Alfred Schickel

Alfred Schickel (* 18. Juni 1933 in Ústí nad Labem) ist ein deutscher Historiker und Publizist und Leiter der geschichtsrevisionistischen Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt.

Schickel, der bei Siegfried Lauffer mit einer Arbeit über römische Rechtsgeschichte promovierte, befasste sich später hauptsächlich mit zeitgeschichtlichen Themen, insbesondere der Geschichte Mitteleuropas. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden seine Arbeiten zunehmend kritisiert. Sein 1984 erschienenes Buch über Deutsche und Polen wurde als eine „allzu einseitige Aufrechnung“ des Autors, dessen Herz „deutsch“ schlage und nationalsozialistische Verbrechen kaum notiere, dagegen jeden Fehler der polnischen Regierung erwähne, bewertet.[1] Seine Beiträge für das Magazin Mut vertraten Auffassungen, die ihm u. a. den Vorwurf einbrachten, die deutsche Schuld der NS-Vergangenheit relativieren zu wollen.[2] Dass Schickel die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg leugnet und stattdessen den US-Präsidenten Roosevelt dafür verantwortlich macht, brachte ihm ebenfalls herbe Kritik von Historikern ein.[3]

Schickels wissenschaftliches und politisches Engagement um das Schicksal der Sudetendeutschen wurde wiederholt ausgezeichnet. So wurde ihm 1989 der Kulturpreis für Wissenschaft der Sudetendeutschen Landsmannschaft verliehen. 1992 wurde Schickel auf Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Verleihung des Bundesverdienstordens war Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Bundestag[4] und wurde auch in der Presse scharf kritisiert. So schrieb der Spiegel im November 1993: „Selbst Nazi-Protagonisten […] wurden […] geehrt: Alfred Schickel, der sich als rechtsradikaler Historiker um die Entschuldung des Nationalsozialismus müht.“[5]

Schickel schreibt unter anderem für die Junge Freiheit und die Preußische Allgemeine Zeitung.[6] Er veröffentlichte mehrere Bücher im rechtsextremen Grabert-Verlag und ist häufig Gast im Studienzentrum Weikersheim.[7]

Wegen seiner Nähe zu rechtsextremen Kreisen war Schickels Leitung einer Vortragsreihe zum Zweiten Weltkrieg an der Volkshochschule Ingolstadt stark umstritten. Der Ingolstädter Stadtrat entschied im Februar 1995 jedoch, an Schickels Lehrauftrag festzuhalten. Im September 1996 räumte die Bundesregierung jedoch auf Anfrage der PDS erstmals ein, dass Schickel Auffassungen äußere, die „teilweise denen entsprechen, wie sie von Rechtsextremisten vertreten werden“.

Auszeichnungen

Werke

  • Alfred Schickel (Hrsg.): Kein Dogma! Kein Verbot! Kein Tabu! Dem Historiker gehört die Geschichte. Parlament und Justiz mögen schweigen. Festschrift für Franz W. Seidler. Pour le Mérite Verlag, Selent 2008, ISBN 978-3-932381-44-7.
  • Alfred Schickel: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Mit Gerald Frodl. Verlag des Südmährischen Landschaftsrates Geislingen/Steige, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.
  • Alfred Schickel: Geschichte Südmährens. Band 2. 1918-1946. Verlag des Südmährischen Landschaftsrates Geislingen/Steige, Geislingen an der Steige 1996, ISBN 3-927498-18-1.
  • Alfred Schickel (Hrsg.): Aus den Archiven. Funde der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt 1981 bis 1992. Herbig, München, Berlin 1993, ISBN 3-7766-1701-2.
  • Alfred Schickel: Die Deutschen und ihre slawischen Nachbarn. Materialien zur Ostkunde. Ullstein, Herbig, Frankfurt am Main, Berlin, München 1985, ISBN 3-548-33049-5.
  • Alfred Schickel: Vergessene Zeitgeschichte. Ergänzungen und Korrekturen zur deutschen, polnischen und amerikanischen Zeitgeschichte. Ullstein, Herbig, Frankfurt am Main, Berlin, München 1985, ISBN 3-548-33047-9.
  • Alfred Schickel: Deutsche und Polen. Ein Jahrtausend gemeinsamer Geschichte. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984, ISBN 3-7857-0364-3.
  • Geschichtliche Korrekturen. Wie in Wissenslücken geschichtliche Unwahrheiten wuchern. In: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung Bd. 1, Nr. 3 (1997), S. 199ff.

