (1.934 m), der Leolaco (1.929 m), der Foho Cailaco (1.916 m), der Leber (1.403 m) und der Tulo (1.285 m). Bobonaro war früher aufgrund seiner Berge und heißen Quellen ein beliebtes Ausflugsziel, musste aber stark unter der Gewalt im Unabhängigkeitskampf leiden. Neun Prozent der Distriktsfläche sind bewaldet. An der Küste liegt Be Malae-Atabae, eine Important Bird Area, die aus Wald und Feuchtgebieten besteht.

Zwischen Oktober und April fallen in der Regenzeit über 1.000 mm Niederschlag. In Lolotoe fällt mit 2.837 mm die größte jährliche Niederschlagsmenge des Landes. In den sieben Monate der Trockenzeit fällt fast kein Regen.

Einwohner

Jungen in Maliana

Im Distrikt leben 92.049 Einwohner (2010,[2] 2004: 83.034[3]). Die Bevölkerungsdichte beträgt 66,7 Einwohner pro Quadratkilometer. Dabei sind die Subdistrikte Bobonaro und Maliana dichter besiedelt. Die Sucos Holsa und Ritabou sind als „urban“ klassifiziert. Der Altersdurchschnitt liegt bei 18,9 Jahren (2010).[1]

Hatte 2004 in Balibo jede Frau durchschnittlich 6,17 Kinder, stieg die Anzahl über 6,60 Kinder in Atabae, 6,46 in Lolotoe, 6,53 in Maliana und 7,19 Kinder in Bobonaro, bis auf 8,32 Kinder pro Frau in Cailaco an (Landesdurchschnitt 6,99). Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 0,16 %. Allerdings wandern viele Einwohner in andere Landesteile aus, vor allem in die Landeshauptstadt Dili. Über 8.000 Einwohner Dilis wurden in Bobonaro geboren. Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Balibo bei 94 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 110), in Maliana bei 106 (121), in Atabae bei 109 (87), in Lolotoe bei 117 (145), in Cailaco bei 118 (109) und in Bobonaro bei 149 (179). Der Landesdurchschnitt betrug 98. Atabae und Cailaco sind damit zwei von 14 Subdistrikten, in denen sie, entgegen den Landestrend anstieg. Bobonaro ist einer der acht Subdistrikte mit der höchsten Kindersterblichkeit des Landes.[4]

Knapp die Hälfte der Bevölkerung spricht als Muttersprache die Nationalsprache Kemak (Mehrheit in den Subdistrikten Atabae, Balibo und Cailaco). 33 % sprechen Bunak (Größte Sprachgruppe in den Subdistrikten Bobonaro, Lolotoe und Maliana), 11,8 % Tetum (Tetum Praca und Tetum Terik), 4,7 % Bekais (Hauptsächlich in Balibo). Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprechen 37,5 % Tetum, 31,0 % Bahasa Indonesia und 10,7 % Portugiesisch. Die Analphabetenrate beträgt 64,1 % (Frauen:68,1 %; Männer: 60,0 %). Nur 6,7 % der über 18jährigen haben die Sekundarschule abgeschlossen (Frauen:4,3 %; Männer: 9,1 %)[4] 2004 waren 99,6 % der Einwohner Katholiken, 0,2 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors, 0,1 % Protestanten und 0,2 % Muslime.[5]

Geschichte

Kolonialzeit

Fort von Balibo
Flagge des Bureau de Luta pela Libertação de Timor und der Vereinigten Republik von Timor

Vor 400 Jahren bauten die Portugiesen in Balibo eine große Festung zum Schutz ihrer kolonialen Ansprüche auf Timor. Ein weiteres Fort entstand 1655 in Batugade.

Auf dem Gebiet des heutigen Bobonaro bestanden ursprünglich mindestens acht traditionelle, timoresische Reiche, die von Liurais regiert wurden.[6] Balibo, Cailaco, Cowa und Sanirin erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[7][8] Das Reich Cowas reichte von der Nordküste bis ins Gebiet des niederländischen Westtimors. Auch das portugiesische Fort in Batugade lag auf dem Gebiet Cowas.[9] Das Reich von Lamaquitos (Lamakitu) beherrschte in etwa das Gebiet des heutigen Subdistrikts Maliana, zwischen Cailaco im Norden und Maucatar im Süden.[10] Weitere Reiche waren Bobonaro und Ayasa.[6]

Im 18. Jahrhundert kam es zur Cailaco-Rebellion gegen die Portugiesen. Cailaco galt als Hauptstützpunkt der Rebellen. Die Pedras de Cailaco (Felsen von Cailaco), Klippen, die auf bis zu 2.000 m anstiegen und so dem Reich eine natürliche Festung boten, galten als uneinnehmbar. Im Marobotal mit den Flüssen Marobo, Lauela und Lóis lebten 40.000 Menschen relativ isoliert. Am 23. Oktober 1726 versammelte Portugal insgesamt 4.000 Mann am Fuße des Foho Cailaco. Nach 40 Tagen gaben die Portugiesen, auch aufgrund schwerer Regenfälle, die Belagerung im Dezember auf.[9]

