Vandalen
Wanderungen der Vandalen von 400 v. Chr. bis 430 n. Chr.

Die Vandalen, auch Wandalen, Vandali, Vandili, Vandilier und Vanduli genannt, waren ein germanisches Volk, das zur ostgermanischen Sprachgruppe gezählt wird. Zur Zeit des Tacitus siedelten die Vandalen zunächst im nordöstlichen „Germanien“, breiteten sich später aber weiter aus und wanderten im 5. Jahrhundert infolge der Völkerwanderung größtenteils nach Spanien und schließlich nach Nordafrika aus. Mit der Zerschlagung des Vandalenreichs im 6. Jahrhundert durch oströmische Truppen verlieren sich ihre Spuren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Vandalen

Die Frühzeit

Karte der Germanischen Stämme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)

Die Ursprünge der Vandalen sind nicht genau bekannt, zumal in den schriftlichen Quellen nur verstreute Aussagen gemacht werden, und werden in der Forschung intensiv diskutiert. Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten Vandalen in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder, aber südlich der damals dort siedelnden Burgunden.[1]

Eine Zugehörigkeit zum Kultverband der Lugier ist möglich, wenigstens werden die frühen Vandalen in den Quellen mit diesen oft gleichgesetzt.[2] Im 2. Jahrhundert sind unterschiedliche Teilstämme der Vandalen nachweisbar: Die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen im späteren Ungarn und Rumänien, von wo sie unter Mark Aurel während der Markomannenkriege ins Römische Reich eindrangen. Allerdings ist – wie bei fast allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit – unklar, welche Verbindungen zwischen den Völkern dieses Namens und jenen Verbänden, die dann in der Spätantike in den Quellen erscheinen, bestanden. Unter Konstantin ist jedenfalls eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt.

Vandalen und Völkerwanderung

Siehe auch: Völkerwanderung

Herkunft und Abstammung der Völkergruppe der Vandalen sind nicht restlos geklärt. Im Gegensatz zur älteren Forschung versucht man heute, die Prozesse zu verstehen, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, und geht nicht mehr von „wandernden“, fertig ausgebildeten Völkern aus. Von Plinius, Tacitus und Ptolemaios werden die Vandilier als Völkergruppe im Weichselgebiet erwähnt, aber verschieden definiert. Wie bei den „Gotonen“/„Gutonen“/„Goten“ ist zwar eine Namenskontinuität bekannt, jedoch kann über die ethnischen Prozesse hinter diesen Namen keine Aussage gemacht werden.

Um das Jahr 400 kann man nördlich der unteren und mittleren Donau große Wanderungen und Umwälzungen feststellen, wahrscheinlich ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen. Die Vandalen zogen gemeinsam mit den Alanen und Sueben westwärts nach Gallien.

Seit dem 1. Jahrhundert versuchte die römische Politik, die Hegemonie des Römischen Reiches außerhalb der Reichsgrenzen auf friedlichem Wege zu erreichen: durch Verträge mit Föderaten, durch die Anwerbung von Soldaten und durch den Handel mit Gewerbe- und Luxusgütern. Das Imperium Romanum war ein wirtschaftlich und politisch stabiler Raum mit einer enormen Sogwirkung auf „barbarische“ Gesellschaften. Langsam entstanden spezialisierte Krieger, soziale Unterschiede und innere Konflikte. Stämme zerfielen, und es bildeten sich neue Einheiten wie eben die in historischen Texten erwähnten Völker der Vandalen und Sueben. Nicht, wie in der spätantiken Literatur häufig gemutmaßt, Flucht vor Hunger und Kälte war der Grund für die Aufgabe alter und den Aufbau neuer Identitäten, sondern der Aufbruch zu neuen Möglichkeiten in der mediterranen Städtelandschaft.

