Afrikanischer Wildhund
Afrikanischer Wildhund
Lycaon pictus (Temminck, 1820).jpg

Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Lycaon
Art: Afrikanischer Wildhund
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lycaon
Brookes, 1827
Wissenschaftlicher Name der Art
Lycaon pictus
Temminck, 1820

Der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus) ist der größte Wildhund der afrikanischen Savanne. In älterer Literatur findet man ihn oft auch unter der Bezeichnung „Hyänenhund“, da er äußerlich entfernt einer Hyäne ähnelt. Gleich den Hyänen ist der Afrikanische Wildhund ein Rudeltier. Anders als bei den Hyänen pflanzt sich jedoch nur das dominante Paar innerhalb eines Rudels fort. Seine Nachkommen werden gemeinschaftlich im Rudel aufgezogen. Das Verbreitungsgebiet des Afrikanischen Wildhundes erstreckt sich über die gesamte afrikanische Savannenlandschaft, allerdings ist dieser Hund nirgendwo häufig. Die IUCN ordnet die Art als stark gefährdet ein.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Der wissenschaftliche Name Lycaon pictus bedeutet so viel wie „bunter Wolf“ und bezieht sich auf die Farben des Fells. Die schwarze Grundfarbe ist am ganzen Körper mit braunen, rötlichen, gelben und weißen Flecken durchsetzt. Diese Fellzeichnung ist bei jedem Individuum anders, so dass keine zwei Wildhunde genau gleich aussehen. Das Fell besitzt keine Unterwolle, es ist kurz und manchmal so spärlich, dass an mehreren Stellen die nackte, schwarze Haut durchscheint.

Ein Afrikanischer Wildhund hat eine Kopfrumpflänge von 90 cm, hinzu kommen 35 cm Schwanz. Die Schulterhöhe beträgt 70 cm, das Körpergewicht knapp 25 kg. Mit diesen Maßen steht er zwischen Schakalen und Wölfen. Wildhunde aus dem Süden Afrikas sind durchschnittlich größer als die aus den östlichen Teilen des Kontinents.

Wie es für Hunde charakteristisch ist, haben ihre Gliedmaßen nur eine geringe Seitenbeweglichkeit, was einen großen Einfluss auf die Technik hat, mit der sie ihre Beute erlegen. Durch diese Einschränkung sind sie nämlich, anders als Katzenartige, nicht in der Lage, ihre Beute mit den Pfoten zu erfassen.

Lebensraum und Bestand

Verbreitungsgebiet des Afrikanischen Wildhundes (rot: sicher, hellrot: ungewiss)
Afrikanischer Wildhund

Das bevorzugte Habitat ist die afrikanische Savanne. Bewaldete oder wüstenhaft trockene Gegenden meidet der Wildhund. Er lebt in allen Grassteppen Afrikas südlich der Sahara; Zeichnungen aus dem alten Ägypten deuten darauf hin, dass er einst auch nördlich der Sahara vorgekommen sein könnte. Heute ist das Verbreitungsgebiet allerdings stark fragmentiert. Durch Nachstellungen, Lebensraumverlust und Krankheiten wie Staupe und Tollwut ist er eines der seltensten Großsäugetiere Afrikas geworden. Überlebensfähige Populationen gibt es nur noch in Kenia, Tansania, Sambia, Simbabwe, Botswana und im südafrikanischen Krüger-Nationalpark. Die Art gilt laut IUCN als stark gefährdet. Der Gesamtbestand wurde im Jahr 1997 auf 3000 bis 5500 Tiere geschätzt, wobei die größte Population im Selous-Wildreservat lebt. Andere Reservate mit nennenswerten Vorkommen sind die Serengeti-Schutzgebiete, das Okavango-Delta mit dem Moremi-Wildreservat, der Hwange-Nationalpark, der Kafue-Nationalpark und der Krüger-Nationalpark.[1]

Wildhundrudel benötigen große Jagdreviere, die oft 500 Quadratkilometer und mehr umfassen. Selbst im 20.000 Quadratkilometer großen Krügerpark, der ein gutes Habitat und hohe Beutetierdichten bietet, leben nur noch etwa 115 dieser Tiere. Auch ihr Aktionsraum ist mit 200 bis 2000 km² sehr groß.[2]