1865 vereinigte sich Balibo mit dem Reich von Cowa im Kampf gegen die Portugiesen. 1868 entsandten die Portugiesen eine Streitmacht nach Sanirin, dessen Liurai sich weigerte Steuern zu Zahlen und von Batugade aus begann eine Offensive gegen Cowa und Balibo. Cailaco unterstützte die Kolonialmacht mit eigenen Kriegern. 1871 kapitulierte die Königin von Balibo, Dona Maria Michaelia Doutel da Costa. Balibo wurde zum Vasallen Portugals. Cowa erkannte erst 1881 die Vorherrschaft Portugals an.[9]

Der Herrscher von Atabae rebellierte im Jahr 1893 zusammen mit dem Liurai von Maubara gegen die portugiesischen Kolonialherren. 1912 wurden am Ende der Rebellion von Manufahi, bei der auch Cailaco den aufständischen Liurai Boaventura unterstützte, mehr als 12.000 Männer, Frauen und Kinder von den Kolonialtruppen auf dem Leolaco eingekreist. Beim Ausbruchsversuch wurden etwa 3.000 Menschen getötet. Es war eines der größten Massaker der portugiesischen Kolonialgeschichte. [11][9]

Anfang 1961 versuchte das linksgerichtete Kampfbüro zur Befreiung Timors (Bureau de Luta pela Libertação de Timor) einen Aufstand. Am 9. April rief es in Batugade eine Republik aus und stellte eine timoresische Regierung auf. Die Portugiesen schlugen den Aufstand schnell nieder und die Kämpfer flohen nach Indonesien.

Besetzung durch Indonesien

Verlauf der indonesischen Invasion (1975-1979)

Bereits am 8. Oktober 1975 besetzten indonesische Truppen den Grenzort Batugade des damaligen Portugiesisch-Timor und errichteten hier ihr Hauptquartier für die folgende Operation Komodo. Dabei gab man vor, es handle sich um Kämpfer der UDT, die zuvor der FRETILIN im Machtkampf unterlegen war. Am 14. Oktober folgte Maliana und am 16. Oktober der restliche Teil des Subdistrikts von Balibo. Unter den Opfern hier waren auch zwei britische und drei australische Reporter in Balibo, die so genannten Balibo Five. Der Küstenort Aidabaleten (Atabae) folgte im November. Die FRETILIN richtete einen Appell an den Weltsicherheitsrat, aber die internationale Staatengemeinschaft griff nicht ein. Am 28. November erklärte die FRETILIN Osttimor von Portugal für unabhängig, doch bereits am 7. Dezember begann Indonesien offiziell mit der Invasion Osttimors, wobei das restliche Gebiet Bobonaros zunächst verschont blieb.[12][13] In Cailaco und in den Nachbardistrikten entstanden bases de apoio, in denen die geflohene Zivilbevölkerung von der Widerstandsbewegung FALINTIL angesiedelt wurde. Zwischen September 1977 und Februar 1978 drang die indonesische Armee auch in das Hinterland von Bobonaro vor. Die Widerstandsbasen wurden zerstört, die Bewohner wurden auseinandergetrieben oder gefangengenommen.[14] Während der Besatzung und dem damit verbundenen Guerillakrieg der Timoresen kam es zu massiven Menschenrechtsverletzungen. In Lolotoe befand sich eines der sogenannten „Rape Houses“, in denen es zu Massenvergewaltigungen von Osttimoresinnen durch die Indonesen kam.[15]

1999 fand ein Referendum statt, in dem sich die Bevölkerung Osttimors für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach. Davor und vor allem danach kam es im ganzen Land zu einer Gewaltwelle, ausgelöst von sechs pro-indonesischen Milizen und dem indonesischen Militär. Die Stadt Maliana wurde von Paramilitärs gestürmt. Zwei Fahrer der Vereinten Nationen wurden getötet und der ganze Ort, bis auf die Kirche, niedergebrannt. Am 8. September kam es zu einem Massaker in der Polizeistation von Maliana, bei dem mindestens 13 Menschen starben. Im gesamten Distrikt Bobonaro wurden im September 1999 mindestens 111, eventuell 200 Menschen ermordet. Besonders schwer traf es auch den Subdistrikt Lolotoe, in dem die Miliz Kaer Metin Merah Putih (KMP) mit dem indonesischen Militär wütete.[16] Erst nach Einschreiten der internationalen Eingreiftruppe INTERFET unter australischer Führung, endete die Gewalt. Osttimor kam unter UN-Verwaltung und erlangte 2002 endgültig seine Unabhängigkeit.[17]

Unabhängiges Osttimor

Am 6. Januar 2006 wurden drei Indonesier an der Grenze beim indonesischen Turiskain auf dem Malibacafluss von osttimoresischen Polizisten erschossen. Laut indonesischen Militärquellen waren die drei Opfer beim Fischen, als ohne Vorwarnung auf sie das Feuer eröffnet wurde. Jakarta protestierte heftig.[18] Nach dem Vorfall kam es zu Vergewaltigungen von osttimoresischen Frauen.

