Krokodil (Lokomotive)
Schweizer Krokodil Ce 6/8II als Denkmal in Erstfeld

Als Krokodile werden Elektrolokomotiven bezeichnet, die aus zwei längeren Vorbauten mit den Antriebsachsen und Motoren sowie einem gelenkig verbundenen Mittelteil bestehen, der meist Führerstände und Transformator aufnimmt.

Die ursprüngliche Bezeichnung Krokodil geht auf die Baureihen SBB Ce 6/8II und SBB Ce 6/8III der SBB zurück, die für den schweren Güterzugeinsatz insbesondere auf der steilen Gotthardbahn entwickelt wurden. Um die nötige Grösse in den engen Kurven fahrbar zu machen, wurde der Wagenkasten dreigeteilt und beweglich verbunden. Die Dreiteilung in „Schnauze“, „Körper“ und „Schwanz“, die an den Gang eines Krokodils erinnernden rotierenden Bewegungen der Kuppelstangen sowie die grüne Farbe dürften hauptsächlich zur Entstehung des Spitznamens beigetragen haben. Heute werden diese Baureihen auch als Schweizer Krokodil oder auch SBB-Krokodil bezeichnet. Eine solche Lok ist in Erstfeld an der Gotthard-Nordrampe am Bahnhof als Denkmal ausgestellt und dort jederzeit zu besichtigen. Ähnliche Lokomotiven fuhren in Österreich als ÖBB 1089 und ÖBB 1189.

Der Spitzname ging in der Folgezeit als Bezeichnung für ähnlich konstruierte Lokomotiven in den Sprachgebrauch ein.

So heisst die leichtere De 6/6 der SBB Seetal-Krokodil, die Baureihe Ge 6/6I der Rhätischen Bahn Rhätisches Krokodil oder RhB-Krokodil. Bei der Berninabahn wurde die Lokomotive Ge 4/4 Nr. 182 in Anlehnung an die Maschinen der benachbarten Rhätischen Bahn als Bernina-Krokodil bezeichnet.

Bei der zur Matterhorn-Gotthard-Bahn fusionierten ehemaligen Brig-Visp-Zermatt-Bahn wird die Baureihe HGe 4/4I aufgrund ihres Aussehens als BVZ-Krokodil bezeichnet. Es handelt sich dabei aber um "unechte Krokodile", da die Lokomotiven über einen einteiligen, nicht gelenkigen Aufbau und zwei Drehgestelle verfügen.

Als Deutsches Krokodil oder Eisenschwein (bei der DR) bezeichnet man die Baureihen E 93 (DB: 193) und E 94 (DB: 194; DR: 254), die auch bei der ÖBB als Baureihe 1020 eingesetzt wurde.

Eine Abwandlung der auf der Gotthardbahn eingesetzten Krokodile stellten die ab 1928 zwischen Bombay und Pune in Indien eingesetzten Loks der Reihe WCG1 dar. Während die ersten 10 Loks noch von einer Schweizer Firma gebaut wurden, übernahm den Bau weiterer 31 Stück die britische Firma Vulcan Foundry.

Bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn gibt es die Gm 4/4, die zwar als Elch bezeichnet wird, aber technisch ein Krokodil ist.

Galerie

Literatur

  • Helmut Griebl: Österreichs Krokodil - Die Baureihe 1100/E 89/1089 Eisenbahn-Bildarchiv, EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 978-3-88255-350-5
  • R. Heym: Krokodile. Impressionen von Klaus Meyer. In: LOK MAGAZIN. Nr. 238/Jahrgang 40/2001. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 22-25.
  • Ulf Degener: 1995: Adieu Krokodil. Abschied von der ÖBB-Reihe 1020. In: LOK MAGAZIN. Nr. 280/Jahrgang 44/2005. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 66-68.

Weblinks


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