Gulden

Der Gulden (von mhd. guldin (pfenni(n)c/florin) ‚Goldmünze‘) ist eine historische Münze und Währungseinheit mehrerer Staaten. Die reguläre Abkürzung ist fl. oder f. für Fiorino, lat. florenus aureus, französisch Florin, ungarisch Forint. Sie leitet sich vom Florentiner Fiorino d'Oro ab, der im 13. bis 16. Jahrhundert tatsächlich als Goldmünze geprägt wurde. Seine Nachahmungen in anderen Ländern Europas waren zunächst auch Goldmünzen. Später wurden die Bezeichnungen „Gulden“ und „Florin“ auch für Silbermünzen übernommen, etwa im 19. Jahrhundert in England.

Es gab Gulden in Gold und ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend als Silberäquivalent (zum Beispiel als Joachimsthaler Guldengroschen, dem späteren Taler). Guldengroschen oder Guldiner wurden mit unterschiedlichen Gewichten in ganz Europa geprägt. Im deutschen Sprachraum kannte man den Gulden nach der Einführung der Goldmark im Jahre 1871 in Österreich-Ungarn noch bis 1900. Besondere Bedeutung errangen neben dem Reichsgulden der niederländische Gulden, der ungarische Forint sowie der polnische Gulden, der heute noch mit dem Złoty fortbesteht. Man unterschied im 17. bis frühen 19. Jahrhundert genau zwischen dem eigentlichen Goldgulden, dem (rheinischen und süddt.) Silbergulden, dem Taler und dem (virtuellen) Rechnungsgulden. Ein sprachliches Paradoxon bestand etwa im Sachsen des 18. Jahrhunderts, wo der Conventionstaler gleich zwei Gulden (halbe Taler) galt, obwohl beide Bezeichnungen historisch eigentlich vom (Gold-)gulden abstammten. Der Goldgulden unterlag im Gegensatz zum Dukat ab der frühen Neuzeit der Münzverschlechterung, was seine Beliebtheit einschränkte.

Goldgulden: Mainz, Erzbischof Johann II. von Nassau (1397–1419), geprägt zwischen 1399 und 1402 in Frankfurt-Höchst
Avers: Johannes der Täufer mit Kreuzzepter, die Rechte zum Segen erhoben; zwischen den Füßen ein Johanniterkreuz. Umschrift: IOH(ann)IS AR(chi)EP(iscop)VSMAGV(n)T(inus)
Revers: Vierpass; in der Mitte das nassauische Wappen, in den Bögen die Schilde von Kurmainz, Kurköln, Kurtrier, und von Bayern für Kurpfalz. Umschrift: MONETA OP(p)IDI IN HOIESTEN

Inhaltsverzeichnis

Benennung

Die Bezeichnung ‚Goldgulden‘ ist keine Tautologie, sondern dient zur numismatischen Unterscheidung vom in der Neuzeit dominierenden Silbergulden sowie zur Abgrenzung gegenüber dem Gulden als Rechnungsmünze.

Gulden und Dukaten

Mit dem rheinischen Goldgulden wurde der Standard reiner Goldmünzen verlassen, wie ihn der venezianische Dukat und der Florentiner Florin darstellten. Als Folge einer ständigen Münzverschlechterung wurde der Feingehalt mehrmals herabgesetzt. Er wurde durch Reichssatzungen oder Münzverträge festgestellt. Über deren Einhaltung wachten die Wardeine des Reiches oder die Vertragspartner eines Münzvereins wie des Rheinischen Münzvereins. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde deswegen im Geldverkehr zwischen den ursprünglich wertgleichen Dukaten und Goldgulden unterschieden. Als Dukaten wurden Münzen aus Feingold (23 2/3 Karat) und 3,5 g Gewicht bezeichnet. Anders als bei den Dukaten waren im Fall des Goldgulden neben Kupfer Silberzusätze erlaubt. Dukaten sahen in der Folge rötlicher aus, Goldgulden zeigten einen eher hellgelben Glanz. Ende des 15. Jahrhunderts bestanden die Goldgulden aus 18 Karat 6 Grän Gold, drei Karat sechs Grän Silber und zwei Karat Kupfer. Gold-Gulden wurden bis ins 19. Jahrhundert geprägt.

