Exenatid

Exenatid
Exendin-4 (Heloderma suspectum)

Vorhandene Strukturdaten: 1JRJ
Masse/Länge Primärstruktur 39 Aminosäuren
Präkursor (61 aa)
Bezeichner
Externe IDs UniProtP26349 CAS-Nummer141758-74-9
Arzneistoffangaben
ATC-Code A10BX04
DrugBank DB01276
Verschreibungspflicht Ja
Vorkommen
Homologie-Familie Exendin
Übergeordnetes Taxon Heloderma

Exenatid (Handelsnamen: BYETTA®, Hersteller: Lilly) ist biotechnologisch hergestelltes Exendin-4, ein Polypeptid, das im Speichel der nordamerikanischen Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) gefunden wurde. Die Struktur des Peptids ähnelt dem menschlichen Hormon Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1). Dieses Dünndarmhormon, das nach einer Mahlzeit freigesetzt wird, stimuliert in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin (siehe auch Inkretin-Effekt). Exenatid besteht wie Exendin-4 aus 39 Aminosäuren, mit einer zusätzlichen C-terminalen Amidgruppe.[1] Es wird im Körper weniger schnell abgebaut als humanes GLP-1 und ist deshalb länger wirksam. Damit ist es geeignet für die Anwendung bei reduzierter Insulinfreisetzung, die bei einem Teil der Fälle von Diabetes mellitus Typ 2 vorkommt. Mit seiner Zulassung im April 2005 wurde Exenatid Leitsubstanz der neuen Wirkstoffklasse der Inkretinmimetika.

Inhaltsverzeichnis

Therapeutische Aspekte

Zulassungsstatus

Die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Exenatid wurde in verschiedenen Studien belegt, so dass es im April 2005 in den USA als Medikament unter dem Handelsnamen Byetta® zugelassen wurde. Im November 2006 erfolgte auch die Zulassung durch die Europäische Kommission und im April 2007 kam Byetta® in Deutschland auf den Markt.

Anwendung und Wirkung

Exenatid wird etwa 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit subkutan verabreicht. Es wirkt durch eine glukoseabhängige Anregung der Insulinsekretion und eine Reduktion der Ausschüttung des Insulin-Gegenspielers Glucagon unmittelbar blutzuckersenkend. Darüber hinaus verzögert es die Magenentleerung, reduziert den Appetit und steigert das Sättigungsgefühl. Da die Wirkung vom Blutzuckerspiegel abhängig ist, besteht praktisch kein Risiko einer Unterzuckerung bei einer Behandlung mit Exenatid.

Als weiterer positiver Effekt wurde eine Gewichtsreduktion bei längerfristiger Anwendung von Exenatid beobachtet, im Gegensatz zum Anstieg des Körpergewichts bei Behandlung mit Insulin oder mit einer Reihe vor allem älterer oraler Antidiabetika. Die Gewichtsabnahme ist dabei unabhängig vom Auftreten gastrointestinaler Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf schützende Effekte des Wirkstoffs für die insulinproduzierenden Betazellen.

Bewertung

Eine umfassende Beurteilung des therapeutischen Nutzens von Exenatid im Vergleich zu den Nebenwirkungen, den Risiken und den Kosten war nach dem Bericht des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen 2007 nicht möglich, da aufgrund der noch kurzen Marktverfügbarkeit Studien mit harten Endpunkten sowie vergleichende Studien fehlten. [2].

