Anton Brugger

Anton Brugger (* 9. April 1911 in Kaprun; † 3. Februar 1943 in Brandenburg-Görden) war ein österreichischer Pazifist und Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Junge Jahre

Anton Brugger wuchs als Einzelkind in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war Bergmann und seine Mutter Tagelöhnerin, die ihn traditionell im römisch-katholischen Glauben erzog. Als Volksschüler fiel er durch seine Friedfertigkeit und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit auf. Wahrscheinlich schon in den 1920er Jahren kam er erstmals mit den Reformadventisten in Kontakt. Die Reformadventisten lehnen seit dem Ersten Weltkrieg den Wehrdienst grundsätzlich ab und spalteten sich deshalb von der Mutterkirche der Siebenten-Tags-Adventisten ab. 1934 trat er dieser Gemeinschaft durch die Gläubigentaufe bei.

In Wien begann Brugger eine Konditorlehre, war kurzweilig arbeitslos und arbeitete zeitweise wieder als Straßenarbeiter. Von 1934 bis 1937 arbeitete er als adventistischer Buchkolporteur und verbreitete adventistische Schriften. Gleich zu Beginn dieser als illegal geltenden Arbeit wurde er wegen „Hausierens mit Druckschriften“ und „Beleidigung der gesetzlich anerkannten katholischen Kirche“ durch „Herabsetzung ihrer Gebräuche wie Rosenkranzbeten und Marienkult“ angeklagt und zu „drei Wochen strengen Arrests“ verurteilt. Jedoch ließ er sich durch diesen „Zwischenfall“ nicht entmutigen.

Der Weg zum Märtyrer

Nach Kriegsbeginn floh Brugger nach Italien, um nicht zum Wehrdienst eingezogen werden zu können. In Triest lernte er Ester Karis kennen, mit der er sich wenige Zeit später verlobte. Nach misslungenen Versuchen zusammen mit Ester von Italien aus nach Übersee zu flüchten, wurde Anton Brugger 1940 festgenommen und nach Österreich zurückgeschickt. In Salzburg fand er in der Konditorei Fürst (Erfinder der Mozartkugeln) eine Anstellung. Im März 1941 wurde er wegen seiner „wehrfeindlichen Haltung“ zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, die Brugger im Lager Dieburg bei Darmstadt (Nebenlager des KZ Natzweiler) verbüßte. Ihm wurde vorgeworfen im Rahmen seiner Missionstätigkeit als „Reformadventist“ antimilitarische Propaganda zu betreiben. Ester durfte ihn im Gefangenanlager ein einziges Mal für wenige Minuten besuchen, ihre letzte Begegnung.

Im November 1942 wurde er zur Wehrmacht berufen. Da er sich jedoch an das Gebot „Du sollst nicht töten“ gebunden fühlte, konnte er keine Waffe in die Hand nehmen und verweigerte den Einberufungsbefehl. Folglich wurde er dem Reichskriegsgericht in Berlin vorgeführt. Er stand unter dem Eindruck der Märtyrertat von Julius Ranacher, der ebenfalls Reformadventist war und am 14. März 1942 hingerichtet wurde. Als Adventist erwartete Brugger die baldige Wiederkunft Christi und Errichtung des himmlischen „Friedensreiches“ und verstand seine Verweigerung als „Zeichen des Advents“. Politisch motiviert sah er seinen Widerstand nicht. Er wäre so wie Ranacher bereit gewesen Sanitätsdienst ohne Waffe zu leisten. Die Möglichkeit einer derartigen Sonderregelung bestand jedoch nicht.

Am 5. Januar 1943 wurde er in Berlin wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt und am 3. Februar 1943 im Zuchthaus Brandenburg an der Havel enthauptet.

Würdigung

1947 wurde ihm durch die Stadt Brandenburg ein Ehrenmal errichtet und seine Urne beigesetzt.

Vergleich mit anderen Kriegsdienstverweigerern

Aus gleichem Grund und am gleichen Ort wie Anton Brugger wurde wenige Monate später Franz Jägerstätter, ebenfalls Österreicher, exekutiert. Im Gegensatz zu Jägerstätter zählt Brugger zu den kaum bekannten Wehrdienstverweigerern und Opfern des Nationalsozialismus.

Er war einer der wenigen Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges für ihre pazifistische Überzeugung in den Tod gingen. Insgesamt wurden 7-11 Reformadventisten wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet. Neben den 250 hingerichteten Zeugen Jehovas, die als religiöse Gemeinschaft den geschlossensten Widerstand leisteten, sind nur 13 weitere Personen bekannt, die wegen Kriegsdienstverweigerung vom nationalsozialistischen Regime hingerichtet wurden.Quelle?

Literatur

Daniel Heinz, in Jahrbuch 1996 (+ 2002) des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes


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