Alain Poher
Alain Poher, 1968.

Alain Poher (* 17. April 1909 in Ablon-sur-Seine, Val-de-Marne; † 9. Dezember 1996 in Paris) war ein französischer Politiker und als Präsident des französischen Senats zweimal kommissarischer französischer Staatspräsident.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Poher besuchte die Gymnasien Louis-le-Grand und Saint-Louis in Paris und studierte anschließend an der Juristischen Fakultät der Sorbonne, wo er sein Staatsexamen („Licence“) in Jura ablegte und das Diplom der Freien Hochschule für Politologie erwarb. Weiterhin absolvierte er ein Studium zum Bergbauingenieur.

Am 19. August 1938 heiratete er Henriette Tugler, mit der er eine Tochter hat, Marie-Agnès, die Witwe von Jean-Pierre Joussain.

Karriere

Als Politiker des Mouvement Républicain Populaire (MRP) begann er seine politische Karriere 1939 als Beamter in der Zentralverwaltung des Finanzministeriums, wo er rasch zum stellvertretenden Referatsleiter aufsteigt.

Am 20. Juli 1944 wurde er zum Präsidenten des Befreiungskomitees im Finanzministerium ernannt, ab 1945 übernahm er das Referat für soziale Angelegenheiten im Finanzministerium. Im gleichen Jahr wurde er Bürgermeister von Ablon-sur-Seine.

1946 wurde er zum Oberregierungsrat ernannt und hatte von Juni bis November die Leitung des Büros des Finanzministers Robert Schuman inne, 1948 zum Regierungsdirektor, 1954 zum Ministerialrat. Ab Dezember war er Mitglied des ersten Rates der Republik, dem französischen Oberhaus, und zwar von 1946 bis 1948 als Hauptberichterstatter des Finanzausschusses, von 1948 bis 1950 als Generalkommissar für deutsche und österreichische Angelegenheiten und von 1950 bis 1952 als Delegierter Frankreichs und Vorsitzender der Internationalen Ruhrbehörde, 1952 bis 1958 als Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und als Vorsitzender des Verkehrsausschusses.

1948 kandidierte er erstmals bei den Senatswahlen, 1952 wurde er Senator des Départements Seine-et-Oise.

1966 bis 1969 war er Präsident des damals noch durch die nationalen Parlamente ernannten Europaparlaments, der sogenannten Versammlung der Europäischen Gemeinschaften.

1968 wurde er zum Präsidenten des französischen Senats gewählt, was er bis 1992 blieb. Alle Wiederwahlen in den Jahren 1971, 1974, 1977, 1980, 1983, 1986 und 1989 gewann er, 1992 trat er nicht mehr an. Er gestaltete dieses Gremium so entscheidend mit.

Nach der französischen Verfassung vertritt der Präsident des Senats den Staatspräsidenten, wenn dieser amtsunfähig wird oder zurücktritt. Das war in Pohers Amtszeit 1969 und 1974 der Fall.

Am 29. April 1969 trat Charles de Gaulle zurück – ironischerweise, weil er erfolglos versucht hatte, den Senat abzuschaffen, und Poher folgte ihm nach. Bei den darauf folgenden Präsidentschaftswahlen am 1. Juni 1969 trat Poher an und erzielte im ersten Wahlgang 23,3 % der Stimmen, scheiterte aber im zweiten Wahlgang in der Stichwahl am 15. Juni 1969 gegen Georges Pompidou mit 41,8 % der Stimmen.

Pompidou verstarb fünf Jahre später am 2. April 1974 im Amt, so dass Poher wieder Interimspräsident war, bis Valéry Giscard d’Estaing am 27. Mai 1974 nach einer Neuwahl die Staatsgeschäfte übernahm.

Ämter

  • Ehrenvorsitzender (1980) der fraktionsübergreifenden Vereinigung der Senatoren, die Mitglied der LICRA (Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) sind.
  • Ehrenvorsitzender (1983) der Vereinigung französischer Bürgermeister.
  • Mitglied des Ehrenkomitees der französischen Organisation der Europäischen Bewegung.
  • Stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung zur Untersuchung der Probleme in Europa.
  • Mitglied des Ehrenkomitees des Centre européen de recherches économiques et commerciales (CEREC, Europäisches Zentrum für Studien in Wirtschaft und Handel).
  • Mitglied der Kommission für internationalen Austausch im kommunalen Bereich.
  • Mitglied der Kommission für Studien über das Verkehrswesen im Gemeinsamen Markt.
  • Mitglied des Kuratoriums des Centre européen d’observation par sondage (CEROS, europäisches Zentrum zur Beobachtung durch Erhebungen).
  • Mitglied des Lenkungsausschusses der französischen Vereinigung für den Rat der europäischen Kommunen.
  • Mitglied des Kuratoriums der Stiftung „General Pierre Koenig“.
  • Mitglied des ständigen Ausschusses des Hohen Rates für Fremdenverkehr.
  • Mitglied des Rates der Stiftung Jean Monnet für Europa.
  • Verwalter der Stiftung Robert Schuman.
  • Gründungsmitglied der Vereinigung „Wirtschaft und Fortschritt“.
  • Mitglied des Ehrenkomitees der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus.
  • Vorsitzender der Vereinigung für Forschung und Information über die Entwicklungshilfe (ARIAD) und der Vereinigung für die gemeinsame internationale Förderung.

Werke

  • Trois fois Président („Dreimal Präsident“), 1993.

Auszeichnungen

Weblinks


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