2008 hat der Gemeinsame Bundesausschuß (G-BA) einen Therapiehinweis zur Behandlung mit Exenatide veröffentlicht. Darin informiert der G-BA über den Umfang der Zulassung sowie über Wirkung, Wirksamkeit und Risiken, gibt Empfehlungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise, zu den Kosten und zu gegebenenfalls notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bei der Verordnung. Wird Exenatid gemäß den Therapiehinweisen verordnet, ist der verordnende Arzt vor einem Arzneimittelregress geschützt. Bei eventuellen Auffälligkeitsprüfungen müssen diese Verordnungen aus dem Verordnungsvolumen herausgerechnet werden. Dafür muss aus der ärztlichen Dokumentation im Nachhinein eine Verordnungsnotwendigkeit schlüssig erkennbar sein.[3][4]

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

Als häufigste Nebenwirkungen treten bei rund der Hälfte der Patienten mindestens einmal während der Behandlung gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Deren Ausprägung ist bei den meisten Patienten leicht bis mäßig und abhängig von der Dosierung, die Häufigkeit und Schwere dieser Nebenwirkungen nehmen im Therapieverlauf ab. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, vorübergehende Schwäche und Unruhe.

Der Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten (FDA) liegen Meldungen über das Auftreten einer akuten Pankreatitis unter Exenatid bei Typ-2-Diabetikern vor. In einigen Fällen sieht die FDA einen direkten Zusammenhang mit dem neuen Antidiabetikum.[5] Eine 2010 veröffentliche, retrospektiv beobachtende Studie fand hingegen kein erhöhtes Risiko für akute Pankreatitis bei Exenatid-Einnahme, sondern ein allgemein bei Diabetikern erhöhtes Risiko einer akuten Pankreatitis [6]

Enexatid wird aufgrund seiner chemischen Struktur nicht resorbiert und kann nicht als Tablette eingenommen werden, sondern wird wie Insulin subkutan gespritzt. Es wird in der Behandlung des Typ-2-Diabetes als alternative oder als ergänzende Therapie eingesetzt, wenn durch die alleinige Anwendung von oralen Antidiabetika keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht werden kann. In der Praxis kann die Umstellung von einer Einnahme von Tabletten auf eine Behandlung mit Spritzeninjektion eine auch als Spritzenangst bezeichnete Abwehrhaltung der betroffenen Patienten hervorrufen. Exenatid bietet hier keinen Vorteil gegenüber Insulin.

Als Alternative zum Insulin wird es aufgrund der Gewichtsreduktion und aufgrund des fehlenden Risikos einer Unterzuckerung durch Überdosierung empfohlen. Demgegenüber steht das deutlich häufigere Auftreten von Übelkeit, Durchfall und Erbrechen als Nebenwirkungen.

Die Entwicklung von Antikörpern gegen Exenatid ist dokumentiert, allerdings ist nicht bekannt, ob diese langfristig zur Toleranzentwicklung führen. Akute immunologische Reaktionen wie beispielsweise eine anaphylaktische Abwehrreaktion wurden sehr selten beobachtet.

Im Mai 2011 informierte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft über zwei Fälle, bei denen bei mit Exenatid behandelten Patienten ein Pankreaskarzinom diagnostiziert wurde. Einschränkungen der Verordnungsempfehlungen ergaben sich daraus nicht.[7]

Einzelnachweise

  1. FDA-Label: Byetta (PDF, engl.).
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Bewertung des therapeutischen Nutzens von Exenatid - Rapid Report. IQWiG-Bericht Nr. 24/2007, veröffentlicht am 17. September 2007.
  3. [1] Gemeinsamer Bundesausschuss beschließt Therapiehinweise zu Exenatide..., Pressemitteilung G-BA vom 20.Juni 2008.
  4. [2] G-BA, Anlage zur Arzneimittelrichtlinie, Therapiehinweise zu Exenatid,S.50ff, abgerufen am 19.März 2011.
  5. FDA ALERT 10/2007.
  6. Garg R et al. Acute pancreatitis in type 2 diabetes treated with exenatide or sitagliptin: A retrospective observational pharmacy claims analysis. Diabetes Care 2010 Nov; 33:2349; PMID 20682680.
  7. [3] UAW-Datenbank der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), abgerufen am 14.Mai 2011.

Literatur

  • Medizinische Monatszeitschrift für Pharmazeuten 3/06
  • Bray, G.M. (2006): Exenatide. In: Am. J. Health. Syst. Pharm. 63(5):411-418. PMID 16484515

Weblinks

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