Anarcho-Syndikalistische Jugend
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Die Anarcho-Syndikalistische Jugend (auch Anarchistisch-Syndikalistische Jugend, ASJ) ist ein loser Zusammenschluss von mehreren anarchosyndikalistischen Jugendgruppen in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Vorläufer

Von 1921 bis 1933 hatte die Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands (SAJD) zu Höchstzeiten etwa 3.000 Mitglieder in 120 Ortsgruppen. „Vor allem die 1921 begründete "Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands" (SAJD), die, wenn auch eigenständig, als Jugendverband der FAUD galt, mit ihrer zwischen 1923 und 1931 erschienenen, u.a. von Georg Hepp redigierten Zeitschrift Junge Anarchisten, engagierte sich frühzeitig gegen den zur Macht strebenden Nationalsozialismus.[1]

Mitglied und einer der Theoretiker der SAJD war der Anarchosyndikalist Helmut Rüdiger. Von 1923 bis 1932 erschien die Zeitschrift Junge Anarchisten. Organ der syndikalistisch-anarchistischen Jugend Deutschlands. Eine Zeitschrift der FAUD-Jugend in einer Auflage von 5000 Exemplaren.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus organisierten sich die anarchistischen und syndikalistischen Jugendlichen teilweise in den Schwarzen Scharen oder im Untergrund.

Nachkriegszeit

Nach 1945 gab es wiederum verschiedene Gruppen, die erste anarchistische Jugendgruppe entstand in Dortmund.[2].

Stuttgart

Von 1990 bis 1993 bestand im Großraum Stuttgart die „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ (ASJ). Die ASJ war eine unabhängige anarchistisch-syndikalistische Jugendgruppe, stand der Stuttgarter Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) jedoch nahe.

Die ASJ wurde als „Syndikalistisch-Anarchistische Jugend“ am 28. Februar 1990 in Schorndorf gegründet. Nachdem sich auch in Stuttgart am 7. Mai 1990 eine solche Jugendgruppe gründete, wurde der Name in „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ geändert. Lokale ASJ-Gruppen bestanden in Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg, Schorndorf und Stuttgart. Bei der Gründung bestand die Gruppe aus 10 Personen und wuchs schnell auf 40 fest dazugehörende an.

Ein Schwerpunkt der Stuttgarter Gruppe war militanter Antifaschismus. Darüber hinaus beteiligte sie sich unter anderem an Wahlboykottkampagnen, der Vorbereitung und Durchführung von Demonstrationen zum Ersten Mai mit einem eigenständigen „anarchistischen Block“, Aktivitäten gegen den Golfkrieg und die Deutsche Wiedervereinigung sowie der Besetzung eines Hauses in der Schwabstrasse. Neben der Auseinandersetzung mit anarchistischer Theorie und Geschichte war die ASJ praktisch orientiert. Insbesondere der Antifaschismus war ein Schwerpunkt der Arbeit der Gruppe. So beteiligten sich ASJ-Mitglieder an militanten Auseinandersetzungen mit Neonazis, ebenso wie an der Ausforschung regionaler Neonazi-Strukturen.

1991 und 1992 beteiligten sich ASJ-Aktive an der Organisierung eigenständiger anarchistischer Blocks auf den „Revolutionären Ersten-Mai-Demonstrationen“ in Stuttgart. Im Jahr 1991 nahmen daran 150 Menschen teil, 1992 350 Menschen. ASJ-Aktive beteiligten sich 1991 an einem wilden Streik bei Bauknecht in Schorndorf und durchgehend am „Stuttgarter Schülerrat“. Die ASJ publizierte Flugblätter zu verschiedenen Themen und war durch das massenhafte Verbreiten von Aufklebern in Stuttgart und der Region auch im öffentlichen Raum präsent.

Martin Veith über die Bedeutung der Gruppe: „Es ist unzweifelhaft, dass durch die ASJ der kämpferische, offensive Anarchismus den Weg zurück auf Stuttgarts Straßen gefunden hatte. Die Gruppe zeichnete Leidenschaft und Optimismus aus. Und wir wussten, was wir wollten - die soziale Revolution - und durch sie eine anarchistische Gesellschaft. Die Gruppe zeichnete Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit aus. Wir waren keine Spaß-Gruppe. Das merkten sowohl unsere Feinde und Gegner, als auch diejenigen, die den Anarchismus als „Spiel“ und „Ersatz-Familie“ betrachteten…. Die ASJ verband die individuelle persönliche Entwicklung mit dem kollektiven Kampf. Antrieb war der Wille zur Veränderung, die bei jedem selbst beginnt, aber die gemeinsame Aktion benötigt, um sich schließlich durchsetzen zu können“. [3]

Aufgrund inhaltlicher und persönlicher Konflikte löste sich die Gruppe 1993 auf.