Eindringen ins römische Reich

411: Aufteilung der Iberischen Halbinsel zwischen Alanen, Sueben, Asdingen (Nordwesten) und Silingen (Süden), der Nordosten blieb zunächst römisch

In der Silvesternacht 406 überschritt ein vandalischer Verband gemeinsam mit einer großen Gruppe von Alanen und Sueben den Rhein und fiel in die römische Provinz Gallien ein (siehe Rheinübergang von 406); Grund war vermutlich Flucht vor den weiter vordrängenden Hunnen. Fränkische Foederati, die sich ihnen entgegenstellten, wurden geschlagen.[3] Die Geschichte des 5. Jahrhunderts ist eine Folge von Machtkämpfen, und jedes Mal wurden nichtrömische Truppen gegeneinander aufgeboten. Die unabhängig operierenden Gruppen der Goten unter Alarich I. in Italien und der Vandalen, Alanen und Sueben stellten einen eigenen Machtfaktor dar.

Im Jahre 409 zog der alanisch-vandalisch-suebische Verband nach Spanien und begründete dort verschiedene kurzlebige Staatswesen. Das suebische Königreich in Galicien bestand bis ins späte 6. Jahrhundert. In der Vergangenheit wurde vermutet, dass der arabische Name für Spanien, Al-Andalus (der sich bis heute in der Landschaftbezeichnung Andalusien erhalten hat) eine arabische Bezeichnung für das „Land der Vandalen“ sei. Diese Auffassung ist heute umstritten. Nach einem römischen Feldzug, in dessen Verlauf auch westgotische Heere eingesetzt worden waren, brachen diese politischen Gebilde in Spanien zusammen; die silingischen Vandalen wurden in der Baetica fast restlos vernichtet, die asdingischen Vandalen vereinigten sich mit den Alanen. Gemeinsam setzten sie im Mai 429 nach Africa über.

Das vandalische Königreich in Afrika

Das Vandalenreich („Regno dei Vanadli“) in seiner größten Ausdehnung 526

Der junge König Geiserich führte die Vandalen (rund 15.000 bis 20.000 Krieger und ihre Familien - Prokopios spricht von insgesamt 80.000 Menschen) 429 nach Nordafrika.[4] Nach Prokopios hatte der römische General Bonifatius die Vandalen „eingeladen“, um sich mit ihrer Hilfe einer noch nicht offenbaren Intrige des Kaiserhauses zu erwehren, habe sich dann aber den Invasoren entgegengestellt. Allerdings ist diese Darstellung umstritten, zumal Bonifatius zu diesem Zeitpunkt wieder in gutem Einvernehmen mit Ravenna stand. Sicher ist, dass die Vandalen auf die Reichtümer der römischen Provinz Africa aus waren, des Herzstücks des westlichen Restreiches, welches Italien mit Getreide versorgte und einen nicht geringen Teil der Steuereinkünfte erwirtschaftete. Die Vandalen marschierten durch das heutige Marokko und Algerien und belagerten bzw. plünderten mehrere Städte. Dabei kam in Hippo Regius Augustinus ums Leben. Einige Berberstämme schlossen sich ihnen an. Auch Vertreter der christlichen Glaubensströmung des Donatismus unterstützten die Vandalen, da sie sich unter deren Herrschaft Schutz vor der Verfolgung durch die römische Staatskirche versprachen. Bonifatius, der sich mit dem Kaiserhaus arrangiert hatte, bekämpfte sie nun, wurde aber nach Italien abberufen, um gegen Aëtius zu kämpfen. Dabei fand er den Tod.