Lebensweise

Zwei junge Afrikanische Wildhunde

Der Afrikanische Wildhund ist ein sehr soziales Tier, das in Rudeln lebt. Ein Rudel umfasst im Schnitt zehn Tiere. In früheren Zeiten, als die Art noch häufiger war, scheinen auch Rudelstärken zwischen vierzig und hundert möglich gewesen zu sein. Die Rangordnung im Rudel ist nicht so deutlich erkennbar wie beim Wolf, so dass man in älterer Literatur die Angabe findet, es bestehe gar keine Rangordnung. In Wahrheit ist wie bei Wölfen ein dominantes Alpha-Paar vorhanden. Es gibt allerdings keine Kämpfe um die Rangordnung und kaum Aggressionen zwischen Rudelmitgliedern. Nur das Alpha-Paar zeugt Nachwuchs; rangniedere Tiere werden am Verpaaren gehindert.

Die Tragzeit beträgt etwa 70 Tage. Danach kommen sechs bis acht, in Ausnahmefällen bis zu siebzehn Welpen zur Welt. Nur das Muttertier säugt, andere Rollen bei der Jungenaufzucht werden aber vom ganzen Rudel übernommen. Auch junge Rüden würgen manchmal Fleisch hervor, um ältere Welpen zu versorgen. Verwundete und kranke Rudelmitglieder werden auf ähnliche Weise durch den ganzen Verband versorgt.

Wildhunde sind bei Tage aktiv. Sie haben keine festen Reviere, weshalb sie anders als andere Hunde auch keine Markierungen setzen.

Wildhunde sind sehr effiziente Jäger und können sich am Riss auch gegen andere große Raubtiere behaupten. Selbst mit Tüpfelhyänen werden sie fertig, wenn diese nicht zu zahlreich sind. Löwen sind sie jedoch in der Regel unterlegen.

Ernährung

Wildhundrudel und ein erlegtes junges Streifengnu, Madikwe Game Reserve, Südafrika

Das gesamte Rudel, ausgenommen junge und kranke Mitglieder, beteiligt sich an der Jagd. Afrikanische Wildhunde jagen in der Regel zwei Mal täglich. Die erste Jagd findet gewöhnlich zwischen sechs und acht Uhr morgens statt. Die zweite liegt meistens zwischen fünf und sieben Uhr abends.[3] Das jagende Rudel wird vom Alpha-Männchen angeführt. Die Beute wird nicht nach dem Geruch, sondern auf Sicht aufgespürt. Afrikanische Wildhunde sind als Hundeartige ausdauernde Hetzjäger, die ihre Beute über drei bis fünf Kilometer verfolgen können. Bei der Hetzjagd werden Geschwindigkeiten von 55 Kilometern pro Stunde erreicht. Ist das flüchtende Beutetier ermüdet, wird es vom Alpha-Tier an den Hinterbeinen gepackt; die anderen Hunde holen dann auf und zerreißen das Tier bei lebendigem Leibe. Ein Tötungsbiss wird nicht angesetzt.

Die Erfolgsrate der Jagden liegt bei fast 90 %. Bevorzugte Beutetiere sind Gazellen, Impalas und andere Antilopen sowie Warzenschweine. Dagegen werden Zebras so gut wie nie attackiert, da die Wildhunde offenbar Hufschläge fürchten. Die tüchtigen Jäger verschmähen auch Hasen, Nagetiere, Jungvögel und andere Kleintiere nicht, auf die sie bei ihren Streifzügen stoßen.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9. 
  • Chris & Tilde Stuart: Field Guide to the Larger Mammals of Africa. Struik, 2000. ISBN 1-86872-534-0.
  • Gus Mills & Lex Hes: Säugetiere des südlichen Afrikas, Könemann Verlagsgesellschaft, 1999. ISBN 3-8290-3610-8.

Einzelnachweise

  1. Anne A. Carlson, Ph. D., Millennium Post-Doctoral Research Fellow, Ron Carlson, Field Consultant, und Fred B. Bercovitch, Ph.D., Project Director: African Wild Dog Conservation Project, Kafue National Park, Zambia 2004 Annual Report. Conservation and Research for Endangered Species Zoological Society of San Diego.
  2. Britta Meyer: Wildlife of special interest (PDF-Datei, 87 kB; englisch)
  3. Christopher McGowan: The Raptor and the Lamb – Predators and Prey in the Living World. Penguin Books, London 1998. ISBN 0-14-027264-X. S. 18

Weblinks

 Wikisource: Gemalte Hunde – Alfred Brehm, illustriert von Heinrich Leutemann, in Die Gartenlaube (1867), Heft 2, S. 20–23
 Commons: Afrikanischer Wildhund – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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