Silber

Goldgulden mit sichtbarer Silbertönung

Teilweise war die Silberbeimischung so stark, dass sie sichtbar den Goldton zurückdrängte. Mit zusätzlichen Beimischungen von Silber ließ sich der Schlagschatz zugunsten des Münzherren und Münzmeisters erhöhen. Goldgulden mit einem hohen Silberanteil wurden auch blaue Gulden genannt.

Später wurden auch regelrecht Silbergulden geprägt, die nur noch in der Namensherkunft Gold enthielten.

Ursprünge in Italien

Fiorino, 1347
A: FLOR–ENTIA – Florentiner Lilie
R: ·S·IOHA–NNES·B – Johannes der Täufer

Seit Karl der Große in seiner Münzreform von 794 den Silberpfennig (Denar) als einzige Münze in seinem Reich zugelassen hatte, kursierten in West- und Mitteleuropa als reguläres Zahlungsmittel nur Münzen aus Silber oder weniger edlem Metall. Der spätantike goldene Solidus geriet zur Rechnungsmünze. Goldmünzen stellten in Europa eine Ware dar, da ihr Kurs gegenüber den Silbermünzen zunächst nicht fix, sondern vom Wertverhältnis der beiden Edelmetalle abhängig war.

Die ersten neuen europäischen Goldmünzen in Europa wurden an Orten herausgegeben, die intensive Kontakte zur Arabischen Welt hatten. Einen Anfang der Goldprägung machte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II., als er seit 1231 in Brindisi und Messina den Augustalis schlagen ließ.

Der Fiorino d'Oro, Goldgulden aus Florenz seit 1252, der Dukat (Zecchine) Venedigs seit 1284 und der Genovino[1] aus Genua entstanden aus dem Handel mit Nordafrika (Maghreb). Dort konnten die Kaufleute mit europäischem Silber günstig afrikanisches Gold kaufen. Um das im Silberhandel oder dem noch lukrativeren Salzhandel erworbene Gold mit Gewinn wieder abzusetzen, waren Goldmünzen das geeignete Medium. Gold hatte in Europa gegenüber Silber einen erheblich besseren Kurs (1:10 bis 1:12 in Europa, 1:6 bis 1:8 im Maghreb). Auf diese Weise wurden gute Gewinne gemacht, und zugleich gelangte auch ein wertstabiles Zahlungsmittel auf den Markt.

Ausbreitung im Heiligen Römischen Reich

Der Goldgulden geriet durch den Handel in den deutschsprachigen Raum. Die beiden großen Wirtschaftskreise, der mittelmeerische und der hansische, begegneten sich in den Niederlanden und schufen dort ein neues Zentrum, das auch auf Deutschland einwirkte. Mit der Intensivierung des Fernhandels entstand das Bedürfnis nach einem größeren Silber-Nominal oder bzw. Gold-Nominal. Der seit über fünf Jahrhunderten allein geprägte Denar oder Pfennig genügte diesen Anforderungen nicht mehr. Die als Ersatz im Großhandel gebräuchlichen Barren waren dem Fiorino unterlegen, denn größere Geschäfte ließen sich mittels europäisch gängiger Großmünzen mit geringeren Verlusten des Geldwechsels abwickeln.

Weil der Floren nördlich der Alpen so begehrt war und nachgeahmt wurde, bot Papst Johannes XXII. im Jahr 1332 den Florentinern an, alle Nachahmer zu exkommunizieren, falls ihm selbst die Ausgabe von Florenen gestattet würde. Geprägt wurden diese in Avignon.

Böhmen

Goldgulden: Lübeck 1341
A: FLORE-LUBIC
R: S.IOHA–NNES.B.

Der Beginn einer eigenen Goldprägung im Heiligen Römischen Reich außerhalb Reichsitaliens fällt in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts. Als erster ließ Johann von Böhmen 1325 in Prag Goldmünzen schlagen. Die Bezeichnung Floren galt nur für die ersten Prägungen mit unverändertem Münzbild, anschließend entstand die Bezeichnung Gulden.

