Anfal-Operation

Anfal-Operation ist der Codename für einen zwischen 1988 und 1989 durchgeführten Völkermordfeldzug des irakischen Baath-Regimes unter Saddam Hussein gegen einen Teil der kurdischen Bevölkerung im Nordirak sowie gegen die schiitische Bevölkerung im Süden des Landes. Die kurdische Bevölkerung, die durch das Regime unterdrückt wurde, hatte sich während des Iran-Irak Krieges auf die Seite Teherans gestellt. Der Name "Anfal" gründet sich auf die Bezeichnung einer Sure des Korans und bedeutet „Beute”. Maßnahmen der Operation waren die Zerstörung Tausender kurdischer Dörfer, die völlige Umstrukturierung der Agrarökonomie hin zu abhängigen und unproduktiven Flüchtlingslagern und organisierter Massenmord.

Inhaltsverzeichnis

Anfal-Operation gegen die Kurden

Der Name der Operation weist auf die Stigmatisierung der Betroffenen als Ungläubige hin. Im Rahmen der Arabisierungspolitik stellte das Regime die Kurden außerdem als „Volksfeinde” dar. Vermutlich lag der Grund für die Konstruktion dieses Feindbildes in einer widersprüchlichen, fehlgeschlagenen Nationalismus-Politik. Das Regime versuchte, seine Macht durch blutige Repression und totalitäre Überwachung zu festigen. In jedem Ortszentrum wurde ein Augensymbol aufgerichtet, Telefonate wurden abgehört und zahllose Personen bespitzelt.

Kurdische Quellen, internationale Beobachter so wie die UNESCO bezifferten die Zahl der in der Anfal-Operation Ermordeten mit 180.000. Das damalige irakische Regime Saddam Husseins hielt die Zahl für übertrieben und setzte 100.000 Opfer als Höchstzahl fest, von Human Rights Watch/Middle East wird die Zahl auf 50.000 - 100.000 geschätzt. Allein vom Stamm der Barzanis sind mindestens 5.000 bis 8.000 Mitglieder deportiert und ermordet worden.

Ali Hasan al-Madschid, der Leiter der Operation, erteilte während der Kampagne den Befehl, alle Männer zwischen 15 und 70 Jahren hinzurichten. Auch viele Kinder und Frauen fielen dem Vernichtungsfeldzug zum Opfer. Vom 25. bis 28. August wurden Dörfer per Hubschrauber mit Giftgas bombardiert. Im kurdischen Teil des Irak wurden dabei etwa 4.000 Dörfer zerstört.

Zahlreiche Lieferungen ausländischer Unternehmen im Bereich der chemischen Ausrüstungsanlagen-Industrie hatten den Irak zuvor in die Lage versetzt, dieses Gas selbst zu produzieren. UN-Inspektoren ermittelten, dass 52,6% der Ausrüstung für Saddam Husseins Chemiewaffenproduktion aus Deutschland kam.[1]

Besondere Bekanntheit erlangte der Giftgasangriff auf Halabdscha, der historisch nicht Teil der Anfal-Operation war, mit dieser aber oft in Zusammenhang gebracht wird. Allein bei dieser Aktion am 16. und 17. März 1988 kamen bis zu 5.000 Kurden ums Leben.

Anfal-Operation gegen die Schiiten

Die Anfal-Operation dauerte bis 1989 an. Die letzte Aktion fand nicht mehr auf Kurdengebiet statt, sondern richtete sich im Südirak gegen die Schiiten. Dabei wurde ein Marschgebiet bei Amara zerstört, Batteriesäure in Flüsse geleitet und die austrocknenden Riedwälder mit Napalm abgebrannt.

Die Operation hatte den Zweck, ein Rückzugsgebiet von schiitischen und islamistischen Guerilleros zu zerstören. Von 500.000 als "Marsch-Araber" bezeichneten Einwohnern der Region blieben lediglich 20.000, der Rest wurde vertrieben, deportiert, in den Iran abgeschoben oder ermordet. Dieser Massenmord fand als Reaktion des Baath-Regimes auf die Aufstände im Südirak im Rahmen des 2. Golfkrieges statt, wurde aber zeitgleich mit der Anfal-Operation in Kurdistan vorbereitet. Während der Niederschlagung der Aufstände wurde in der irakischen Armee ein Kopfgeld für getötete Frauen und Kinder in Höhe von 250 Dinar und für Männer 5000 Dinar ausgerufen.

Strafverfolgung

Am 23. Juni 2007 wurden Ali Hasan al-Majid, ehemaliger Verteidigungsminister und Militärkommandeur, sowie die zwei Mitangeklagten Sultan Hashim Ahmad al-Jaburi, ehemaliger Verteidigungsminister, und Hussayn Rashid Muhammad, ehemaliger stellvertretender Einsatzleiter der Streitkräfte, für ihre Verwicklung in die Anfal-Operation und den damit verbundenen Massenmord zum Tod durch den Strang verurteilt. Farhan Mutlaq al-Jaburi, ehemaliger Leiter des Büros für den Militärnachrichtendienst des Ostiraks, und Sabir Abd al-Aziz al-Duri, ehemaliger Direktor des Militärnachrichtendienstes, wurden mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft. Der Beschuldigte Taher Tawfiq al-Ani, ehemaliger Statthalter von Mosul und Leiter des Komitees für die Belange des Nordiraks, wurde aus Mangel an Beweisen vom Anklagevorwurf freigesprochen.

Literatur

  • „Saddam Husseins letztes Gefecht? Der lange Weg in den III. Golfkrieg.” Hg. von Thomas von Osten Sacken und Arras Fatah. KVV Konkret Verlag Hamburg 2002. ISBN 3-930786-38-9, 283 Seiten.

Einzelnachweise

  1. New York Times: The Means to Make the Poisons Came From the West, 13. April 2003

Weblinks


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