Bauer Morgengang
Lauta mit dem dahinterliegenden Haldenzug

Der Bauer Morgengang ist ein 5,5 Kilometer langer Erzgang im Bergbaugebiet des Marienberger Reviers. Namensgebend für den Gang war die Bauernzeche, das erste auf diesem Gang bauende Bergwerk. Der markante Haldenzug in der Ortslage Lauta (Ortsteil von Marienberg) steht unter Denkmalschutz. Die einzelnen Halden sind Biotope und stehen unter Naturschutz. Der Haldenzug ist Teil des geplanten UNESCO-Welterbeprojektes Montanregion Erzgebirge.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Bauer Morgengang streicht durchschnittlich 68°O und fällt zwischen 60 und 68°N. Der größere und bedeutendere Teil des Ganges ist das Gegentrum westlich des Lautenbaches. Über Tage wird der Verlauf des Ganges durch den Haldenzug visualisiert, der östlich des Ortes Lauta liegt und vom Lautenbach rund 600 Meter in ostnordöstliche Richtung verläuft. Der Haldenzug des Gegentrums verläuft südlich von Lauta rund zwei Kilometer lang nach Westsüdwest bis zur Dreibrüderhöhe. Etwa auf halber Strecke wird er vom Gangzug des Elisabeth Flachen gekreuzt.

Geologie

Der Bauer Morgengang ist ein hydrothermaler Gang und gehört zur kiesig-blendigen Bleierz-Formation (kb-Formation). Er wird von einem Lamprophyrgang begleitet und ist durch Bi-Co-Ni-Erze (Bi-Co-Ni- oder Wismut-Kobalt-Nickel-Uran-Formation) überprägt.

Geschichte

Nachbau des Pferdegöpels auf dem Rudolphschacht

2. Hauptperiode des erzgebirgischen Bergbaus

Der Silberbergbau auf dem Erzgang in der Grube Bauernzeche begann 1523 in der zweiten Hauptperiode des erzgebirgischen Bergbaus. Diese war unter anderem im Besitz des Leipziger Kaufmanns Georg Kreuziger. In kurzer Folge entstanden weitere Gruben auf dem Erzgang. Die Halden haben einen regelmäßigen Abstand, der der Größe der damaligen Grubenfelder und Maßen von 84×14 m bzw. 56×14 m in Streichrichtung des Ganges entspricht. Auf Grund der geringen Größe der Halden ist davon auszugehen, dass es sich um Schächte mit Handhaspeln handelte. Die Fördertiefe betrug deshalb maximal 30 bis 50 m. Von diesen Halden sind nicht mehr alle erhalten.

Die Ausbeute auf dem Erzgang erbrachte zwischen 1533 und 1597 83.334 Gulden.[1]

Um genügend Aufschlagwasser für die Wasserhebung zur Verfügung zu haben, wurde 1551 der Reitzenhainer Zeuggraben bis Lauta fertiggestellt. Damit war es möglich, Kunstgezeuge auf den Gruben des Bauer Morgenganges, des Elisabeth Flachen und des benachbarten Kiesholz anzutreiben.

1552 wurde die Wasserlochzeche, der heutige Rudolphschacht, am Gangkreuz des Bauer Morgenganges mit dem Elisabeth Flachen abgeteuft. Durch die Fertigstellung des Felberstollns 1568 in einer Teufe von 110 m konnte die Wasserabführung verbessert werden. Weitere tieferliegende zur Entwässerung dienende Stolln wie der St. Gideon Tiefer Erbstolln, der Neuglückstolln und der Hilfe Gottes Stolln wurden bis Mitte des 17. Jahrhunderts nicht fertiggestellt. Durch die Probleme und Kosten bei der Wasserhaltung sowie in Folge des Dreißigjährigen Krieges war der Erzbergbau weitgehend zum Erliegen gekommen.

3. Hauptperiode des erzgebirgischen Bergbaus

Der Bergmeister Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra unternahm große Anstrengungen, um die Gruben nachhaltig wieder in Betrieb zu nehmen. So wurde 1777 im Schacht Herzog Carl auf dem Bauer Morgengang durch Johann Friedrich Mende eine Wassersäulenmaschine installiert. Diese erfüllte jedoch die in sie gesetzten Erwartungen nicht.

Ein letzter Aufschwung des Bergbaus auf dem Bauer Morgengang begann im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. 1830 erreichte der Weißtaubner Stolln den Gang und 1836 den Wasserlochschacht. Somit konnte in einer Teufe von 140 m das Aufschlag- und Grubenwasser aus der Wasserhaltung ins Pockautal bei Rittersberg abgeführt werden.

1834 wurde der Vortrieb des Gideonstollns wieder aufgenommen und 1838/1839 auf der Wasserlochzeche ein Pferdegöpel installiert. Die Zeche erhielt am 23. Januar 1839 den Namen des neuen Bergmeisters Rudolph Hering und hieß fortan Rudolphschacht. Mit der neuen Technik wurde er zum Hauptförderschacht der Grube Vater Abraham auf dem Bauer Morgengang.[2] Ab 1865/66 wurde eine übertage aufgestellte 16-PS-Lokomobile und ab 1871/74 eine Wassersäulenmaschine zur Wasserhaltung eingesetzt. 1877 löste eine Dampfförderanlage den Pferdegöpel ab. Nachdem 1888 die Betreibergesellschaft in Konkurs ging, wurde der Schacht noch bis 1904 unter der Bezeichnung Vater Abraham weiterbetrieben. Damit endete auch der Silberbergbau im Marienberger Revier.

Untersuchungarbeiten durch die SAG Wismut

Durch die SDAG Wismut wurde von 1947 bis 1954 der Rudolphschacht wieder aufgefahren, auf dem Bauer Morgengang erfolgte jedoch keine Bergbautätigkeit.

Schauanlage Rudolphschacht

2005/2006 wurde der Pferdegöpel nachgebaut. Das Treibehaus beherbergt die Ausstellung „Bergbau im Marienberg Revier“, es finden Schauvorführungen statt. Die oberen zwanzig Meter der Schachtröhre können besichtigt werden.

Weblinks

Literatur

  • Otfried Wagenbreth et al.; Otfried Wagenbreth, Eberhard Wächtler (Hrsg.): Bergbau im Erzgebirge. Technische Denkmale und Geschichte. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1990, ISBN 3-342-00509-2.
  • Montanregion Erzgebirge: Pilotstudie Marienberg S. 33ff Online-Version, Anlagen
  • Rundbrief des Agricola-Forschungszentrums Chemnitz 2002 Online-Version
  • Falk Meyer: Der Marienberger Bergbau um 1600. In: Tagungsband, 10. Internationaler Montanhistorik-Workshop vom 3.-7. Oktober 2007 in Dittrichshütte/Thüringen. 2007, S. 47–58.

Einzelnachweise

  1. Wagenbreth: Bergbau im Erzgebirge S. 265
  2. Wagenbreth: Bergbau im Erzgebirge S. 285
50.66533513.151708

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