Amiternum
42.40055513.306668
Amiternum (Italien)
Amiternum
Amiternum
Die Ruinen von Amiternum
Die Ruinen des Amphitheaters von Amiternum

Amiternum war eine antike Stadt der Sabiner in Italien.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Amiternum lag in den Abruzzen zu Füßen des Gran Sasso, an der Stelle des heutigen Ortsteils San Vittorino der Stadt L’Aquila. Der größere Teil der Stadt erstreckte sich unterhalb eines Hügels mit einer Zitadelle am Fluss Aternus, nach dem die Stadt benannt war. Die Entfernung nach Rom betrug ausweislich eines Meilensteins[1] 83 römische Meilen (etwa 125 km). Amiternum war ein wichtiger Kreuzungspunkt der Via Caecilia, der Via Claudia Nova und zweier Zweige der Via Salaria.

Geschichte

Amiternum, genauer das in der Nähe gelegene Testruna, galt als Herkunft des Volks der Sabiner. 293 v. Chr. eroberten die Römer die Stadt von den Samniten und verwalteten sie als praefectura.[2] Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. war Amiternum vollständig romanisiert und gehörte zur Tribus Quirina. 86 v. Chr. wurde dort der Historiker Gaius Sallustius Crispus geboren. Nach einer späteren lokalen Legende stammte auch Pontius Pilatus aus Amiternum.[3]

Die Stadt blühte noch in der Kaiserzeit und wurde Sitz eines Bischofs. Ihre Einwohnerzahl wird auf 20.000 bis 25.000 geschätzt. Ein schweres Erdbeben 346 n. Chr. leitete den Niedergang ein.[4] Erst im Mittelalter um das Jahr 1250 wurde die Stadt aufgegeben; die Bewohner siedelten in das etwa 8 km entfernte L’Aquila um, das auch den Bischofssitz übernahm. Das Bistum besteht als Titularbistum Amiternum der römisch-katholischen Kirche fort.

Archäologie

Im Tal unterhalb von San Vittorino wurden seit dem späten 19. Jahrhundert zahlreiche Ausgrabungen gemacht. Nördlich des Dorfes, rechts der SS 80, liegen die Reste eines Theaters mit vielleicht augusteischem Mauerwerk. Es hatte einen Durchmesser von 80 m und konnte etwa 2000 Zuschauer aufnehmen. Während die Sitzreihen der cavea teilweise restauriert wurden, sind von der scaena nur noch die Fundamente sichtbar. Außerhalb der antiken Stadt auf der anderen Seite des Aterno liegt das Amphitheater, mit einem Durchmesser von 68 m. Es ist ein Ziegelbau aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., der 6000 Zuschauern Platz bot. Daneben gibt es Reste einer Thermenanlage und eines vielleicht tiberischen Aquädukts.

Die bekannteste in der Stadt gefundene Inschrift ist ein Kalender, die fasti Amiterni.

Nach langem Stillstand der archäologischen Erforschung Amiternums finden jetzt wieder intensive Untersuchungen statt. Seit 2006 beschäftigt sich ein vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Projekt der Universität Bern (seit 2008 Universität zu Köln) mit der urbanistischen Untersuchung der Stadt mittels Fernerkundung, geophysikalischer Prospektionen und gezielter stratigraphischer Ausgrabungen. Neu nachgewiesen wurden u.a. das Forum mit Basilika, eine große Domus der lokalen Oberschicht sowie mehrere Heiligtumskomplexe. 2007 und 2008 unternahm die regionale Denkmalbehörde der Provinz Abruzzen eigene Ausgrabungen am Theater und an einem Tempel östlich des Amphitheaters.[5]

S. Michele

Im Ort San Vittorino steht die romanische Kirche S. Michele mit Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Von besonderem Interesse sind die Katakomben. Vom rechten Seitenschiff aus gelangt man über eine Treppe zu den Gräbern von über 80 vorgeblichen Märtyrern, datierbar für einen Zeitraum vor dem 4. Jahrhundert. Ein Grabmal ist als Ruhestätte des Heiligen Victorinus (San Vittorino) gekennzeichnet, der als einer der ersten Bischöfe von Amiternum unter Kaiser Nerva das Martyrium erlitten haben soll. Die Anlage besteht aus quasi-natürlichen Höhlen und Schächten, z. T. aber auch aus säulengestützten Gewölben. Hier hat es verschiedentliche Eingriffe gegeben und über diese Grabanlage und ihre Toten hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine reiche Legendenbildung entwickelt.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. CIL 9, 5957.
  2. So Gerhard Radke: Amiternum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 301. Dagegen geht E. T. Salmon, Amiternum, in: Princeton Encyclopedia of Classical Sites, 1976, davon aus, dass das 293 v. Chr. eroberte Amiternum eine namensgleiche Stadt im nordwestlichen Samnium war.
  3. Archeologia Aquilana
  4. Aquila TV.
  5. il centro, 5. Juli 2008.

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