John Mehegan

John Mehegan

John Mehegan (* 6. Juni 1920 in Wethersfield (Connecticut); † 3. April 1984 in New Canaan, Connecticut) war ein US-amerikanischer Jazz-Pianist, Dozent und Kritiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

John Mehegan begann im Alter von fünf Jahren autodidaktisch mit dem Klavierspiel; später gab ihm seine Mutter Geigenunterricht, er zog jedoch das Piano vor. Um 1940 trat er in Connecticut auf; 1941 zog er nach New York City. 1945 hatte er ein Quartett mit dem Gitarristen Billy Moore, Al Hall, Jimmy Crawford und nahm vier Titel für Savoy auf [1] und spielte kurz in der Band von Lionel Hampton („Blowtop Blues“). 1946 wurde zum Leiter der Jazz-Abteilung an der Metropolitan Music School in New York ernannt; 1947 war er auch an der Juilliard School of Music und der Yale University tätig und schrieb daneben Jazz-Kritiken für den New York Herald Tribune und liner notes, wie etwa für das Savoy-Album The Charlie Parker Story.

Die 1950er Jahre waren seine aktivste Periode als Musiker; 1952 wirkte Mehegan an einer Session von Charles Mingus´ Jazz Workshop mit dem Sänger Jackie Paris mit („Paris in Blue“).[2] Für Savoy nahm er auch zwei Alben unter eigenem Namen auf, Reflections im Duo mit Kenny Clarke sowie A Pair of Pianos im Trio mit Eddie Costa und Vinnie Burke. 1954 wirkte er an einer Session mit Chuck Wayne mit.[3]

Eine weitere Session mit Clarke und Mingus vom 30. Januar 1955 wurde auf der Savoy-Anthologie I Just Love Jazz Piano veröffentlicht.[4] Im April 1956 nahm er als Solist sein letztes Album für Savoy auf, ein Standards-Programm mit Titeln wie „Makin' Whoopee“, „Deep Purple“ und „It Could Happen To You“.[5] 1958 begleitete er noch den Sänger Tony Perkins ('On a Rainy Afternoon).

Mehegan trat daneben in New York mehrere Jahre als Solist in der "Composer's Lounge" und im "Ambassador Grill and Lounge" auf; außerdem im "River Cafe" in Brooklyn und zahlreichen Clubs im Südwesten von Connecticut, wo er mit seiner Familie lebte.

1959 spielte er mit Kenny Dorham ein Album für das Label Request ein und tourte durch Südafrika, wo er u.a auch mit dem jungen Hugh Masekela arbeitete, was ihm Ärger mit den dortigen Apartheids-Regime wegen "Fraternisierung" einbrachte.[6] 1960 entstanden Mehegans letzten Aufnahmen mit einem Trio; danach arbeitete er vorwiegend als Hochschullehrer und Autor.

Im Rahmen seiner langjährigen Lehrtätigkeit hatte John Mehegan Studenten, zu denen viele später bekannte Jazzmusiker gehören, wie etwa Mike LeDonne, Tad Shull, Larry Willis und Jack Wilkins. Er schrieb u.a für das Magazin Down Beat, außerdem mehrere Bücher über Jazz, wie die vierbändige Reihe Jazz Improvisation, die sich mit den Grundprinzipien des Jazz auseinandersetzte. 1968 unterrichtete er an der University of Bridgeport, 1974/75 in Yale. Er betätigte sich auch als Komponist für Film und Fernsehen, u.a für die Verfilmung von Arthur Millers Einakter A Memory of Two Mondays.

Leonard Bernstein widmete ihm eine Klavier-Komposition, die in seiner Sammlung Four Anniversaries von 1948 enthalten ist. Richard Cook und Brian Morton schrieben in ihren stilistischen Anmerkungen zum Schallplattenwerk Mehegans, dass er versuchte, formale Strukturen der Musik Bachs und Händels in sein Spiel einzubeziehen, was eine „uhrwerkartige Rhythmik“ ergab, die jedoch nicht überzeugen konnte. Auch den Standard „I'll Remember April“ (mit Eddie Costa) interpretierte er in einer Weise, wie ihn Beethoven gespielt haben könnte.[7]

Verweise

Veröffentlichungen

  • Styles for the Jazz Pianist. New York: Sam Fox, 1957.
  • Jazz Improvisation, Vol. 1: Tonal and Rhythmic Principles. New York: Watson-Guptill, 1959. ISBN 0823025713.
  • The Jazz Pianist. Studies in the Art and Practise of Jazz Improvisation, Vol. 1–3. New York: Sam Fox, 1960.
  • Jazz Preludes. New York: Sam Fox, 1962.
  • Jazz Improvisation, Vol. 2: Jazz Rhythm and the Improvised Line. New York: Watson-Guptill, 1962. ISBN 0-8230-2572-1.
  • Jazz Improvisation, Vol. 3: Swing and Early Progressive Piano Styles. New York: Watson-Guptill, 1964. ISBN 0-8230-2573-X.
  • Jazz Improvisation, Vol. 4: Contemporary Piano Styles. New York: Watson-Guptill, 1965. ISBN 0-8230-2574-8.
  • Improvising Jazz Piano. New York/London: Amsco Publ., 1985. ISBN 0-7119-0191-0.