Lübeck

Seit 1339 versuchte Lübeck, sich aus dem Münzregal von 1226 zu lösen. In Verhandlungen unter der Führung des Reichsgrafen Berthold von Henneberg gelang es der Stadt, den Kaiser Ludwig IV. der Bayer (1282 bis 1347) zu einer Ausweitung des Münzregals zu bewegen. Mit der Landshuter Urkunde vom 25. März 1340 wurde die Prägung eines Guldens nach florentiner Aussehen beschlossen. Bis 1342 wurden in der Folge in Lübeck 30.000 Goldgulden (mit einem Rohgewicht von 3,53 g) unter dem Münzmeister Johannes Salenbem, den der Münzherr und spätere Lübecker Bürgermeister Tidemann von Güstrow aus Flandern angeworben hatte, geprägt. Lübeck prägte bis 1675 Gulden in drei verschiedenen Typen.

Rheinland (Rheinischer Münzverein)

Der Rheinische Goldgulden (florenus Rheni) entstand, nachdem die Kurfürsten von Köln, Trier und Mainz ihre Unterstützung bei der Wahl Karls IV. sich mit einem Goldmünzprivileg (das Recht leitete sich aus der Goldenen Bulle Karls IV. ab) belohnen ließen. Trier erhielt das Privileg am 25. November 1346, Köln am 26. November 1346 und Mainz am 22. Januar 1354.

Der Rheinische Goldgulden war bis in die Neuzeit von zentraler Bedeutung für das deutsche Geldwesen. Er entwickelte sich zur verbreitetsten Fernhandelsmünze in Böhmen, Ungarn, Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Nicht nur Gold-, sondern auch Silbermünzen wurden in ihrem Wert nach rheinischen Gulden bewertet und damit ihr Kurs (Zahlwert) festgesetzt.

Österreichische Erblande

In österreichischen Urkunden beginnen sich ab etwa 1330 Geschäftsabschlüsse mit Florentiner und Ungarischen Goldgulden zu mehren.

Die ersten Goldgulden in den damaligen habsburgischen Erblanden wurden von Herzog Albrecht II. (1330–1358) um 1350 im steirischen Judenburg geprägt, das sich im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu einem bedeutenden innerösterreichischen Wirtschaftszentrum entwickelte und vor allem für den venezianischen Handel bedeutsam war. Das Gold für die Judenburger Guldenprägung kam aus den Hohen Tauern, wo die Salzburger Erzbischöfe die Bergrechte besaßen, diese jedoch meist an private Gesellschaften verpachtet hatten.

Unter Albrechts Nachfolger, Herzog Rudolf IV. (1358–1365), sank die Zahl der geprägten Gulden deutlich. Rudolf führte den Florentiner Typus vorerst unverändert weiter, stellte dann jedoch bei seiner zweiten Emission die Anfangsbuchstaben seines Namens neben die Figur des Täufers; ein typologisches Detail, das wohl aus der parallel laufenden Pfennigprägung in Wien und Graz übernommen wurde. Unter Albrecht III. (1365–1395) erfolgte schließlich die Umstellung der österreichischen Gulden mit einer Darstellung der Wappen Österreichs (gemeint: das heutige Nieder- und Oberösterreich) und der Steiermark auf dem Avers.

Die Guldenprägung Albrechts III. erreichte nur einen sehr bescheidenen Umfang und musste, vermutlich wegen mangelnder Rentabilität der Goldbergwerke, eingestellt werden. Seine Gulden mussten mit den auf Grund rentablerer Goldvorkommen hochwertigen ungarischen Goldgulden konkurrieren.

Grafschaft Görz

Die Prägung von Goldgulden der Görzer Grafen in Lienz (im heutigen Osttirol) begann vermutlich um 1350 unter den Grafen Heinrich III. von Görz (1338–1363) und Meinhard VII. von Görz (1338–1385). Der älteste Görzer Guldentypus ist ein Florentiner Typus und führt neben der Lilie nur die allgemeine Umschrift COMES GORICIE. Das Rosenwappen der Münzstätte Lienz ist in die Averslegende integriert. Ab 1363/64 erfolgte auch in Lienz die Umstellung auf den Wappentyp.

Erzbistum Salzburg

Der Salzburger Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim (1365–1396) ließ Goldgulden in seiner Salzburger Münzstätte prägen, nachdem er unmittelbar nach Amtsantritt 1366 von Kaiser Karl IV. das Recht erwirkt hatte, Goldgulden mit eigenem Zeichen zu schlagen. (Salzburg war bis 1805 nicht Teil der habsburgischen Erblande, sondern bis 1803 selbstständiges geistliches Reichsfürstentum.)

