Albert Göring
Albert Göring (1936)

Albert Göring (* 9. März 1895[1] in Friedenau bei Berlin; † 1966 in München) war ein deutscher Geschäftsmann und der jüngere Bruder des nationalsozialistischen Politikers Hermann Göring. Im Unterschied zu diesem war er ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und half während der Zeit des Dritten Reiches vielen Verfolgten.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Göring wurde als jüngstes von fünf Kindern des deutschen Diplomaten Heinrich Göring und seiner Ehefrau Franziska, geborene Tiefenbrunn(er), geboren. [2]

Jugend

Göring wuchs auf den Burgen Veldenstein und Mauterndorf auf, die sich im Besitz des preußischen Stabsarztes a.D. und prakt. Arztes Dr. Hermann von Epenstein, einem Freund der Familie und Paten sämtlicher Göring-Kinder, befanden. Der Journalist Leonard Mosley entwickelte aus dem Umstand, dass Heinrich Göring berufsbedingt die meiste Zeit getrennt von seiner Familie lebte und dass Albert Göring und Hermann von Epenstein einander optisch sehr ähnlich sahen, die These, dass Epenstein der illegitime Vater Görings gewesen sei. Diese Annahme ist unzutreffend, da sich Frau Göring von März 1893 bis Sommer 1894 bei ihrem Mann, der Konsul mit dem Rang eines Ministerresidenten in Port au Prince war, in Haiti befand.[3]

Einstellung zur NS-Ideologie

Göring hatte anscheinend auch die Vorliebe für das Leben als Bonvivant übernommen. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Hermann Göring verachtete Albert den Nationalsozialismus und dessen Brutalität. So wird berichtet, dass er es einer Gruppe Juden, die von der SS gezwungen wurde, auf allen Vieren die Straße zu schrubben, gleich tat, und ihr beim Schrubben half. Der diensthabende SS-Offizier befahl daraufhin, mit dem Schrubben aufzuhören, weil er eine öffentliche Demütigung von Hermann Görings Bruder nicht verantworten wollte.[4]

Widerstand

Albert Göring nutzte auch seinen Einfluss, um seinen jüdischen Chef bei der Tobisch-Sascha Filmindustrie AG, Oskar Pilzer, zu befreien, nachdem dieser von den Nationalsozialisten verhaftet worden war. Er half ihm daraufhin auch, aus Deutschland zu fliehen. Es wird berichtet, er habe dies auch für viele andere, u. a. politisch Verfolgte, getan.[5]

Göring verstärkte seine Aktivitäten gegen die Nationalsozialisten, als er Exportchef bei den Škoda-Werken in Pilsen wurde. Er setzte mehrfach seine Kontakte zum Regime zum Schutz von Mitgliedern der Škoda-Belegschaft ein. Hier unterstützte er kleinere Sabotageakte und unterhielt Kontakte mit dem tschechischen Widerstand. In vielen Fällen fälschte er dabei die Unterschrift seines Bruders, um Reisedokumente für die Flucht von Dissidenten zu unterzeichnen. Daher musste sich sein Bruder Hermann mehrere Male für Albert verwenden, damit er aus Gestapo-Haft entlassen wurde. Albert Göring schickte auch Lastwagen in Konzentrationslager mit Anforderungen nach Arbeitern. Diese Lastwagen hielten dann in abgelegenen Gebieten, um den Arbeitern die Flucht zu ermöglichen. [6]

Späte Jahre (1945 bis 1966)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Albert Göring von den Amerikanern verhaftet und bei den Nürnberger Prozessen verhört. Viele Menschen, denen er geholfen hatte, sagten zu seinen Gunsten aus, so dass er nicht verurteilt wurde, aber zunächst weiter in Haft blieb. Nachdem sein letzter Fallbearbeiter seine Freilassung empfahl wurde er stattdessen von den Amerikanern an die Tschechen ausgeliefert, die im wegen möglicher Kriegsverbrechen während seiner Zeit bei Skoda den Prozess machen wollten. Im dortigen Prozess wurder er jedoch frei gesprochen, nachdem viele seiner ehemaligen Arbeitskollegen von Skoda als Zeugen zu seinen Gunsten aussagten hatten und zudem seine Gestapo-Akte bekannt geworden war. [7]

Göring kehrte nach Deutschland zurück, wurde aber wegen seines Familiennamens gemieden. Für Albert Göring, den Retter zahlreicher Opfer des Regimes, das sein Bruder mitaufgebaut hatte, wurde sein Name zum Verhängnis. In diesen Jahren bitterer Armut und Arbeitslosigkeit wurde er von Überlebenden des NS-Regimes, denen er geholfen hatte, unterstützt. Er arbeitete gelegentlich als Autor und Übersetzer und lebte in einer bescheidenen Wohnung in München, deren Annehmlichkeiten weit entfernt vom Luxus seiner Kindheit waren. Er starb ohne dass seine Aktivitäten im Zweiten Weltkrieg von der Öffentlichkeit anerkannt worden waren.[8]

Filmdokumentationen

  • The Real Albert Goering. 3BM TV, 1998

Literatur

  • James Wyllie: Albert Göring … gegen Hitler, meinen Bruder und alle Nazis. Magnus Verlag, Essen 2006, ISBN 3-88400-442-5.
  • Arno Lustiger: Rettungswiderstand. Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit. Wallstein Verlag, Göttingen 2011
  • William Hastings Burke: Thirty Four. Wolfgeist Publishing 2009, ISBN 978-0-9563712-0-1
  • Vida Goldgar: The Goering Who Saved Jews. Jewish Times (vom 10. März 2000), Atlanta
  • Gilead Sher: Review: Thirty Four. The Jewish Chronicle, 22. Dezember 2010

Weblinks

Einzelnachweise

  1. James Wyllie: The Warlord and the Renegade; The Story of Hermann and Albert Goering. Sutton Pub. Ltd. 2006, ISBN 0-7509-4025-5 S. 7 (englisch)
  2. Burke, S. 18, 24
  3. Burke, S. 26-27
  4. Burke, S. 72
  5. Burke, S. 65, 89
  6. Burke, S. 112,138-141, 149, 162, 164-169
  7. Burke, S. 175, 188-192
  8. Burke, S. 205-214

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