Erringung der Seeherrschaft im westlichen Mittelmeer

Nach der Eroberung größerer Gebiete durch Geiserich schloss die Reichsregierung 435 einen Vertrag mit den Eroberern, der ihnen Gebiete in Mauretanien (den beiden Provinzen Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis) und Numidien zugestand. 439 wurde unter Bruch des Vertrags Karthago erobert, die größte Stadt des Westens nach Rom, wobei den Vandalen die dort stationierte römische Flotte in die Hände fiel. Die Vandalen und Alanen errichteten ein Königreich in den reichen afrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa im Gebiet des heutigen Tunesien), das 442 auch von Valentinian III. anerkannt wurde. Mit Hilfe der erbeuteten Schiffe (die Vandalen unterhielten als einziger germanischer Verband eine nennenswerte Flotte) gelang ihnen die Eroberung Sardiniens, Korsikas und der Balearen. In Nordafrika übernahm Geiserich die Kaisergüter als eigenen Besitz, tastete römisches Privateigentum jedoch kaum an. Schnell übernahmen die Vandalen den römischen Lebensstil, schotteten sich jedoch durch ihren arianischen Glauben von der Oberschicht der Region ab.

Fantasiedarstellung aus dem 19. Jahrhundert von der Plünderung Roms durch die Vandalen 455

Von der Plünderung Roms bis zum Untergang

455 plünderten die Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich Rom. Der im 18. Jahrhundert aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für „fanatisches Zerstören um seiner selbst willen“ ist dabei historisch sowie sachlich unkorrekt. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom zwar gründlich und nicht ohne Brutalität (wobei die Bewohner aber auf Bitten des Papstes weitgehend geschont wurden), doch ohne blinde Zerstörungswut; vielmehr wurden systematisch Wertgegenstände geraubt. Das war auch kein reiner Beutezug, sondern auch ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik: Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter Eudocia als Braut für den vandalisch-alanischen Thronfolger Hunerich versprochen, und auch um diese vorteilhafte dynastische Verbindung nach der Ermordung Valentinians zu sichern, wurde die Hauptstadt angegriffen. Die Vandalen brachten wertvolle Beute nach Hause, ebenso wurden zahlreiche Menschen entführt, darunter die Witwe Valentinians, aber vor allem Handwerker, die im vandalischen Königreich benötigt wurden. Gleichzeitig wurden Sardinien, Korsika, die Balearen und schließlich auch Sizilien (wenn auch nur kurzfristig) in den vandalischen Herrschaftsraum einbezogen. Zudem kontrollierten die Vandalen nun endgültig die Getreideversorgung des Westreiches.

Während der Plünderung von Rom kam auch Kaiser Petronius Maximus zu Tode. Dies geschah jedoch nicht, wie oft behauptet, durch die Hand der Vandalen (beispielsweise gibt es ein Bild aus dem 19. Jahrhundert, auf welchem seine Enthauptung gezeigt wird): Maximus wurde in Wirklichkeit auf der Flucht aus Rom, als einfacher Bürger verkleidet, erkannt und von burgundischen Hilfstruppen gesteinigt. Maximus´ Nachfolger Maiorianus schuf aus Germanen, Hunnen und Skythen eine neue große Armee und verlegte sie mit einer gewaltigen Flotte nach Cartagena. Als die römische Flotte jedoch unbewacht im Hafen von Alicante ankerte, wurde sie 461 von den Vandalen überrascht und vernichtet. Das römische Landheer fiel beim Rückmarsch nach Italien auseinander.

Das vandalische Königreich wurde 468 Ziel einer großangelegten gemeinsamen Militäroperation des Westreiches unter Anthemius und des Oströmischen Reiches unter Leo I., die jedoch grandios scheiterte. Geiserich gelang es, die gewaltige römische Flotte in Brand zu setzen und zu vernichten. Nach dem Scheitern eines weiteren römischen Feldzugs 470 wurde daher 474 den Vandalen in einem Vertrag zwischen dem oströmischen Kaiser und Geiserich der Besitz Afrikas und der Inseln garantiert, doch waren die Vandalen wohl schon bald nicht mehr in der Lage, diese Regionen immer effektiv zu kontrollieren. Auch im Inneren kam es unter Geiserichs Nachfolgern zu Problemen, da die Vandalen Arianer waren, die Mehrheit der römischen Bevölkerung jedoch katholisch blieb; es kam zu mehreren Verfolgungen, wobei eine wichtige Quelle das (freilich tendenziöse) Werk des Victor von Vita ist. Vor allem aber mussten sich die Vandalen der immer heftigeren Angriffe der Mauren bzw. Berber erwehren, die unter Masties rasch die Kontrolle über das Bergland erlangten. Zudem kam es zu dynastischen Auseinandersetzungen um die Herrschaftsnachfolge. Ob hingegen der von spätantiken Quellen erhobene Vorwurf der massiven Dekadenz der Vandalen zutrifft, darf bezweifelt werden - schließlich mussten sich diese permanent äußerer Angriffe erwehren.

