Festung Akershus
Festung Akershus
Festung Akershus
Übergabe der Festung Akershus von der deutschen Besatzung an Terje Rollem von der norwegischen Widerstandsbewegung.

Die Festung Akershus in Oslo liegt an der Ostseite des Oslofjordes auf der Halbinsel Akersnes. Die Räume des Schlosses werden heute von der norwegischen Regierung zu Repräsentationszwecken genutzt; in der Krypta der Schlosskirche befindet sich die Grablege der norwegischen Könige der Neuzeit.

Inhaltsverzeichnis

Ältere Geschichte

Der Bau der Festung wurde zwischen 1299 und 1304 unter König Håkon V. begonnen. 1308 war sie bereits so gut befestigt, dass sie dem Ansturm der schwedischen Truppen unter Herzog Erik erfolgreich trotzen konnte, bis dieser aus Krankheitsgründen die Belagerung abbrechen musste. Der Bau wurde unter Herzog Erik Magnusson fortgesetzt und unter Håkon VI. abgeschlossen. Sie stand auf der Höhe der damaligen Festungsbaukunst. Die Festung blieb in diesem Zustand, bis Christian II. einige Umbauten vornahm, als er noch Prinzregent war und 1506 bis 1512 dort wohnte. 1527 brannte der nördliche Teil der Festung nieder, aber widerstand trotzdem der Belagerung Christians II. im Jahre 1531. Nach dem Wiederaufbau kam es 1567 zu einer weiteren Belagerung durch Schweden, die zwar ebenfalls missglückte, aber doch Modernisierungsbedarf offenbarte. 1593 bis 1604 und 1616 bis 1646 wurde die Festung nach den neuesten Erkenntnissen italienischer Festungsbaukunst aufgerüstet. Damit einher ging unter Christian IV. die Umwandlung der mittelalterlichen Burg in ein Renaissanceschloss, so dass sie als Residenz dienen konnte. Ab 1661 fanden im Schloss die Ständeversammlungen statt.

Lange Zeit diente Akershus als Gefängnis, so auch 1726 bis 1734 für den des Mordes an seinem Bruder Christian Detlef zu Rantzau bezichtigten Wilhelm Adolf zu Rantzau.

Unter Christian VI. wurde 1742 die Garnisonskirche eingeweiht, und das Oberhofgericht bekam dort seinen Sitz.

Ausbau und Restaurierungsmaßnahmen der Festung Akershus

Gegen Ende der 1800er Jahre verfiel die Festung zunehmend und war in einen desolaten Zustand. Gegen den weiteren Verfall und einen möglichen Abriss mobilisierte sich in Norwegen zuzunehmend Widerstand. Der norwegische Maler und Autor Christian Krohg dokumentierte dazu in seinen Werken den schlechten Zustand der Festung. In Folge dessen entschied man sich für eine weitere militärische Nutzung der Anlage, sowie auch zur Nutzung als Gefängnis und beschloss einen umfangreichen Ausbau und die Restaurierung der Festung Akerhus. Die in Norwegen eingewanderten deutschen Architekten Wilhelm von Hanno und Heinrich Ernst Schirmer wurden dazu beauftragt, Pläne für die Rekonstruktion und dem Ausbau (einschließlich der Planung neuer zusätzlicher Gebäude) zu entwerfen und die umfangreichen Baumaßnahmen (1858–1870) durchzuführen. Dabei wurden unter anderem das Artillerie-Magazin, Gefängnisbauten und die Gefängniskirche Akerhus, Erweiterungsbauten an der Nord-Süd Achse der Festung, Reithalle, Kommandantenhaus, Lagerhalle und vieles mehr gebaut, sowie der Kontraskjæret-Park angelegt.

