Andres Bosshard

Andres Bosshard (* 1955 in Zürich) ist ein Schweizer Musiker und Künstler im Bereich Klangkunst und Klangarchitektur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bosshard studierte Musik- und Kunstwissenschaft an der Universität Zürich. Danach war er langjährig als Querflötenlehrer tätig. Der Künstler begann als Maler und realisierte eine Reihe von Aktionen, bevor er sich experimentellem Musiktheater zuwandte, Klanginstallationen realisierte, eigene live-elektronische Musikinstrumente entwickelte und als improvisierender Musiker auftrat. Für seine Projekte erhielt Andres Bosshard verschiedene Auszeichnungen und namhafte Werkbeiträge.

Musikprojekte

Andres Bosshard begann mit Klangexpeditionen die klingende Umgebung in allen ihren möglichen Raumtiefen zu erforschen und produzierte in der Folge mehrere umfangreiche, z.T. weltweit vernetzte Medienprojekte.

  • Staudamm in Fusio 1987 im Kanton Tessin: Der Staudamm wurde durch präzis positionierte kleine Lautsprecher zum gigantischen Klangreflektor.
  • Klangbrücke 1990 in Bern: eine multikanal-live Verbindung zwischen der Kunsthalle Bern und der Eisenbahnbrücke an der Lorraine
  • Telefonia 1991: ein Live-Simultankonzert via Satellit zwischen New York (Hall of Science), Winterthur und dem Gipfel des Säntis

Klangarchitekturen

In Zusammenarbeit mit Architekten und Landschaftsplanern entstanden mehrere ständig betriebene Klangarchitekturen. Seit 2000 betreibt Andres Bosshard zudem Klangforschung im urbanen Aussenraum in einem wachsenden Netz von Klanggärten.

  • Wasserspuren 2000, externes Expoprojekt in Han. Münden: Klang-, Licht- und Wassergestaltung dreier Plätze in der historischen Altstadt.
  • Agora 2000, externes Expoprojekt in der Goitzsche bei Bitterfeld: Klang-Landart-Skulptur als Amphitheater für 1500 Personen.
  • Klangbrunnen 2001, Gutstrasse Galaxy Zürich: interaktiver Brunnen zur Sensibilisierung der akustischen Raumwahrnehmung für ein Schulhaus.
  • Giardino Sonoro La Limonaia dell' imperialino Firenze 2003-2005, ständiger Klanggarten in der Stadt Florenz: Gärtnermeister Stefano Passerotti, Lorenzo Brusci und Andres Bosshard sind die Begründer des GSLI-Teams, das internationale Klanggartenprojekte entwickelte.
  • Kassiopeia 2009, unterirdisches Klangfeld für die neue Sportanlage Heerenschürli in Zürich-Schwammendingen (permanent): Im Auftrag der Stadt Zürich entstand in enger Zusammenarbeit mit metallatelier.de ein wasserbetriebenes unterirdisches Hörlabyrinth, das die kilometerlangen Bewässerungsrohre der Sportankagen zu Resonzkörpern macht.

Klangturm

Klangraumarchitektur für Klänge, die neuartigen Raum schaffen, um die vertikale Dimension besonders zu betonen. Im Innern des Turms entsteht eine kaleidophone Klangspirale. Aus der Umgebung werden Impulse aufgenommen, live-elektronisch verarbeitet und wieder radial abgestrahlt.

  • Klangturm 1996-99: Medienarchitektur für den Klangturm St.Pölten
  • Klangturm 2002 expo.02 Arteplage Biel: während 22 Wochen mit 40 Musikern - Klangstrom, Environment und Konzerte

World New Music Festival Stuttgart 2006

  • Während des "World New Music Festival" 2006 in Stuttgart wurde der Aussichtsturm im Höhenpark Killesberg von Andres Bosshard in Zusammenarbeit mit Lorenzo Brusci zu einem Klangturm umgestaltet.

Sechs internationale Künstler hatten für den Höhenpark Killesberg Klangkunstwerke entwickelt, die die Besucher in eine Welt der Poesie und der Meditation, des Abenteuers und der Reflexion entführten Sie hoben besondere Orte des Parks hervor, erzählten dabei dessen bewegte Geschichte und präsentieren die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten in der Welt der Neuen Musik. Die Installationen luden zum Hören und zum Sehen, zum Berühren und Ausprobieren ein. Der sommerliche Park verwandelte sich so in ein lebendiges, sinnliches Kunstereignis, das jeden einzelnen Besucher zur Entdeckung und bewussten Wahrnehmung seiner Umwelt animiert.[1]

Klangturm Killesberg
Klangturm im Höhenpark Killesberg

Instrumente

Für die Navigation der Klänge im Raum entwickelt und baut Andres Bosshard seine eigenen live-elektronischen Instrumente und Lautsprecher.

  • Kassettenmaschinerie 1976-2000: Ursampler für 12 Kassettentonbandgeräte
  • Bosshard-Plexi 1987: drachenförmige Plexiglaslautsprecher, ideal für schwebende Aufhängung im Aussenraum.
  • Matrixmixer 1991: Plexiglasmischpult zur manuellen Bewegung der Klänge im Raum
  • Rotobossophon 1999: einarmige Klangschleuder zur mehrkanaligen Verwirbelung von Klängen
  • Klangkugeln 2000: wetterfeste Keramikkugeln als ideale Bodenlautsprecher im Freien. Kleine Versionen können auch hängend montiert werden. Die Klangkugeln zeichnen sich durch ein feines Nahfeld und sehr klare omnidirektionale Fernwirkung aus.
  • klanghimmel 2010: Netzbasiertes interaktives System für multiple Klangarchitekturen. Momentan aktive Klangarchitekturen können beliebig ferngesteuert, gewartet und kuratiert werden. Besonders geeignet auch für GastkünstlerInnen, die sich im Klanghimmel frei bewegen und gleichzeitig ihre Klangvisionen realisieren können (klanghimmelmq Wien 2011). Software-entwicklung in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste und Roman Häfeli, Zürich.

Lehre

Andres Bosshard unterrichtet an verschiedenen Institutionen, so war er 2003 als Gastprofessor an der KHM Köln. Er hält Vorträge und gibt Seminare an der Hochschule für Gestaltung Zürich. Hier gestaltete er auch musikalisch die multimediale Vorlesung "Heterotopia" (Vortrag, Rundumprojektion, Sound) in Zusammenarbeit mit Ulrike Felsing (Design) und Till Nikolaus von Heiseler Seit 2005 Dozent an der Zürcher Hochschüle der Künste.

Bibliografie

  • Dominik Landwehr: Rotierende Lautsprecher schleudern Klänge durch die Luft. Ein Gespräch mit dem Klang-Künstler Andres Bosshard, In: Playground Robotics, Basel 2004, Merian Verlag. S.72-77 sowie S.116/117, ISBN 3-85616-224-0.
  • Andres Bosshard: Stadt hören. Klangspaziergänge in Zürich, Zürich 2009, Verlag Neue Zürcher Zeitung Nzz LIBRO, ISBN 978-3-03823-549-1.
  • Andres Bosshard: Stadtklang – Klangstadt. Klanggärtnerei, urbane Hörräume und mediale Stadt-Architekturen, In: Klangräume der Kunst, Heidelberg 2010, Kehrer-Verlag, S. 167-182, ISBN 978-3-936636-80-2 .

Einzelnachweise

  1. WNMF 2006 - Klangpark

Weblinks


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