Aquädukt von Zaghouan
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Aquädukt von Zaghouen
Aquädukt von Zaghouen
Ort Zielort Karthago (Tunis)
Konstruktion Aquädukt
Gesamtlänge 132 km
Fertigstellung 1. Hälfte 2. Jh. n. Chr.
Zustand Teilrestauriert
Lage
Aquädukt von Zaghouan (Tunesien)
Aquädukt von Zaghouan

Das Aquädukt von Zaghouan oder Aquädukt von Karthago ist ein antikes römisches Aquädukt, das die nordafrikanische Stadt Karthago mit Wasser versorgte. Von den Quellen in Zaghouan gespeist, gehörte es mit einer Gesamtlänge von 132 km zu den längsten Aquädukten der Römer.

Inhaltsverzeichnis

Datierung

Der Bau des Aquädukts ist nicht eindeutig datiert. Anhaltspunkte geben zum einen ein Besuch des Kaisers Hadrian im Jahr 128, mit dem eine fünfjährige Trockenzeit geendet haben soll. Der mit der Dürre einhergehende Wassermangel hatte vermutlich dazu geführt, dass die Menschen nicht mehr nur vom Regen abhängig sein wollten. Ein zweites Ereignis bildet die Einweihung der Antoniusthermen 162 in Karthago. Diese Badeanlage in der Größe der Kaiserthermen in Rom forderte eine stetige Wasserversorgung, die nicht mehr alleine durch Regen gedeckt werden konnte.

Die Quellen

Überreste des Quellheiligtums bei Zaghouan

Gespeist wird das Aquädukt durch mehrere Quellen, die in unterschiedlichen Zeiten angeschlossen wurden. Die erste und wichtigste liegt in der Nähe der Ortschaft Zaghouan im Djebel Zaghouan, einem Gebirge etwa 60 km südlich von Karthago. Über der Quelle wurde in römischer Zeit ein Quellheiligtum errichtet, das sich zum wichtigsten im antiken Nordafrika entwickelte.

Baubeschreibung

Das Heiligtum befindet sich auf einer künstlichen Terrasse. Nach Norden hin geöffnet und im südlichen Teil sich in einem Halbkreis schliessend wurde ein Platz von einem etwa 4 m breiten Säulengang umschlossen. Im Zentrum der Portikus befand sich die Cella, unter der die Hauptquelle entsprang.

Die Außenmauer hatte einen Kern aus Opus Caementitium und war mit grob bossierten Kalksteinquadern verkleidet. Die zum Platz hin gerichtete Mauer war durch Halbsäulen in 26 Bereiche unterteilt. In jeder zweiten gab es eine Nische für Statuen, die aber nicht mehr erhalten sind. Gegenüber jeder Halbsäule gab es eine ganze Säule, über die sich ein Kreuzgratgewölbe spannte. Das Gewölbe bestanden aus porösem Travertin, der mit Marmor verkleidet war. Die Säulen bestanden aus Sandstein. Die Außenseite des Gewölbes wurde mit wasserdichtem Opus signinum abgedichtet und ohne weiteren Schutz belassen. Der Boden der Portikus war mit einem Mosaik belegt. Die Cella, als wichtigster Ort des Bauwerks, bestand aus Kalkstein, der mit Marmor verkleidet war.

Wasserfassung

Im Bereich des Quellheiligtums entspringen fünf Quellen. Diese wurden im Bereich der künstlichen Terrasse in ihrem ursprünglichen, unterirdischen Bett belassen und erst unterhalb der Terrasse in einem Becken zusammengefasst. Aus dem Becken floss dann das Wasser in die Leitung des Aquädukts. Neben der Aufgabe des Wasserfassens diente das Becken auch zur Reinigung des Wassers. Durch den Aufenthalt des Wassers konnten Verunreinigungen sich auf den Grund absetzen.

Zweite Quelle

In severischer Zeit wurde eine zweite Quelle an das Aquädukt angeschlossen. Diese Befand sich in der Region von Jouggar. Auch über dieser Quelle befand sich ein Quellheiligtum, das aber nie die Bedeutung desjenigen von Zaghouan erreichte.

Die Wasserleitung

Karte der Wasserleitung von Zaghouan und Jouggar nach Tunis (1928)
Arkade in der Ebene von La Soukra, kurz vor Karthago, restauriert

Technische Daten

Das Aquädukt von Karthago ist eine Meisterleistung römischer Baukunst. Auf der Strecke von Zaghouan bis Karthago überwindet es in etwas mehr als 90 km nur 264 m Höhendifferenz, was ein durchschnittliches Gefälle von 0,3% ergibt. Jedoch werden auf den ersten 6 km bis Moghrane bereits 130 m überwunden. Somit ist das restliche Gefälle bis Karthago durchschnittlich noch 0,15%. In Moghrane mündet die später entstandene Leitung von Djouggar, die weitere 33 km lang ist. Insgesamt hat das Aquedukt mit allen Nebenleitungen eine Länge von 132 km und gehört somit zu den längsten im römischen Reich.

Die Leitung lieferte zwischen 200 und 370 l Wasser in der Sekunde, was zwischen 17 und 32 Mio. l im Tag ergab. Die Fließgeschwindigkeit betrug je nach Gefälle zwischen 3,5 und 5,5 km pro Stunde. Somit brauchte das Wasser etwa 1,5 bis 2 Tage von Zaghouan nach Karthago.

