Aloys Pichler

Aloys Pichler, gelegentl. Alois Pichler, (* 1833 in Burgkirchen in Oberbayern; † 2. Juni 1874 in Siegsdorf bei Traunstein) war ein deutscher, katholischer Kirchenschriftsteller und Bibliothekar.

Nach seinem Studium wurde Pichler 1859 mit 26 Jahren zum Priester geweiht. Als solcher war er als Seelsorger wie auch schon als Bibliothekar tätig. 1861 wurde er in München in Theologie promoviert.

Als Anhänger des katholischen Theologen Ignaz von Döllinger geriet Pichler sehr schnell mit dem erzbischöflichen Ordinariat München in Konflikt. Der Erzbischof von München und Freising Gregor von Scherr drohte Pichler mit der Exkommunikation.

Darum nahm Pichler 1868 einen Ruf als Bibliothekar an den kaiserlichen Hof in Sankt Petersburg an. Diesem folgte er, ohne offiziell aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten zu sein. Seine Reise ins Zarenreich glich fast schon einer Flucht. Am Zarenhof wurde Pichler an seinem neuen Arbeitsplatz sehr schnell schwermütig. Diese Depressionen steigerten sich bis zu einer Gemütskrankheit, in der er begann, zwanghaft Bücher zu stehlen (Bibliomanie).

1870 wurde Pichler deswegen angeklagt und durch ein Gericht wegen „Diebstahl, begangen durch einen Ausländer“ zu Verbannung nach Sibirien verurteilt. Durch Fürsprache von Prinz Leopold von Bayern wurde Zar Alexander II. auf Pichler aufmerksam und begnadigte ihn.

Pichler kehrte noch während des deutsch-französischen Krieges nach Deutschland zurück und ließ sich in Siegsdorf bei Traunstein nieder. Dort verstarb er am 2. Juni 1874 im Alter von ungefähr 41 Jahren.

Werke (Auswahl)

  • Geschichte der kirchlichen Trennung zwischen dem Orient und Occident, München 1865 (2 Bde.)
  • Die Theologie des Leibniz, München, 1869 (2 Bde.)
  • Die wahren Hindernisse und die Grundbedingungen einer Reform der katholischen Kirche, München 1870

Literatur

Weblinks


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