Reichsmünzen vor 1559

Goldgulden mit Darstellung König Sigismunds, Frankfurt am Main, ab 1418

Der Reichserbkämmerer König Sigismunds (1410–1437), Konrad von Weinsberg, begann 1418 eine umfangreiche Prägung von Goldgulden in den königlichen Münzstätten Frankfurt, Dortmund, Nördlingen und Basel. Das Revers zeigte einen Reichsapfel, deswegen wurden die Reichs-Goldgulden auch als Apfelgulden bezeichnet.

Tirol

Der Tiroler Landesherr Sigismund von Tirol (1427–1496), österreichischer Erzherzog, auch „der Münzreiche“ genannt, verlegte die Tiroler Münze von Meran im heutigen Südtirol nach Hall nahe der Landeshauptstadt Innsbruck und ließ dort ab 1478 eigene Goldgulden prägen, die so genannten Guldiner.

Reichswährungen ab 1559

Der Goldgulden wird in der Geschichtsschreibung mit dem Bevorstehen der Neuzeit in Verbindung gebracht, ebenso wie die Talerprägung, die Zahlkraft und Geldwert der Goldmünzen in den Bereich der Silbermünzen übertrug. Erste Silbergulden wurden als Äquivalente 1486 geprägt und kamen dem Bedürfnis nach einer international handelbaren Großsilbermünze entgegen.

Die Reichsmünzordnung von 1559 schuf neben dem Taler zu 72 Kreuzern auch den Reichsguldiner bzw. Gulden-Taler zu 60 Kreuzern bei einem Metallgewicht von 24,63 g, einem Feingehalt von 930/1000, und einem Silbergewicht von 22,9 g. Das reguläre Erscheinungsbild wurde der Reichsadler mit Reichsapfel auf der Vorder- und die Angabe 60 (für 60 Kreuzer) auf der in der Gestaltung freieren Rückseite. Zur Reichsmünze ließ sich der Gulden der Regelung zum Trotz nicht erheben: Die nördlichen Länder des Reichs beharrten auf dem im Wert höheren Taler. In der Folge zerfiel das Reichsgebiet monetär in Gulden- und Taler-Länder, was mit dem Reichsmünzedikt von 1566 fixiert wurde.

Der Taler wurde auf 90 Kreuzer gesetzt, so dass der Gulden 2/3 eines Talers entsprach. In Norddeutschland wurden in der Tat 2/3-Taler geprägt. Um 1700 besaß ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40–50 Euro entspräche. 1747 musste beispielsweise in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen für einen Gulden ein Meister zwei Tage, ein Geselle etwa 2½ und ein Tagelöhner drei Tage zu jeweils 13,5 Arbeitsstunden an den herrschaftlichen Bauten arbeiten.

Nach der monetären Katastrophe der „Kipper- und Wipperzeit“ genannten Münzverschlechterung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges festigte sich im Reich das folgende Schema, nach dem im frühen 18. Jahrhundert vier Reichsgulden einen Golddukaten machten, zwei Reichsgulden einem gemünzten oder Species-Taler entsprachen, 1½ Reichsgulden einem Reichstaler der reinen Recheneinheit und ein Reichsgulden schließlich drei Mark Lübisch entsprach:

Reichs-Ducat Speciestaler Reichstaler Reichsgulden Marck Lübisch Kreuzer
1 2 2 2/3 4 8 240
1 1 1/3 2 4 120
1 1 ½ 3 90
1 2 60
1 30

Diese stabile Phase endete 1750 mit der Einführung des Konventionstalers, der sich insbesondere in Österreich und Süddeutschland aufgrund des Konventionsfußes durchsetzte und ursprünglich zwei Reichsgulden entsprach. Aufgrund des geringeren Feingehaltes der Kleinmünzen wurde der Gulden, den es als Münze damals nicht gab, in der Folge jedoch als Rechnungsgulden abgewertet. Ein Konventionsgulden entsprach demnach einem Rechnungsgulden und 12 Kreuzern. Seit 1760 wurde der Münzfuß auf 24 (statt 20) Gulden aus einer feinen Mark Silber festgelegt.

