Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben.[1] Annähernd 70 Millionen Menschen standen unter Waffen, etwa 40 Staaten waren am Krieg direkt oder indirekt beteiligt.[2]

Erster Weltkrieg – beteiligte Staaten
  • Entente und Alliierte
  • Mittelmächte
  • Neutrale

Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 richtete Österreich-Ungarn in der sogenannten Julikrise am 23. Juli ein Ultimatum an Serbien, was letztendlich den Weltkrieg auslöste.

Vorausgegangen war eine Zuspitzung der Spannungen auf der Balkanhalbinsel seit der Annexion Bosniens durch Österreich-Ungarn (1908) und den Balkankriegen (1912/13). Der Anschlag auf den Thronfolger war geplant und durchgeführt von der Studentenorganisation Mlada Bosna, die gegen die österreichische Besatzung und für einen unabhängigen südslawischen Staat eintrat. Als Unterstützer im Hintergrund wurden Mitglieder der verschworenen serbischen GeheimlogeSchwarze Hand“ vermutet. Die österreich-ungarischen Spitzenpolitiker und -militärs erwogen, wie man Serbien „bestrafen“ könne. Die so genannte „Kriegspartei“, eine Militaristenlobby mit k.u.k. Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf, war in den vorangegangenen Jahren schon mehrfach für einen Krieg gegen Serbien eingetreten. Mehr als drei Wochen nach dem Attentat wurde Kaiser Franz-Josef davon überzeugt, dass man Serbien unterwerfen müsse. Kaiser Wilhelm II. hatte Österreich-Ungarn Unterstützung versprochen und auf ein rasches Losschlagen gedrängt.[3]

In dem für Serbien unannehmbaren Ultimatum verlangte die österreichisch-ungarische daher von der serbischen Regierung, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten. Als unannehmbar wurde vor allem die Forderung angesehen, von der k.u.k. Regierung delegierte Organe an den Ermittlungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber alle anderen harten Forderungen des Ultimatums. Dennoch erklärte nun Außenminister Leopold Berchtold Serbien den Krieg.

Daraus entwickelte sich zunächst ein Lokalkrieg zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien. Durch die gegenseitigen Bündnisverpflichtungen und die deutschen militärischen Planungen (Schlieffen-Plan) eskalierte der Lokalkrieg innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung von Frankreich und Russland. Die politischen Konsequenzen des Schlieffen-Plans führten zudem zum Kriegseintritt von Großbritannien und seiner Dominions, somit zum Weltkrieg zwischen den Mittelmächten und der Entente.

Die deutschen Streitkräfte sollten gemäß dem Konzept des Schlieffenplans die französischen Armeen möglichst schnell schlagen, um sich dann gegen Russland wenden zu können. Unter Umgehung des französischen Festungsgürtels zwischen Verdun und Belfort griffen deutsche Truppen Frankreich von Nordosten an und verletzten dabei die Neutralität von Belgien und Luxemburg, was zum Kriegseintritt Englands führte. Der deutsche Vormarsch kam im September an der Marne zum Erliegen, zwischen November 1914 und März 1918 erstarrten die Fronten im Westen und am Isonzo. Im Osten konnte Russland bis 1917 nicht vollständig geschlagen werden. Dadurch war Deutschland im Zweifrontenkrieg, der durch den Schlieffen-Plan verhindert werden sollte.

Kennzeichnend wurden der Stellungs- und Grabenkrieg sowie Materialschlachten mit hohen Verlusten bei zumeist nur geringfügigen Geländegewinnen, so etwa die Schlacht um Verdun, die Schlacht an der Somme, die 12 Isonzoschlachten und die vier Flandernschlachten.

Im weiteren Verlauf traten zahlreiche weitere Staaten in den Krieg ein, so auf Seiten der Mittelmächte das Osmanische Reich sowie Bulgarien, auf Seiten der Entente u.a. Japan, Italien, Portugal, Rumänien, Griechenland und die USA.

Die Oktoberrevolution führte zum Ausscheiden Russlands im Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der die letztendlich erfolglose Deutsche Frühjahrsoffensive 1918 ermöglichte. Die Versorgungsmängel durch die britische Seeblockade, der Zusammenbruch der Verbündeten und die Entwicklung an der Westfront während der alliierten Hunderttageoffensive führten zur Einschätzung der deutschen Militärführung, dass die deutsche Front kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Am 29. September 1918 informierte die Oberste Heeresleitung den Kaiser und die Regierung über die aussichtslose militärische Lage des Heeres, Erich Ludendorff forderte ultimativ die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen. Am 4./5. Oktober 1918 ersuchte Reichskanzler Max von Baden die Alliierten um einen Waffenstillstand. Im Gegensatz zu den Truppen an der Westfront war die Hochseeflotte materiell praktisch intakt, zudem lag trotz der Oktoberreformen die Befehlsgewalt noch beim Kaiser. So kam es zum Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918: Die Hochseeflotte sollte die bisher vermiedene Entscheidungsschlacht mit der Grand Fleet suchen. Die Reichsregierung wurde von dem Plan bewusst nicht unterrichtet, der „Rebellion der Admiräle“ folgte jedoch, „binnenlogisch konsequent“, die „Revolution der Matrosen“.[4] In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober kam es zu ersten Befehlsverweigerungen einiger Schiffsbesatzungen, woraufhin die Marineleitung ihren Plan der Entscheidungsschlacht fallen ließ. Dennoch entwickelte sich aus der Meuterei der Kieler Matrosenaufstand, der die Novemberrevolution initiierte und den Waffenstillstand vom 11. November zur Folge hatte.

Österreichische Kundmachung vom 1. August 1914 über die Mobilisierung
Französische Generalmobilmachung ab Sonntag 2. August 1914
Bayerische Truppen verlassen am 7. und 8. August 1914 „unter nicht endend wollenden Hurra- und Abschiedsgrüßen“[5] den Bahnhof von Fürth (deutsche Postkarte).
Eine britische 60-Pfund-Kanone am Kap Helles, Gallipoli (1915)
Britische Soldaten der Royal Irish Rifles in einem Schützengraben, Herbst 1916
Der Chateauwald bei Ypern besteht nach den intensiven Artilleriebombardements nur noch aus Baumstümpfen (1917)
Novemberrevolution: Ausgabe des Vorwärts vom 9. November 1918

Inhaltsverzeichnis


Manche Nachbetrachter sehen die Kriegsbegeisterung, die anfangs auch bei den Intellektuellen vieler Ländern vorherrschte, letztlich als Resultat der im Europa des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Ansicht, der Krieg könne die aufkeimenden nationalen und sozialen Konflikte sowie die gegensätzlichen Machtinteressen der verschiedenen Herrscherhäuser und ihrer Reiche lösen. Der Verlauf des Ersten Weltkrieges dokumentiert zudem die Unfähigkeit der europäischen Führungsschichten, militärische Neuerungen und soziale Spannungen entsprechend zu erkennen oder zu akzeptieren (vergleiche auch Kriegsschulddebatte).

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit massivem Materialeinsatz (Artillerie, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Da es weder die Waffentechnik noch die taktischen und strategischen Voraussetzungen für einen Bewegungskrieg gab, entwickelte sich bald an fast allen Fronten ein zermürbender Stellungskrieg. Auf den Schlachtfeldern vor Verdun, an der Somme, in Flandern, den Karpaten und am Isonzo fielen auf beiden Seiten Millionen Soldaten, ohne dass sich die militärische Lage kriegsentscheidend änderte.

Im Ersten Weltkrieg, der insbesondere in Großbritannien und Frankreich als der Große Krieg bezeichnet wurde und wird, entluden sich die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 34 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg weltweit auslöste, und der Folgen, die noch heute spürbar sind, gilt er bei vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.[6]

Die politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus, die Machtübernahme Hitlers im Deutschen Reich und damit letztendlich für den Zweiten Weltkrieg wurden im und durch den Ersten Weltkrieg geschaffen und werden nicht zuletzt auf die Folgen des Vertrages von Versailles zurückgeführt.

Ausgangssituation

Mittel- und Osteuropa

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf.

Im Südosten Europas lag das ebenfalls Großmachtpolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europäischen Mächte mit dem Osmanischen Reich ein ständiger Unruheherd mit zwei Balkankriegen gewesen war. Im Deutschen Reich, in Russland und in Österreich-Ungarn, die monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es ethnische Gruppen, die nach nationaler Unabhängigkeit strebten, da ihren Autonomiewünschen in den drei Kaiserreichen kaum Rechnung getragen wurde.

Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische Aufstände unterdrückt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn „brodelte“ es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand die österreichisch-ungarische Monarchie in krassem Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der slawischen Völker unter „Wiener Herrschaft“ sah, den Panslawismus förderte und als Schutzmacht des (unabhängigen) Königreichs Serbien auftrat. Das Verhältnis Österreich-Ungarns zu beiden Staaten war erst wenige Jahre zuvor, 1908, im Zuge der Bosnischen Annexionskrise erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen, die bereits damals leicht in einen Krieg hätten münden können.

Aber auch die deutsche Bevölkerung im Deutschen Reich und in Cisleithanien versuchte, ihre Dominanz über die anderen Nationalitäten ihres Staates zu behaupten.

Westeuropa

Die westeuropäischen Staaten hatten weite Teile der Welt unter sich in Kolonien aufgeteilt (siehe Kolonialismus). Großbritannien, das über besonders viele Kolonien in Afrika und Asien verfügte, war die führende Seemacht, die sich seit Beginn des Jahrhunderts durch das reichsdeutsche Flottenbauprogramm herausgefordert fühlte. Letzteres führte aus Sicht einiger Historiker zum Anwachsen der Spannungen im letzten Vorkriegsjahrzehnt. Generell verfolgte Großbritannien auf dem Kontinent eine Gleichgewichtspolitik: Man ging davon aus, dass das British Empire am mächtigsten sein würde, wenn auf dem Kontinent nicht eine Machtgruppe die andere beherrschte.

Blockstrukturen

Das europäische Bündnissystem um 1900 und 1910

In Europa hatten sich zwei Blöcke herausgebildet. Auf der einen Seite die Mittelmächte: Deutsches Reich und Österreich-Ungarn, verbündet mit dem Königreich Italien, das sich zunächst aus dem Krieg heraushalten wollte, weil es nur ein Defensivbündnis geschlossen habe, und dem Osmanischen Reich. Letzteres war mit Deutschland durch Deutsche Militärmissionen im Osmanischen Reich strategisch verbunden. Auf der anderen Seite stand der russisch-französische Zweiverband, der mit Großbritannien zur Triple-Entente verbunden war.

Alle drei Staaten der Entente waren mit dem Deutschen Reich in Konflikt geraten. Die Seemacht Großbritannien fühlte sich vom Aufbau einer deutschen Kriegsflotte herausgefordert (deutsche „Platz an der Sonne“-Politik). In Frankreich verspürten die französischen Nationalisten noch immer Rachegelüste wegen ihrer Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Beziehungen Russlands zum Deutschen Reich hatten sich seit dem Berliner Kongress verschlechtert, bei dem sich das Zarenreich um seine Gebietsansprüche aus dem zuvor gewonnenen Krieg am Balkan 1877/78 gegen das Osmanische Reich durch Bismarck geprellt fühlte. Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland abgeschlossene Rückversicherungsvertrag wurde 1890 vom neuen Deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht erneuert.

Damit führte das Deutsche Reich zwei „kalte Kriege“, „einen Weltkonflikt mit England […] und einen europäischen Konflikt mit Frankreich und Russland um die kontinentale Vorherrschaft.“[7]

Militärische Ausgangslage

Die offizielle Bündnissituation vor Ausbruch des Krieges
Die tatsächliche Kriegskonstellation in den Vorkriegsgrenzen

Die Entente war bei Beginn des Krieges in einer besseren Ausgangslage als die Mittelmächte. Sie verfügte über mehr Soldaten (auch aus ihren Kolonien), größere Rohstoffreserven und hatte größere Reserven an Kriegsmaterial. Auch an Waffentypen, insbesondere schwerer Artillerie, mangelte es den westlichen Alliierten nicht. Aufgrund von mangelnder Organisation konnte die Entente ihre personelle und materielle Überlegenheit zu Beginn des Krieges jedoch nicht entfalten.

In den Jahren vor 1914 lagen die Militärbudgets von Deutschland, Frankreich, Russland und Großbritannien nicht weit auseinander. Das Deutsche Reich hatte Frankreich nach 1900, als Resultat des Flottenwettlaufs mit Großbritannien, überholt. 1913 wandte Deutschland 3,9 % seines Nettosozialprodukts für die Verteidigung auf, Frankreich 4,8 %, Russland und Italien 5,1 %, Großbritannien 3,2 % und Österreich-Ungarn 2,0 %.[8]

Matthias Erzberger veröffentlichte[9] noch 1914 einen Vergleich der Rüstungsausgaben von acht Großmächten in den Jahren 1904 bis 1914. Im Jahre 1913 betrugen demnach die Ausgaben, umgerechnet in Mark:

Staat bzw. Bündnis Bevölkerung
(Mio).
für Armee
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
für Marine
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
Gesamt
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
Gesamt
(Mio. £)[10]
Deutsches Reich 67,5 1009 14,9 467 6,9 1476 21,9 93,4
Österreich-Ungarn 52,7 496 9,4 155 3 651 12,4 25,0[11]
Mittelmächte (D+Ö) 120,2 1505 12,5 622 5,2 2127 17,7 118,4
Italien 35,1 332 9,5 205 5,9 537 15,3 39,6
Russland 157,8 1254 8 498 3,2 1752 11,1 101,7
Frankreich 39,7 766 19,3 412 10,4 1178 29,7 72,0
Vereinigtes Königreich 46 576 12,5 945 20,5 1521 33,1 72,5
Entente (R+F+UK) 243,5 2596 10,7 1855 7,6 4451 18,3 246,2
Vereinigte Staaten von Amerika 96,8 422 4,4 595 6,1 1017 10,5
Japan 54,3 207 3,8 203 3,7 410 7,6
Eisenbahn als militärische Schlüsseltechnik: Deutscher Truppentransport 1914

Wie die Tabelle zeigt, hatten die verbündeten Mittelmächte, insbesondere Österreich-Ungarn, vergleichsweise kaum finanzielle Belastungen für ihre Armeen in den vorhergehenden Jahren in Kauf genommen und waren auf einen europäischen Krieg entsprechend schlecht vorbereitet. Der Organisationsgrad der deutschen Armee sowie Bewaffnung und Kampfmoral waren teilweise allerdings besser und ausgeprägter als bei der Entente. Die für den Transport der Truppen und den Nachschub erforderliche Logistik war vorhanden und wurde zudem durch ein gut funktionierendes Eisenbahnnetz unterstützt.

Eine weitere militärische Ausgangsposition von ganz anderer Qualität, die von den führenden Militärs beider Seiten lange nicht verstanden wurde, basierte auf der Entwicklung des Maschinengewehrs, das um 1861 erfunden worden war und mittlerweile in alle Heere Einzug gehalten hatte. Maschinengewehre erhöhen auf einem Schlachtfeld die Möglichkeiten der verteidigenden Seite und erschweren somit Angriffsschlachten und -kriege. Ihr Einsatz kann daher die Überlegenheit einer Seite kompensieren, indem ein vernichtender Angriffsfeldzug unmöglich wird. Die lang andauernde mangelnde Einsicht in diese grundlegende Änderung der strategischen Situation war eine bedeutsame Ursache für die enormen Verluste, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges zu verzeichnen waren. Andere Neuerungen waren der Stacheldraht, elektrische Scheinwerfer zur Gefechtsfeldbeleuchtung und das eher unbewegliche Telefon zur Gefechtsführung. Alle diese Entwicklungen waren wie der Grabenkrieg im kurz zurückliegenden Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 eingesetzt worden, ohne dass sie von den europäischen Generalstäben ausreichend beachtet wurden.