Das Ende kam erst, als Ostrom Thronstreitigkeiten innerhalb des Vandalenreiches zum Anlass für eine erneute Militärexpedition nahm: Nach Ansicht der Römer hatte der Vertrag von 474 nur für Geiserich und seine rechtmäßigen Nachfolger gegolten; als der Usurpator Gelimer 530 widerrechtlich den Thron bestieg, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Karthago und Konstantinopel daher rasant. 533/34 eroberten oströmische Truppen unter Belisar, einem Feldherren des Kaisers Justinian I., das vandalische Königreich. Die Zahl der vandalischen Krieger war zu gering, um die beiden schweren Niederlagen (Ad Decimum, Tricamarum), die ihnen Belisar mit Glück und Geschick zufügte, verkraften zu können. Gelimer wurde nach Konstantinopel gebracht und musste sich im Rahmen des Triumphzuges dem Kaiser unterwerfen, verbrachte seinen Lebensabend aber komfortabel auf einem Landgut in Galatien. Eine große Zahl vandalischer Kriegsgefangener wurde im Sommer 534 nach Konstantinopel verbracht und später von Ostrom in den Perserkriegen eingesetzt. Nordafrika wurde wieder in das Imperium Romanum integriert. Der letzte bewaffnete, vandalische Widerstand unter Guntarith erlosch 546[5]. In den Quellen erscheinen von da an keine Vandalen mehr. Die Reste der geringen germanischen Zivilbevölkerung wurden wohl größtenteils nach Osten deportiert, während mehrere Vandalen in der kaiserlichen Armee dienten.

Geschichte der Vandalen im Überblick

  • Um 375: Die vor den Hunnen ausweichenden Goten drängen die Vandalen nach Westen.
  • Rheinübergang von 406: die Vandalen setzen mit den nicht-germanischen Alanen und den Sueben über den Rhein und plündern Gallien.
  • 409 Zug nach Spanien;
  • 411 Niederlassung in der Baetica und in Galicien
  • 415-418 schwere Niederlagen gegen die für die Römer intervenierenden Westgoten, fast vollständige Vernichtung der silingischen Vandalen
  • 429 dringen die hasdingischen Vandalen zusammen mit restlichen Silingen und Alanen unter König Geiserich von Südspanien aus nach Nordafrika vor und erobern die dortigen römischen Provinzen. Von 430 bis 439 ist Hippo Regius die vandalische Hauptstadt. Während der vandalischen Belagerung von Hippo Regius stirbt in der Stadt deren Bischof Augustinus von Hippo.
  • 439 erobern die Vandalen die reiche Provinz Africa Proconsularis, das heutige nördliche Tunesien, und machen Karthago zur Hauptstadt des Vandalenreiches.
  • 455 Besetzung und Plünderung Roms; die Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien kommen zum Vandalenreich.
  • Ebenfalls 455 Konfiszierung katholischer liturgischer Gegenstände und Kirchenschließungen.
  • 474 erkennt der oströmische Kaiser Zenon die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika an.
  • 477 Geiserich stirbt und sein Sohn Hunerich wird König.
  • 483- 484 Große Katholikenverfolgungen unter Hunerich
  • 24. Februar 484: Ein Dekret verlangt den Übertritt aller Katholiken zum Arianismus bis zum 1. Juni.
  • 484 Gunthamund wird König.
  • 496 König Gunthamund wird durch Thrasamund abgelöst.
  • 523 König Hilderich erlaubt den Katholizismus.
  • 530 Gelimer stürzt Hilderich und wird König, erneute Repressalien gegenüber den Katholiken
  • 534 endet die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika mit der Eroberung des Gebiets durch den oströmischen Kaiser Justinian I..
  • 553 König Gelimer, der letzte König der Vandalen, stirbt im Exil (im Oströmischen Reich).