Diskographische Hinweise

  • Chuck Wayne: The Guitar And Quintet Of Chuck Wayne (Savoy, 1954)
  • Reflections (Savoy, 1955) Solos und Duos mit Kenny Clarke
  • John Mehegan/Eddie Costa Trio: A Pair of Pianos (Savoy, 1955)
  • The John Mehegan Trio/Quartet (Savoy, 1955)
  • How I Play Jazz Piano (Savoy, 1956)
  • Casual Affair (Request/Fresh Sound Records, 1959) mit Kenny Dorham, Chuck Wayne

Quellen

Einzelnachweise

  1. Johnny Mehegan (p) Billy Moore (g) Al Hall (b) Jimmy Crawford (d) (NYC, 27. M#rz 1945); Sweet Georgia Brown, Easy To Love, April In Paris, Lullaby In Rhythm. Die Aufnahmen erschienen zunächst als Single (Johnny Mehegan - April In Paris c/w Lullaby In Rhythm (Savoy 568)), dann auf dem Album Johnny Mehegan (Savoy XP 8096);; vgl. jazzdisco.org/Savoy Records, 1945.
  2. Bei der Session am 16. September 1952 entstanden noch die Titel „“Make Believe“ und „Montage“; die Aufnahmen sind in der Kompilation The Complete Debut Recordings bzw. in dem Album Debut Rarities, Vol. 4 enthalten.
  3. John Mehegan (p) Chuck Wayne (g) Vinnie Burke (b) Joe Morello (d) (NYC, 10. Juni 1954), Taking A Chance On Love, Sirod, Uncus und Stella By Starlight, die auch auf seinem Album The John Mehegan Trio/Quartet (Savoy MG 15054) enthalten ist.
  4. Sie spielten die Titel Blues too Much, Thou Swell, The Boy Next Door, Cherokee. Die Titel erschienen später auf dem Album: The John Mehegan Trio/Quartet (Savoy MG 15054).
  5. John Mehegan - How I Play Jazz Piano (Savoy MG 12076)
  6. Vgl. Cook/Morton, S. 894.
  7. Vgl. Cook/Morton, S.879, 2. Auflage, 1994.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем решить контрольную работу

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • John Mehegan — (June 6, 1920 ndash; 1984) was a jazz pianist, lecturer and critic.Mehegan was born in Wethersfield, Connecticut, and began playing the piano at the age of five. He taught himself to play by matching his fingers to the notes played on a… …   Wikipedia

  • John Stowell — bei einem Konzert in Bad Marienberg, November 2010 John Stowell (* in Connecticut) ist ein US amerikanischer Jazzgitarrist, Komponist, Autor und Musikpädagoge. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • John Ireland (archbishop) — John Ireland (September 11, 1838 ndash; September 25, 1918) was the third bishop and first archbishop of Saint Paul, Minnesota (1888 ndash;1918). He became both a religious as well as civic leader in Saint Paul during the turn of the century.… …   Wikipedia

  • John Banville — Infobox Writer imagesize = 150px name = John Banville caption = pseudonym = Benjamin Black birthdate = birth date and age|1945|12|8|df=y birthplace = Wexford, Ireland deathdate = deathplace = occupation = novelist, playwright, journalist… …   Wikipedia

  • Charles Mingus discography — Charles Mingus discography. Contents 1 Discography 1.1 As bandleader 1.2 Posthumous recordings 1.3 As a sideman …   Wikipedia

  • Liste von Jazzmusikern — Abk. Instrument acc Akkordeon acl Altklarinette afl Altflöte arr Arrangement as Altsaxophon b Bass bar …   Deutsch Wikipedia

  • List of jazz pianists — This is an alphabetized list of notable musicians who play or played jazz piano. Only add names here if the person has their own article on Wikipedia, please. Anything else will be removed. A *Muhal Richard Abrams (1930 ) *Beegie Adair *Nat… …   Wikipedia

  • Liste von Jazzmusikern nach Epoche und Instrument — Siehe auch: Liste von Jazzmusikern (alphabetisch), Liste von Jazzmusikern in Deutschland sowie Liste von Jazzmusikern in Österreich Ein Jazzmusiker oder eine Jazzmusikerin spielt oder singt Jazz Musik. Jazzmusiker sollten kreativ improvisieren… …   Deutsch Wikipedia

  • Anthony Perkins — en 1975 Données clés Nom de naissance Anthony Perkins Surnom …   Wikipédia en Français

  • Lenox School of Jazz — Die Lenox School of Jazz war ein Ausbildungsprogramm für Jazzmusiker, das in den Sommermonaten von 1957 bis 1960 in Lenox, Massachusetts abgehalten wurde. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte des Jazz Programms 2 Zitate von Teilnehmern 3… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”