Abbas Kiarostami
Abbas Kiarostami

Abbas Kiarostami (persisch ‏‏عباس كيارستمى‎‎‎; * 22. Juni 1940 in Teheran) ist ein iranischer Drehbuchautor, Filmregisseur und Lyriker. Er gilt als einer der bedeutendsten und bekanntesten Regisseure des iranischen Filmes.

Inhaltsverzeichnis

Zu den Filmen

Kiarostamis Filme zeigen den Einfluss von Tati, Rossellini und Bresson. Er dreht meist ohne konkretes Drehbuch. Unter Filmemachern werden vor allem Kiarostamis Fähigkeiten im Umgang mit Kindern und Laiendarstellern gelobt. Wichtig ist sein Werk aber besonders, weil er die soziale Stellung des Kinos und des Regisseurs sowie die realen Beziehungen zwischen Film(kamera) und Objekt zu Themen seiner Filme macht. Das Resultat ist ein Metakino, das zwischen Dokumentation und Fiktion oszilliert. Die Filme scheinen bemüht, ihre Künstlichkeit und Konstruiertheit sichtbar zu machen. Die Grenzen der Möglichkeiten des Kinos werden ausgelotet und oft schließlich doch in einem transzendentalen Akt scheinbar überschritten.

Kiarostamis Ansehen beruht im Wesentlichen auf der Würdigung anderer Filmregisseure. So wird etwa Jean-Luc Godard das Zitat zugeschrieben: „Der Film beginnt mit D. W. Griffith und endet mit Abbas Kiarostami.“ Und Martin Scorsese beschreibt Kiarostami als „Repräsentanten des höchsten künstlerischen Niveaus im Kino“. Einem breiteren Publikum sind Kiarostamis Filme aber bis heute noch unbekannt. Das Werk des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami ist in einer engen Beziehung zur iranischen bzw. Persischen Lyrik zu erschließen.

Die Persische Literatur hat sich hauptsächlich durch die Lyrik tradiert und funktionierte im Laufe der Geschichte als Träger der nationalen Identität der Iraner. Lyrik war unter den historischen Umständen die einzige mögliche Kunst nach der Islamisierung des Landes am siebten Jahrhundert. Kiarostami baut seine Dramaturgie auf dieser poetischen Basis, um seine eigene Poesie zu erzählen. Eine Poesie, die nicht die Verfilmung der Poesie, sondern Poesie des modernen Kinos erzählt. So kann man sein Kino in einem Genre unterordnen, das eine Mischung der Abendländlichen- und Morgenländlichenkulturen innehat. Im Unterschied zum poetischen Kino erzählt dies Genre "Kino-Poesie" nicht nur vom realen Leben, sondern selbst die Bilder auf der Leinwand leben. Als ob das Publikum dies Kino auf der Leinwand lebt. In diesem Zusammenhang präsentieren die Bilder die moderne Philosophie des Kinos auf der Leinwand, dass das Kino die Realität sei. Drei Werke von ihm: Wo ist das Haus meines Freundes, Das Leben geht weiter (Das leben und nichts mehr) und Quer durch den Olivenhain, die als Trilogie bekannt sind, zeigen Musterhaft die Entwicklung seines Kinos.

Zur Lyrik

Eine erste Sammlung mit Gedichten von Abbas Kiarostami erschien 1999 in Teheran. Sie besteht aus 221 kurzen, schwebend leichten und lakonisch kräftigen Texten, die eine stilistische Nähe zur japanischen Haikudichtkunst aufweisen. Nachdem sie zuvor ins Englische, Französische und Italienische übersetzt worden war, erschien sie 2004 unter dem Titel In Begleitung des Windes auch in deutscher Sprache (Suhrkamp Verlag - mit einem Nachwort von Peter Handke).