Insgesamt war keiner der Blöcke auf einen langen Krieg eingestellt, beispielsweise war Winterbekleidung für die Soldaten nicht vorgesehen. Die Führungen gingen von einem kurzen Krieg aus, der noch 1914 erfolgreich beendet werden sollte.

Im Gegensatz zu den Heeren in Frankreich und Deutschland war die britische Armee bis dahin keine Massenarmee und es existierte auch keine Wehrpflicht. Es gab lediglich neun reguläre Divisionen. Die britischen Regimenter wurden in einem Rotationssystem in der Heimat oder in den Kolonien eingesetzt. Die Hauptteilstreitkraft war bis dahin die Royal Navy.

Kriegsziele

Deutsches Reich

Deutsche Kriegsziele im Westen
Deutsche Kriegsziele im Osten

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges überwog im Kaiserreich noch die Auffassung, der Krieg habe bloßen Verteidigungscharakter. Ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug wurden bald zum Teil „fantastische“ Eingliederungsprojekte formuliert.[12] Dabei trat das überwiegend kommerziell dominierte Vorkriegsziel der deutschen Außenpolitik, nämlich die koloniale Expansion des Deutschen Reiches in Übersee und Vorderasien, zugunsten einer allgemeinen Machterweiterung in Europa zurück, denn durch die „Mittellage“ in Europa fühlte sich das Deutsche Reich bedroht. Durch Annexionen in Ost und West in zum Teil extremer Größenordnung wollte man die gefährdete Hegemonialstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland für alle Zukunft sichern.[13]

Reichskanzler Bethmann Hollweg hatte am 9. September 1914 in seinem „Septemberprogramm“ die Kriegsziele festgelegt. Deutschland wollte seine seit der Reichseinigung stark gewachsene Machtstellung sichern und seine Ansprüche auf eine Weltpolitik geltend machen. Kriegsziele waren im Einzelnen:

  1. Abtretung des Erzbeckens von Briey sowie die wirtschaftliche Abhängigkeit Frankreichs von Deutschland.
  2. Militärisch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens durch Annexion von Lüttich und Antwerpen sowie der flandrischen Küste.
  3. Luxemburg wird deutscher Bundesstaat.
  4. Eine wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas unter deutscher Führung.
  5. Vergrößerung des Kolonialbesitzes in Afrika (→Deutsch-Mittelafrika).
  6. Holland sollte in ein engeres Verhältnis zum Deutschen Reich gebracht werden.[14]

Nachdem in der Euphorie der ersten Kriegswochen viele, meist unrealistische Kriegsziele aufgestellt worden waren, verbot Bethmann Hollweg Ende 1914 aus Rücksicht auf das neutrale Ausland und die deutsche Arbeiterschaft die öffentliche Kriegszieldebatte. Diese Beschränkung wirkte allerdings nur in sehr geringem Maße und wurde auf Betreiben der 3. Obersten Heeresleitung, auch wegen der psychologischen Mobilisierung der kriegsmüden Bevölkerung, aufgehoben.[15]

Das Herzstück der deutschen Kriegszielpolitik im Westen war Belgien. Seit dem Septemberprogramm rückte keiner der politisch Verantwortlichen von der Forderung nach Beherrschung Belgiens als Vasallenstaat neben möglichst großen direkten Annexionen ab.[16] Zweites zentrales Kriegsziel war die mehr oder weniger direkte Beherrschung Polens, neben der Annexion eines je nach Herkunft des Konzeptes unterschiedlich breiten Grenzstreifens.

Im Rahmen der Randstaatenpolitik Deutschlands – der Zurückdrängung Russlands und der Schaffung einer Zone von Pufferstaaten, von Finnland bis zur Ukraine – lag der Schwerpunkt deutschen Expansionsstrebens im Osten vor allem im Baltikum. Gebietserweiterungen in Kurland und Litauen wurden von Vertretern aller weltanschaulichen Richtungen in fast allen Fällen verlangt.[17]

Die annexionistische Propaganda erfasste nicht alle Bevölkerungskreise, sondern hauptsächlich industrielle und intellektuelle Schichten. In der zweiten Hälfte des Krieges war die sozialdemokratische Parole eines Friedens ohne Annexionen, vor allem unter den Soldaten, sehr populär.

Die Ostfront zwischen dem Waffenstillstand und beim Friedensschluss von Brest-Litowsk

Der Vorfrieden von Brest-Litowsk am 3. März 1918 mit Sowjetrussland sah vor, dass Polen, Litauen, Estland und Kurland aus Russland ausschieden und auch die Ukraine und Finnland unabhängig wurden.[18]

Einen Höhepunkt der deutschen Kriegszielpläne, mit ausgedehnten Annexionsgebieten und Einflusssphären im Osten und Südosten, bildete das Jahr 1918, zwischen dem Frieden mit Sowjetrussland und der Niederlage der Mittelmächte. Während den Verhandlungen zu den Zusätzen des Brest-Litowsker Friedensvertrags vom Sommer 1918 versuchte insbesondere Ludendorff weite Gebiete im Osten als deutsche Einflusssphäre zu sichern. Dies geschah teilweise gegen den Willen, teilweise mit Duldung der Reichsleitung.[19] Die russischen „Randstaaten“ von Finnland bis Georgien wurden schließlich nicht direkt annektiert, befanden sich aber in enger wirtschaftlicher und militärischer Abhängigkeit vom Deutschen Reich.

Deutschland hatte im Gegensatz zu den anderen kriegführenden Staaten kein natürliches Kriegsziel, was eine Suche nach Zielen künstlichen Charakters nach sich zog. Das Fehlen greifbarer nationaler Ziele führte zu einer Konzentration auf reine Machtexpansion.[20]

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn nahm für sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kämpfen, die es insbesondere durch Russland bedroht sah. Österreich-Ungarn strebte nicht nur die Eingliederung Serbiens, sondern auch Montenegros und Rumäniens oder statt letzterem Russisch-Polens an. Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee vom Kaisertum und somit am Vielvölkerstaat fest.

In den ersten Kriegswochen erlaubten sich die österreichischen Staatsmänner in ihren Vorstellungen genaue territoriale Ziele. Einige Wochen später verdrängte jedoch das Überlebensmotiv geplante Erwerbungen.[21]

Auch die herrschenden Kreise der Monarchie wollten erobern und mussten nicht von äußeren Kräften zur Eroberung animiert werden. Aber die Hauptbestrebungen, das offizielle Kriegsziel der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bildeten die Aufrechterhaltung ihres Bestandes, das heißt ihre Integrität.[22] Inoffiziell versuchte die Donaumonarchie allerdings ihre Stellung als Großmacht durch Einflussnahme beziehungsweise Annexionen in Serbien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Polen und der Ukraine zu stärken.[23] Dennoch war in der Praxis durch das prekäre Gleichgewicht des Habsburgerreiches der Erwerb slawischer oder rumänischer Gebiete nicht oder nur in beschränktem Umfange möglich, ohne die Vorrangstellung der Deutschen und Ungarn im Staatsverband zu schwächen.

Frankreich

Vorstellungen der extremistischen Action française von einer Nachkriegsordnung (1915/16)

Frankreich wollte nach Kriegsbeginn Revanche für die von den Franzosen als schmerzhaft empfundene Niederlage von 1871 nehmen und Elsass-Lothringen zurückerobern. Es wollte darüber hinaus die durch den Deutsch-Französischen Krieg eingeleitete Vormachtstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland beseitigen.

Das wichtigste Kriegsziel der Nation tauchte bereits in den ersten Kriegstagen auf: die Rückgewinnung Elsass-Lothringens. Diese Forderung blieb vom Anfang bis zum Ende des Krieges ein unverrückbares Kriegsziel.[24] Als nach dem Sieg an der Marne beschlossen wurde, den Krieg bis zum Ende der „Hegemonie des preußischen Militarismus“ fortzuführen, traten bald auch weitere Ziele an die Öffentlichkeit, vom Saarbecken über linksrheinische Gebiete bis hin zur Infragestellung der Reichseinheit (in extremistischen Kreisen) oder zumindest ihrer Schwächung im föderativen Sinne.

Im Herbst 1915 zeichneten sich schließlich jene französischen Kriegsziele ab, die in den kommenden Jahren immer wieder, mit unterschiedlicher offizieller Unterstützung, kaum verändert auftauchten. Die Rückkehr von Elsass-Lothringen in den Grenzen von 1814 oder sogar 1790, also mit dem Saargebiet, die Zurückdrängung Deutschlands an den Rhein durch Annexion oder Neutralisation des Rheinlandes sowie eine wirtschaftliche und militärische Angliederung Belgiens und Luxemburgs an Frankreich.[25]

Die überseeischen Kriegsziele Frankreichs manifestierten sich durch die Konzentration auf die Westfront, hauptsächlich bei den Vereinbarungen mit den Alliierten über den Nahen und Mittleren Osten und Westafrika. Priorität für viele Kolonialisten hatte ein geschlossenes französisches Westafrika, inklusive der deutschen und britischen Enklaven. Auch im Orient war Großbritannien mehr Konkurrent als der eigentliche Kriegsgegner, das Osmanische Reich.

Nach dem Kriegszielprogramm der Regierung Briand vom November 1916 sollte Frankreich zumindest die Grenze von 1790, also Elsass-Lothringen mit dem Saarland, erhalten. Einer mit großen Schwierigkeiten verbundenen Okkupation des Rheinlandes wurde die Errichtung zweier neutraler, unabhängiger Pufferstaaten unter französischem Schutz vorgezogen. Belgien wurde, im Gegensatz zum Plan des Generalstabs, in Unabhängigkeit belassen. Manchen Regierungsmitgliedern ging das Programm zu weit, andere wollten wiederum keinen Verzicht auf Annexionen im Rheinland. Ministerpräsident Briand stand aber dahinter, weshalb es im Januar 1917, in revidierter Form, zum offiziellen Regierungsprogramm wurde. Die revidierte Form bezog sich jedoch in erster Linie auf die Verwendung subtilerer Formulierungen.[26]

Das spektakulärste Kapitel in der Geschichte der französischen Kriegsziele wurde ohne Wissen Großbritanniens geschrieben – die Mission des Kolonialministers Doumergue in Petrograd im Februar 1917. Das Angebot Doumergues an Russland zur freien Festsetzung seiner Westgrenze war der Versuch, einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich zu verhindern. Russland sicherte seinerseits den Franzosen Unterstützung bei ihren Forderungen zu. Frankreich wurde Elsass-Lothringen im Umfang des früheren Herzogtums Lothringen mit dem Saarbecken zugestanden, die nicht annektierten linksrheinischen Gebiete sollen ein autonomes und neutrales Staatswesen unter französischem Schutz bilden, das besetzt bleibt, bis alle Friedensbedingungen erfüllt sind.[27]

Frankreich ist mit seinen Absichten in Versailles nicht gescheitert, konnte es doch, trotz aller Konzessionen an seine Alliierten, einen guten Teil seiner Ziele durchsetzen. Zwar musste das Land auf offene Annexionen im Saar- und Rheinland verzichten, hatte jedoch durch die Besetzung dieser Gebiete alle Möglichkeiten, den Vertrag, wie 1923 bei der Ruhrbesetzung, nachzubessern.[28]

Russland

Russland konzentrierte seine internationalen Interessen, nach dem verlorenen Krieg gegen Japan, auf den Balkan, als dessen natürliche Schutzmacht es sich sah. Dabei kam es unweigerlich zu starken Spannungen mit Österreich-Ungarn. Das Selbstverständnis Russlands als Erbe der byzantinisch-orthodoxen Kultur und die traditionelle Feindschaft gegen das Osmanische Reich kamen in den russischen Kriegszielen ebenfalls zum Ausdruck. Nach dem osmanischen Kriegseintritt erhoffte man sich auf russischer Seite den Gewinn Konstantinopels und der Meerengen zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer (→Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen). Die russischen Kriegsziele umfassten neben dem alten Ziel der Meerengen aber auch Galizien und das ins russische Gebiet hineinragende Ostpreußen. Im weiteren Sinne spielte sicher auch die Idee des Panslawismus, einer Zusammenfassung aller Slawen in einem Kontinentalblock, eine Rolle.

In der ersten Siegeszuversicht erstellte der russische Außenminister Sasonow am 14. September 1914 ein 13-Punkte-Programm, das in manchen Aspekten als Gegenpart zum Septemberprogramm Bethmann Hollwegs anzusehen ist.

Sasonow sah in erster Linie territoriale Abtretungen Deutschlands, angeblich auf der Basis des Nationalitätenprinzips, vor. Russland würde den Unterlauf des Njemen (Memelland) und den östlichen Teil Galiziens annektieren sowie den Osten der Provinz Posen, (Ober-)Schlesien und Westgalizien Russisch-Polen angliedern. Weitere Bestimmungen waren die oft genannten Fixpunkte alliierter Kriegszielprogramme: Elsass-Lothringen, vielleicht das Rheinland und die Pfalz an Frankreich, ein Gebietszuwachs für Belgien bei Aachen, Schleswig-Holstein zurück an Dänemark und die Wiederherstellung Hannovers. Österreich würde eine Dreifache Monarchie bilden, bestehend aus den Königreichen Böhmen, Ungarn und Österreich (Alpenländer). Serbien erhielte Bosnien-Herzegowina, Dalmatien und Nordalbanien, Griechenland hingegen Südalbanien, Bulgarien einen Teil des serbischen Mazedoniens. Die deutschen Kolonien würden an Großbritannien, Frankreich und Japan fallen.[29]

Großbritannien

Großbritannien wollte sich der wachsenden Wirtschaftskraft Deutschlands entledigen und die starke deutsche Flotte ausschalten, da es seine Machtstellung durch das seit der Reichseinigung aufstrebende Deutschland bedroht sah. Die deutsche Invasion Belgiens war der offizielle Grund für Großbritanniens Kriegseintritt – die Wiederherstellung Belgiens blieb in den ersten Kriegsjahren daher auch das einzige erklärte wichtige Kriegsziel.[30]

Zum Ziel der Befreiung Belgiens trat aber schon früh die Formel der Zerschlagung des preußischen Militarismus, zur Wahrung des europäischen Gleichgewichts, das durch die deutsche Besetzung Belgiens und der Kanalküste bedroht schien. Im Deutschen Reich sollte das Königreich Hannover wiederhergestellt werden, was gleichzeitig Preußens Vetomacht im Bundesrat gebrochen hätte. Direkte territoriale Ziele auf dem europäischen Kontinent hatte Großbritannien jedenfalls zu keiner Zeit, auch außerhalb Europas habe Großbritannien, laut Premier Asquith, schon jetzt gerade so viel Land wie we are able to hold.[31] Dennoch mussten etwaige Interessen gegenüber Frankreich, Russland und den anderen Verbündeten gewahrt bleiben, was britische Erwerbung deutscher und osmanischer Besitzungen in Afrika und Vorderasien bedeutete.