Deutscher Bund

Seit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 blieben Silbergulden in Süddeutschland und Österreich in Gebrauch, während in Norddeutschland weiterhin in Talern gerechnet wurde. Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins wurde im Münchener Münzvertrag von 1837 der Vereinstaler als Standard festgelegt. Die süddeutschen Staaten prägten nun sowohl Gulden als auch Taler. Dabei entsprachen 2 Vereinstaler dem Wert von dreieinhalb süddeutschen Gulden und 24 ½ Gulden entsprachen einem Silbergewicht von einer feinen Mark. Mit der Umstellung auf das metrische System wurde dann der Münzfuß 1857 auf 52 ½ Gulden aus einem Pfund Feinsilber angepasst. Doppelgulden, Gulden und Teilstücke wurden noch bis 1870 geprägt. Ab 1876 war der Gulden nicht mehr als Zahlungsmittel im Deutschen Reich zugelassen.

1857 wurde versucht, auch den Gulden des Kaisertums Österreich fest an den Vereinstaler zu binden. Inflation in Österreich und das Zerbrechen des Deutschen Bundes im Deutschen Krieg von 1866 beendeten diese Verbindung.

Gulden anderer Staaten

Großbritannien

In Großbritannien gab es zu zwei verschiedenen Zeiten Münzen mit dem Namen Florin:

Edward III. ließ im Jahre 1344 Goldflorins (die aber nach wenigen Monaten aus dem Verkehr gezogen werden mussten, da ihr Goldwert über dem Nennwert von 6 Schilling lag) und eine Silbermünze namens Florin im Wert von 2 Schilling prägen.

Von 1849 bis zur Dezimalisierung im Jahre 1982 trug eine Silbermünze im Wert von 2 Shilling die Bezeichnung Florin.

Schweiz

In der Schweiz war der Gulden im Mittelalter als Zahlungsmittel weit verbreitet. Einige Städte und Landesherren prägten eigene Gulden, die regional als Zahlungsmittel verbreitet waren, z. B. der Churer Gulden (romanisch Rensch) im heutigen Graubünden oder der Landgulden im 15. Jahrhundert. Zwischen 1803 und 1850 verwendeten die Kantone Graubünden, Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich, Uri und St. Gallen den Gulden als kantonale Währung. Die Unterteilung sowie der Wechselkurs schwankte dabei beträchtlich.

  • Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich: 1 Gulden – 40 Schilling
  • Graubünden: 1 Gulden – 60 Kreuzer – 70 Bluzger
  • Uri: 1 Gulden – 40 Schillinge – 240 Angster

1850 wurde in der Schweiz der Schweizer Franken als Einheitswährung eingeführt. Er wurde trotz heftigen Widerstands der Guldenanhänger der Ostschweiz nach dem Frankensystem gestaltet, das vor allem in der Westschweiz verbreitet war.

Polen

2,5 niederländische Gulden

In Polen war die Münzbezeichnung Złoty, gleichbedeutend mit Gulden, seit der Renaissance bis 1831 gebräuchlich. Von der Wiedergründung 1918 bis 1926 war die Währungseinheit die Marka Polska (polnische Mark). Ab 1926 hieß die polnische Währung dann wieder Złoty.

Niederlande

In den Niederlanden wurden seit 1601 Gulden geprägt. Der Niederländische Gulden wurde als Rechnungseinheit 1999, als Bargeld 2002 durch den Euro abgelöst. Lediglich die niederländische Landeszentralbank (oder Dienstleister wie GFC) wechseln noch bis 2012 Gulden in Euro. In Form des Niederländischen Guldens verbreitete sich der Gulden bis nach Asien und Südamerika. Surinames Gulden wurde 2003 vom Suriname-Dollar abgelöst. Es überlebten der Antillen-Gulden auf den ehemaligen Niederländischen Antillen und der Aruba-Florin. Der Antillen-Gulden wird auf den BES-Inseln am 1. Januar 2011 durch den US-Dollar abgelöst und ist dann nur mehr auf Curaçao und Sint Maarten gültig. Am 1. Januar 2012 soll er durch den Karibischen Gulden ersetzt werden.

Siehe auch: Coselgulden, Blauer Gulden

Kaisertum Österreich

Der Taler war bis zum 31. Oktober 1858 gesetzliches Zahlungsmittel im Kaisertum Österreich. Ab 1. November wurde die Österreichische Währung im Dezimalsystem eingeführt. Deren Gulden umfasste 100 Kreuzer.[2] Auslöser waren die Vereinbarungen im Wiener Münzvertrag von 1857, die zur Abschaffung des seit 1750 geprägten Konventionstalers führten. Der Maria-Theresien-Taler als sein bekanntester Vertreter behielt seinen guten Ruf lange darüber hinaus.

