Almosen

Ein Almosen (von griech.: ἐλεημοσύνη (eleēmosýnē) „Mitleid, Mildtätigkeit“) ist eine materielle Gabe an einen bedürftigen Empfänger ohne Erwartung einer materiellen Gegenleistung dieses Empfängers. Es unterscheidet sich von einer Spende durch den Beweggrund des Mitleids mit dem Empfänger. Je nach Kultur oder Religion kann sich mit einem Almosen die Erwartung eines spirituellen Vorteils, im Christentum besonders die Erwartung der Sündenvergebung, verbinden.

Almosengabe vor dem Tempel

Inhaltsverzeichnis

In den Religionen

Die Gabe von Almosen gilt in vielen Religionen als religiöse Pflicht.

Im Buddhismus erhalten die Mönche ihren Lebensunterhalt nur durch Almosen. Die Schenkenden bedanken sich bei den Beschenkten, denn dass sie selbst schenken dürfen und vermögen, das betrachten sie als glückbringende Gunst.

Im Judentum ist die Almosengabe als Ausdruck der Nächstenliebe die Erfüllung des Glaubens. Das Christentum praktiziert diese Form mit dem Zusatz der jenseitigen Belohnung für eigene gute Taten.

Almosenkasten in Blütenform

Befürworter für die Spendung von Almosen und damit auch der Entsagung des Reichtums gibt es auch im Christentum schon lange. Johannes Chrysostomos trat im 4. Jahrhundert dafür ein, in der katholischen Kirche sind Almosen wie auch Gebete und Pilgerfahrten für den Ablass der Sünden wichtig. Siehe auch Panisbrief.

Im Islam ist das Almosen (Zakat) eine der fünf Säulen des gottgefälligen Lebens, also eine Pflicht. Außerdem lebten in der Vergangenheit einige Sufis (islamische Mystiker) ausschließlich von Almosen, in deren Augen es die Selbstsucht und den Geiz besiegt und die Zusammengehörigkeit aller Geschöpfe vergegenwärtigt. Es ist ein Fasten der Seele, so wie das eigentliche Fasten ein Almosen des Körpers ist.

In der indianischen Kultur des Potlachs sind Gaben mehr als ein (meist an Anonyme vergebenes) Almosen, sondern auch ein wichtiges Machtinstrument, das nur durch Gegengaben begrenzt wird. In der polynesischen Tradition sind auch entsprechende Feste mit der üppigen Verpflegung zahlreicher Gäste aus dem eigenen Stamm, aber auch geladener Gäste von anderen Inseln Höhepunkte im Jahreskalender.

Ähnliche Feste mit Einladungen und Geschenkaustauschritualen mit oft ganz unbeteiligten Personen gibt es in fast allen Gesellschaften, besonders bei Hochzeiten oder Begräbnissen. Hier ist die mittelbare oder auch unmittelbare Gegenseitigkeit der Gabe oft besonders wichtig und gilt als friedenstiftend.

Zitate

  • Es heißt, dass die Armen fünfhundert Jahre vor den Reichen ins Paradies eingehen werden. Durch Almosen kauft man den Armen etwas vom Paradies ab.Elias Canetti (Die Stimmen von Marrakesch)
  • Almosen verderben die Seele des Gebers wie des Nehmers und verfehlen zu alledem ihren Zweck, denn sie verschlimmern die Armut.Fjodor Dostojewski

Siehe auch

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Quellen

  • Schüler Duden: Die Religionen, Ein Lexikon aller Religionen der Welt, Mannheim 1977, ISBN 3-411-01369-9

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  • Almosen — Sn std. (8. Jh.), mhd. almuosen, ahd. alamuosan, as. alamosna Entlehnung. Auch anord. ƍlmusa, ae. ælmysse. Entlehnt aus kirchen l. eleēmosyna f., dieses aus gr. eleēmosýnē f. Mitleid (spät auch Almosen ), einem Abstraktum zu gr. eleḗmōn mitleidig …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Almosen — »milde, barmherzige Gabe«: Griech. eleēmosýnē »Mitleid, Erbarmen«, das zu griech. éleos »Jammer, Klage; Mitleid« gehört, gelangte über kirchenlat. eleemosyna »Almosen« und über vlat. Zwischenformen mit anlautendem a mit der Einführung des… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Almosen — (v. gr. Eleemosyne, d.i. Mildthätigkeit), milde Gaben, die man Bedürftigen reicht; diese erhalten das A. entweder von Privaten od. von Gemeinden, in letzterem Falle heißen sie Almosenpercipienten; s. u. Armenwesen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Almosen — (v. griech. eleëmosyne, »Mitleiden«), eine aus Mitleiden dargereichte Gabe. Wie nach richtigem Begriff nicht der einzelne, sondern die Gemeinde den Dürftigen versorgte, so gab man schon in den ersten Zeiten der christlichen Kirche solche Gaben… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Almosen — bedeutet eigentlich jede Wohlthat, welche den Armen erwiesen wird. Im Allgemeinen versteht man daher unter diesem Worte: die Unterstützung, welche die Wohlhabenderen den Armen zufließen lassen. Es ist jedes Menschen Pflicht, für das Wohl seiner… …   Damen Conversations Lexikon

  • Almosen — (aus dem griech. Eleemosynä, Mitleid), milde Gabe für Dürftige …   Herders Conversations-Lexikon

  • Almosen — 1. Almosen, das von Herzen kommt, dem Geber wie dem Nehmer frommt. – Körte, 98; Hoffmann, 10. 2. Almosen geben ist besser als Almosen nehmen. 3. Almosen geben ist leichter als von Almosen leben. 4. Almosen ist der Reichen bester Schatz. 5.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Almosen — Spende; Obolus; milde Gabe; Scherflein (umgangssprachlich); Zuwendung; Gnadengeschenk; Gabe; Armengeld; Gnadenbrot * * * Al|mo|sen [ almo:zn̩], das; s …   Universal-Lexikon

  • Almosen — Ạl·mo·sen das; s, ; 1 ein Lohn, den man als nicht ausreichend empfindet, oder ein wertloses Geschenk, das jemandes Würde verletzt <nicht auf Almosen angewiesen sein> 2 veraltend; etwas (z.B. Essen, Kleidung, Geld), das man armen Leuten… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Almosen — das Almosen, (Aufbaustufe) geh.: kleinere Spende an Bedürftige Synonym: milde Gabe (geh.) Beispiel: Der Obdachlose bat um ein Almosen. Kollokation: von Almosen leben …   Extremes Deutsch

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