Wirtschaft, Gesellschaft, Sprache und Kultur

Über die mit dem Gotischen nah verwandte Vandalische Sprache ist wenig bekannt.

Den Asdingen standen anfangs zwei, später nur noch ein aus adligem Geschlecht stammende Könige vor. Sie waren mit den Sueben verschwägert.

Die Vandalen wurden um 350 zu arianischen Christen. Über Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Vandalen vor dem Beginn der großen Wanderung ist nur sehr wenig bekannt. Die im heutigen Polen liegende Przeworsker Kultur wird meist mit den Vandalen in Verbindung gebracht. Diese Zuweisung ist jedoch sehr unsicher. In Gallien und Spanien lassen sich keine archäologischen Funde mit den Vandalen in Verbindung bringen.

In Nordafrika ersetzten die Vandalen die Elite des römischen Afrika und profitierten von dem Reichtum dieser Provinz. Die Vandalen scheinen in Afrika einen in jeder Hinsicht römischen Lebensstil gepflegt zu haben, was sich aus der Kunst und Architektur dieser Zeit, aber auch aus den Schriftquellen erschließen lässt. Im Wesentlichen integrierten sich die vandalischen Herren in die ökonomischen Strukturen der spätantiken Mittelmeerwelt, und auch die Kultur des Altertums wurde im vandalischen Nordafrika gepflegt. Die vandalische Münzprägung ist Gegenstand von Diskussionen.

Liste der vandalischen Könige und deren dynastische Verbindung

  • Visimar (um 331–337, König der Hasdinger)
  • Godigisel (?–406, König)
    • Gunderich (?–428, König 406–428)
    • Geiserich (ca. 389-477, König 428–477)
      • Theoderich (?–ca. 480)
        • Godagis († vor 484)
      • Hunerich (um 420–484, König 477–484)
        • Hilderich (König 26. Mai 523–530; 533 hingerichtet)
      • Gento († vor 477)
        • Gunthamund (?–496, König 484–496)
        • Thrasamund (?–523, König 496–523)
        • Hoamer (Vater ungesichert, Neffe Hilderichs), († vor 533)
        • Euagees (Vater ungesichert, Neffe Hilderichs), († 533)
        • Geilarith (auch Gelaris)
          • Gelimer (?–553, König 530–534)
          • Ammatas (?–† 533)
          • Tzazo (?–† 533)
            • Gibamund (Vater ungesichert, Neffe Gelimers), (?–† 533)

Gleichsetzung der Begriffe Vandalen und Wenden

In mittelalterlichen Überlieferungen wurde die Bezeichnung Vandali mit der Bezeichnung Wenden bzw. Slawen gleichgesetzt. Die Vermischung dieser Bezeichnungen konnte in der Forschung bisher nicht abschließend geklärt werden.

Seit dem 8. Jahrhundert war der Name der Vandalen in Bezug auf die Slawen vor allem im süddeutschen Raum gebräuchlich. Im europäischen Raum kam im 12. Jahrhundert eine Diversifizierung und Nationalisierung der Geschichtsforschung auf. Auch in den slawischen Königreichen machte die Geschichtsschreibung diese Entwicklung mit. Die polnischen Beispiele solcher Geschichtswerke, die Chronica Polonorum des Vincentius Kadlubek, wobei er aber in seiner Wanda (Sage) erklärt, dass Wanda am Fluss Wandalus unter den Wandalen wohnt. Die Fortsetzung derselben Sage durch Dierszwa und die Chronik des Baszko/Boguphal beinhalten eine Geschichtsschreibung, die die Polen (angeblich) von den Vandalen abstammen lässt.