Territoriale Belange wurden offiziell immer, wohl um peinliche Implikationen zu vermeiden, als sekundär angesehen. Aber Ende 1916 wollte die britische Öffentlichkeit schließlich konkret wissen, wofür ihre Soldaten kämpfen und sterben sollten, was die Formulierung der Kriegsziele notwendig machte.[32] Am 20. März 1917 bezeichnete Lloyd George die Beseitigung der reaktionären Militärregierungen und die Etablierung von populären Regierungen, als Basis des internationalen Friedens, als wahre Kriegsziele. Nach dem Ausscheiden des zaristischen Verbündeten konnte der Krieg propagandistisch hervorragend als Kreuzzug der Demokratie gegen Tyrannei und Despotismus geführt werden. Gegen Ende des Jahres einigte sich das Kabinett auf erste provisorische Kriegsziele. Es unterstützte französische Bestrebungen auf Elsass-Lothringen, italienische Forderungen, entgegen dem Vertrag von London, nur auf Basis des Nationalitätenprinzips, sowie die Restauration Belgiens, Serbiens und Rumäniens. Später traten, neben der Forderung nach Unabhängigkeit Polens und der Völker der Donaumonarchie, auch eigene Expansionswünsche in Form von Forderungen nach Selbstbestimmung für die deutschen Kolonien und die schon okkupierten arabischen Teile der Türkei unter British rule zu Tage.[33]

Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 regelte die Interessenszonen Großbritanniens und Frankreichs im Nahen Osten. Großbritannien erhielt das südliche Mesopotamien, während Palästina internationalisiert werden sollte. Die deutschen Kolonien in Afrika und Übersee sollten keinesfalls zurückgegeben werden.[34]

Der Wegfall Russlands aus der Kriegskoalition machte das britische Konzept des Mächtegleichgewichts schwieriger. Der russische Druck auf den deutschen Osten fiel nun weg und ein System von neuen Staaten musste die Bindung deutscher Kräfte im Osten übernehmen. Da diese neuen Staaten nie die Macht des alten Russischen Kaiserreiches entwickeln konnten, wurde die zuvor erwogene Angliederung Österreichs an Deutschland von den Briten als nicht mehr zweckdienlich verworfen. Im Westen war die Situation anders, da umfangreiche Annexionswünsche Frankreichs im Rheinland, wenn auch in verdeckter Form, eine Hegemonie der Franzosen einzuleiten drohten, die Großbritannien durch Milderung der Friedensbedingungen für Deutschland zu verhindern suchte.

Italien

Auch Italien betrieb eine expansionistische Politik, die vor allem auf italienisch besiedelte Gebiete unter österreichisch-ungarischer Herrschaft zielte.

Nach Zustimmung Russlands zum italienischen Wunsch, auch slawisch besiedelte Gebiete zu annektieren, um die Adria als mare nostro (unser Meer) zu etablieren, kam der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande und der Angriff auf Österreich begann.

Da der Triple-Entente sehr am Aufbau einer zusätzlichen Front gegen die Mittelmächte gelegen war, um die Entscheidung im Krieg zu beschleunigen, wurden fast alle territorialen Wünsche Italiens in den Vertrag von London aufgenommen, der infolge dessen die Kriegsziele Italiens genau umreißt. Der neue Bündnispartner sollte demnach erhalten:[35]

Auch sollte bei einer etwaigen Teilung der Türkei eine noch festzusetzende Region an der Südküste Kleinasiens an Italien gehen. Dass der Vertrag von London, insbesondere in Bezug auf Dalmatien, in den Pariser Vorortverträgen nicht zur Gänze verwirklicht wurde, lag vor allem am Widerstand des mit der Entente verbündeten Serbien.

Vereinigte Staaten von Amerika

Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten am 6. April 1917 hatte Präsident Woodrow Wilson keine genauen Vorstellungen über einen gerechten Frieden, jedenfalls kam für ihn ein Friede nur bei Wiedergutmachung an Belgien und der Räumung Frankreichs in Frage. Ansonsten scheute Wilson, mehr noch als andere Politiker, vor Festlegungen in territorialen Fragen zurück.[36]

Das Hauptziel Wilsons nach Kriegseintritt war die Beseitigung des deutschen Militarismus und die Demokratisierung Deutschlands.[37] Wilsons Gesamtstrategie war anfangs ähnlich der britischen Politik zu Kriegsbeginn. Er wollte den Verbündeten gerade so viel Unterstützung zukommen lassen wie nötig. Am Ende des Krieges plante er, über die bankrotten Ententeländer hinweg seinen eigenen Friedensplan durchzusetzen.[38]

Höhepunkt der amerikanischen Kriegszielpolitik waren die 14 Punkte Wilsons vom 8. Januar 1918. Es wird darin die völlige Wiederherstellung der belgischen Unabhängigkeit gefordert, weiter die Rückgabe Elsass-Lothringens, die Festsetzung italienischer Grenzen entlang der Nationalitätengrenzen sowie die weitere Existenz Österreich-Ungarns, dessen Nationen aber eine freie Entwicklung ermöglicht werden sollte. Der Türkei wird Selbständigkeit zugestanden, allerdings ohne Einschluss anderer Nationalitäten, die Meerengen sollten durch internationale Garantien offen gehalten werden. Gefordert wird auch die Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates, der unbestreitbar polnisch besiedelte Territorien umfassen sollte, mit freiem Zugang zum Meer.[37]

Im Laufe des letzten Kriegsjahres wurde die Haltung Wilsons, vor allem durch den Diktat-Frieden von Brest-Litowsk, gegenüber den Mittelmächten härter. Im Oktober 1918 ergänzten und erweiterten die Amerikaner Wilsons 14 Punkte. Die Punkte Belgien und Elsass-Lothringen wurden bestätigt, Italien wurde aus strategischen Gründen Südtirol zugebilligt, sowie das Protektorat über Albanien. Die 14 Punkte und ihre späteren Ergänzungen waren nicht nur gegen die Mittelmächte, sondern ebenso gegen den Imperialismus der Alliierten gerichtet.[39]

Die Bestimmungen über Österreich-Ungarn konnten nicht mehr aufrechterhalten werden. Daher erklärte die Regierung, für die Befreiung aller slawischen Völker unter der deutschen und österreichisch-ungarischen Herrschaft eintreten zu wollen. Am 18. Oktober teilte Wilson dem Habsburgerstaat mit, die Nationalitäten müssten ihre Zukunft selbst bestimmen. Deutschösterreich sollte von Rechts wegen erlaubt sein, sich an Deutschland anzuschließen.

Der neue polnische Staat, dessen Zugang zum Meer westlich der Weichsel noch nicht festgelegt wurde, sollte keine Gebiete im Osten bekommen, die von Litauern und Ukrainern besiedelt sind, den deutschen Bewohnern Posens und Oberschlesiens sei ein Schutz zu gewähren. Schließlich wurde auch noch die Teilung des Nahen Ostens zwischen Großbritannien und Frankreich anerkannt.[40] Im Vergleich zu Großbritannien machten die USA Frankreich bei der Friedenskonferenz weit weniger Schwierigkeiten bei der Verwirklichung seiner Kriegsziele als erwartet.

Verlauf

Kriegsbeginn (Julikrise)

Hauptartikel: Julikrise
Verlauf des Ersten Weltkrieges

Aufgrund der europäischen Bündnissysteme war abzusehen, dass der nächste Krieg große Teile des Kontinents erfassen würde. Der Schrecken des Krieges war verblasst, da seit der letzten militärischen Auseinandersetzung zwischen zwei europäischen Großmächten 43 Jahre vergangen waren.

In dieser Situation löste das Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo (damals österreich-ungarisches Gebiet) am 28. Juni 1914 durch den bosnisch-serbischen Gavrilo Princip eine Kettenreaktion aus, die nach einem Monat den europäischen Krieg auslöste. Der Grad der Beteiligung des serbischen Geheimdienstes an dem Komplott zur Ermordung des Thronfolgers war und ist umstritten, es kann jedoch zumindest von einer Mitwisserschaft ausgegangen werden. Die diplomatischen und geheimdienstlichen Aktivitäten, die zwischen den europäischen Mächten einsetzten, markierten den Beginn einer großen Krise. Die Julikrise war geprägt von Drohungen, diplomatischen Fehlern und politischen Fehleinschätzungen.

Die Eröffnung bildete das Ultimatum, das durch den k.u.k. Außenminister Graf Berchtold an Serbien am 23. Juli 1914 mit einer Frist von 48 Stunden ausgestellt wurde.[41] Zu diesem Zeitpunkt war die europäische Stimmungslage eher gegen die Serben gerichtet, da vermutet wurde, dass die serbische Führung hinter dem Attentat steckte. Das Ultimatum forderte nicht nur die Bekämpfung von gegen Österreich-Ungarn agierenden Organisationen, sondern umfasste zudem Bedingungen, welche die serbische Souveränität bei ihrer Erfüllung eingeschränkt hätten. Innerhalb der 48 Stunden ging die serbische Regierung auf fast alle Punkte ein, verwahrte sich jedoch gegen eine Einschränkung der Souveränität Serbiens und beschloss die Teilmobilmachung der Armee. Trotz dieser Zugeständnisse Serbiens erklärte Österreich-Ungarn die Antwort für „unbefriedigend“, brach die diplomatischen Beziehungen zu Serbien nach Ablauf des Ultimatums am 25. Juli ab, und ordnete ebenfalls die Teilmobilmachung an. Die österreichischen Ziele sahen zunächst einen lokalen Krieg um die Vorherrschaft auf dem Balkan vor. In dieser Situation wurde aus Berlin Rückendeckung in Form der bereits am 6. Juli im Rahmen der Mission Hoyos zugesicherten Blankovollmacht gegeben. Die Blankovollmacht sah ein deutsches Eingreifen im Falle einer russischen Einmischung vor, hatte also offiziell defensiven Charakter.

Die anderen europäischen Staaten konnten sich nicht vorstellen, dass der schwache Partner Österreich-Ungarn die treibende Kraft hinter den Ereignissen war. Vom 20. bis 23. Juli besuchten Frankreichs Staatspräsident Raymond Poincaré und Ministerpräsident René Viviani Sankt Petersburg und sicherten den Gastgebern ihre volle Unterstützung zu. Dadurch bestärkt, beschloss Russland auf dem Kronrat von Krasnoje Selo am 25. Juli, Serbien militärisch zu unterstützen.

Wilhelm II. verordnete am 31. Juli 1914 den Kriegszustand nach Art. 68 der Reichsverfassung.
Berlin, Unter den Linden: Bekanntgabe des Kriegszustandes am Nachmittag des 31. Juli 1914 durch das Alexander Garde-Grenadier-Regiment.

Da das Deutsche Reich an seinem Bündnis mit Österreich festhielt, war dessen unbedingte Rückendeckung in Form der Blankovollmacht entscheidend für die Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli. Bereits beim Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 Wilhelms II. mit der militärischen Führungsspitze hatte der Deutsche Kaiser gefordert, dass Österreich gegenüber Serbien „kraftvoll auftreten“ müsse, und dann der Krieg mit Russland unvermeidlich wäre. Am 27. Juli erfolgte tatsächlich die Teilmobilmachung der russischen Armee. Der Befehlshaber der Mobilisierungsabteilung der russischen Armee, Sergei Dobrowolski, äußerte rückblickend, dass der Krieg bereits seit dem 25. Juli für den russischen Generalstab beschlossene Sache gewesen sei. Den russischen Militärs war bekannt, dass Deutschland im Falle einer Generalmobilmachung Russlands ebenfalls seine Truppen mobilisieren würde, worauf sie auch konsequent abzielten. Als Zar Nikolaus II. am Morgen des 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee billigte, war ihm wohl allerdings zunächst nicht bewusst, welche Folgen dieser Vorgang haben würde. Noch am selben Tag wollte der Zar die Generalmobilmachung rückgängig machen, wurde jedoch von dem Generalstab der russischen Armee davon abgehalten. Selbst die beschwörenden Briefe Kaiser Wilhelms II. an seinen „Vetter Nicky“ – Zar Nikolaus II. – hatten keine Wirkung.

Das Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung. Nachdem diese ausblieb, machte das Reich ebenfalls mobil und erklärte Russland am 1. August den Krieg, woraufhin das mit Russland verbündete Frankreich in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil machte. Tatsächlich aber erfolgten die ersten Kriegshandlungen durch Russland noch am selben Abend mit Überschreiten der ostpreußischen Grenze.

Berliner Bevölkerung mit Extrablatt, August 1914

Daraufhin setzte das deutsche Oberkommando den Aufmarschplan, eine modifizierte Version des Schlieffenplans, der als einzige Siegchance für den drohenden Zweifrontenkrieg angesehen wurde, in Kraft. Dieser setzte auf Geschwindigkeit, um die langsame russische Mobilmachung für einen schnellen Schlag gegen Frankreich auszunutzen. Nachdem das neutrale Belgien die Durchmarschgenehmigung verweigerte, verletzte das Reich die belgische Neutralität für den Angriff gegen Frankreich, da ein direkter Angriff über die stark befestigte deutsch-französische Grenze für aussichtslos gehalten wurde. Für die liberale Regierung in London war dies der Anlass, in den Krieg einzutreten.

Gerade das Verhalten Deutschlands war Ausgangspunkt für die viel diskutierte Kriegsschuldfrage im Vertrag von Versailles. Dieser Punkt wird auch heute noch diskutiert, wobei die Ansichten darüber auseinandergehen, ob Inkompetenz und mangelnde Verhandlungsbereitschaft, nicht nur in der deutschen Führungsschicht, Europa in diesen Krieg stürzten (→Abschnitt Diskussion um Kriegsursachen). Insbesondere in Deutschland und Russland ging die politische Führung stark auf die kriegsorientierten Forderungen des Militärs ein, was fatale Folgen hatte.

Kriegsjahr 1914

Staat[42] Bündnis Kriegseintritt[43]
Österreich-Ungarn Mittelmächte 28. Juli 1914
Serbien Entente 28. Juli 1914
Deutsches Kaiserreich Mittelmächte 1. August 1914
Russisches Kaiserreich Entente 1. August 1914
Luxemburg Entente 2. August 1914
Frankreich Entente 3. August 1914
Belgien Entente 4. August 1914
Großbritannien Entente 4. August 1914
Australien Entente 4. August 1914
Kanada Entente 4. August 1914
Neufundland Entente 4. August 1914
Neuseeland Entente 4. August 1914
Montenegro Entente 9. August 1914
Japan Entente 23. August 1914
Südafrikanische Union Entente 8. September 1914
Osmanisches Reich Mittelmächte 29. Oktober 1914
Italien Entente 25. Mai 1915
San Marino Entente 1. Juni 1915
Bulgarien Mittelmächte 11. Oktober 1915
Portugal Entente 9. März 1916
Hedschas Entente 5. Juni 1916
Rumänien Entente 31. August 1916
Griechenland Entente 24. November 1916 /
27. Juni 1917[44]
Vereinigte Staaten Entente 6. April 1917
Kuba Entente 7. April 1917
Guatemala Entente 22. April 1917
Siam Entente 22. Juli 1917
Liberia Entente 4. August 1917
China Entente 14. August 1917
Brasilien Entente 26. Oktober 1917
Panama Entente 10. November 1917
Nicaragua Entente 6. Mai 1918
Costa Rica Entente 24. Mai 1918
Haiti Entente 15. Juli 1918
Honduras Entente 19. Juli 1918
Der Schlieffen-Plan
Einberufene auf dem Weg von den Bekleidungsdepots zu den Kasernen.
Erste Soldauszahlung nach der Mobilmachung, Berlin, 1914

Der deutschen Kriegsführung war klar, dass Deutschland einen Zweifrontenkrieg kaum gewinnen konnte. Daher versuchte sie, den schon vor dem Krieg ausgearbeiteten Schlieffen-Plan (benannt nach Generaloberst Alfred von Schlieffen, Generalstabschef zwischen 1891 und 1905) umzusetzen. Dieser Plan sah vor, dass Deutschland mit aller Kraft einen Sieg über Frankreich herbeiführen und im Osten vorerst nur die Stellungen halten solle. Dazu sollte das starke französische Verteidigungssystem im Norden mit einer weit ausgreifenden Bewegung durch das neutrale Belgien umgangen und schnellstmöglich gegen Paris vorgegangen werden.

