Anna Christie
Filmdaten
Deutscher Titel Anna Christie
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1930
Länge 74 Minuten
Stab
Regie Clarence Brown
Drehbuch Frances Marion
nach dem Stück Anna Christie von Eugene O'Neill
Produktion Irving Thalberg für MGM
Kamera William H. Daniels
Schnitt Hugh Wynn
Besetzung

Anna Christie ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Clarence Brown mit Greta Garbo. Er wurde am 14. März 1930 in den Verleih gebracht und war das Tonfilmdebüt der Schauspielerin.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Im Hafenviertel von New York besucht die junge Anna Christie ihren Vater Chris, der sie als kleines Kind zurückließ, um weiter zur See zu fahren. Während sie auf ihn wartet, trifft sie die Geliebte ihres Vaters, die alte Prostituierte Marthy. Beide führen eine lebhafte Konversation, in der deutlich wird, dass Anna eine Zeitlang selber auf St. Pauli in Hamburg diesem Gewerbe nachgegangen ist. Später trifft Anna ihren Vater und ist gerührt von der überschwänglichen Begrüßung durch den alten Mann und da Chris von der Tugendhaftigkeit seiner Tochter überzeugt ist, wagt Anna es nicht, ihm von ihrer Vergangenheit als Prostituierte zu erzählen. Chris nimmt Anna mit an Bord seines Kohlenschiffs und nachdem sie sich an das Leben auf See gewöhnt hat, scheinen die schmerzlichen Erinnerungen von ihr abzufallen. Als jedoch der in Seenot geratene Matrose Matt auf das Schiff gelangt, droht seine ungestüme Leidenschaft für Anna nicht nur die neue Beziehung zu ihrem Vater zu zerstören, sondern auch ihr dunkles Geheimnis ans Licht zu bringen. Erst nach einer heftigen Auseinandersetzung sind beide Männer bereit, Anna zu vergeben und schließlich finden Anna und Matt ihr gemeinsames Glück.

Hintergrund

Anna Christie war das mit viel Spannung erwartete Tonfilmdebüt von Greta Garbo. Seit 1926 war die Schauspielerin als Darstellerin exotischer Liebhaberinnen zu Ruhm gekommen und zu einem der bedeutendsten Stars von MGM avenciert. Seit Mitte 1928 war das Ende des Stummfilms absehbar und das Studio beschäftigte sich intensiv mit der Zukunft von Garbo. Für viele der zahlreichen ausländischen Stars der Zeit bedeutete die Umstellung auf den Sprechfilm das mehr oder weniger abrupte Ende ihrer Karriere. Pola Negri, Vilma Banky und Emil Jannings zählten zu den prominenten Opfern der technischen Neuerung. Das Hauptproblem war zum einen der starke Akzent der Schauspieler, gepaart mit der sehr primitiven Aufnahmetechnik, die auch wohlmodulierte Stimmen stark verzerrte.

MGM nahm sich im Gegensatz zu den meisten anderen Studios viel Zeit mit der Umstellung und nutzte das Interim, den Vertragsschauspielern ganz gezielten Sprachunterricht zu geben. Erst ab Mitte 1929 begannen die Topstars vor das Mikrophon zu treten und meisterten die Umstellung alle ohne Probleme. Selbst Ramon Novarro, der mit schwerem mexikanisch-spanischem Akzent sprach, schaffte den Sprung ins neue Medium.

Im Fall von Garbo kamen neben den Problemem mit der englischen Diktion noch vertragliche Unklarheiten hinzu. Ihr laufender Vertrag war in dem Punkt uneindeutig, ob die Schauspielerin überhaupt einen Tonfilm drehen müsse oder ob die Verpflichtung sich nur auf das Mitwirken in Stummfilmen beziehe. Nachdem im September 1929 mit Der Kuß nicht nur der letzte Stummfilm von Garbo sondern auch der letzte Stummfilm eines der großen Studios überhaupt in die Kinos kam, hatten sich alle Beteiligten schließlich auf einen Versuch im neuen Metier geeinigt. Die Wahl des passenden Sujets war jedoch ungleich schwerer. Einige Zeit spielte Irving Thalberg mit dem Gedanken, das Stück Saint Joan von George Bernard Shaw zu verfilmen. Garbo war begeistert von der Idee und äußerte sich noch im Spätherbst 1929 bei einem ihrer letzten Interviews überhaupt dahin, dass sie hoffe, die Rolle der Heiligen Johanna unter der Regie von Erich von Stroheim spielen zu können.

