3. Sinfonie (Schubert)

Die Symphonie Nr. 3 D-Dur (D 200) ist eine Sinfonie von Franz Schubert.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Schubert schrieb seine 3. Sinfonie zwischen dem 24 Mai und dem 19. Juli 1815. In dieser Zeit arbeitete Schubert parallel an anderen Werken wie dem Vokalquartett „Hymne an den Unendlichen“ (D 232) und den Liedern „Der Abend“ (D 221), „Geist der Liebe“ (D 233) und „Tischlied“ (D 234), so dass sich die reine Kompositionszeit für diese Sinfonie auf neun Tage beläuft.

Die Sinfonie entstand für ein Liebhaberorchester unter der Leitung des Geigers Josef Prohaska; Schubert spielte in diesem Orchester die Bratsche. Es wird vermutet, dass die erste Aufführung der Sinfonie im privaten Rahmen durch Prohaskas Orchester stattfand. Die erste öffentliche Aufführung fand jedoch erst am 19. Februar 1881 in London durch den Musikforscher George Grove statt, der in dieser Zeit alle Schubert-Sinfonien zur Aufführung brachte.

Veröffentlicht wurde die Sinfonie im Jahre 1884 im Rahmen der von Johannes Brahms redigierten Alten Gesamtausgabe aller Schubert-Sinfonien durch den Verlag Breitkopf & Härtel.

Besetzung

zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken, Streichquintett

Satzbezeichnungen

  1. Adagio maestoso – Allegro con brio
  2. Allegretto
  3. Menuetto. Vivace – Trio
  4. Presto vivace

Zur Musik

Zu Beginn des ersten Satzes, der einige unkonventionelle Wendungen enthält, erklingt eine 18 Takte lange Einleitung. Der Einleitung folgt ein punktiertes Thema in den Klarinetten, das entgegen den Regel nicht wiederholt wird; stattdessen wird die langsame Einleitung wieder aufgegriffen und thematisch weiterentwickelt. Eine weitere Überraschung findet sich am Ende des Satzes, als der Seitensatz den Hauptsatz variiert, gefolgt von Zweiunddreißigstel-Skalen und der den Satz abschließenden Kadenz.

Der volksliedhafte zweite Satz der Sinfonie ist in einer dreiteiligen Liedform gegliedert: Einem A-Teil in G-Dur und einem B-Teil in C-Dur. Der Schubert-Biograf Walther Vetter meinte, in diesem Satz Anklänge an das »Mariä Wiegenlied« (14. Jahrhundert) und »'s ist mir auf der Welt nichts lieber« zu erkennen.

Der dritte Satz besteht aus zwei Motiven, die sich in dessen Verlauf unabhängig voneinander entwickeln. Walther Vetter vermutete in diesem Satz Anklänge an das Scherzo von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 2 sowie des Scherzotrios von dessen Sinfonie Nr. 5.

Der vierte Satz der Sinfonie besteht aus einer Tarantella im 6/8-Takt.

Wirkung

Johannes Brahms bescheinigte Schuberts so genannten Jugendsinfonien keinen hohen künstlerischen Wert und war der Meinung, sie „sollten nicht veröffentlicht, sondern nur mit Pietät bewahrt und vielleicht durch Abschriften mehreren zugänglich gemacht werden“.

Die englische Presse sah in Schuberts dritter Sinfonie eine Fortentwicklung seines eigenene Stils und somit eine größere Loslösung von den Vorbildern Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. So schrieb beispielsweise „The Musical Times“ am 1. März 1881:

„Schuberts III. Symphonie, […] die wie die erste in D-Dur steht, zeigt schon einen großen Fortschritt gegenüber ihren Vorgängerinnen. Obwohl sie nur wenige Monate nach der Zweiten entstand, ist sie ein reifes, aber darüber hinaus originelles Werk. Der erste Satz ist durchwegs bezaubernd, der zweite voll schlichter Anmut und höchst melodiös, während das Finale wiederum ein Meisterstück ist und sogar (trotz derzwischen beiden Werken liegenden Zeitspanne) einen Vergleich mit dem Finalsatz der »Großen« C-Dur-Symphonie standhalten kann.“

The Musical Times, 1. März 1881

Literatur

  • Renate Ulm (Hrsg.): Franz Schuberts Symphonien. Entstehung – Deutung – Wirkung. dtv/Bärenreiter, München/Kassel 2000, ISBN 3-423-30791-9.

Weblinks


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