Anmerkungen

  1. Lisäweta von Zitzewitz: Eine allzu einseitige Aufrechnung. In: Die Zeit, Nr.46, 9. November 1984.
  2. Hans Sarkowicz: Die alte Rechte auf neuen Wegen. In: Die Zeit Nr. 3, 9. Januar 1987
  3. Wolfgang Wippermann: Opferklagen und Kriegsschuldlüge. Vor 65 Jahren wurde der Zweite Weltkrieg entfesselt
  4. Deutscher Bundestag, 12. Wahlperiode, Drucksache 12/4111, 14. Januar 1993
  5. DER SPIEGEL 47/1993 vom 22. November 1993, S.51
  6. Anton Maegerle: Autorengeflecht in der Grauzone. Blätter zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke, eine Gefahr. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 381004153X, S. 37.
  7. Meinrad Heck: Studienzentrum Weikersheim. Der Club der rechten Denker. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke, eine Gefahr. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 381004153X, S. 95.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schickel — ist der Familienname folgender Personen: Alfred Schickel (* 1933), deutscher Historiker und Publizist Anton Schickel (1899 1943), deutscher Goldschmied Richard Schickel (* 1933), US amerikanischer Filmkritiker Diese Seit …   Deutsch Wikipedia

  • Alfred Milotte — Données clés Nom de naissance Alfred G. Milotte Surnom Al Milotte Naissance 1905 Appleton, Wisconsin Nationalité …   Wikipédia en Français

  • Alfred Hitchcock and the Making of Psycho — Infobox Book name = Alfred Hitchcock and the Making of Psycho title orig = translator = image caption = author = Stephen Rebello illustrator = cover artist = Biz Stone country = language = English series = subject = genre = publisher = St. Martin …   Wikipedia

  • Anton Schickel — Anton Franz Josef Schickel (* 11. Februar 1899 in Hanau; † Mai 1943 nahe Witebsk) war ein deutscher Goldschmied. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke (Auswahl) 3 Ausstellungen (Auswahl) …   Deutsch Wikipedia

  • Dr. Walter-Eckhardt-Ehrengabe für Zeitgeschichtsforschung — Die Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt e.V. (kurz: ZFI, auch als Institut für Zeitgeschichtsforschung Ingolstadt bezeichnet) ist ein geschichtsrevisionistischer Verein in Ingolstadt.[1] Sie wurde 1981 maßgeblich von Alfred Schickel,… …   Deutsch Wikipedia

  • Institut für Zeitgeschichtsforschung — Die Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt e.V. (kurz: ZFI, auch als Institut für Zeitgeschichtsforschung Ingolstadt bezeichnet) ist ein geschichtsrevisionistischer Verein in Ingolstadt.[1] Sie wurde 1981 maßgeblich von Alfred Schickel,… …   Deutsch Wikipedia

  • Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt — The Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt e. V. ( Ingolstadt Research Institute for Contemporary Historical Research registered association , ZFI , also known as Institut für Zeitgeschichtsforschung Ingolstadt ) is a historical… …   Wikipedia

  • Judea Declares War on Germany — Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, indem bestimmte Ereignisse wesentlich anders als in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft… …   Deutsch Wikipedia

  • Judea Declares War to Germany — Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, indem bestimmte Ereignisse wesentlich anders als in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft… …   Deutsch Wikipedia

  • Judea declares war on Germany — Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, indem bestimmte Ereignisse wesentlich anders als in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”