Anfang 2010 gab es Berichte, dass Bewaffnete, die sich als Ninjas verkleidet haben, die Bevölkerung in den Distrikten Cova Lima und Bobonaro terrorisieren. Timoresische Polizei (PNTL) und Armee (F-FDTL) entsandten daraufhin Einheiten, um gegen die Verbrecher vorzugehen. Bei der Aktion wurden 118 Personen gefangen genommen, sieben davon verhaftet.[19]

Am 30. Januar 2010 wurde Maliana zum Sitz der dritten Diözese Osttimors erklärt.[20]

Politik

Der Distriktsadministrator wird von der Landesregierung in Dili ernannt. 2001 war dies João Vicente.[21]

Wirtschaft

Rinderherde zwischen Maliana und Balibo

72,3 % der Haushalte betreiben Landwirtschaft, 88,5 % Ackerbau (Stand: 2010).[1] An den Küsten wird gefischt. 66 % der Haushalte bauen Mais an (Produktion 2008: 10.600 t), 55 % Kokosnüsse, 57 % Maniok (3.667 t), 28 % Kaffee und 46 % Gemüse. Über 31 % pflanzen Reis (16.662 t), vor allem in Maliana und Cailaco am Ostufer des Nunura und am Bulobo. Zur Grundversorgung werden zudem Erdnüsse, grüne Bohnen, Mungbohnen, Kidneybohnen, Soja, Maniok und Süßkartoffeln (insgesamt: 2.563 t) angebaut. Daneben pflanzen die Einwohner Senfblätter, Kopfsalat, Kohl, Zwiebeln, Karotten, Bananen, Tomaten, Auberginen, Papayas, Ananas, Kartoffeln und Knoblauch.[22][23] Als Haustiere werden in erster Linie Hühner (76.602 in 77 % der Haushalte), Schweine (40.565, 78 %) und Rinder (29.235, 43 %) gehalten. Ziegen (18.010, 32 %), Büffel (7.559, 11 %), Pferde (3.345, 11 %) und Schafe (2.060, 2 %) sind seltener.[22] Missernten führen zu massiven Problemen, so kam es in Balibo im November 2007 zu einer extremen Nahrungsmittelknappheit.

Für den Verkauf baut man Kaffee, Lichtnüsse, Kokosnüsse, Orangen, Mangos und andere Früchte an. Kaffeezentrum im Distrikt ist der hochgelegene Subdistrikt Lolotoe, in dem über 76 % der Haushalte das wichtigste Exportgut des Landes anbauen. In Cailaco und Bobonaro sind es immer noch zwischen 47 und 45 %.

In kleineren Mengen finden sich als Bodenschätze Erdgas, Erdöl, Gold und Silber.

Der lokale Radiosender ist Radio Comunidade Maliana RCM (Radio Maliana) auf FM 91,7 MHz.[24]

Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English)
  2. a b Highlights of the 2010 Census Main Results in Timor-Leste English
  3. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  4. a b Census of Population and Housing Atlas 2004
  5. District Pritory Tables: Bobonaro 2004
  6. a b Traditional Power Structures and Local Governance in East Timor
  7. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  8. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  9. a b c d History of Timor – Technische Universität Lissabon
  10. Timorlorosae 2000 (portugiesisch)
  11. Steve Sengstock, Faculty of Asian Studies, Australian National University, Canberra
  12. Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  13. ETAN: When East Timor first flew its flag in defiance
  14. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  15. Bestandsaufnahme der Vergangenheitsaufklärung in Indonesien und Osttimor
  16. 1999Crimes against humanity in East Tiomor
  17. Tagesspiegel, 3. September 1999, Angriff auf UN-Mitarbeiter in Maliana 1999
  18. Tempointeractive, 6. Januar 2006, Three Indonesians Shot by Timor Leste Police
  19. Wikinews, 24. März 2010, „Ninjas“ in Timor-Leste?
  20. 30.Januar 2010, Catholic News Agency, Benedict XVI erects new diocese in East Timor
  21. National Directory of Studies and Research
  22. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch)
  23. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008
  24. Timor Radio Connect

Weblinks

 Commons: Bobonaro (Distrikt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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