Der Gulden war von 1858 bis 1892 (im Umlauf bis 1900) in Österreich die Silberwährung. Es gab von 1870 bis 1892 8- und 4-Gulden-Stücke als Goldmünzen, 2- (ab 1859), 1- (ab 1857 bzw. schon früher) und ¼-Gulden-Stücke als Silbermünzen. Ab 1857 wurden im Unterschied zu den anderen deutschen Staaten aus 500 g Silber 45 Gulden geprägt (45-Gulden-Fuß).

Österreich-Ungarn

Die 1867 erfolgte Umgliederung des bisherigen Einheitsstaates in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn räumte Ungarn das Recht auf eine eigene Währung ein. Österreich und Ungarn vereinbarten jedoch, die gemeinsame Währung beizubehalten; sie wurde von 1878 an von der österreichisch-ungarischen Bank administriert. Für die Länder der ungarischen Krone wurden ab 1868 Guldenmünzen mit der Bezeichnung Forint geprägt. 1892 wurde auf die Kronenwährung umgestellt; der Gulden / Forint war aber parallel noch bis 1900 im Umlauf. Ein Gulden wurde in zwei Kronen umgerechnet.

Wert 2009

Ein Konventionstaler bzw. ein österreichischer Gulden (fl.) entsprach 2009 etwa folgendem aktuellen Geldwert:[3] [4]

  • fl. Conventions-Münze 1819–1850, fl. 1869: 6,24 €
  • fl. 1873, 1894: 5,93 €

Ungarn

1946 wurde der ungarisch Forint genannte Gulden, bis 1892 / 1900 Währung Ungarns, wieder als Landeswährung eingeführt.

Danzig

1923 bis 1939 war der Danziger Gulden die Währung der Freien Stadt Danzig. 1931 wurde sein Wert dem polnischen Złoty angeglichen.

Werte verschiedener Gulden

Während der Reichstaler als Währungseinheit von ¾ des gemünzten Reichstalers eine europäische Karriere machte, entwickelte sich der Gulden in Europas Währungssystemen uneinheitlich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick für das frühe 18. Jahrhundert:

Bewertungen konkurrierender Gulden gegenüber dem Reichsgulden
3 Reichsgulden = 5 Niederländische Gulden
2 Reichsgulden = 1 Polnischer Gulden
6 Reichsgulden = 43 Genfer Gulden

Erscheinungsbild

Die Umschrift bestimmt, welches die Vorderseite oder die Rückseite ist. Die Vorderseite ist zumeist dem Prägeherrn vorbehalten. Auf der Vorderseite des Floren war ursprünglich eine Lilie abgebildet, die Florentiner Lilie, das Stadtsymbol von Florenz, auf der Rückseite der heilige St. Johannes der Täufer. Als die Münze später in den Deutschen Landen eingeführt war, entwickelte sich der heilige St. Johannes zur Vorderseite. Es gibt keinen Zweifel, dass für den mittelalterlichen Menschen einem Heiligen ein weit höherer Rang zukommt als einer Lilie oder einem Wappen.

Um Prägungen verschiedener Territorien zu unterscheiden, entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Münzbildnisse. St. Johannes wurde in Mainz 1365 durch einen Bischof ersetzt, die Lilie durch ein Wappen. Darstellungen der Heiligen Petrus, Christus, St. Laurentius, St. Andreas, St. Martin, Madonna und sogar eines Ritters oder stehenden Pfalzgrafen kamen noch im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzu. Erst im 16. Jahrhundert wurden die Heiligen durch Herrscherbildnisse ersetzt.

Heiligenbildnisse auf Goldgulden:

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer ist der erste Heilige, der auf den Goldgulden abgebildet wurde.

Heiliger Johannes mit Kreuzzepter, die Linke zum Segen erhoben mit Wollmantel.

Apostel Petrus

St. Laurentius

Der Heilige Laurentius als Symbol für die Nürnberger Goldgulden.

Der Entwurf zu dem heiligen St.Laurentius auf dem Goldgulden[5] entstand unter Mitwirkung Albrecht Dürers. Geprägt hat der verantwortliche Münzmeister Dietherr.