Verlauf

Die Wasserleitung wurde so errichtet, dass sie ein stetes, wenn auch nicht gleichmäßiges, Gefälle aufwies, damit das Wasser ohne weitere Unterstützung die Strecke überwinden konnte. Um einen möglichst geringen Arbeitsaufwand zu haben, wurde die Leitung, wo möglich, auf bzw. knapp unter der Erdoberfläche verlegt. Da man unnötigen Höhenverlust vermeiden wollte, folgte man mit der Leitung den Höhenkurven der Hügel. In drei Ebenen war es aber nicht möglich, die Leitung auf dem Boden zu errichten. So entstanden imposante Arkaden. Es waren dies:

  • In der Ebene von Oudna: 5 km. Dazu kam eine etwa 125 m breite Brücke aus einer doppelten Arkadenreihe mit einer Höhe von 33 m. Die Brücke wurde 1859 beim Bau einer neuen Brücke abgerissen, um die Steine wiederzuverwenden.
  • In der Ebene von Miliane: 2 km auf bis zu 20 m hohen Arkaden
  • In der Ebene von La Soukra, vor Karthago: 10 km auf bis zu 20 m hohen Arkaden

Querschnitt

Die Leitung hatte im Querschnitt die Maße von ca. 90 cm in der Breite und 130 cm in der Höhe. Nach oben wurde sie mit einem Gewölbe abgeschlossen. Die Wand bestand aus Opus caementitium und war mit Bossenquadern aus Sandstein verkleidet. Der wasserführende Teil der Leitung war mit mehreren Schichten Opus signinum wasserdicht verkleidet. Die Estriche dienten auch zur Feinnivellierung des Gefälles. Zur Belüftung gab es kleine, quadratische Öffnungen in der Decke. Im Boden der Leitung befanden sich in regelmäßigen Abständen kreisrunde Vertiefungen, die zur Reinigung des Wassers dienten, da sich Schwebestoffe darin absetzen konnten. Dies forderte aber eine ständige Kontrolle und Reinigung der Leitung.

Die Zisternen

Blick in ein Gewölbe der Zisterne von La Malga

Die Verteilung des Wassers innerhalb Karthagos ist noch nicht geklärt. Man geht davon aus, dass die Leitung in zwei Zisternen mündete und von dort weiter verteilt wurde. Bisherige archäologische Ausgrabungen lieferten aber noch keine gesicherten Aussagen zur Verteilung zu den Zisternen.

Zisterne von La Malga

Die Zisterne von La Malga ist die weltweit größte aus antiker Zeit. Sie fasste vermutlich 51 Mio. Liter. Auf Grund der Mörtelbeschaffenheit wird sie ins 1. Jahrhundert nach Christus datiert. Bis heute ist aber noch nicht geklärt, wie die Zisterne in jener Zeit genutzt werden konnte, da noch kein Aquädukt bestand und diese riesigen Wassermassen kaum nur durch Regenwasser gesammelt werden konnten.

Zisterne von Bordj Djedid

Die Zisterne von Bordj Djedid besteht aus 18 parallelen tonnenförmigen Becken und fasste etwa 25–30 Mio. Liter. Sie war für die Versorgung der Antoniusthermen verantwortlich. Das Baudatum der Zisterne ist nicht bekannt, allerdings sind Umbauten im Zusammenhang mit dem Bau der Antoniusthermen nachgewiesen.

Spätere Verwendung

Da die Wasserversorgung wichtig für eine Stadt war, wurde das Aquädukt bei der Belagerung durch die Vandalen 439, bei der Rückeroberung durch oströmische Truppen und schließlich bei der Einnahme Karthagos durch die Araber 698 zerstört, jedoch jedes Mal wieder in Stand gesetzt. Im 13. Jahrhundert baute ein arabischer Herrscher eine Abzweigung zu seinem Palast in der Ebene von Manouba, um seine Gärten zu bewässern. Ab dem 16. Jahrhundert zerfiel das Aquädukt stark und wurde als Steinbruch verwendet.

1859 erhielt ein französischer Ingenieur den Auftrag, die Wasserleitung zu restaurieren, um Tunis mit Wasser zu versorgen. Während die meisten ebenerdigen Leitungen wiederverwendet werden konnten, wurde anstelle der Leitung auf Pfeilern, die meistens vollständig zerstört waren, moderne Druckwasserleitungen verlegt. Seit der Inbetriebnahme 1862 wird die Leitung verwendet und liefert heute im Durchschnitt 12 000 m³ Wasser im Winter und 3 000 m³ im Sommer.

Bilder

Bibliographie

  • Friedrich Rakob: Das römische Quellenheiligtum bei Zaghouan in Tunesien. In Archäologischer Anzeiger 84, 1969, S. 284-300.
  • Friedrich Rakob: Das Quellenheiligtum in Zaghouan und die römische Wasserleitung nach Karthago. In: Römische Mitteilungen 81, 1974, S. 51-89.
  • Friedrich Rakob: Die römische Wasserleitung von Karthago. In: J.-P. Boucher (Hrsg.): Journées d‘études sur les aqueducs romains = Tagung über römische Wasserversorgungsanlagen, Lyon 26.-28. Mai 1977. Paris 1983, S. 309-318.
  • H. Slim: Maîtrise de l'eau en Tunisie à l'époque romaine. In: G. Argoud et al. (Hrsg.): L’eau et les hommes en Méditerranée et en Mer Noire dans l’antiquité. Athen 1992, S. 513-532.
  • A. Wilson: Water supply in ancient Carthage. In: Carthage papers, Portmouth, RI 1998, ISBN 1-887829-28-8 (Journal of Roman Archaeology, Supplementary series 28), S. 65-102.

Weblinks

 Commons: Aquädukt von Zaghouan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Quellheiligtum von Zaghouan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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