Aachener Rathaus
Das Aachener Rathaus 1520, Zeichnung von Albrecht Dürer
Das barocke Rathaus und der Markt um 1840, Stahlstich von Henry Winkles
Das Aachener Rathaus von Süden (vom Katschhof aus)

Das gotische Aachener Rathaus ist neben dem Dom das markanteste Bauwerk im historischen Stadtkern der Stadt Aachen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete die Aachener Bürgerschaft unter Leitung ihres amtierenden Bürgermeisters Gerhard Chorus (1285–1367) als Zeichen ihrer bürgerlichen Freiheit ein neues Rathaus. Bis dahin hatte das Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete Grashaus als Rathaus gedient. Als Zugeständnis zum Königshaus musste die Bürgerschaft sich allerdings verpflichten, im neuen Rathaus einen Saal für das festliche Krönungsmahl einzurichten. Mit dem Bau wurde 1330 begonnen, wobei das Gebäude auf den Grundmauern eines verfallenen Palastbaus, der Aula Regia der Kaiserpfalz, aus der Karolingerzeit errichtet wurde. Der aus der Zeit Karls des Großen stammende Granusturm wurde übernommen und aufgestockt. Die Fertigstellung erfolgte 1349.

Während des großen Stadtbrandes von 1656 verbrannte ein Teil der Dächer und Türme. Die zerstörten Teile wurden im barocken Stil wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert wurde das Rathaus zum barocken Stadtschloss umgestaltet. Dieser Stil findet sich heute noch im Sitzungssaal und im „Weißen Saal“.

Charakteristisch für die Phase sind die Holzvertäfelungen im Stil des Aachen-Lütticher Barock aus der Werkstatt von Jacques de Reux und die Wandgemälde des Malers Johann Chrysant Bollenrath. Einen Eindruck hiervon vermittelt das so genannte „Werkmeistergericht“. Der Saal war ursprünglich für ein Gremium von Geschworenen eingerichtet worden, die die Qualität der Aachener Tuche kontrollierten; später diente er als Amtszimmer der Oberbürgermeister.

Zur feierlichen Unterzeichnung des Friedensvertrags zur Beendigung des Österreichischen Erbfolgekrieges im Jahr 1748 wurde der Friedenssaal eingerichtet, aufgrund von Rangstreitigkeiten der Gesandten allerdings nicht genutzt. Als Kompensation hierfür erhielt die Stadt Aachen Portraits der Gesandten. Diese befinden sich heute in verschiedenen Sälen des Rathauses.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Rathaus nach und nach so umgebaut, wie sich die Zeit den gotischen Originalzustand vorstellte und zusätzlich mit neugotischen Gemälden, Reliefs und Skulpturen ausgestattet. Die dem Markt zugewandte Fassade wurde mit den Statuen von 50 Königen sowie Symbolen von Künsten, Wissenschaft und Christentum versehen.

Der zwischenzeitlich durch Wände unterteilte Krönungsfestsaal wurde wiederhergestellt und mit einem neuen Zugang, dem Ark'schen Treppenhaus, versehen. Außerdem erhielt der Maler Alfred Rethel den Auftrag, den Saal mit einem Zyklus großflächiger Fresken auszuschmücken. Der 1847 begonnene und 1861 von einem Schüler vollendete Zyklus zeigt Stationen und Legenden aus dem Leben Karls des Großen. Er ist, zumal nach der Zerstörung vergleichbarer Zyklen, die etwa das Neue Museum in Berlin schmückten, eine der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse spätromantischer Historienmalerei.

Bei einem weiteren Brand im Jahre 1883 verbrannten wiederum Dächer und Türme.[1] Die Restaurierungsarbeiten wurden 1902 beendet. Etwa zur gleichen Zeit wurde ein neues Verwaltungsgebäude am benachbarten Katschhof errichtet.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Rathaus durch Bombentreffer stark beschädigt. Mit der Restaurierung wurde Ende der 1940er-Jahre begonnen, wobei die statische Sicherung und der Wiederaufbau zerstörter Gebäudeteile im Vordergrund standen. Ende der 1970er-Jahre wurden die Innenräume restauriert und teilweise neu gestaltet sowie die Turmhelme errichtet.

die Reichskleinodien
Das Rathaus von Nord-Osten (vom Markt aus)

Heute werden im Rathaus um 1915 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. für eine Ausstellung hergestellte, originalgetreue Kopien der Reichskleinodien aus der Wiener Weltlichen Schatzkammer ausgestellt. Sie erinnern an die 31 Königskrönungen, die zwischen 813 und 1531 in Aachen stattfanden. Darunter befinden sich eine Kopie des Reichsevangeliars (eine Handschrift aus der Zeit Karls des Großen), das so genannte Schwert Karl des Großen, die Reichskrone Otto I. und der Reichsapfel.

Seit 2009 ist das Rathaus eine Station Route Charlemagne. Im Rahmen dieses Projekts wurden die historischen Säle für Besucher geöffnet. Eine museale Ausstellung und der interaktive Guide Aixplorer erläutern die Geschichte und die Kunstwerke des Hauses und vermitteln einen Eindruck von den historischen Krönungsmählern. Zu den Kunstwerken zählen die Porträts von Kaiser Napoleon I. aus dem Jahr 1807 von Louis-André-Gabriel Bouchet und Kaiserin Joséphine von 1805 angefertigt von Robert Lefèvre.

Nach wie vor ist das Rathaus Sitz des Oberbürgermeisters und des Rates. Jährlich wird im Rathaus der Internationale Karlspreis verliehen.

Weblinks

 Commons: Aachener Rathaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Rovenhagen, Ludwig: Das Rathaus zu Aachen: ein Führer für Besucher und Legende zu den Freskobildern des Kaisersaales. Aachen: Jacobi, 1873.[2]
  • Ernst Günther Grimme Das Rathaus zu Aachen, Einhard-Verlag, Aachen, 1996 ISBN 3-930701-15-4
  • Thomas R. Kraus: Zur Geschichte der Aachener Rathausuhr. in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Bd.90/91, 1983/84, Hrsg. Herbert Lepper. Verlag des Aachener Geschichtsvereins, Aachen 1984, S.69-97.
  • Mathilde Röntgen: Das gotische Rathaus zu Aachen. in: Aachener Beiträge für Baugeschichte und Heimatkunst. Bd.3. Das alte Aachen seine Zerstörung und sein Wiederaufbau. hrsg. i.A. des Aachener Geschichtsvereins in Verbindung mit Bernhard Poll von Albert Huyskens. Verlag des Aachener Geschichtsvereins, Aachen 1953, S.106-155.

Einzelnachweise

  1. Das Rathaus zu Aachen und sein Brand am Petri- und Pauli-Tage 1883: mit 5 Abb / von Johannes Chorus Aachen: Kaatzer, 1883. Digital.ub.uni-duesseldorf.de. Abgerufen am 19. August 2010.
  2. Digitalisat der ULB Düsseldorf
50.7760756.0837833333333

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