Anadyomene
Die Anadyomene des Tizian
Venus Anadyomene (Ingres, 1848)

Anadyomene (griech. Αναδυομένη, "Entsteigende") war ein Beiname der griechischen Göttin Aphrodite. Der Beiname bezog sich auf die von Hesiod überlieferte Sage von der Geburt der Aphrodite, die auf Zypern dem Schaum des Meeres entstiegen sein soll, nachdem sich Blut und Samen aus dem abgeschnittenen Geschlecht des Uranos mit dem Wasser des Meeres vermischt hatten.[1]

Der Beiname Anadyomene wurde vor allem gebräuchlich durch das berühmte (und oft kopierte) Gemälde des Apelles, in dem sie, eben dem Meer entstiegen, sich graziös das Wasser aus dem Haar wringt. Das Gemälde wurde für die Bürger der Insel Kos geschaffen und hing dort im Tempel des Asklepios. Auf Befehl des Augustus wurde das Gemälde nach Rom gebracht. Dort wurde es als Bildnis der Stammmutter des Geschlechts der Julier seinem vergöttlichten Adoptivvater Julius Caesar geweiht. Die Bürger von Kos wurden mit einem Steuernachlass von 100 Talenten entschädigt.[2] Zur Zeit von Nero wurde die untere Hälfte des inzwischen schadhaft gewordenen Bildes durch eine Kopie des Malers Dorotheos ersetzt. Die obere Hälfte wurde zur Zeit des Vespasian restauriert. [3]

Laut Plinius soll Kampaspe, die Lieblingskonkubine von Alexander dem Großen, das Modell der Anadyomene des Apelles gewesen sein. Der Maler hätte sich in Kampaspe verliebt, woraufhin Alexander großmütig seine Konkubine dem von ihm sehr geschätzten Maler überließ.[4] Nach Athenaios aber soll die noch berühmtere Athener Hetäre Phryne das Modell gewesen sein. Der Maler habe sie beim Fest von Eleusis gesehen, als sie nackt in das Meer stieg.[5]

Weblinks

 Commons: Venus Anadyomène – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hesiod Theogonie 188-206
  2. Strabon Geographie 14,2
  3. Günther Bröker: Apelles 1. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 4, Seemann, Leipzig 1990, S. 502–503
  4. Plinius Naturalis historia 35,36
  5. Athenaios Deipnosophistai 13,590

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  • anadyomène — ⇒ANADYOMÈNE, adj. A. MYTH. [P. allus. à la naissance de Vénus] Qui sort de l eau. Vénus anadyomène : • 1. ... plusieurs de nos contemporains offriraient volontiers à quelque statue de Vénus anadyomène ou de Vénus victorieuse, non une génisse ou… …   Encyclopédie Universelle

  • ANADYOMENE — de qua Plin. l. 3 5 c. 10. Venerem exeuntem e mari D. Augustus dicavit in delubro patris Caesaris, quae Anadyomene vocatur, versibus aliquot Graecis et opus et pictorem collaudantibus. Corruptam huius inferiorem partem, qui reficeret, non potuit… …   Hofmann J. Lexicon universale

  • anadyomene — /a nə dī omˈə nē/ adjective Coming up or emerging (esp of Aphrodite from the sea) ORIGIN: Gr anadyomenē …   Useful english dictionary

  • Anadyomĕne — (gr., die [aus dem Meer] Aufsteigende), 1) Beinamte der Aphrodite, s.d.; 2) Art der Horngorgonie, s.d …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Anadyoméne — (griech., die »Auftauchende«), Beiname der Aphrodite als der aus dem Meer Entstiegenen. Die berühmteste Darstellung der Göttin, wie sie, dem Meere halb entstiegen, ihr Haar mit den Händen trocknet, war Apelles Gemälde im Tempel des Asklepios auf… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Anadyoméne — (grch.), s. Aphrodite …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Anadyomene — Anadyomene, d.h. die Auftauchende, Beiname der Aphrodite (Venus), weil sie nach der griech. Mythe aus dem Meere entsprang; häufiger Gegenstand der griech. Kunst, berühmtes Gemälde des Apelles …   Herders Conversations-Lexikon

  • Anadyomene — ANADYOMĔNE, es, Gr. Ἀναδυομένη, ης, ist ein Beynamen der Venus, welcher von ἀναδύω, herausgehen, so viel als die herausgehende heißt, und die Venus bedeutet, wie sie aus dem Meere empor gestiegen. Es hatte dieses Bild ehemals insonderheit Apelles …   Gründliches mythologisches Lexikon

  • anadyomène — (entrée créée par le supplément) (a na di o mè n ) adj. f. Terme d antiquité. Vénus anadyomène, voy. vénus. ÉTYMOLOGIE    En grec, celle qui sort de l eau, du grec, en haut, et, aller …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

  • Anadyomene — A|na|dy|o|me|ne 〈f.; Gen.: ; Pl.: unz.〉 »die aus dem Meer Auftauchende«, Beiname der grch. Göttin Aphrodite, da sie nach der Sage aus dem Meeresschaum geboren wurde [Etym.: <lat., grch. anadyomene »die Auftauchende«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

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