Am 1. August ordneten sowohl die französische Regierung als auch der Deutsche Kaiser die Mobilmachung ihrer Armeen an. Am selben Tag überreichte der deutsche Botschafter in Sankt Petersburg Russland die deutsche Kriegserklärung. Am Vormittag des 2. August besetzten deutsche Truppen die Stadt Luxemburg, woraufhin der französische Staatspräsident Raymond Poincaré am folgenden Tag per Erlass den Belagerungszustand über Frankreich verhängte. Am Abend des 2. August wurde Belgien aufgefordert, innerhalb von zwölf Stunden eine Erklärung des Inhalts abzugeben, dass sich die belgische Armee gegenüber einem Durchmarsch deutscher Truppen passiv verhalten würde; diese wurde am nächsten Morgen abgelehnt. Am selben Tag erklärte Deutschland Frankreich offiziell wegen diverser Grenzverletzungen in Deutsch-Lothringen den Krieg.

Als Theobald von Bethmann Hollweg am 3. August 1914 sein Rechtfertigungsschreiben an den Gesandten Lichnowsky zum Vortrag beim britischen Außenminister Sir Edward Grey sandte, befanden sich Deutschland, Russland und Frankreich bereits im Krieg. Bethmann Hollweg stellte hierin die „Neutralitätsverletzung von Belgien“ als Konsequenz einer militärischen Zwangslage aufgrund der russischen Mobilmachung dar: „Es liege keinerlei absichtliche Verletzung des Völkerrechts vor, sondern die Tat eines Menschen, der um sein Leben kämpft“.[45] Ziel des Schreibens war, die Briten dazu zu bewegen, sich in dem Krieg neutral zu verhalten. Dieses Unterfangen war von vornherein nicht einfach, weil Großbritannien nicht nur im Bündnissystem der Entente vertraglich zu Sicherheitsgarantien verpflichtet war, sondern auch, weil deutsche Patrouillen am Morgen dieses Tages bereits die belgische Grenze überschritten hatten, entsprechende Meldungen lagen in London vor.[46] Das Deutsche Reich hatte damit Verträge der europäischen Großmächte (Londoner Konferenz von 1830/31, bestätigt auf der Londoner Konferenz von 1838/39) verletzt, die die belgische Neutralität garantierten.[47] Sir Edward Grey bezeichnete am Nachmittag des 3. August im Unterhaus die Verletzung der belgischen Neutralität sowie die Gefahr einer Niederwerfung Frankreichs als unvereinbar mit den britischen Staatsinteressen, das Parlament folgte dieser Einschätzung.[48]

Am folgenden Tag, 4. August, überreichte der britische Botschafter Edward Goschen Bethmann Hollweg ein auf Mitternacht befristetes Ultimatum, in dem die Zusage verlangt wurde, dass Deutschland die belgische Neutralität achten werde. England war der deutsche Kriegsplan, durch Belgien gegen Frankreich vorzurücken, bekannt. Bethmann-Hollweg verstand, dass das britische Ultimatum einer Kriegserklärung gleichkam. Er erklärte dem britischen Botschafter, dass seine Politik wie ein Kartenhaus zusammengestürzt sei, und fragte fassungslos, wie England wegen eines „Fetzen Papiers“ mit Deutschland, das doch den Frieden wolle, Krieg anfangen könne.[49]

Am 4. August um 6:00 Uhr morgens teilte der deutsche Botschafter in Brüssel der belgischen Regierung mit, das Deutsche Reich sehe sich nach Ablehnung seiner Vorschläge gezwungen, die zur „Abwehr der französischen Bedrohung“ nötigen Maßnahmen nötigenfalls mit Gewalt durchzusetzen.[50] Wenige Stunden später marschierten deutsche Truppen völkerrechtswidrig[51] und ohne Kriegserklärung in das neutrale Belgien ein.[52] Großbritannien befahl am selben Tag die Mobilmachung seiner Armee und setzte Deutschland ein Ultimatum bis Mitternacht, was den britischen Außenminister Grey zu seiner berühmten Äußerung veranlasste: „The lamps are going out all over Europe; we shall not see them lit again in our lifetime.“ („In ganz Europa gehen gerade die Lichter aus; zu unseren Lebzeiten werden wir sie nicht wieder angehen sehen.“) Nach Ablauf dieses Ultimatums erklärte Großbritannien dem Kaiserreich am 5. August den Krieg. Am gleichen Tag wurde Horatio Herbert Kitchener zum Kriegsminister ernannt. Dieser sagte als einer der Ersten einen mehrjährigen Krieg voraus und gab noch am 5. August den Befehl zur Vergrößerung der Armee aus. Die unangefochtene britische Seeherrschaft ermöglichte es, sofort 100.000 Mann nach Frankreich zu schicken. Durch Armeebefehl 324 vom 21. August 1914 wurden aus den dadurch angeworbenen Freiwilligen vorerst sechs neue Divisionen aufgestellt. Insgesamt konnten so bis 1915 mehr als 40 Divisionen als Kitcheners Armee oder Neue Armee für den Einsatz in Frankreich aufgebaut werden.

Aufruf von Kaiser Wilhelm II. zur Mobilmachung: „An das deutsche Volk“, Plakat vom 6. August 1914

Am 6. August erfolgte der Aufruf Wilhelms II. „An das deutsche Volk!“[53] Bereits am selben Tag kam es im Dorf Battice zu ersten gewaltsamen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung.[54] Nachdem die deutschen Soldaten glaubten, von Freischärlern und bewaffneten Zivilisten angegriffen worden zu sein, wurde in den kommenden Wochen vielfach Gräueltaten an der Zivilbevölkerung in Belgien und Frankreich verübt. Den Repressalien fielen zwischen August und Oktober 1914 rund 6500 Zivilisten zum Opfer,[55] im Zuge dessen brannten die Deutschen die Stadt Löwen nieder.

Ein hartes Vorgehen gegen Freischärler war prinzipiell durch die Haager Landkriegsordnung vom 18. Oktober 1907 gestattet, die den Krieg auf militärische Einheiten begrenzen wollte und deshalb diese Strafmaßnahmen vorsah. Tatsächlich waren diese Feuerüberfälle jedoch zumeist auf versprengte militärische Einheiten zurückzuführen. Nicht selten beschossen sich auch deutsche Einheiten in einer Mischung aus Massenhysterie und unübersichtlicher Lage gegenseitig.[56] Die deutschen Truppenführer wandten dennoch konsequent Sühnemaßnahmen, wozu auch Deportationen und das Niederbrennen von Dörfern gehörten, gegen unschuldige Zivilisten an. Historiker führen dies darauf zurück, dass die Vorstellung eines Volkskrieges, wie er noch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 geführt worden war, im deutschen Heer weit verbreitet war.

Ein schienengebundenes 42-cm-Bettungsgeschütz von Krupp („Dicke Bertha“) wird am 7. August 1914 bei Lüttich feuerbereit gemacht.

Während die Mobilmachung noch im Gange war, wurde ein handstreichartiger Überfall, an dem auch der spätere Erste Generalquartiermeister Erich Ludendorff beteiligt war, auf die Zitadelle der belgischen Festung Lüttich geplant und ausgeführt. Die Stadt fiel schnell in die Hände der Angreifer (5.–7. August), während der Gürtel von zwölf Forts zunächst nicht erobert wurde. Erst nach dem Heranschaffen schwerster Artillerie (der Dicken Bertha von Krupp und der weniger bekannten, mobileren Schlanken Emma von Škoda) war es möglich, die Festungen zu besetzen (→ Eroberung von Lüttich). Der Höhepunkt der Kämpfe war die Beschießung und der Fall von Fort Loncin (vollständige Zerstörung am 15. August durch einen Volltreffer).

Seit dem Tage der französischen Mobilmachung hatte es in Deutsch-Lothringen im Bereich des XXI. Armee-Korps zunächst kleinere, dann aber schnell umfangreicher werdende französische Truppenbewegungen und erste Feuergefechte mit deutschen Verbänden gegeben. Am 10. August erlitten bayerische Truppen im Bereich Badonviller erste größere Verluste, am 11. August kam es bei Lagarde zu einem großen Gefecht zwischen Franzosen und Teilen der 42. Infanterie-Division, in dessen Verlauf ca. 2300 Franzosen in Gefangenschaft gerieten.

Die Aufklärung ergab, dass sich die deutsche 6. Armee (zu der u. a. die 42. ID gehörte) im Bereich zwischen Metz und Saarburg zwei französischen Armeen mit mindestens neun aktiven Armeekorps, nämlich der 1. unter General Dubail und der 2. unter General Castelnau gegenüber sah – allerdings mit dem Unterschied, dass die 6. Armee „allein“ war und sich der größte Teil der 7. Armee, die zur Verstärkung angefordert worden war, noch auf dem Weg nach Nordosten befand.

Französische Bauernfamilie auf der Flucht, 1914

Nachdem es auch am 12. August bei Badonviller zu einem Sieg über französische Truppen gekommen war, wurde entschieden, die große Streitmacht des Gegners erst auf deutsches Gebiet zu locken, um Zeit zur Heranführung der 7. Armee zu gewinnen und anschließend in eine Falle im Bereich zwischen MörchingenLauterfingenMittersheimPfalzburg, wo er geschlagen werden sollte. Die deutschen Truppen zogen sich daraufhin bis auf diese Linie zurück und bezogen Stellungen.

Am 16. August beschloss der Kommandierende der 6. Armee Kronprinz Rupprecht von Bayern befehlswidrig, die französischen Verbände im Widerspruch zum Schlieffen-Plan, der ihm strengste Defensive auferlegte, so bald wie möglich in Lothringen anzugreifen. Im Verlauf des 18. August entwickelten sich dann erste Gefechte u. a. im Gebiet um Lauterfingen.

Am 18. August, nach der Niederkämpfung der belgischen Festungen von Lüttich und Namur vor allem durch den Einsatz schwerster Artillerie, begann die deutsche Großoffensive zur Umfassung der alliierten Armeen, dabei stieß man sehr schnell nach Brüssel vor. Die belgische Armee zog sich daraufhin in die Festung Antwerpen zurück, worauf die zweimonatige Belagerung von Antwerpen begann.

Britisch-indische Kavallerie an der europäischen Westfront, 1914

Am 20. August befahl der französische General Joffre die schon lange vor dem Krieg im sogenannten „Plan XVII“ vorgesehene Offensive in Richtung Deutsch-Lothringen und Saar-Ruhr-Gebiet. Daraus, und aus einer Reihe von weiteren Schlachten bei Saarburg, bei Longwy, an der Maas, zwischen Sambre und Maas und bei Mons entwickelten sich für beide Seiten verlustreiche Kämpfe zwischen den Vogesen und der Schelde, die sogenannten Grenzschlachten. Trotz der unerwarteten Aktionen der Franzosen und Briten glaubte die Oberste Heeresleitung (OHL) an einen raschen Vorstoß nach Paris.

Nach dem Fehlschlag dieser französischen Offensive begann die französische Armee auf dem linken Flügel einen allgemeinen Rückzug durch Nordfrankreich, der durch vereinzelte Schlachten wie bei Le Cateau und Guise–St. Quentin unterbrochen wurde und den verfolgenden deutschen rechten Flügel nahe an Paris heranführte. Die französische Regierung verließ daraufhin am 2. September die Hauptstadt und zog nach Bordeaux um, die Verteidigung von Paris wurde dem reaktivierten General Gallieni anvertraut. Das französische Oberkommando zog währenddessen Truppen vom rechten Flügel sowie Reserven zusammen, um bei Paris eine neue Armee aufzustellen, die den deutschen Vormarsch in der Flanke bedrohte. Eine weitere Armee unter Ferdinand Foch wurde im Zentrum eingeschoben. Joffre plante, die Marne als Auffangstellung zu benutzen, um von hier aus mit einer Offensive an der gesamten Front den deutschen Vormarsch zu stoppen.

Am 4. September gelang es den Deutschen, die Marne zu überschreiten, woraufhin es zwei Tage später zu der für beide Seiten äußerst verlustreichen und sich zwischen Ourcq und Maas erstreckenden Marneschlacht kam. Kurz danach gab die OHL den Schlieffen-Plan auf, da es den Truppen nicht gelungen war, weit genug vorzustoßen, um Paris zu isolieren oder gar zu umfassen. Als sich die deutschen Truppen, für die Alliierten überraschend, von der Marne zurückzogen, reichten die französischen Munitionsvorräte nur noch für zwei Tage.

Der darauf folgende Rückzug des deutschen Angriffsflügels hinter die Aisne mündete in die Erste Schlacht an der Aisne, die den Übergang zum Stellungskrieg einleitete. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch weiter nördlich der sogenannte Wettlauf zum Meer, in dem beide Seiten versuchten, durch Truppenverlegungen den Gegner in der bis dahin unbesetzt gebliebenen Flanke zwischen der Aisne und dem Meer zu umfassen. Dabei gelang es den Alliierten, die für den britischen Nachschub wichtigen Kanalhäfen Boulogne und Calais und den Eisenbahnknoten Amiens dem deutschen Zugriff zu entziehen.

Ein vor Ypern gefallener Soldat, der zwischen den Gräben fast ein Jahr im Blickfeld der Soldaten lag.
Deutsche Soldaten in Maubeuge während der Besatzung, 1914

Gegen Ende September nahmen die Bewegungen auf beiden Seiten ab, das Kräfteverhältnis war ausgeglichen, und ein Stellungskrieg bahnte sich an. Das hing unter anderem auch damit zusammen, dass die Munitionsvorräte, speziell für die Artillerie, nicht rasch genug aufgefüllt werden konnten. Es zeigte sich sehr schnell, dass der Munitionsverbrauch weit über die Kapazitäten hinausging. Lediglich in Belgien hatte der Vorstoß noch nicht an Schnelligkeit verloren.

Bis zum November waren Antwerpen, Brügge und andere bedeutende belgische Städte in deutscher Hand. Schweren Widerstand boten die Alliierten jedoch bei Ypern, weshalb der am 14. September zum Chef des Generalstabs ernannte General von Falkenhayn die Angriffe einstellen musste. Von Ende Oktober bis zum 10. November kam es bei Ypern wiederholt zu verlustreichen Kämpfen, der Ersten Flandernschlacht, die die OHL mit dem irreführenden Bericht stilisierte, bei Langemarck hätten junge deutsche Regimenter unter dem Gesang „Deutschland, Deutschland über alles“ die vordersten gegnerischen Stellungen eingenommen. Der Bericht der OHL löste den Mythos von Langemarck aus, der bis in die NS-Zeit hinein existierte und den angeblichen Opfertod einer jungen, gebildeten deutschen Generation verherrlichte. Mit den Kämpfen bei Ypern endete der Bewegungskrieg. An der deutschen Westfront entstand nun ein ausgedehntes System aus Schützengräben (Grabenkrieg).

Da zwei russische Armeen unerwartet früh, nämlich zwei Wochen nach Kriegsbeginn, in Ostpreußen eingefallen waren, war die Lage an der Ostfront für das Deutsche Reich zunächst äußerst gespannt. Die Deutschen waren aufgrund des Schlieffenplans an ihrer Ostfront defensiv eingestellt, was sich als wenig erfolgreich erwies. Nach der Schlacht bei Gumbinnen war die Ostpreußen verteidigende 8. Armee zur Preisgabe weiter Teile des Landes gezwungen. Als Folge dessen wurden die Truppen verstärkt und die alten Befehlshaber durch Generalmajor Erich Ludendorff und Generaloberst Paul von Hindenburg ersetzt. Ihnen war es zu verdanken, dass sich die Lage an der Ostfront schnell änderte, besonders der Sieg in der Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 31. August war für Deutschland ein großer Erfolg. Dabei gelang deutschen Truppen die Einschließung und weitgehende Vernichtung der russischen Narew-Armee. Vom 6. bis 15. September folgte die Schlacht an den Masurischen Seen, die mit der Niederlage der russischen Njemen-Armee endete. Die russischen Truppen räumten daraufhin den größten Teil Ostpreußens.