Noch im Geschichtswerk des Jan Dlugosz aus dem 15. Jahrhundert findet sich der Satz: „Vandali, qui nunc Poloni dicuntur“. Gestützt wurden die polnischen Geschichtsmodelle des 12. bis 15. Jahrhunderts mit der Völkergenealogie, die in der sogenannten „Fränkischen Völkertafel“ enthalten ist. Diese, in einer Beziehung zu Tacitus stehende, Quelle war wahrscheinlich vor dem achten Jahrhundert im fränkischen Raum die Ausgangsbasis für die Gleichsetzung der Slawen/Wenden mit den Vandalen. Mit der Gleichsetzung wurden die Verhältnisse, die die slawischen Ethnogenesen in den Jahrhunderten zuvor geschaffen hatten, in ein europäisch-fränkisches Geschichtsbild integriert.

Die Verwendung des Vandalennamens hatte auf Basis der mittelalterlichen Traditionen sowohl für die slawische Bevölkerung, als auch als Selbstbezeichnung politischer Gebilde im „Wendenland“ eine lange Tradition. Der Humanist Albert Krantz nahm diese Tradition in seiner 1519 posthum erschienenen „Wandalia“ auf. Darin behandelt er die Geschichte verschiedener slawischer Völker, hanseatischer Städte und des herzoglich mecklenburgischen Hauses, deren Herkunft und Entstehung er auf die antiken Vandalen zurückführte. Der Rückschluss auf diesen Zusammenhang wurde wesentlich auf den sogenannten „Pseudo-Berossos“ des Humanisten Annius von Viterbo gestützt. Es handelte sich bei diesem erstmals 1499 gedruckten Text um eine humanistische Fälschung, die Elemente der Biblische Erzählung mit den germanischen Genealogien des Tacitus zu verbinden beabsichtigte. Die von Krantz vor allem auf Basis des „Pseudo-Berossos“ vollzogene Germanisierung der Slawen wurde im polnischen Humanismus, namentlich vom im Auftrag des Königs Sigismund August schreibenden Martin Cromer, zurückgewiesen.

Eine weitere Vermengung der Namen kam seit dem 14. Jahrhundert durch die lateinischen Übersetzungen für die Bezeichnung der „wendischen Städte“ Danzig, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Königsberg, Riga und andere Hansestädte auf. Latinisiert wurden diese Städte als „vandalicae urbes“ bezeichnet. Die Bezeichnung wendische Städte stand im Zusammenhang mit der Einteilung der Hanse in Quartiere. Das Hansequartier mit dem Vorort Lübeck, das die aufgezählten Städte umfasste, wurde als wendisches Quartier bezeichnet.

Auch im Namen des pommerschen Teilherzogtums Wenden findet sich im Lateinischen die Form „Ducatus Vandaliae“. Erst diese gelehrte Latinisierung beinhaltete eine historische Dimension, die von der humanistischen Geschichtsschreibung zu Spekulationen verwendet werden konnte. Die Wurzeln der Bezeichnung reichen weit ins frühe Mittelalter. Vor diesem Hintergrund kann eine Reihe von Geschichtskonzeptionen aus dem Umkreis des mecklenburgischen Hofes gedeutet, erklärt und in einen Zusammenhang gestellt werden.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert setzte sich in der Geschichtsforschung eine Negierung der Gleichsetzung Wenden und Vandalen durch, die die Wortverwendung auf einen Irrtum der mittelalterlichen Autoren zurückführt.[6]