Literatur

  • John Stewart Davenport: German Silver Gulden 1559–1763. Frankfurt a. M.: Schulten, 1982. ISBN 3-921302-35-8.
  • Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert. Regenstauf: Battenberg Verlag, 2007. ISBN 3-86646-025-2.
  • Joachim Weschke: Die Reichsgoldprägung Deutschlands im Spätmittelalter bis 1450. Dissertation Humboldt-Universität Berlin, Liegnitz 1955.
Rheinland
Trier
  • Karl Weisenstein: Das Kurtrierische Münz- und Geldwesen vom Beginn des 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts – Auch ein Beitrag zur Geschichte des Rheinischen Münzvereins. Koblenz: Numismatischer Verlag Gerd Forneck, 1995. ISBN 3-923708-08-4.
Kurmainz
  • Albert Schlegel: Die kurmainzische Münzstätte Höchst 1377 bis 1461/63. Frankfurt: Verlag Waldemar Kramer, 1991. ISBN 3-7829-0363-3.
Lübeck
  • Rolf Hammel-Kiesow unter Mitarbeit von Dieter Dummler und Michael North: Silber, Gold und Hansehandel – Lübecks Geldgeschichte und der große Münzschatz von 1533/37. Lübeck: Archiv der Hansestadt Lübeck, 2003. ISBN 3-7950-1254-6.
Nürnberg
  • Christoph Andreas ImHof: Sammlung eines Nürnbergischen Münz-Cabinets welches mit vieler Mühe so vollstaendig, als moeglich, in wenig Jahren zusammengetragen, und sodann auf das genaueste beschrieben. Nürnberg: Paul Jonathan Felßecker, 1780.
  • Herbert J. Erlanger: Die Reichsmünzstätte in Nürnberg, Nürnberger Forschungen 22. Nürnberg 1979
  • Hans-Jörg Kellner: Die Münzen der Reichsstadt Nürnberg. 2. Auflage. Stuttgart 1991. ISBN 3-9802706-0-2.
Wendischer Münzverein
  • Wilhelm Jesse: Der Wendische Münzverein. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann, 1927. Neudruck: Klinkhardt & Biermann, Braunschweig: 1967.
Schweiz
  • Joseph Albrecht: Mittheilungen zur Geschichte der Reichsmünzstätten zu Frankfurt am Mayn, Nördlingen und Basel, in dem zweiten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts, insbesondere während ihrer Verwaltung unter Conrad von Weinsberg, dem Reichs-Erbkämmerer. Heilbronn, 1835.
  • Albert Sattler: Geschichte und Goldgulden der Reichsmünzstätte zu Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, 2 & 9). Bulle 1882,
  • Albert Sattler: Die Guldenthaler von Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Jg. 4 (1885) Nr. 5/5. Fribourg: Henseler, 1885.
  • Christian Winterstein: Die Goldgulden von Basel. Basel: Schweizer Bankverein, 1977.
  • Martin Körner: Luzerner Staatsfinanzen 1415–1798: Strukturen, Wachstum, Konjunkturen, S. 44–99. Luzern; Stuttgart: Rex-Verlag, 1981. ISBN 3-7252-0398-9.
  • Edwin Tobler: Die schweizerische Münzreform von 1850. In: Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit: die numismatische Sammlung des Kantons Aargau; S. 100–107. Lenzburg: Historisches Museum Aargau, 1997. ISBN 3-9520146-0-5.
Allgemein
  • Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. Berlin: de Gruyter, 1930; 2. unveränd. Aufl. 1970; S. 245–247
  • Michel Amandry (Hrsg.): Dictionnaire de numismatique. Paris: Larousse, 2001; S. 228. ISBN 2-03-505076-6.

Weblinks

 Commons: Gulden – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. vergl. Genovino, ital. Wikipedia
  2. Archiv für Geschichte der Soziologie in Österreich: Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1850 bis 1859, abgefragt am 30. Oktober 2010
  3. Erste österreichische Spar-Casse (Hrsg.): Wien, am Graben 21. 150 Jahre Erste österreichische Spar-Casse, 150 Jahre österreichische Geschichte, Wien 1969
  4. Verbraucherpreisindex 1966
  5. (Literatur: Kellner, S. 10)

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  • Gülden — Gülden, dasselbe was Gulden …   Herders Conversations-Lexikon

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