Angebot (Volkswirtschaftslehre)

Unter Angebot versteht man in der Volkswirtschaftslehre allgemein die Menge jeder Art von Gütern oder Dienstleistungen, die ein einzelner wirtschaftlicher Akteur oder eine Mehrheit von Akteuren zu einem bestimmten Preis im Austausch gegen Geld oder andere Güter und Leistungen herzugeben interessiert und bereit ist.

Diese primäre Definition von Angebot setzt die Vorstellung der Homogenität des jeweils betrachteten Guts voraus, da nur so von verschiedenen Mengen eines Gutes die Rede sein kann und nur so das Angebot verschiedener Akteure mengenmäßig und in der nachgefragten Qualität zusammengefasst werden kann. In einem abgeleiteten Sinn spricht man auch von dem aggregierten (zusammengefassten) Angebot verschiedener Güter etwa eines ganzen Industriezweigs oder der gesamten Volkswirtschaft, die als Summe des preislich bewerteten Angebots der einzelnen Güter bestimmt wird. Entsprechend wird der diesem so bestimmten aggregierten Angebot zugeordnete Preis als mit der gegebenen Angebotsstruktur gewichtete Durchschnittspreis bestimmt.

Wirtschaftswissenschaftliche Darlegung

In den Wirtschaftswissenschaften geht man in der Regel davon aus, dass - ceteris paribus - ein systematischer Zusammenhang zwischen den Preisen und den angebotenen Gütermengen besteht. Die angebotene Gütermenge wird als abhängig (als Funktion) vom Preis je Mengeneinheit angesehen. Dieser Zusammenhang wird in Angebotsfunktionen oder Angebotskurven, die jedem Preis die bei diesem Preis angebotene Gütermenge zuordnen, dargestellt.

Man geht von einem Angebotsgesetz und von einem Nachfragegesetz aus.

Nach dem Angebotsgesetz erhöht ein steigender Preis das Angebot. Die Angebotskurven verlaufen also steigend (Gesetz des Angebots). Während sich ein steigender Verlauf der Angebotskurven für das Güterangebot eines Unternehmens bei geeigneten Annahmen (insbesondere die Annahme sinkender Skalenerträge) aus der neoklassischen Theorie der Unternehmung herleiten lässt, folgt das steigende Angebot an Produktionsfaktoren (wie z. B. Lohnarbeit) nicht aus der neoklassischen Theorie der Haushalte. Ob sich z. B. ein mit den Löhnen fallendes Arbeitsangebot auch empirisch beobachten lässt, ist umstritten.

Nach dem Nachfragegesetz nimmt im Allgemeinen die nachgefragte Gütermenge zu, wenn der Preis der Güter sinkt und nimmt umgekehrt die nachgefragte Gütermenge ab, wenn der Preis steigt.

Ökonomische Analyse des Angebotsbegriffs

Bei der ökonomischen Analyse ist zu beachten, dass mit steigendem Aggregationsgrad (d. h. je mehr individuelle Akteure und einzelne Güter zusammengefasst werden), die ceteris paribus Klausel immer problematischer wird, da eben nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass übrige Umstände (Einkommen, Angebotsstruktur) von den in einer aggregierten Angebotsfunktion oder -kurve darstellbaren Änderungen von Preisen und Angebotsmengen unberührt bleiben. Diese Schwierigkeit umgehen Allgemeine Gleichgewichtsmodelle.

Für einzelne Güter unterscheidet man das individuelle Angebot eines Gutes durch einen einzelnen Akteur vom Gesamtangebot, das durch die Addition des Angebots aller Anbieter des entsprechenden Gutes bestimmt wird.

Angebot und Preistheorie

In der neoklassischen Preistheorie wird angenommen, dass unter Wettbewerbsbedingungen (partialanalytisch) der aktuelle Preis eines Gutes durch die Schnittstelle der Gesamtangebots- und Gesamtnachfragekurve für dieses Gut bestimmt wird. In der allgemeinen Gleichgewichtsanalyse werden die Preise aller Güter durch die simultane Gleichsetzung des Gesamtangebots und der Gesamtnachfrage auf allen Märkten bestimmt.


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