Literatur

Quellen

Sekundärliteratur

  • Guido Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.): Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)geschichten (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 13, OeAw Denkschriften der phil.-hist. Klasse 366). Wien 2008.
  • Guido M. Berndt: Konflikt und Anpassung. Studien zu Migration und Ethnogenese der Vandalen (Historische Studien 489). Husum 2007, ISBN 978-3-7868-1489-4.
  • Helmut Castritius: Die Vandalen. Etappen einer Spurensuche. Stuttgart u.a. 2007, ISBN 3-17-018870-4
  • Christian Courtois: Les Vandales et l'Afrique. Paris 1955
    Nach wie vor das unübertroffene monografische Standardwerk.
  • Pierre Courcelle: Histoire littéraire des grandes invasions germaniques. 3. Auflage, Paris 1964 (Collection des études Augustiniennes: Série antiquité, 19).
  • Hans-Joachim Diesner: Vandalen. In: Paulys Realencyclopädie der class. Altertumswissenschaft (RE Suppl. X, 1965), S. 957-992.
  • Hans-Joachim Diesner: Das Vandalenreich. Aufstieg und Untergang. Stuttgart 1966.
  • Frank M. Clover: The Late Roman West and the Vandals. Aldershot 1993 (Collected studies series 401), ISBN 0-86078-354-5.
  • Christoph Eger: Silbergeschirr und goldene Fibeln. Die vandalische Oberschicht im Spiegel der Schatz- und Grabfunde Nordafrikas. Antike Welt35/2, 2004,71-76.
  • L’Afrique vandale et byzantine. Teil 1. Turnhout 2002 (Antiquité Tardive 10), ISBN 2-503-51275-5.
  • L’Afrique vandale et byzantine. Teil 2, Turnhout 2003 (Antiquité Tardive 11), ISBN 2-503-52262-9.
    Die beiden Bände der Antiquité Tardive mit archäologischen, historischen und numismatischen Beiträgen von Javier Arce, Aicha BenAbed, Fatih Bejaoui, Frank M. Clover, Noel Duval, Cécile Morrisson, Jörg Kleemann, Yves Moderan, Philipp von Rummel u.a.; aktueller Stand der Forschung zum afrikanischen Vandalenreich.
  • Walter Pohl: Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration. Stuttgart 2002, S. 70-86, ISBN 3-17-015566-0.
  • Roland Steinacher: Vandalen - Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. In: Hubert Cancik (Hrsg.): Der Neue Pauly. Stuttgart 2003, Band 15/3, S. 942-946, ISBN 3-476-01489-4.
  • Andy Merrills, Richard Miles: The Vandals. Oxford-Malden/MA 2010.
  • Yves Modéran: Les Maures et l'Afrique romaine. 4e.-7e. siècle. Rom 2003 (Bibliothèque des Écoles françaises d'Athènes et de Rome, 314), ISBN 2-7283-0640-0.
  • Die Vandalen: die Könige, die Eliten, die Krieger, die Handwerker. [Publikation zur Ausstellung „Die Vandalen“; eine Ausstellung der Maria-Curie-Sklodowska-Universität Lublin und des Landesmuseums Zamość …; Ausstellung im Weserrenaissance-Schloss Bevern …. Nordstemmen 2003. ISBN 3-9805898-6-2
  • Ludwig Schmidt: Geschichte der Wandalen. 2. Auflage, München 1942.
  • R. Steinacher: Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihr Nachleben bis ins 18. Jahrhundert. In: W. Pohl (Hrsg.): Auf der Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8). Wien 2004, S. 329-353.
  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika. Philipp von Zabern, Mainz 2009, ISBN 978-3-8053-4083-0.

Weblinks

 Commons: Vandalen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Zu den Anfängen der Vandalen siehe Castritius, Die Vandalen, S. 15ff.
  2. Castritius, Die Vandalen, S. 16f.
  3. Castritius, Die Vandalen, S. 54ff.
  4. Castritius, Die Vandalen, S. 76ff.
  5. Castritius, Die Vandalen, S. 159ff.
  6. Roland Steinacher: Studien zur vandalischen Geschichte. Die Gleichsetzung der Ethnonyme Wenden, Slawen und Vandalen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Diss. Wien 2002 (online).

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