Um die Jahrhundertwende gab es einen weiteren neuen Anlauf zu einer umfangreichen Sanierung und zum Ausbau der Festung, nachdem der norwegische Architekt Peter Andreas Blix, basierend auf historischen Studien von Professor Gustav Storm seine Entwürfe dazu in der Öffentlichkeit präsentierte. Zu den wissenschaftlichen Diskussionen über die weitere Zukunft der Festung, legte der Kunsthistoriker und spätere Reichs-Antiquar (Riksantikvar) Norwegens Harry Fett, ebenfalls weitere Untersuchungen und Studien vor. Diese beinhaltenden den gesamten Erhalt der Anlage in einem denkmalpflegerischen Gesamtkonzept, was sowohl die mittelalterlichen Gebäudeteile, wie auch die neuzeitlichen Erweiterungen mit einschloss. 1896 fasste das norwegische Parlament einen Beschluss für den weiteren Ausbau und zur Restaurierung der Festung und gab Blix den Zuschlag. Dabei wurden auch umfangreiche Schäden an der Bausubstanz beseitigt und die Fassaden, Keller, Böden, Decken sowie Dächer saniert. Bei den Bau- und Restaurierungsarbeiten wirkten im Anschluss, der Architekt Holger Sinding-Larsen von 1905 bis 1925 mit. Ab 1929 übernahmen die Architekten Arnstein Arneberg und Johan Adolf Gerhard Fischer die Bauleitung zur Restaurierung. Die umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen wurden bis zum vorläufigen Abschluss um 1960 durchgeführt, mit einer kurzen Unterbrechung in den Kriegsjahren von 1940 bis 1945. Ab 1960 übernahm die professionelle Verantwortung über die Anlage als Kurator, der Riksantikvar Stephan Tschudi-Madsen. Die die letzte Sanierung der Festungsanlage fand 2010 statt.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges erhielt der norwegische Naziführer Vidkun Quisling am 1. Februar 1942 in der Festung Akershus den Titel „Staatspräsident“. Zwischen 1940 und 1945 diente die Festung auch als Gefängnis für politische Häftlinge. Über 40 Personen wurden während der Zeit des Nationalsozialismus in Norwegen in der Hinrichtungsstätte des Gefängnisses erschossen. Nach Ende des Krieges wurde Quisling verhaftet und selbst zum Tod verurteilt, seine Hinrichtung durch ein Erschießungskommando erfolgte am 24. Oktober 1945 ebenfalls in der Festung. Auch seine Parteigänger Albert Viljam Hagelin und Ragnar Skancke wurden in der Festung hingerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss für Staatsfeste genutzt, so für den 75. Geburtstag König Håkons VII. im Jahre 1947. Die vor dem Krieg begonnene denkmalpflegerische Restaurierung wurde nach dem Krieg fortgesetzt und 1962 abgeschlossen. Die Nordhalle wurde 1975 fertiggestellt und erhielt den Namen Olavshalle nach König Olav V..

Heutige Nutzung

Die Säle des Schlosses werden heute von der norwegischen Regierung zu Repräsentationszwecken genutzt. Die Festung wird nach wie vor militärisch genutzt und beherbergt unter anderem das norwegische Verteidigungsministerium und den nationalen Verteidigungsstab. Tagsüber ist das Gelände dennoch größtenteils der Öffentlichkeit zugänglich. Unter anderem das norwegische Militärmuseum und das Norwegische Widerstandsmuseum sind dort untergebracht. Auf dem Gelände findet sich an der früheren Hinrichtungsstätte des Gefängnisses das Denkmal für die norwegischen Patrioten, die an dieser Stelle zwischen 1940 und 1945 erschossen wurden.

Grablege der norwegischen Könige

Im Südflügel des Schlosses befindet sich in der Krypta der Schlosskirche die letzte Ruhestätte der norwegischen Könige der Neuzeit. Zur Zeit beherbergt die Krypta erst zwei Marmorsärge, in denen die ersten beiden Königspaare nach der Unabhängigkeit Norwegens (1905) bestattet wurden:

  1. Maud von Großbritannien (26. November 1869–20. November 1938) – (Ehefrau von König Håkon VII.)
  2. Håkon VII., König von Norwegen (3. August 1872–21. September 1957)
  3. Kronprinzessin Märtha (28. März 1901–5. April 1954) – (Ehefrau von König Olav V.)
  4. Olav V., König von Norwegen (2. Juli 1903–17. Januar 1991)

Außerdem sind die Gebeine von Sigurd I. und die Schädel Håkons V. und der Königin Eufemia in der Krypta eingemauert.

Literatur

  • Stephan Tschudi-Madsen: Artikel Akershus slott og festning in: Store norske leksikon, abgerufen am 10. Februar 2010.

Weblinks

 Commons: Akershus Fortress – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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