Russische Truppen hatten kurz nach Kriegsbeginn auch das zu Österreich-Ungarn gehörende Galizien besetzt (→ Schlacht in Galizien). Das österreichisch-ungarische Heer musste sich nach einem Vorstoß auf die galizische Stadt Lemberg aufgrund der erdrückenden russischen Übermacht im September zu den Karpaten zurückziehen. Am 1. November wurde Generaloberst von Hindenburg zum Oberbefehlshaber Ost des deutschen Heeres ernannt. Am 11. November begann eine deutsche Gegenoffensive an der Ostfront, welche die russischen Verbände bis östlich von Łódź zurückdrängte (→ Schlacht um Łódź).

Im November 1914 erklärte die britische Kriegsmarine die gesamte Nordsee zur Kriegszone, die sofort vermint wurde. Schiffe, die unter der Flagge neutraler Staaten fuhren, konnten in der Nordsee ohne Vorwarnung das Ziel britischer Angriffe werden. Dieses Vorgehen der britischen Regierung verletzte geltendes Völkerrecht, darunter die Deklaration von Paris von 1856, die Großbritannien unterzeichnet hatte. Vom 5. bis 17. Dezember gelang es österreichisch-ungarischen Truppen, einen russischen Vorstoß auf Krakau aufzuhalten. Danach begann auch im Osten der Übergang zu einem Stellungskrieg. Vom Dezember 1914 bis zum April 1915 tobte die Winterschlacht in den Karpaten, in der sich die Mittelmächte gegen Russland behaupten konnten.

Der Ausgangspunkt des Krieges, der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, geriet angesichts der großräumigen Eskalation ab August einigermaßen an den Rand der Aufmerksamkeit: Die drei Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee unter Oskar Potiorek zwischen August und Dezember 1914 scheiterten letztlich allesamt wegen verfehlter Planung und aufgrund des erbitterten serbischen Widerstands, besonders in der Schlacht von Cer und Schlacht an der Kolubara, obwohl im Dezember kurzzeitig Belgrad eingenommen werden konnte. Die k.u.k. Armee musste also auch an diesem Kriegsschauplatz einen verheerenden Misserfolg hinnehmen.

Besonders die ersten k.u.k.-Offensiven waren von schweren Übergriffen gegen die serbische Zivilbevölkerung begleitet. Auch auf eigenem Gebiet (in Bosnien und Slawonien) wurden vermeintliche und tatsächliche Kollaborateure exekutiert. Mehrere tausend Zivilisten wurden getötet, Dörfer ausgeplündert und niedergebrannt. Die serbische Armee war nach der Kraftanstrengung – gegen einen an Ressourcen mehrfach überlegenen Gegner – im Dezember am Ende ihrer Kräfte. Außerdem waren im Land Seuchen ausgebrochen.

Ürgüplü Mustafa Hayri Efendi, Scheichülislam des Osmanischen Reiches, rief nach einem Edikt Sultan Mehmed V. zum Dschihad gegen die Feinde des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg auf.
Am Morgen des 14. November 1914 vor der Fatih-Moschee, İstanbul

Die Regierung des Osmanischen Reichs versuchte zunächst, sich in einer „bewaffneten Neutralität“ aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Den herrschenden Jungtürken war klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen müsste, um militärisch überhaupt standhalten zu können. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zum Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war. Im Oktober 1914 beschossen die Osmanischen Türken mit den zwei vom Deutschen Reich erworbenen Kriegsschiffen Goeben und Breslau russische Küstenstädte. Daraufhin erklärten Anfang November Frankreich, Großbritannien und Russland dem Osmanischen Reich den Krieg, das sich nun auf der Seite der Mittelmächte befand. Bereits am 23. November gelang es britischen Truppen, die osmanische Stadt Basra am Persischen Golf einzunehmen.

Bereits am 5. August hatte das Londoner Committee of Imperial Defence beschlossen, unter Bruch der Verträge der Berliner Afrikakonferenz von 1884/85 den Krieg auszudehnen, und alle deutschen Kolonien anzugreifen oder durch französische, indische, südafrikanische, australische, neuseeländische oder japanische Truppen angreifen zu lassen. Dabei kam es besonders in Afrika zu teils schweren Kämpfen. Die von allen Seiten umzingelte Kolonie Togo wurde sofort eingenommen. Um Kamerun stand es genau so schlecht, bis zum Ende des Jahres 1914 zogen sich die deutschen Truppen in den Dschungel zurück, wo sich ein zermürbender Kleinkrieg entwickelte. Deutsch-Südwestafrika wurde von der südafrikanischen Union angegriffen. Bis zum Jahresende bestand keine Möglichkeit mehr, das Gebiet zu halten. Einzig Deutsch-Ostafrika verteidigte sich unter Paul von Lettow-Vorbeck verbissen. Dank der deutschen Strategie von Rückzügen und Guerilla-Taktiken konnte sich die Kolonie bis zum Kriegsende halten.

Die deutschen Kolonien im Pazifik wurden aufgrund eines japanischen Ultimatums kampflos übergeben. Einzig die deutsche Kolonie Kiautschou wurde während der Belagerung von Tsingtau erbittert verteidigt, bis Material und Munition aufgebraucht waren.

Am 24. Dezember und den beiden folgenden Tagen kam es an einigen Abschnitten der Westfront zum sogenannten Weihnachtsfrieden, einem unautorisierten Waffenstillstand unter den Soldaten. Beteiligt an dieser Weihnachtswaffenruhe, verbunden mit Verbrüderungsgesten, waren über 100.000 hauptsächlich deutsche und britische Soldaten.

Kriegsjahr 1915

Frauen arbeiten in einem englischen Rüstungsbetrieb (1915)

Im Januar 1915 kam es an der Kaukasusfront zu ersten größeren Kampfhandlungen zwischen osmanischen und russischen Truppen. Dabei musste das Osmanische Reich in der Schlacht von Sarıkamış eine schwere Niederlage hinnehmen. Es kam zu dem Völkermord an den Armeniern und dem Völkermord an den Assyrern durch osmanische Truppen, die schätzungsweise eine Million Todesopfer forderten. Zahlreiche Armenier wurden in Wüstengebiete deportiert.

Das deutsche Heer siegte vom 2. bis 27. Februar mit Hilfe der neu eingetroffenen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren über die Russen. Die russischen Truppen zogen sich daraufhin endgültig aus Ostpreußen zurück.

Im November 1914 erhielt Erich von Ludendorff als Chef des Stabes gemeinsam mit Paul von Hindenburg das Oberkommando über alle deutschen Truppen der Ostfront. Im Sommer 1915 fielen Polen, fast ganz Kurland und Litauen unter deutsche Okkupation. In Polen entstanden durch die Besatzungsmächte zwei Gouvernements: ein Österreichisches in Lublin und ein Deutsches mit Sitz in Warschau. Die restlichen Gebiete wurden unter dem Begriff Ober Ost zusammengefasst. Das Gebiet des Oberbefehlshabers der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten, kurz Ober Ost, erstreckte sich über Kurland, das ethnografische Litauen, einige rein polnische Distrikte wie Augustow und Suwalki und die westlichen Distrikte Weißrusslands.

An der Westfront kam es im Februar und März zur sogenannten Winterschlacht in der Champagne, bei der die Franzosen erstmals massives Trommelfeuer einsetzten. Diese Taktik war jedoch nicht sehr erfolgreich, da sich die Deutschen schnell auf einen Angriff der Infanterie einstellten und die Angriffe aus bereits gut ausgebauten Unterständen mit Sperrfeuer und MGs abweisen konnten.

Wenig später begannen die Deutschen mit der Entwicklung des Einsatzes von Giftgas, einer der furchtbarsten Waffen des Ersten Weltkrieges. Für den sogenannten Blasenangriff wurde Chlorgas verwendet, das sich mit seiner hohen Dichte in die Gräben senkte. Der erste Giftgas-Angriff war zunächst als Experiment angesetzt und fand am ersten Tag der Zweiten Flandernschlacht, dem 22. April, in Ypern statt. Die Wirkung war verheerend: 15.000 aus Algerien stammende französische Soldaten, dazu bretonische Territorialsoldaten sowie die erst kürzlich an der Front eingetroffenen Kanadier, flohen oder wurden getötet, so dass die Deutschen anfänglich ohne Widerstand vorrücken konnten. Dennoch nutzte die OHL die Gunst der Stunde nicht, worauf die Alliierten die Front wieder schließen konnten. Es ist historisch nicht endgültig geklärt, welche Kriegspartei tatsächlich zuerst Gas als Kampfmittel eingesetzt hat.

Britische Infanterie bei einer Übung auf der griechischen Insel Lemnos für den späteren Angriff auf Gallipoli

Am 25. April begann die Dardanellen-Operation der Alliierten auf der Halbinsel Gallipoli mit dem Ziel, nach Konstantinopel durchzubrechen. Alliierte Truppen hatten zuvor unter Missachtung der griechischen Neutralität die Insel Lemnos erobert, um sie als Ausgangspunkt für Angriffe gegen das Osmanische Reich zu nutzen. Die zerklüfteten Felsen von Gallipoli boten zwar einen guten Unterschlupf, aber bei den Angriffen waren sie den Briten, Australiern und Neuseeländern wenig hilfreich. Auch war der türkische Widerstand unerwartet hart, weshalb die Operation bis zum 9. Januar 1916 mit einer umfassenden amphibischen Evakuierung abgebrochen werden musste.

An der deutschen Ostfront fand vom 2. bis zum 7. Mai östlich von Krakau die Schlacht von Gorlice-Tarnów statt, in deren Verlauf den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ein tiefer Einbruch in die russischen Stellungen gelang. Przemysl und Lemberg wurden im Juni zurückerobert; die Mittelmächte konnten Galizien größtenteils wieder unter ihre Kontrolle bringen.

Am 7. Mai versenkte ein deutsches Unterseeboot das britische Passagierschiff Lusitania vor der südirischen Küste, was schwere Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA auslöste (unter den 1198 Opfern waren 127 US-Amerikaner[57]). Deutschland stellte nach Drohungen mit einem amerikanischen Kriegseintritt auf Seiten der Entente den seit Februar praktizierten uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder ein. Dessen Wiederaufnahme Anfang 1917 war ein maßgeblicher Grund für die amerikanische Kriegserklärung im April 1917.

Am 9. Mai versuchten Briten und Franzosen einen Durchbruch im Artois in der Schlacht bei Lens, die jedoch trotz enormer Verluste ohne Erfolg blieb und Mitte Juni abgebrochen wurde.

Am 23. Mai erklärte Italien Österreich-Ungarn den Krieg. Die damit eröffnete Italienfront verlief über Tirol, entlang des Isonzo zur Küste der Adria. Damit befand sich Österreich-Ungarn ab sofort in einem Dreifrontenkrieg, was die Lage der Mittelmächte verkomplizierte. Bis Sommer 1917 versuchten die italienischen Truppen in elf Isonzoschlachten vergeblich die österreichisch-ungarischen Stellungen zu stürmen. Diese konnten auch die Gebirgshöhen wirkungsvoll zur Verteidigung nutzten; ein Teil der Frontlinie verlief im Hochgebirge. Die dortigen Kämpfe gingen als Alpenkrieg in die Geschichte ein und forderten hohe Verluste. Vermutlich kamen in den Hochgebirgsstellungen mehr Opfer durch Erfrieren und Lawinen ums Leben, als durch Kampfhandlungen.

Wilhelm II., Ferdinand I. von Bulgarien und Generalfeldmarschall von Mackensen in Nisch (1915)
Bulgarische Soldaten um 1916

Im Juni starteten die Mittelmächte eine Serie von koordinierten Offensiven an ihrer Ostfront, die zur Räumung Polens durch die russischen Truppen im Großen Rückzug führten. Bis zum September gelang ihnen dabei die Einnahme wichtiger Städte wie Warschau, Brest-Litowsk und Vilnius. Die Mittelmächte drückten die russische Front teilweise um mehrere hundert Kilometer ein. In der Schlacht bei Tarnopol hielt die russische Armee den Vorstoß auf. Im selben Monat übernahm Zar Nikolaus II. persönlich den Oberbefehl über das russische Heer. Trotz der großen russischen Gebietsverluste strebte er keinen von den Mittelmächten erhofften Separatfrieden an.

Verstärkung erhielten die Mittelmächte am 14. Oktober 1915 durch den Kriegseintritt Bulgariens. Bereits am 6. September hatte sich Bulgarien zu einer Zusammenarbeit mit den Mittelmächten bereit erklärt, die durch einen Angriff auf Serbien eine Landverbindung zum Osmanischen Reich herstellen wollten. Am 6. Oktober begann die Offensive gegen Serbien, in deren Verlauf die Mittelmächte bis November die serbische Armee bis nach Albanien zurückdrängten. Bis zum Dezember 1915 besetzten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen ganz Serbien. Die Reste der serbischen Armee konnten sich unter Mitnahme von einigen tausend Gefangenen nach Korfu absetzen.

Zu den letzten größeren Kampfhandlungen an der Westfront des Kriegsjahres 1915 kam es zwischen 25. September und 13. Oktober im Artois und der Champagne. Diese für Briten und Franzosen verlustreiche Herbstschlacht brachte wieder nur geringfügige Einbrüche in die deutschen Stellungen. Der u. a. auch in den Vogesen, im Bogen von St. Mihiel, in den Argonnen und unterirdisch mit gewaltigen unterirdischen Minen geführte Landkrieg an der Westfront im Jahre 1915 brachte im Ergebnis keine nennenswerten Verschiebungen der Frontlinie, führte aber zu den schwersten französischen Verlusten innerhalb eines Kalenderjahres während des gesamten Krieges.

Ende November unternahmen britische Truppen vom Persischen Golf aus einen Vorstoß nach Mesopotamien. Bei der Belagerung von Kut wurden sie jedoch von der osmanischen Armee eingeschlossen und mussten im April 1916 kapitulieren.

Kriegsjahr 1916

Karikatur zur Besetzung Albaniens durch die österreichischen Truppen
Deutscher Sturmtruppsoldat an der Westfront, 1916
Fort Douaumont Ende 1916
Offizielles Gefallenen-Gedenkblatt mit faksimilierter Unterschrift Wilhelms II., 1916
Soldatenfriedhof an der Ostfront, um 1916

Der im Oktober 1915 erfolgreich begonnene Balkanfeldzug der Mittelmächte endete im Februar 1916 nach der vollständigen Besetzung Montenegros und Albaniens durch das österreichisch-ungarische Heer. In Montenegro war Viktor Weber Edler von Webenau vom 26. Februar 1916 bis zum 10. Juli 1917 Militär-General-Gouverneur. In Albanien, das eigentlich kein Kriegsteilnehmer war, wurde unter dem Vorsitz des Generalkonsuls August Ritter von Kral ein ziviler Verwaltungsrat eingerichtet.

Nachdem sich das deutsche Heer im Vorjahr an der Westfront eher defensiv verhalten hatte, beschloss die Oberste Heeresleitung unter Erich von Falkenhayn zu Beginn des Jahres 1916, Verdun anzugreifen. Falkenhayn wollte die französische Armee dazu bringen, für die Verteidigung ihrer stärksten und somit moralisch wichtigen Festung große Truppenverbände aufzubieten, um sie dann im Kampf gegen die deutlich größere deutsche Armee „ausbluten“ zu lassen. Die deutsche Armee führte nun gewaltige Mengen an Geschützen, Munition und Truppen in das Gebiet nördlich der Maas. Mitte Februar herrschte im Angriffsgebiet auf deutscher Seite eine nie zuvor gekannte Konzentration an Kriegsgerät.

