Andreas de Mare

Andreas de Mare (* vor 1540; † nach 1599) war ein Orgelbaumeister der Spätrenaissance, der in Groningen und Bremen seinen Sitz hatte. Neun Neubauten und zehn sonstige Tätigkeiten an eigenen oder fremden Orgeln sind bezeugt, aber nur noch einzelne Register oder Orgelteile von de Mare heute erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Andreas de Mare („Gandavensis“) stammte aus Gent und zog nach Groningen, um dort zwei große Orgelprojekte durchzuführen. 1561 erwarb er für sich und seine Söhne Christoffer und Marten de Mare in Groningen das sog. kleine Bürgerrecht. De Mare war 1566-1594 in Ostfriesland tätig. Anschließend zog er nach Verden (spätestens 1583) und Bremen. Er ist Begründer einer Orgelbaufamilie, die von 1540-1740 in Groningen und Bremen nachweisbar ist.[1] Bekanntheit erlangten sein Sohn Martin († 1612) und ein anderer Angehöriger, der ebenfalls Andreas hieß und im 17. Jahrhundert im Groningerland etliche Orgelneubauten durchführte.

Werk

  • 1543 erweiterte de Mare die große Orgel der Martinikerk (Groningen), deren Ursprünge auf einen unbekannten Meister um 1450 zurückgehen. Das Gehäuse von Hauptwerk und Oberwerk sowie einige Register von de Mare sind noch erhalten.
  • 1558 führte de Mare in Groningen einen Umbau der Orgel der Aa-Kerk durch. Dieses Instrument wurde später durch einen Neubau ersetzt.
  • 1566-67 baute de Mare eine neue Orgel in der Ludgerikirche Norden als Chororgel mit Flügeltüren, die ein früheres Positiv ersetzte. Als dies Instrument durch Kriegsschäden beeinträchtet wurde, baute Edo Evers 1618 eine neues Werk, wobei er einige alte Register von de Mare verwendete, die heute noch erhalten und von besonderer klanglicher Qualität sind. Andere übrig gebliebene Register und Gehäuseteile der Norder Orgel integrierte Evers in seine Orgel in Osteel (1619), die ebenfalls bewahrt geblieben sind.
  • 1578 baute de Mare eine Orgel im niederländischen Zuidbroek, das 1793-1795 durch einen Neubau von Franz Caspar Schnitger jr. und Heinrich Herman Freytag ersetzt wurde.
  • 1578-82 erweiterte de Mare in Emden (Große Kirche) die Orgel, die 1568 aus dem ehemaligen Kloster Blauhaus im heutigen Woltzeten übernommen wurde. Später wurde sie durch eine neue Orgel ersetzt.
  • 1585–87 ist für Bremen (St. Stephani) ein Orgelneubau bezeugt.
  • 1589-94 verfertigte de Mare für die Marktkirche Hannover ein Instrument, das um 1640 von Adolph Compenius erweitert wurde, später aber durch einen Neubau ersetzt wurde.
  • 1590 (vielleicht schon 1570) baute de Mare wahrscheinlich für das Kloster Thedinga (bei Leer) eine Orgel. Als das Instrument 1609 durch eine Schenkung von Graf Enno III. der Großen Kirche in Leer vermacht wurde, übernahm Martin de Mare Register für seinen dortigen Neubau, während er das prächtige Gehäuse mit den verzierten Prospektpfeifen 1610 in die Gutskapelle von Stellichte überführte, wo es noch heute zu bewundern ist. Das innere Pfeifenwerk wurde im Stil des ursprünglichen Renaissanceinstruments 1985 von Jürgen Ahrend rekonstruiert. Ein wissenschaftliches Institut des Organeum unter Leitung von Winfried Dahlke untersuchte 2006-2008 die Inskriptionen (Tonbuchstaben) an den alten Pfeifen der Orgel in Leer, um den gewachsenen Zustand des Instruments geschichtlich zu erhellen. Offensichtlich stammt der Grundbestand noch von Andreas und Martin de Mare.[2]
  • 1594-99 baute de Mare als sein letztes Projekt eine Orgel für die Klosterkirche Loccum, von der nichts erhalten ist. Dies gilt auch für sein Instrument in Stadthagen.
Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen
1543 Groningen Martinikerk Orgel Martinikerk Groningen.jpg Erweiterung der Orgel; Hauptwerk-Gehäuse und einige Register von de Mare erhalten; später erheblich erweitert → Orgel der Martinikerk (Groningen)
1558 Groningen Aa-Kerk Umbau; nicht erhalten → Orgeln der Aa-Kerk (Groningen)
1566-1567 Norden Ludgerikirche 2009 07 Norden Ludgerikirche Arp-Schnitger-Orgel.JPG Neue Chororgel, von der einige Register bei einem späteren Neubauten von Edo Evers und Arp Schnitger jeweils übernommen wurden und teils heute noch erhalten sind → Orgel der Ludgerikirche (Norden)
1578 Zuidbroek Hervormde Kerk Neubau; nicht erhalten
1578-82 Emden Große Kirche Erweiterung der Orgel; nicht erhalten
1585–87 Bremen St. Stephani Neubau; nicht erhalten
1589-94 Hannover Marktkirche Neubau; später ersetzt
1590 (1570?) bei Leer Kloster Thedinga LeerGroßeKircheOrgelempore.jpg 1609 der Großen Kirche in Leer vermacht; de Mare verwendete einiges aus dieser Orgel für seinen dortigen Orgelneubau; einige Register erhalten, evtl. auch Teile des Hauptwerks-Gehäuses → Orgel der Großen Kirche (Leer)
1594-99 Loccum Klosterkirche Loccum Neubau; nicht erhalten

Siehe auch

Literatur

  • Walter Kaufmann: Die Orgeln Ostfrieslands. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1968.
  • Ibo Ortgies: Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis. Göteborgs universitet, Göteborg 2004 (rev. 2007) (online).
  • Harald Vogel, Günter Lade, Nicola Borger-Geweloh: Orgeln in Niedersachsen. Hauschild Verlag, Bremen 1997, ISBN 3-931785-50-5.
  • Harald Vogel, Reinhard Ruge, Robert Noah, Martin Stromann: Orgellandschaft Ostfriesland. 2 Auflage. Soltau-Kurier-Norden, Norden 1997, ISBN 3-928327-19-4.
  • Maarten A. Vente: Die Brabanter Orgel. Zur Geschichte der Orgelkunst in Belgien und Holland im Zeitalter der Gotik und der Renaissance. H. J. Paris, Amsterdam 1963.

Einzelnachweise

  1. Vente, Brabanter Orgel, S. 133, 212.
  2. Jürgen Ahrend, Winfried Dahlke: Dokumentation der Orgel der Evangelisch-Reformierten Großen Kirche zu Leer. Print-on-Demand, ohne Ort 2008.

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