21. Jahrhundert

Im März 2009 hatte sich in Düsseldorf eine ASJ-Gruppe gegründet, ebenso eine in Duisburg und Bonn [4]. Ausgangspunkt der Gründung war die Diskussion jugendlicher FAU-Mitglieder über die Gründung einer Jugendorganisation[5], die sich von den Jugendverbänden der Parteien klar abgrenzt. In Berlin [6] und im nördlichen Ruhrgebiet[7] entstanden im Jahresverlauf weitere ASJ-Gruppen. Die Mitglieder bringen sich entsprechend ihrer Interessen frei ein und bestimmen selbst über die Aktivitäten der jeweiligen Gruppe[8] [9] [10]. Während die ASJ Düsseldorf, wie auch Münster und Duisburg, ihre Arbeit 2010 eingestellt haben, existierten 2011 unter anderem auch in Göttingen[11], Leipzig[12], Mainz[13] und Darmstadt[14] ASJ-Gruppen.

Die einzelnen Gruppen sind lose miteinander vernetzt und agieren dementsprechend unabhängig voneinander. Die ASJ NRW war 2009 der erste gemeinsame Versuch, sich einen föderaleren Charakter zu geben[15]. Ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt zusammen mit der FAU und Antifa-Gruppen fand bei einer Demonstration am 4. September 2009 statt, die von ASJ-Gruppen aus NRW mitorganisiert wurde[16] [17]. In der Zeit vom 29. Mai 2010 bis 6. Juni 2010 war die ASJ Bonn maßgeblicher Organisator des Klimacamps 2010[18] im Rahmen der Proteste gegen die Klimazwischenkonferenz in Bonn. Auf Initiative der ASJ Berlin unterstützten ASJ-Gruppen auch den Arbeitskampf der FAU Berlin im Kino Babylon[19]. Seit Anfang 2011 gibt die ASJ Berlin die Jugendzeitschrift „Schwarzes Kleeblatt“ in zweimonatigem Rhythmus heraus. Im Mai 2011 gründete sich die Regionalföderation Ost aus den Gruppen in Leipzig und Berlin.

Literatur

  • Ulrich Linse: Die anarchistische und anarcho-syndikalistische Jugendbewegung 1919 - 1933. Dipa-Verlag, Frankfurt/M. 1976. ISBN 3-7638-0218-5
  • Martin Veith: Eine Revolution für die Anarchie. Zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Großraum Stuttgart 1990-1993. Verlag Edition AV, Lich, März 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zitat nach Siegbert Wolf
  2. Vgl. hierzu:Schwarze Katze Interview mit Andreas von der Geschichtswerkstatt Dortmund
  3. Zitiert aus: Martin Veith, „Eine Revolution für die Anarchie“. Zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Großraum Stuttgart 1990-1993. Verlag Edition AV, Lich, März 2009
  4. ASJ Bonn
  5. Düsseldorfer ASJ-Gruppe gegründet
  6. ASJ Berlin
  7. ASJ Herne/Recklinghausen (nördliches Ruhrgebiet)
  8. Selbstverständnis der Duisburger ASJ
  9. Netzwerk anarchistisch-syndikalistischer Jugendgruppen. Abgerufen am 20. Juli 2010
  10. Selbstverständnis der ASJ Bonn
  11. ASJ Göttingen/Südniedersachsen
  12. ASJ Leipzig
  13. ASJ Mainz
  14. ASJ/LS Darmstadt
  15. ASJ NRW
  16. "ASJ: (Selbst)Organisierte Freiheit" ein Artikel der utopia - Jugendzeitung
  17. Bericht zur Demonstration am 4. September 2009 auf der Seite der ASJ Herne/Recklinghausen
  18. Klimacamp 2010 auf der Seite der ASJ Bonn
  19. ASJ beim Arbeitskampf im Kino Babylon ein Artikel zum Arbeitskampf

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