Am 21. Februar begann die Schlacht um Verdun mit einem gewaltigen, über achtstündigen Trommelfeuer aus 1500 Geschützrohren, welches das Zeitalter der Materialschlachten einleitete. Dabei wurden die meisten französischen Vorposten ausgelöscht. Kurz danach griffen acht deutsche Divisionen auf voller Frontbreite an und zerschlugen die letzten gegnerischen Einheiten, worauf die Moral der Franzosen erheblich sank. Am 25. Februar wurde das wichtige Fort Douaumont von deutschen Truppen erobert. Kurz danach entschlossen sich die Alliierten, dass die Festung Verdun unbedingt gehalten werden sollte. Mit der Verteidigung der Stadt wurde General Pétain beauftragt. Durch den guten Nachschub über die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun gelang es den Franzosen, bis Anfang April dem Gegner ebenbürtig zu werden.

Am 20. Mai wurde die Höhe „Toter Mann“ („Dead Mans Hill“ oder „Le-Mort-Homme“) von den Deutschen eingenommen, jedoch nicht sehr lange gehalten. Die Höhe gilt wegen der unglaublich brutal geführten Kämpfe als Symbol für die „Hölle von Verdun“. Am 2. Juni erfolgte die Erstürmung von Fort Vaux durch deutsche Truppen. Im Juli entbrannten heftige Kämpfe um Fort Thiaumont, das innerhalb kurzer Zeit mehrere Male den Besitzer wechselte, bis es endgültig unter deutsche Kontrolle geriet.

Ein deutscher Student berichtete über das Schlachtgeschehen wenige Monate vor seinem Tod bei einem Sturmangriff auf ein Fort vor Verdun:

„7:30 Uhr Gas mit den größten Kalibern. 7:30 bis 8:00 Uhr 38,5 bis 42-Zentimeter-Granaten. Erde bis zum Himmel. Die Schlucht eine riesige Dampfwolke, turmhoch flogen die Trümmer. Dorf FI. ist eine Rauchwolke. Gegenüber unserer Stellung scheint die Welt unterzugehen. Raus aus den Gräben! Kein Quadratmeter, der nicht zerwühlt ist. Die Maschinengewehre rasseln, das Infanteriefeuer rollt. Ein Höllenlärm. Da stürzt einer, dort wieder einer. Leutnant U., unser derzeitiger Kompanieführer, steht auf – da – spritzen Fetzen seiner Generalstabskarte, er krampft die Hände vor die Brust und fällt vorne über. Nach wenigen Minuten ist er tot.[58]

Die Schlacht vor Verdun wurde bei den deutschen Soldaten schnell als „Maas-Mühle“ und „Blutpumpe“ bekannt. Auf einem Gebiet von wenigen Dutzend Quadratkilometern explodierten mehrere Millionen Granaten, die das Schlachtfeld mehrfach durchpflügten. Das umkämpfte Gebiet war übersät von Granattrichtern, Leichen und verschossener Munition. Bis heute hat sich die dortige Vegetation nicht vollständig erholt.

Durch die erbitterten Kämpfe vor Verdun wurde die französische Armee stark geschwächt, so dass ihre britischen Verbündeten im Frühsommer eine Großoffensive am Fluss Somme begannen. Der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Frankreich, Douglas Haig, griff das auch von Falkenhayn betriebene Konzept der Abnutzungsschlacht auf. Die von ihm geplante Offensive an der Somme sollte nicht nur die französische Armee entlasten, sondern auch die völlige materielle und personelle Erschöpfung der Deutschen herbeiführen. Nach achttägiger, ununterbrochener Artillerievorbereitung durch über 1400 Geschütze, bei der etwa anderthalb Millionen Granaten verschossen wurden, begann am 1. Juli 1916 der Angriff auf die deutschen Stellungen an der Somme. Trotz des schweren Geschützfeuers waren zahlreiche deutsche Unterstände intakt geblieben, so dass die deutschen Soldaten dem britischen Angriff mit MG-Feuer begegnen konnten. Allein am ersten Tag der Somme-Schlacht starben 21.000 britische Soldaten, davon 8000 alleine in der ersten halben Stunde. Viele britische Einheiten verloren über die Hälfte ihrer Soldaten. Trotz dieser enormen Verluste ließ Haig die Offensive weiterführen. Aufgrund der Schlacht an der Somme und der „Brussilow-Offensive“ an der Ostfront musste das deutsche Heer Truppen vor Verdun abziehen und den Angriff auf die Stadt am 21. Juli abbrechen.

Noch im Herbst ging die geschwächte französische Armee in einem militärischen Kraftakt zur Gegenoffensive über. Am 24. Oktober nahmen französische Truppen die Forts Douaumont und Thiaumont ein. Weitere französische Offensiven zwangen die Deutschen dazu, am 2. Dezember Fort Vaux zu räumen. Das Fort wurde nach seiner Räumung von deutschen Pionieren gesprengt. Bis zum 16. Dezember eroberten die Franzosen fast sämtliche Gebiete zurück, welche die Deutschen bei ihrer Offensive im Frühjahr eingenommen hatten.

Währenddessen hatte sich auch der Kampf an der Somme zu einer gewaltigen Materialschlacht entwickelt. In monatelangen, verlustreichen Kämpfen gelang es britischen und französischen Truppen, die deutsche Front um einige Kilometer einzudrücken. Die Verluste waren jedoch dermaßen hoch, dass die Somme-Schlacht Ende November 1916 abgebrochen wurde.

Die Schlacht vor Verdun forderte insgesamt über 600.000 Tote und Verwundete auf beiden Seiten. Allein zwischen Februar und August 1916 wurden 88.000 deutsche Gefallene gezählt. Aufgrund des Verlaufs der Schlacht wurde Erich von Falkenhayn als Generalstabschef des deutschen Heeres im August 1916 von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg abgelöst. Die Schlachten ab 1916 hinterließen dramatische Lücken in der Demografie Deutschlands und erzeugten eine noch nicht gekannte soziale Not bei Kriegswaisen und -witwen.

Die Schlacht an der Somme forderte noch mehr Todesopfer als der Kampf um Verdun. Über eine Million britische, deutsche und französische Soldaten wurden in der Schlacht verwundet oder getötet. Von dem Verlust an Altgedienten, schon 1914 ins Feld gezogenen Mannschaften und Unteroffizieren erholte sich das deutsche Heer bis Kriegsende nicht mehr. Während der Somme-Schlacht hatte die britische Armee erstmals in geringer Zahl Panzer eingesetzt, die jedoch mehrfach auf dem Weg zur Front mit technischen Defekten stehengeblieben waren. Da die Somme-Schlacht den Alliierten bei gewaltigen Verlusten nur geringe Gebietsgewinne brachte, wurde der französische Oberbefehlshaber Joffre am 3. Dezember durch General Nivelle ersetzt.

Auch an den anderen Kriegsschauplätzen kam es 1916 zu schweren Kämpfen. Von Mai bis Juni führte die österreichisch-ungarische Armee eine Offensive gegen die italienischen Stellungen, die nach geringen Anfangserfolgen aufgrund der Lage an der Ostfront abgebrochen werden musste. Die italienische Armee unternahm von Juni bis November mehrere Großangriffe am Isonzo. Dabei eroberten die Italiener die Stadt Görz, doch blieben weitere Erfolge der italienischen Armee aus. Im Juni begann die russische Armee die nach dem zuständigen General benannte Brussilow-Offensive, bei der Russland aufgrund des Mangels an Kriegsgerät vor allem auf seine große Masse an Soldaten setzte. Das russische Heer eroberte größere Gebiete in Wolhynien und Galizien, konnte jedoch von den österreichisch-ungarischen Truppen mit deutscher Hilfe im August aufgehalten werden. Aufgrund der hohen Verluste wurde die gesunkene Moral des russischen Heeres immer deutlicher. Die zweite Brussilow-Offensive, die von September bis Oktober geführt wurde, scheiterte ebenso wie die dritte Offensive von Oktober bis Dezember. Am 5. November wurde der bis 1915 russische Teil Polens von den Mittelmächten zum unabhängigen Königreich proklamiert. Von den Mittelmächten aufgrund dieser Geste gehegte Erwartungen im Hinblick auf eine wesentliche militärische Unterstützung durch Polen erfüllten sich jedoch nicht; nur ein kleines nationalpolnisches Freiwilligen-Kontingent kämpfte auf Seiten der Mittelmächte. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass hunderttausende Soldaten polnischer Nationalität als jeweilige "Untertanen" bereits seit Kriegsbeginn und weiterhin in den deutschen, österreichisch-ungarischen (sowie russischen) Streitkräften dienten.

Erst am 28. August 1916 war die italienische Kriegserklärung an das Deutsche Reich erfolgt. Dennoch war bereits von Mai bis November 1915 eine verstärkte deutsche Division (Alpenkorps) zur Unterstützung des österreichisch-ungarischen Verbündeten an die Front in Südtirol verlegt worden.

Am 27. August 1916 war Rumänien auf der Seite der Alliierten in den Krieg eingetreten. Rumänische Truppen fielen ins österreichisch-ungarische Siebenbürgen ein, doch erfolgte bereits Ende August eine Gegenoffensive der Mittelmächte. Innerhalb kurzer Zeit eroberten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen einen Großteil Rumäniens. Am 6. Dezember nahmen die Mittelmächte die rumänische Hauptstadt Bukarest ein. Die Rumänen konnten mit russischer Hilfe lediglich den Nordosten ihres Landes halten. Nach dem Sieg über Rumänien richteten die Mittelmächte am 12. Dezember ein Friedensangebot an die Alliierten, das diese am 30. Dezember ablehnten.

Kriegsjahr 1917

Im März 1917 zogen sich die an der Somme stehenden deutschen Truppen in die stark ausgebaute Siegfriedstellung zurück. Zuvor verwüsteten sie das freigegebene Gebiet weitgehend und verminten es teilweise.

Im selben Monat unternahmen die Briten einen Vorstoß nach Bagdad und nahmen die Stadt ein.

Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen und aufgrund des starken Nahrungsmangels kam es am 8. März (23. Februar nach russischem Kalender) in Sankt Petersburg zu Massendemonstrationen, die sich zur Februarrevolution ausweiteten. Es bildeten sich in Petersburg Arbeiter- und Soldatenräte, während eine provisorische bürgerliche Regierung unter Fürst Lwow errichtet wurde. Am 15. März dankte Zar Nikolaus II. ab. Neben der parlamentarischen Regierung stand als zweite Gewalt der oberste Arbeiter- und Soldatenrat von Petersburg. Zur Enttäuschung großer Teile der russischen Bevölkerung entschied sich die provisorische Regierung zur Weiterführung des Krieges. Aus diesem Grunde ermöglichte die Oberste Heeresleitung im April einer im Schweizer Exil lebenden Gruppe von Bolschewiki um Lenin, mit dem Zug nach Russland zu kommen. Am 16. April traf Lenin in Sankt Petersburg ein, wo er zur sozialistischen Revolution aufrief.

Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg. Anlass war die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Reich, der auch viele zivile Opfer forderte. Außerdem wurde die Zimmermann-Depesche bekannt, in der das Deutsche Reich Mexiko aufforderte, die USA anzugreifen. Im Dezember 1917 folgte auch die Kriegserklärung der USA an Österreich-Ungarn.

Ungeachtet der gewaltigen Verluste im bisherigen Kriegsverlauf starteten die Alliierten auch im Jahre 1917 mehrere Großangriffe auf die deutsche Westfront. Diesmal wählte der britische Oberbefehlshaber Haig die nordfranzösische Stadt Arras als Ziel einer Offensive, während die französische Armee an der Aisne und in der Champagne die deutschen Stellungen angriff. An der Aisne setzten die Franzosen noch mehr Soldaten und Kriegsgerät ein als bei ihrer Gegenoffensive vor Verdun 1916. Die Offensiven der Alliierten begannen im April und mussten bereits im Mai nach hohen Verlusten abgebrochen werden. Das deutsche Heer war dazu übergegangen, die Schützengräben weitaus tiefer und dichter zu staffeln als zuvor. Zudem hielten die Deutschen Eingreifdivisionen bereit, die mit großer Schnelligkeit an bedrängte Frontabschnitte herangeführt werden konnten.

Als Folge der gescheiterten Offensiven kam es in der französischen Armee zu Meutereien, von denen zeitweilig bis zu 16 Korps erfasst wurden. Deshalb wurde der französische Oberbefehlshaber Nivelle durch General Pétain abgelöst, der die Verteidigung Verduns organisiert hatte. Durch den Übergang zu einer strikten Defensivhaltung konnte Pétain die Unruhe in der französischen Armee vorerst eindämmen. Gegen meuternde Soldaten wurde mit äußerster Härte vorgegangen. Kriegsgerichte fällten 629 Todesurteile, davon wurden 43 vollstreckt.[59] Obwohl deutsche Verbände gemeldet hatten, dass der französische Widerstand an größeren Frontabschnitten praktisch nicht mehr existierte, nutzte die deutsche Heeresleitung die Meutereien in der französischen Armee nicht aus. Pétain erkannte die Gefahr und sorgte für Verbesserungen in Hinsicht auf Verpflegung und Ruhezeiten der Truppen. Die Soldaten wurden künftig durch sorgfältiger geplante und vorsichtigere Operationen sowie verstärkten Materialeinsatz etwas entlastet. In der Folge setzte in der französischen Armee ein langsamer Regenerationsprozess ein, die Moral festigte sich wieder.

Zerbombter Wald bei Ypern
Flandernschlacht: Erfolgloser französischer Sturmangriff auf eine deutsche, durch Trommelfeuer nahezu vollständig eingeebnete Stellung

Nach den verlustreichen Kämpfen im Frühjahr begann im Juni 1917 eine alliierte Großoffensive unter britischer Führung in Flandern. Wie mehrfach zuvor setzte man dabei auf den massiven Einsatz von Kriegsgerät und Infanterie auf großer Breite. Die Flandernschlacht, die durch widrige Geländebedingungen geprägt war, dauerte mehrere Monate und brachte den Alliierten nur geringe Gebietsgewinne bei hohen Verlusten. Sie musste im Herbst 1917 abgebrochen werden.

Am 27. Juni 1917 trat Griechenland auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Das neutrale Griechenland stand bereits seit 1916 unter alliiertem Druck, da britische und französische Schiffe die Küste blockierten. Nach einem Ultimatum des französischen Oberkommissars Jonnart dankte im Juni 1917 König Konstantin I. ab. Es folgte die Bildung einer den Alliierten wohlgesinnten Republik unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos. Diese erklärte den Mittelmächten den Krieg.

Die Westmächte drängten zu ihrer Entlastung Russland zur Durchführung einer Offensive, die von dem russischen Kriegsminister Kerenski geplant wurde und am 30. Juni begann. Nach Anfangserfolgen lief sich die Offensive am 11. Juli fest. Bereits am 19. Juli gingen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bei Tarnopol zum Gegenangriff über. Dabei gelang ihnen die Rückeroberung von Ost-Galizien und der Bukowina. In Russland selbst kam es am 17. Juli zu einem Putschversuch der Bolschewiki, der durch das Militär niedergeschlagen wurde. Lenin floh daraufhin nach Finnland, während Fürst Lwow am 21. Juli von dem aus einer gemäßigten sozialistischen Partei stammenden Kerenski als Ministerpräsident der provisorischen Regierung abgelöst wurde. Trotz der militärischen Misserfolge und der kritischen Situation im Inneren beharrte Kerenski auf der Weiterführung des Krieges. Im September eroberten deutsche Truppen die Stadt Riga und im Oktober die baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon, woraufhin der militärische Widerstand der russischen Armee nahezu zusammenbrach.

Am 1. August 1917, am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns, verbreitete Papst Benedikt XV. ein „Dès le début“ genanntes Apostolisches Schreiben, in dem er sich als Vermittler umfassender Friedensverhandlungen anbot. Der Friedensappell blieb jedoch erfolglos.