Filmografie

  • 1970: Nan va Kutcheh (Brot und Gasse), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1972: Zang-e Tafrih (Die Pause), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1973: Tadschrobeh (Die Erfahrung), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1974: Mossafer (Der Reisende), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1975: Manam Mitumam (Ich kann es auch), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1975: Do Rahehal baraye yek Massaleh (Zwei Lösungen für ein Problem), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1976: Rang-ha (Farben), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1976: Lebasi baraye Arusi (Ein Kleid für die Hochzeit, produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1977: Gozaresh
  • 1977: Bozorgdasht-e mo'allem (Dem Lehrer zu Ehren), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1977: Az Oghat-e Faraghat-e Khod Chegouneh Estefadeh Konim? (Wie können wir unsere Freizeit nutzen?), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1978: Rah-e Hal-e Yek (Die erstbeste Lösung), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1979: Ghazieh-e Shekl-e Aval, Ghazieh-e Shekl-e Do Wom (erster Fall, zweiter Fall), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1980: Behdaasht-e Dandan (Zahnhygiene), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1981: Be Tartib ya Bedun-e Tartib (Mit Ordnung oder ohne Ordnung), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1982: Hamsarayan (Der Chor), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1983: Hamshahri (Mein Mitbürger), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1983: Dandan Dard (Der Zahnschmerz), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1984: Avaliha (Die Ersten), produziert von Kanun-e Parvaresh
  • 1988: Wo ist das Haus meines Freundes? (Khane-ye doust kodjast?)
  • 1989: Mashgh-e Shab
  • 1990: Close-Up (Nema-ye Nazdik)
  • 1992: Und das Leben geht weiter (Zendegi va digar hitch)
  • 1994: Quer durch den Olivenhain (Zire darakhatan zeytun)
  • 1995: A propos de Nice – Wie es weiterging (À propos de Nice, la suite)
  • 1997: Der Geschmack der Kirsche (Ta'm e guilass)
  • 1999: Der Wind wird uns tragen (Bad ma-ra khahad bord)
  • 2001: ABC Africa
  • 2002: Ten
  • 2003: Five Dedicated to Ozu
  • 2004: 10 on Ten
  • 2005: Tickets
  • 2006: Roads of Kiarostami (Dokumentar-Kurzfilm)
  • 2007: Kojast jaye residan (Dokumentar-Kurzfilm)
  • 2007: Chacun son cinéma ou Ce petit coup au coeur quand la lumière s'éteint et que le film commence (Segment Where is my Romeo?)
  • 2008: Shirin
  • 2010: Copie conforme

Siehe auch

Literatur

  • Abbas Kiarostami: Textes, entretiens, filmographie complète. Éd. de l'Etoile, Paris 1997, ISBN 2-86642-196-5 (Cahiers du Cinéma Livres).
  • Abbas Kiarostami: Photographies. Hazan, Paris 1999, ISBN 2-85025-673-0 (Landschaftsfotografien von Kiarostami, mit einem Gespräch mit M. Ciment).
  • Alain Bergala, Jordi Balló (Hrsg.): Erice-Kiarostami. Correspondences. ACTAR, Barcelona 2006, ISBN 84-96540-24-3 (Katalog zu einer gemeinsamen Ausstellung mit dem spanischen Regisseur Víctor Erice).
  • Alain Bergala: Abbas Kiarostami. Cahiers du Cinéma, Paris 2003, ISBN 2-86642-374-7.
  • Alberto Elena: The Cinema of Abbas Kiarostami. Saqi Books, London 2005, ISBN 0-86356-594-8.
  • Mehrnaz Saeed-Vafa, Jonathan Rosenbaum: Abbas Kiarostami. University of Illinois Press, Urbana, Ill. 2003, ISBN 0-252-07111-5 (Taschenbuch; Reihe Contemporary Film Directors).
  • Jean-Luc Nancy, Abbas Kiarostami: Evidenz des Films. Brinkmann und Bose, Berlin 2005, ISBN 3-922660-92-4.
  • Youssef Ishaghpour: Le réel, face et pile - le cinéma d'Abbas Kiarostami. Farrago, Tours 2006, ISBN 2-8449-0063-1.
  • Eberhard Ostermann: Taste of Cherry - eine Allegorie der Zerrissenheit. In: E.O.: Die Filmerzählung. Acht exemplarische Analysen. München (Fink) 2007. S. 131-145. ISBN 978-3-7705-4562-9.
  • {(Literatur|Autor=Abolfazl Tavassolie| Titel= Eine Trilogie zum Monismus| Die Interaktion zwischen persischer Literatur und Kino des Abbas Kiarostami| Verlag=Dr. Koester| Ort=Berlin| Jahr 2009| ISBN=978-3-89574-701-4|

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