Am Ende einigte man sich auf Anna Christie, wohl auch, weil die Heldin Schwedin war und Garbo so zwanglos mit Akzent sprechen konnte. Auf der anderen Seite bedeutete die Rolle der verbitterten Hure eine radikale Abkehr von dem bisherigen Image der Schauspielerin als glamourösen Star in romantischen Melodramen. Um ganz sicher zu gehen, gab Thalberg Garbo mit Marie Dressler eine erfahrene Schauspielerin zur Seite. Ihre gemeinsamen Szenen gehören zu den besten des Films. Ansonsten ist der Streifen statisch inszeniert und wirkt über weite Strecken wie eine abgefilmte Bühnenaufführung.

Das Studio nutzte die wachsende Spannung unter den Fans, um eine der größten Publicitykampagnen zu starten. Unter dem Slogan Garbo Talks! wurde der Film bereits Monate vorher beworben. Nach den Erföffnungstiteln dauert es noch 16 Minuten, bis Greta Garbo die Szene betritt. Sie setzt sich in einer Kneipe, atmet tief durch und spricht endlich ihren ersten Satz:

Gimme a Whiskey, Ginger Ale on the side, and don't be stingy, boy
Gib mir einen Whiskey mit Ginger Ale und sei nicht knausrig, Kleiner.

Die Schauspielerin wurde für ihre Darstellung gemeinsam mit der Rolle in Romanze für den Oscar nominiert, verlor jedoch gemeinsam mit Marlene Dietrich gegen Norma Shearer.

Garbo drehte unmittelbar nach Vollendung der englischen Version unter der Regie von Jacques Feyder eine deutsche Version von Anna Christie.

Kinoauswertung

Die Produktionskosten für die englische Version betrugen $ 376.000, womit der Film etwas unter dem MGM-Durchschnittsaufwand lag. Er war an der Kinokasse sehr erfolgreich und spielte in den USA insgesamt $ 1.013.000, im Ausland $ 486.000 und damit insgesamt $ 1.499.000 ein. Der Profit betrug $ 576.000. Damit war der Film der bislang erfolgreichste Streifen von Greta Garbo.

Kritik

Die Kritiker waren durchweg begeistert von Garbos Tonfilmdebut. Die meisten Rezensenten beschäftigten sich natürlich mit dem Klang und der Modulation der schwedischen Schauspielerin.

In der New York Times schrieb Mordaunt Hall am 15. März 1930 über den Streifen:

In her first talking picture, an adaptation of Eugene O'Neill's "Anna Christie," the immensely popular Greta Garbo is even more interesting through being heard than she was in her mute portrayals. She reveals no nervousness before the microphone and her careful interpretation of Anna can scarcely be disputed. [...] Miss Garbo's voice from the screen is deep toned, somewhat deeper than when one hears her in real life. [...] Unlike most of the film actresses in their débuts in talking films, Miss Garbo suits her actions to the words. She thinks about what she is saying and accompanies the lines with suitable gestures and expressions. There is no hesitancy in her speech, for she evidently memorized her lines thoroughly before going before the camera, and not in a single instance does she seem to be thinking about what she must say next, which has been the case in the first audible efforts of many of the male and female performers[...]

Auszeichnungen

Bei der Oscarverleihung 1930 (November) wurde der Film in drei Kategorien nominiert:

  • Beste Hauptdarstellerin - Greta Garbo
  • Beste Regie
  • Beste Kamera

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