Ende Oktober 1917 gelang österreichisch-ungarischen Truppen, die durch die deutsche 14. Armee (darunter das Deutsche Alpenkorps) starke Unterstützung erhielten, in der Zwölften Isonzoschlacht (auch Schlacht von Karfreit) der Durchbruch bei Flitsch und Tolmein (heute Slowenien). Die Italiener verloren mehr als 200.000 Mann an Kriegsgefangenen und wurden bis an den Piave zurückgeworfen. Die Front konnte nur mit Mühe stabilisiert werden. Britische und französische Divisionen wurden zur Unterstützung Italiens entsandt.

Anfang November eskalierte die Situation in Russland. Durch die von dem inzwischen aus Finnland zurückgekehrten Lenin geführte Oktoberrevolution vom 6. bis 7. November wurde die provisorische Regierung gestürzt und die Macht von den Bolschewiki übernommen. Bereits am 8. November wird von den neuen russischen Machthabern das Dekret über die Beendigung des Krieges erlassen, wodurch sich für die Mittelmächte eine starke militärische Entlastung an ihrer Ostfront anbahnte.

Im Gegensatz zu der sich Ende 1917 entspannenden Situation im Osten kam es in Frankreich nach wie vor zu schweren Kämpfen. Am 20. November unternahm die britische Armee nach kurzer Artillerievorbereitung einen Überraschungsangriff auf die deutschen Stellungen bei Cambrai und setzte dabei mehrere hundert Panzer ein. Dabei gelang den Briten ein tiefer Einbruch in die deutsche Front. Die deutsche Armee musste alle verfügbaren Reserven heranführen. Wenige Tage nach Beginn der Schlacht gingen die Deutschen zum Gegenangriff über, wobei sie erstmals in großem Umfang Sturmtruppen an der Westfront einsetzten. Am 3. Dezember endete die Panzerschlacht von Cambrai mit annähernd unveränderten Fronten. Insgesamt waren über 80.000 britische und deutsche Soldaten verwundet, getötet oder gefangengenommen worden. Aus taktischer Sicht hatte die Schlacht großen Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen. Ein nach kurzem Geschützfeuer schnell vorgetragener Angriff mit Panzern und Sturmtruppen schien einen Durchbruch in dem völlig statischen Grabenkrieg möglich zu machen.

Deutsche Soldaten in Jerusalem

Bei dem britischen Angriff auf das von den Osmanen kontrollierte Palästina handelte es sich um die letzte größere Offensive des Kriegsjahres 1917. Der Angriff mit Unterstützung aufständischer Araber (T. E. Lawrence) endete am 10. Dezember mit der Eroberung Jerusalems durch britische Truppen.

Am 15. Dezember wurde ein Waffenstillstand zwischen den Mittelmächten und Russland vereinbart und eine Woche später in Brest-Litowsk die zunächst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet.

Kriegsjahr 1918

Nach dem Friedensschluss von Brest-Litowsk: Russische und deutsche Soldaten feiern Verbrüderung.

Um die Bolschewiki zu Zugeständnissen zu zwingen, rückten die Mittelmächte Anfang 1918 weiter auf russisches Territorium vor und schlossen am 9. Februar 1918 einen Sonderfrieden mit der Ukraine. Lenin ließ trotz der harten Bestimmungen am 3. März den Friedensvertrag von Brest-Litowsk unterzeichnen. Russland schied unter dem Verlust von etwa 25 Prozent seines europäischen Territoriums aus dem Krieg aus. Die Ukraine war unter deutscher Kontrolle, wovon man sich eine Verbesserung der Rohstoff- und Getreideversorgung erhoffte. Durch das Ausscheiden Russlands wurde es der deutschen Heeresleitung ermöglicht, etwa eine Million Soldaten an die Westfront zu verlegen. Dadurch erlangten die Mittelmächte an der Westfront die zahlenmäßige Überlegenheit. Diese war aufgrund des Eintreffens von immer mehr US-amerikanischen Verbänden in Frankreich aber nur von kurzer Dauer, weshalb sich die OHL erstmals seit 1916 zu einer Großoffensive an der Westfront entschloss. Die deutsche Armee plante einen Angriff mit starkem Artillerieeinsatz und Giftgas auf die Nahtstelle der britisch-französischen Front, um die Gegner zu trennen und separat zu schlagen. Dabei ließ die OHL außer Acht, dass die Kampfkraft der französischen Truppen geringer war als die der britischen. So hatte es bereits 1917 Meutereien in der französischen Armee gegeben.

Frühjahrsoffensive 1918: Paul v. Hindenburg, Wilhelm II. und Erich Ludendorff sowie weitere Mitglieder der OHL auf dem Weg zum Großen Hauptquartier in Avesnes-sur-Helpe.

Am frühen Morgen des 21. März 1918 begann die deutsche Frühjahrsoffensive mit dem stärksten Trommelfeuer, das die Westfront bis dato erlebt hatte. Verschiedene Quellen sprechen von einem Feuer aus rund 6000 Geschützen. Im Verlauf der Offensive wurde auch erstmals das sogenannte Paris-Geschütz eingesetzt. Die deutschen Sturmtruppen erzielten einen tiefen Einbruch in die britische Front, die sich an mehreren Abschnitten nahezu auflöste. Innerhalb weniger Tage rückte das deutsche Heer fast 70 Kilometer vor. Doch die deutschen Angriffskeile verloren durch ihr strahlenförmiges Auseinanderstreben rasch an Wucht. Nach dem 6. April ging man wieder zum Stellungskrieg über. Unter dem Druck der bedrohlichen Lage des Frühjahres 1918 konnten sich die Alliierten nun endlich auf einen gemeinsamen Oberbefehl über die alliierten Streitkräfte in Frankreich und Belgien verständigen: Oberbefehlshaber wurde der französische Marschall Ferdinand Foch.

Weitere deutsche Offensiven ab 9. April in Flandern und ab 27. Mai an der Aisne (wobei man wiederum, wie 1914, bis auf wenige Dutzend Kilometer an Paris herankam), liefen sich letztendlich ebenso fest. Die Übernahme eines längeren alliierten Frontabschnittes in Lothringen durch US-Verbände ermöglichte es den Franzosen, Kräfte zu verlagern und so zur Abwehr der deutschen Offensiven beizutragen. Am 3. Juni endete die deutsche Frühjahrsoffensive an der Aisne.

Die letzte deutsche Großoffensive vom 15. Juli 1918 bei Reims und in der Champagne verpuffte nahezu wirkungslos, trotz erneut sehr starker Artillerievorbereitung.

Begünstigt durch die immer stärkere US-amerikanische Unterstützung konnten die Alliierten bereits am 18. Juli zwischen Marne und Aisne zur Gegenoffensive übergehen.

Deutsche Soldaten kommen im Sommer 1918 zunehmend in die Defensive: Abwehrversuch eines britischen Mark IV-Tankangriffs mit dem Flammenwerfer.

An der Somme, in der Panzerschlacht bei Amiens (8. August 1918), mussten die Deutschen eine schwere Niederlage hinnehmen. Auf deutscher Seite sprach man vom „schwarzen Tag des deutschen Heeres“. Das deutsche Heer war bereits deutlich geschwächt. Einerseits wurden schon die ersten Angehörigen des Jahrgangs 1900 an die Front geschickt, andererseits konnte man nicht umhin, weit über Dreißigjährige als Soldaten weiter an der Front zu belassen, selbst wenn sie Familienväter waren. Die mittleren Altersgruppen waren durch die vorausgegangenen Kriegsjahre bereits stark dezimiert.

Ab dem Sommer 1918 gerieten zudem immer mehr deutsche Soldaten in alliierte Gefangenschaft. Bereits am 14. August stufte die OHL die militärische Lage als aussichtslos ein. Die deutschen Truppen mussten sich nun langsam, aber stetig zurückziehen. Die Deutschen leisteten trotz hoher Verluste und stark abnehmender Truppenstärke bis zum Schluss hartnäckigen Widerstand (beschrieben als das „Spinnennetz“ von Verteidigern). Der Stand der Kriegstaktik (Vorteile der Defensive, auch bei relativ wenigen MGs und Abwehrgeschützen), die starken Zerstörungen im Kampfgebiet (Wege, Infrastruktur – Panzer waren als Offensivwaffe noch nicht ausgereift) und nicht zuletzt alliierte Nachschubschwierigkeiten kamen den Deutschen hier zugute. Außerdem waren die Truppen der Entente noch stärker von der seit Mitte 1918 grassierenden Spanischen Grippe betroffen als die der deutschen Seite.

Im Rahmen der Hunderttageoffensive wurden die deutschen Truppen im Sommeabschnitt auf ihre Ausgangsstellungen vor der Frühjahrsoffensive zurückgedrängt. Ende September begann der Angriff auf die Siegfriedstellung, die im Oktober an mehreren Stellen durchbrochen wurde. Die deutsche Front brach bis zum Waffenstillstand am 11. November jedoch nicht vollständig zusammen, was der sogenannten Dolchstoßlegende nach dem Krieg zum Auftrieb verhalf.

Im November 1918 hielten die deutschen Truppen nur noch einen kleinen Teil Nordostfrankreichs und gut die Hälfte Belgiens sowie Luxemburg besetzt, nach wie vor war von den Alliierten aber kaum deutsches Gebiet besetzt.

Ab dem 15. September 1918 brach der Widerstand der bulgarischen Armee nach einem Durchbruch der Alliierten in der mazedonischen Front komplett zusammen. In der Palästinaschlacht am 18./19. September kam es zur endgültigen Niederlage der osmanischen Armee unter der Führung von Otto Liman von Sanders. Vor diesem Hintergrund verlangten Hindenburg und Ludendorff am 29. September ultimativ die Ausarbeitung eines Waffenstillstandsangebots durch politische Vertreter des Reiches. Um Verhandlungen auf der Basis des 14-Punkte-Programms des amerikanischen Präsidenten zu erlangen, empfahl Ludendorff zugleich, die Reichsregierung vom Vertrauen des Parlaments abhängig zu machen. Daraufhin forderte der Kaiser mit Erlass am 30. September die Einführung eines parlamentarischen Regierungssystems, was durch Beschluss des Reichstags zur Verfassungsänderung vom 28. Oktober auch umgesetzt wurde (siehe: Oktoberreform). Der neue, vom Parlament bestätigte Reichskanzler Max von Baden hatte Woodrow Wilson bereits am 4. Oktober ein entsprechendes Waffenstillstandsangebot unterbreitet. Die USA forderten daraufhin die Räumung der von den Deutschen besetzten Gebiete, die Einstellung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges und die Abschaffung der Monarchie. Gerade die Abschaffung der Monarchie wurde jedoch von Regierung und SPD abgelehnt.

Amerikanische Soldaten an der Piave-Front 1918

Im Oktober 1918 begann sich Österreich-Ungarn aufzulösen. Am 28. Oktober wurde die Tschechoslowakei gegründet, am 29. Oktober der Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat, ab 1929 Jugoslawien). Galizien schloss sich dem wieder erstehenden polnischen Staat an. Am selben Tag erreichten die italienischen Truppen, vom Piave vordringend, in dem später als Schlacht von Vittorio Veneto bezeichneten Kampf die Oberhand und hatten somit einen entscheidenden Durchbruch erzielt. Am 30. Oktober konstituierte sich als Reaktion auf den Abfall aller nichtdeutschen Gebiete der Staat Deutschösterreich.

Am 1. November bildete sich eine unabhängige Regierung in Ungarn, nachdem Ungarn am 31. Oktober die Realunion mit Österreich aufgekündigt und die ungarischen Truppen nach Hause gerufen hatte; damit war Österreich-Ungarn aufgelöst. Am 3. November unterzeichnete General Weber nach im Auftrag des Kaisers bzw. des Armeeoberkommandos geführten Verhandlungen den Waffenstillstand von Villa Giusti mit den Alliierten. (Die deutschösterreichischen Politiker hatten sich der Entscheidung entzogen und entgingen dadurch der später in Deutschland geäußerten Kritik an den „Novemberverrätern“.) Am 11. November verzichtete Karl I./IV. als Kaiser von Österreich auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften, am 13. November in gleicher Weise als König von Ungarn.

Matrosenaufstand in Kiel: Demonstration der Revolutionäre am 4. November 1918
Novemberrevolution 1918: Revolutionäre Soldaten am 9. November vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Flucht Wilhelms II. (Bildmitte bzw. vierter von links) am 10. November 1918: auf dem Bahnsteig des belgisch-niederländischen Grenzübergangs Eysden kurz vor der Abreise ins niederländische Exil

Ungeachtet der deutschen Waffenstillstandsbemühungen befahl die deutsche Admiralität im Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 für den 29. Oktober das Auslaufen der Flotte zu einer letzten, verzweifelten Schlacht („ehrenvoller Untergang“) gegen die überlegene Royal Navy. Daraufhin kam es in Wilhelmshaven zu Meutereien. Man verlegte die Flotte deshalb zum Teil nach Kiel und wollte die Meuterer bestrafen. Es brach ein Matrosenaufstand aus, der sich innerhalb weniger Tage zur Revolution, der Novemberrevolution, entwickelte.

In zahlreichen deutschen Städten wurden Arbeiter- und Soldatenräte gegründet. Kurt Eisner rief in München den Freistaat Bayern aus. Hier folgte im Frühjahr 1919 die Münchner Räterepublik. Die Revolution erfasste am 9. November auch Berlin, wo Reichskanzler Prinz Max von Baden aus Sorge vor einem radikalen politischen Umsturz eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen bekanntgab und die Reichskanzlerschaft auf den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert, übertrug. Am Nachmittag desselben Tages rief Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus. Karl Liebknecht vom Spartakusbund proklamierte die Freie Sozialistische Republik Deutschland. Sowohl der Kaiser als auch sämtliche deutschen Fürsten mussten abdanken. Wilhelm II. tat dies schriftlich erst Wochen später, flüchtete aber, seinen Ratgebern folgend, am 10. November ins niederländische Exil. Wenn es etwas gab, was später in der Öffentlichkeit den Eindruck der Waffenstillstandsbedingungen übertraf, so war es die Flucht von Kaiser Wilhelm: Er verließ das Land, ohne seinem Volk und seinen Truppen, die in seinem Namen kämpften und starben, Dankesworte zu sagen, entzog sich damit der Verantwortung und „bringt sich schnöde in Sicherheit“.[60]

Delegation der Entente vor dem Salonwagen in Compiègne, in dem am 11. November 1918 der Waffenstillstand zum Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnet wurde. 2.v.r. vorne: der französische Delegationsleiter Marschall Foch (Hitler nahm in diesem Wagen 1940 die Kapitulation Frankreichs entgegen)
Zurückkehrende deutsche Soldaten in Koblenz

Ab 7. November verhandelten der französische Marschall Foch und vier deutsche Politiker der Regierung Max von Badens unter Führung von Matthias Erzberger (Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei) in einem Salonwagen im Wald von Compiègne über den Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich. (Dass Hindenburg und Ludendorff gestattet worden war, sich von den von ihnen ultimativ verlangten Waffenstillstandsverhandlungen fernzuhalten, sollte sich als schwerer Geburtsfehler der Weimarer Republik erweisen. Denn binnen kurzem wurden die zivilen deutschen Verhandler von der Reaktion als „Novemberverbrecher“ gebrandmarkt.)

