An der Gassen (Adelsgeschlecht)

Die Herren an der Gassen von Tirol waren im Mittelalter Ministerialen der Grafen von Tirol und hatten unweit von Schloss Tirol im ehemaligen Turm in Dorf Tirol, oberhalb von Meran, ihren Ansitz. Die An der Gassen wurden in lateinischer Sprache "Domini de Platea" oder auch "de Vico Ville Tirol" genannt.

Turm in Tirol, der 1335 als landesfürstliches Lehen an die Herren an der Gassen verliehen wurde. Sichtbar ist noch der Eckverband des Turmstumpfs im östlichen Trakt des heutigen Pfarrhofs.
Grabstein eines Mitglieds der Familie an der Gassen mit Wappen, aus der Pfarrkirche in Tramin, heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts, Sandstein, Maße: 175x73,5 cm
Darstellung des Wappens der Ministerialen an der Gassen aus Siebmachers Wappenbuch (Si3), 1656
Darstellung des bürgerlichen Wappens der Familien Andergassen, Wappenmalerei um 1900

Inhaltsverzeichnis

Onomastik

Der Name An der Gassen entwickelte sich durch Namensannahme eines oder mehrerer Mitglieder einer Familie nach einem Wohnort, einem Gut "an der Gasse".
Der Name Andergassen kommt nicht nur im Burggrafenamt (u. A. auch in Verdins bei Schenna), sondern auch im Südtiroler Unterland und im Eisacktal in verschiedenen Namensabwandlungen und Namensschreibungen vor. Bereits in den Urkunden des 14. Jahrhunderts sind viele Nennungen z.B. als Andergaz, von der Gassen, ab der Gahsen, Andergasse zu finden.
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die Entstehung des Namens auf einen Genanntnamen / Vulgoname "an der Gassen" zurückgeht, der aufgrund der Bindung einer oder mehrerer Personen an einen Bauernhof oder ein Haus (Hof an der Gassen) begründet ist.
Da die Namensträger (zu einem großen Teil) nicht die Abstammung, sondern lediglich der (frühere) Wohnsitz miteinander verband, kann man daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, die Träger des gleichen Namens seien miteinander verwandt gewesen. Zusätzlich gab es in den mehreren südtiroler Ortschaften Güter an der Gassen. Aus den historischen Quellen kann man nicht feststellen, inwieweit oder ob überhaupt verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Namensträgern bestanden haben. Dazu sind keine geneaologischen Aufzeichnungen überliefert.

Herkunft und Familienmitglieder

Die historisch bedeutendsten Namensträger stammten aus Dorf Tirol: ein Ortsteil von Dorf Tirol, nördlich der Kirche, wird immer noch Gassen genannt. Dort ist kein Gassgut mehr vorhanden, da Dorf Tirol im 20. Jahrhundert durch Neubauten umgestaltet wurde.
Das Gut an der Gassen von Tirol wurde 1369 bereits in mehrere Höfe aufgeteilt.
Der wichtigste Vertreter der Tiroler Familie war Matthäus an der Gassen, Fürstbischof von Brixen (1335-1363)
Jakob an der Gassen von Tramin, ein Bruder des Bischofs nahm 1361 am ersten Tiroler Landtag zu Meran teil.
Später nahm kein Mitglied der Familie mehr an Landtagen teil.

Genealogie und das adelige Wappen

Das Geschlecht der Herren an der Gassen von Tirol ist wahrscheinlich aus dem Geschlecht der Herren von Auer hervorgegangen (Schloss Auer bei Dorf Tirol). Laut Brandis (Tirolischen Immergrünendes Ehren-Kräntzel) waren die Herren an der Gassen mit den Herren an der Platten von Algund verwandt, die in den Urkunden bereits im Jahre 1178 aufscheinen. Sie waren Cousins der Herren von Metz/Kronmetz und damit Stammväter der Metzner von Runkelstein (dies kann man auch formal im Wappenvergleich der drei Geschlechter erkennen).
Die Herren an der Gassen von Tirol trugen hauptsächlich folgendes Wappen: geteiltes Schild oben rot, unten schwarz - darauf ein silbernes Speichenrad (acht Speichen), Helm: silbern, Helmdecke: innen silbern außen rot, Helmzier: flaches Federgesteck, in den Farben und Zeichnung (Rad) gleich dem Wappenschild. Das Radwappen ist im Wappen der Metzner von Runkelstein aufgegangen (siehe z. B. Schloss Maretsch in Bozen). Es besteht auch Wappenübereinstimmung mit den Herren an der Platten, die auch Ministerialien in Tirol waren.

Die bürgerlichen Familien und deren Wappen

Das neuzeitlich bürgerlichen Familien Andergassen stammen großteils aus Kaltern und dem Südtiroler Unterland.
Es ist keine Genealogie der Herren an der Gassen von Tirol vom frühen 14. Jahrhundert bis zur Erfassung der Geburtsdaten in den Taufmatrikeln der katholischen Kirche vom späten 16. Jahrhundert überliefert.
Laut Stolz (Ausbreitung des Deutschtums..) taucht in den Urkunden bereits 1419 ein sogenannter "Petrus an der Gassen de superiore Planiez als Grenznachbar in loco dicto Ackerlein" in Kaltern-Oberplanitzing auf.
Die bürgerliche Wappenverleihung erfolgte, aufgrund von Verdiensten im Verwaltungswesen und in den Türkenkriegen, durch Ferdinand II. (Tirol) : Gassen, Hanns an der, Georg, Michael; Brüder, Wappen mit Lehenartikel, Prag 1. März 1575.
Der originale Wappenbrief gilt seit den Jahren des 2. Weltkriegs als verschollen.
Das bürgerliche Wappen aus der Renaissancezeit hat auch keine formal erkennbare Verbindung zum mittelalterlichen adeligen Wappen.
Die Zusammenschreibung des früher getrennt geschriebenen Namens erfolgte erst später und wurde unterschiedlich gehandhabt.
Während der Zeit des italienischen Faschismus mussten alle deutschsprachigen Familiennamen in Südtirol italienisiert werden, aus Andergassen wurde Dallavia.

Weblinks

Literatur

  • Burglehener, Mathias: Tiroler Adler, 1610-1639
  • Siebmachers Wappenbuch (Si 3), 1. Ausgabe: Des erneuerten Teutschen Wappenbuchs III. Theil, 1656
  • Brandis, Franz Adam Graf: Des Tirolischen Immergrünendes Ehren-Kräntzel, Botzen 1678
  • Tarneller, Josef: Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden, 1. Teil, Wien 1909
  • Stolz, Otto: Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol im Lichte der Urkunden, Band 1-4, München 1927-1934
  • Fischnaler, Konrad: Wappen und heraldisch-sphragistische Studien aus Alttirol nebst Vorarbeiten zu einem tirolisch-vorarlberg’schen Wappen-Schlüssel, Innsbruck 1937
  • Giovanelli, Enrico: Die Herren von Kronmetz, Innsbruck 1953
  • Frank, Karl Friedrich von: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823, Schloß Senftenegg, Niederösterreich, A.-E. 1967
  • Weingartner, Josef, Hörmann-Weingartner Magdalena: Die Burgen Tirols, Ein Burgenführer durch Nord-, Ost- und Südtirol, 3. Aufl., Innsbruck (u.a.) 1981
  • Finsterwalder, Karl: Tiroler Familiennamenkunde, Innsbruck 1994
  • Südtiroler Burgeninstitut (Hrsg.): Südtiroler Burgenkarte, mit Burgenführer und Detailkarten, Bozen 1995

Siehe auch


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