Anita Lasker-Wallfisch
Anita Lasker-Wallfisch
am 29. September 2007 in Traun

Anita Lasker-Wallfisch (* 17. Juli 1925 in Breslau) ist eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Anita Lasker ist die jüngste von drei Töchtern des jüdischen Rechtsanwalts Alfons Lasker (einem Bruder des US-amerikanischen Schach-Meisters Edward Lasker) und dessen Ehefrau Edith, einer Geigerin. Ende 1939 gelang es den Eltern, die älteste Schwester Marianne nach England in Sicherheit zu bringen. Die beiden jüngeren Schwestern Renate und Anita mussten jedoch in Breslau bleiben. 1942 wurden die Eltern deportiert und ermordet. Die Töchter kamen in ein Waisenhaus und mussten in einer Papierfabrik arbeiten. Die zwei jungen Mädchen versuchen, mit Hilfe eigenhändig gefälschter Pässe sowie der Unterstützung durch Werner Krumme und dessen Ehefrau nach Frankreich zu entkommen, wurden aber schon am Bahnhof verhaftet und am 5. Juni 1943 wegen Urkundenfälschung (auch zugunsten französischer Kriegsgefangener, dafür wurden sie nach dem Krieg mit der „Médaille de la Reconnaissance Francaise“ ausgezeichnet) zu Zuchthausstrafen verurteilt.

Als erste wurde Anita im Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert. Als verurteilte Kriminelle wurde sie mit einem Gefangenentransport in das Lager gebracht und entging so der bei Sammeltransporten mit Juden üblichen Massenselektion, bei der die meisten sofort in die Gaskammern geschickt und dort ermordet wurden. Sie bekam die Häftlingsnummer 69388. Als bekannt wurde, dass sie Cello spielen kann, wurde sie Mitglied im Häftlingsorchester unter Alma Rosé, dem auch Esther Béjarano (Akkordeon) und Fania Fénelon (Piano und Gesang) angehörten.

Später wurde auch Renate nach Auschwitz deportiert. Die Schwestern fanden einander wieder und ertrugen gemeinsam das schwere Lagerleben. Im November 1944 wurden sie mit anderen Mitgliedern des Orchesters nach Bergen-Belsen verlegt, wo sie am 15. April 1945 von alliierten Truppen befreit wurden.

Sie war Zeugin im Bergen-Belsen-Prozess, der Mitte November 1945 endete.[1]

Anita gelang es, zunächst nach Belgien, und 1946 nach Großbritannien auszuwandern. Sie wurde Mitbegründerin des Londoner English Chamber Orchestra und spielte dort bis um die Jahrtausendwende erfolgreich als Cellistin. Sie heiratete einen Pianisten, Peter Wallfisch († 1993), heißt seitdem Lasker-Wallfisch und wurde Mutter zweier Kinder. 1994 besuchte sie erstmals seit der Emigration wieder Deutschland. Sie geht seitdem häufig auf Vortragsreisen und berichtet vor allem in deutschen Schulen von ihrem und dem Schicksal anderer Opfer des Nationalsozialismus, dem Holocaust.[2]

Heute lebt Anita Lasker-Wallfisch in London. Ihr Sohn, Raphael Wallfisch (* 1953 in London), ist ein bekannter britischer Cellist, auch ihre Enkel Benjamin und Simon sind Musiker.

Ihre Schwester Renate ist mit Klaus Harpprecht verheiratet und lebt seit 1982 in Südfrankreich.

Werke

  • Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 3499226707 (Zuerst Bonn, Weidle Verlag 1997, ISBN 3-931135-26-8)
  • Man hofft, solange man atmet in: Martin Doerry (Hg): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust DVA, München 2006 ISBN 3421042071 (auch als CD) S. 160 - 171
  • Vorwort zu: Richard Newman & Karen Kirtley: Alma Rosé. Wien 1906 – Auschwitz 1944. Eine Biographie. Weidle Verlag, Bonn 2003, ISBN 978-3-931135-66-9

Lied über sie

Die Band Janus widmete ihr ein Lied mit dem Namen Anita spielt Cello, das sie auf dem Album Nachtmahr im Jahr 2005 veröffentlichte. Hier wird ihre Geschichte so dargestellt, dass sie für den Teufel (die Wachen des KZ) spielen muss. Sie wendet sich beschämt an Gott und betet ums Überleben.

Film

  • 2010: Musik in den Adern. Die Familie Wallfisch, Regie: Mark Kidel; ausgestrahlt von arte am 23. August 2010, 22.10 Uhr[3]

Tonträger

  • Testament – Music in Auschwitz. Our World (H'ART) 2004, ASIN: B00006JNG6 - Musik gespielt von Anita Lasker-Wallfisch mit Texten und Interviewsequenzen (engl.)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. United Nations War Crimes Commission (Hrsg.): Law reports of trials of war criminals, selected and prepared by the United Nations War Crimes Commission. – Volume II, The Belsen Trial, London 1947, S. 21f.
  2. Zum Beispiel 2009 schuelerradio.at (langes Interview), Europaschule Köln, Bertolt-Brecht-Gesamtschule Bonn, 2006 Leipzig
  3. FAZ vom 23. August 2010, Seite27: Großmutter überlebte den Holocaust

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