Nach dem Regierungswechsel drängte Friedrich Ebert auf eine Unterzeichnung des von Frankreich diktierten Vertrages. Am 11. November um 5 Uhr früh unterzeichneten die beiden Parteien den Vertrag über den Waffenstillstand von Compiègne. Dieser sah unter anderem die Bedingungen für die Räumung der von der deutschen Armee besetzten Gebiete und des linken Rheinufers vor, das zusammen mit drei Brückenköpfen in Mainz, Koblenz und Köln von den Alliierten besetzt wurde. Zudem wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk aufgehoben. Durch die Verpflichtung zur Abgabe großer Mengen von Transportmitteln und Waffen sowie die Internierung der Hochseeflotte wurde dem Reich die Weiterführung des Krieges praktisch unmöglich gemacht, obwohl der Waffenstillstand immer nur für 30 Tage galt und dann verlängert werden musste. Ab 11. November 11 Uhr schwiegen die Waffen.

Kriegsfolgen

Verluste

Bettelnder Kriegsinvalide in Berlin, 1923
Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten in Gräfinau-Angstedt (Thüringen)
Bronze-Gedenkplatte mit dem Zarenwappen auf einem Gedenkstein für russische Gefallene 1914 bis 1916. Standort: Luftwaffenkaserne Wahn

Der Erste Weltkrieg forderte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete unter den Soldaten. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt.[1] Im Deutschen Reich leisteten im Kriegsverlauf 13,25 Millionen Mann Militärdienst, davon starben 2,0 Millionen.[61] Das Russische Reich hatte etwa 12 Millionen Männer zum Kriegsdienst herangezogen, von denen 1,85 Millionen ums Leben kamen. Von den knapp 8,1 Millionen eingezogenen Franzosen überlebten 1,3 Millionen den Krieg nicht. Das Britische Weltreich hatte insgesamt etwa 7 Millionen Soldaten eingesetzt, von denen 850.000 nicht aus dem Krieg zurückkehrten. Österreich-Ungarn musste bei 7,8 Millionen Soldaten etwa 1,5 Millionen Todesopfer hinnehmen, auf italienischer Seite waren es bei 5 Millionen Soldaten fast 700.000. Die anteilsmäßig größten Verluste erlitten Rumänien, Montenegro und Serbien: Von 700.000 serbischen Soldaten starben etwa 130.000.[1] Insgesamt verlor Serbien kriegsbedingt rund 540.000 Menschen, etwa 11 % und Montenegro sogar 16 % seiner Bevölkerung.[62]

Unter den Verwundeten befanden sich zahlreiche mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellte Invaliden. Unzählige ehemalige Weltkriegssoldaten starben nach dem Ende der Feindseligkeiten noch an den Folgen von Kriegsverletzungen und mitgebrachten Krankheiten in relativ niedrigem Lebensalter. Zu den Verwundeten müssen auch zahlreiche Kriegsverweigerer hinzugezählt werden, die psychisch unfähig zum Militärdienst waren oder wurden – und zur „Aufrechterhaltung der Moral der Truppe“ entweder zu Gefängnisstrafen verurteilt oder in entsprechenden Anstalten psychiatrisiert wurden. Zu den militärischen kamen die zivilen Opfer: Die Blockade gegen die Mittelmächte führte allein in Deutschland zu mindestens 700.000 Hungertoten.[63] Gegen Kriegsende raffte die Spanische Grippe in Europa Millionen von oft bereits zuvor durch den Krieg geschwächten Zivilisten und Soldaten hinweg. Auf dem Balkan, vor allem in Serbien, erlitt die Bevölkerung schon seit 1914 riesige Verluste durch Krankheiten und Seuchen, wie es auch in vom Krieg verheerten Zonen außerhalb Europas (insbesondere Zentral/Ostafrika) der Fall war. Im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg steht außerdem auch der Völkermord an den Armeniern.

Militärische Verluste (in Millionen)[1] Soldaten Gefallene Prozent
Deutschland 13,25 2,00 15 %
Österreich-Ungarn 7,80 1,50 19 %
Osmanisches Reich 3,00 0,60 20 %
Bulgarien 1,20 0,10 8 %
Russland 12,00 1,85 15 %
Frankreich 8,10 1,30 16 %
British Empire 7,00 0,85 12 %
Italien 5,00 0,68 14 %
Rumänien 1,20 0,34 28 %
Serbien 0,70 0,13 19 %
USA 4,74 0,21 4 %

Kriegskosten

Die gesamten direkten Kriegsausgaben betrugen 1914 bis 1918 956 Milliarden Goldmark. 208 Milliarden davon entfielen auf das Britische Empire, 194 auf Deutschland, 134 auf Frankreich, 129 auf die USA, 106 auf Russland, 99 auf Österreich-Ungarn und 63 Milliarden auf Italien.[64] Diese gigantischen Kosten überstiegen bei weitem die Wirtschaftskraft der europäischen Länder. Im Wesentlichen – mit Ausnahme Großbritanniens – wurden sie durch Kriegsanleihen und Inflation aufgebracht.

Allein in Deutschland betrugen die Ausgaben aus Anlass des Krieges bis 1916 pro Tag ungefähr 60 bis 70 Millionen Mark. Danach kam es zu einer gewaltigen Steigerung infolge verstärkter Rüstungsanstrengungen, insbesondere durch das sogenannte Hindenburg-Programm. Nur ein geringer Teil dieser Kosten konnten durch Steuereinnahmen finanziert werden, rund 87 % blieben ungedeckt. Die Reichsschuld stieg daher um 145,5 Milliarden Mark.[65]

Die besonders schwer umkämpften Gebiete in Nordfrankreich und Belgien waren im Krieg größtenteils zerstört worden. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden auf etwa 100 Milliarden Francs geschätzt. Die Annahme der Sieger, die Kriegskosten durch Reparationen refinanzieren zu können, erwies sich als Illusion. Großbritannien wurde vom größten Gläubiger der Welt zu einem der größten Schuldner. Für Deutschland endete der Krieg in einer gigantischen Inflation, die Siegermächte wurden zu Schuldnern der USA. Europa hatte seine weltbeherrschende Stellung durch den Krieg verloren. Charles de Gaulle formulierte später: Es gab Sieger und Besiegte; wir alle haben verloren.

Politische Folgen: Die Vorortverträge

Vertrag mit dem Deutschen Reich

Am 18. Januar 1919 begann die Pariser Friedenskonferenz. Nicht ohne Grund erfolgte die Übergabe des Vertragsentwurfes zum Versailler Vertrag am 7. Mai 1919, dem fünften Jahrestag der Versenkung der RMS Lusitania.[66] Am 28. Juni unterzeichnete die deutsche Delegation unter starkem Druck der Alliierten den Friedensvertrag von Versailles. Aufgrund der Vertragsbestimmungen musste das Deutsche Reich Elsass-Lothringen an Frankreich sowie die Provinzen Posen und Westpreußen an Polen abtreten; das Memelgebiet wurde unter französische Verwaltung gestellt und 1923 durch Litauen besetzt; das Hultschiner Ländchen musste an die neu gegründete Tschechoslowakei abgetreten werden. Danzig wurde zur Freien Stadt unter Kontrolle des neu gegründeten Völkerbundes erklärt. Die ehemaligen deutschen Kolonien wurden zu Mandatsgebieten des Völkerbundes unter britischer und französischer Kontrolle erklärt. In Eupen-Malmedy-St. Vith (anschließend belgisch), Nordschleswig (der nördliche Teil anschließend dänisch), Teilen Ostpreußens (deutsch bleibend) und in Oberschlesien (zwischen Deutschland und Polen geteilt) wurden bis 1921 Volksabstimmungen über den Verbleib beim Deutschen Reich angesetzt. Das Saargebiet wurde für 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt, wobei Frankreich die Wirtschaftshoheit übernahm. Wahlen im Memelland erbrachten hohe Stimmenanteile (etwa 80 %) für die deutschen Parteien.

Das Deutsche Reich wurde zur Abrüstung verpflichtet und durfte ein Berufsheer mit einer maximalen Stärke von 100.000 Soldaten unterhalten, dazu die Reichsmarine mit 15.000 Mann. Die Ausrüstung dieser Reichswehr unterlag starken Einschränkungen. Im Westen des Deutschen Reiches wurde eine entmilitarisierte Zone geschaffen, deren Grenze etwa 50 Kilometer östlich des Rheins verlief. An den Grenzen des Deutschen Reiches wurden Zonen bestimmt, in denen keine Befestigungen errichtet oder verändert werden durften. Mehrere Flüsse und der Nord-Ostsee-Kanal (damals: Kaiser-Wilhelm-Kanal) wurden durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags internationalisiert.

Der Artikel 231 des Vertrages wies die alleinige Schuld am Krieg dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten zu. Die Alliierten begründeten damit die Reparationsforderungen. Viele Deutsche empfanden dies als ungerecht. Anfangs wurden Reparationen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark festgelegt, welche in 42 Jahresraten ausgezahlt werden sollten. Die Forderungen und Regelungen zu den Reparationszahlungen änderten sich mehrfach (siehe: Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg). Zudem musste das Deutsche Reich zahlreiche Sachlieferungen leisten. Die Bestimmungen des Versailler Vertrags beseitigten nicht die Großmachtstellung Deutschlands. Sie waren jedoch so hart, dass sie das Verhältnis Deutschlands zu den Alliierten schwer belasteten. Der in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als Diktatfrieden eingestufte Versailler Vertrag verhalf nationalistischen Kreisen im Reich zu einem starken Zulauf. Der Vertrag wurde von den USA nicht unterzeichnet. Sie schlossen am 25. August 1921 mit dem Berliner Vertrag einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich, der einige der härtesten Bestimmungen ausklammerte. Marschall Foch kommentierte den Versailler Vertrag mit den Worten: „Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“ Lenin bezeichnete ihn als Raubfrieden.

Vertrag mit Österreich

Karte der territorialen Aufteilung Österreich-Ungarns nach den Pariser Vorortverträgen

Am 10. September 1919 unterzeichneten die Alliierten und Österreich bei Paris den Vertrag von Saint-Germain. Österreich musste Südtirol und seinen Anteil an Friaul und Triest an Italien abtreten (diese Gebiete waren bereits seit 3. November 1918 italienisch besetzt). Hinzu kamen de facto bereits erfolgte Gebietsabtretungen an das neu gegründete Jugoslawien (SHS-Staat). Österreich musste die Unabhängigkeit Ungarns, der Tschechoslowakei (mit den von Österreich beanspruchten deutsch besiedelten Gebieten), Jugoslawiens und Polens anerkennen.

Der Anschluss an das Deutsche Reich wurde Österreich untersagt, obwohl die provisorische Nationalversammlung am 12. November 1918 einstimmig dafür votiert hatte. Der Staatsname Deutschösterreich wurde von den Siegern ignoriert; sie schlossen den Vertrag mit der Republik Österreich, die sich hinfort so nennen musste. Auf Kosten von Ungarn erhielt Österreich das größtenteils deutschsprachige „Deutsch-Westungarn“ (Burgenland) zugesprochen, jedoch ohne dessen Hauptstadt Ödenburg (ungar. Sopron), da sich dessen Einwohner in einer Volksabstimmung 1921 für den Verbleib bei Ungarn aussprachen. Auch in Österreich wurde die Wehrpflicht verboten. Die maximale Stärke des österreichischen Heeres wurde mit 30.000 Soldaten angesetzt. Auch in Österreich wurde der Friedensvertrag als Diktat bezeichnet.

Vertrag mit Bulgarien

Im Pariser Vorortvertrag von Neuilly mit Bulgarien, der am 27. November 1919 unterzeichnet wurde, begrenzte man die Stärke des bulgarischen Heeres auf 20.000 Soldaten. Bulgarien musste mehrere kleine Gebiete im Westen an Jugoslawien abtreten. Außerdem fiel das bulgarisch beherrschte Westthrakien an die Entente (im darauf folgenden Jahr dann mit dem „griechischen Vertrag von Sèvres“ an Griechenland).

Vertrag mit Ungarn

Am 4. Juni 1920 wurde im Schloss Trianon bei Paris der Friedensvertrag mit Ungarn unterzeichnet. Die Slowakei („Oberungarn“) musste nun auch de jure der Tschechoslowakei überlassen werden (die das Gebiet längst besetzt hatte); dass die Donau aus strategischen Gründen die neue Grenze bildet(e), obwohl auch nördlich der Donau viele Ungarn leb(t)en, führt bis heute zu Problemen zwischen den beiden Staaten. Kroatien, Slawonien und das Banat fielen an Jugoslawien; im nördlichen Teil Serbiens lebt bis heute eine ungarische Minderheit. Außerdem musste Ungarn das Burgenland an Österreich (effektuiert 1921) und Siebenbürgen (seit 1919 bereits rumänisch besetzt; bis heute ungarische Minderheit) an Rumänien abtreten. Das ungarische Berufsheer wurde auf 35.000 Soldaten begrenzt.

Vertrag mit der Türkei

Der letzte Pariser Vorortvertrag wurde am 10. August 1920 in Sèvres unterzeichnet. Das Osmanische Reich wurde aufgeteilt. Die Türkei musste Ostthrakien und die Stadt Smyrna mit Umgebung an Griechenland abtreten, ebenso sämtliche unter türkischer Kontrolle befindliche Ägäis-Inseln bis auf den Dodekanes, der an Italien fiel. Die türkischen Meerengen (Bosporus, Dardanellen) mussten ohne türkische Kontrolle der internationalen Schifffahrt geöffnet werden. Kilikien und Syrien gerieten unter französische Herrschaft, während Zypern, Ägypten, Palästina und der Irak unter britische Verwaltung kamen. Kurdistan wurde der Autonomiestatus zugesprochen, Armenien wurde unabhängig.

Die türkische Heeresstärke wurde auf 50.000 Soldaten begrenzt. Der Vertrag von Sèvres wurde von der türkischen Nationalversammlung nicht bestätigt. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Griechenland, die bis 1922 zur Räumung Ostthrakiens und Smyrnas durch die Griechen führten. 1921 wurde der Abzug der Franzosen aus Kilikien vertraglich herbeigeführt, Armenien wurde zwischen der entstehenden Sowjetunion und der Türkei aufgeteilt. In der Folgezeit wurden Tausende Armenier Opfer von Verfolgungen. Im Frieden von Lausanne wurden am 24. Juli 1923 die türkischen Gebietserwerbungen bestätigt, zudem verzichteten die Alliierten auf Reparationsforderungen.

Folgen der Verträge

Die Vorortverträge stellen eine Abkehr von der jahrhundertealten Politik der Balance der Mächte auf dem Kontinent dar. Während etwa noch beim Wiener Kongress nach den Napoleonischen Kriegen die territoriale Unversehrtheit Frankreichs garantiert wurde, brachten die Vorortverträge nunmehr die völkerrechtliche Feststellung des Endes dreier monarchisch organisierter Reiche, die Anerkennung der aus ihnen entstandenen Nachfolgestaaten und erhebliche Territorialveränderungen der restlichen ehemaligen Feindstaaten. Alle ehemaligen Feindstaaten sowie deren Nachfolgestaaten hatten teils enorme Reparationspflichten zu akzeptieren (die de facto nicht erfüllt werden konnten).

Darüber hinaus wurden in diesen Verträgen neben den für Friedensverträge bisher üblichen Regelungen auch die Grundlagen des Völkerbunds und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geschaffen.

Die Auflösung des Osmanischen Reichs endete in der Kleinasiatischen Katastrophe. Der bereits 1918 eingetretene Zerfall Österreich-Ungarns in eine Vielzahl von Nachfolgestaaten führte zu vorübergehenden Instabilitäten in Mitteleuropa. Letztlich lebten Millionen von Menschen in Mitteleuropa als Minderheiten in den aus den Trümmern der Donaumonarchie neu entstandenen Nationalstaaten, völkerrechtlich zumeist geschützt durch weitgehend gleichlautende Minderheitenregelungen in den Vorortverträgen, ausgenommen Italien, welches nicht zur Anerkennung der Minderheitenregelungen verpflichtet wurde. Italien sah sich aber selbst als Verlierer, da es nur einen Teil seiner Forderungen erfüllt bekam.

Die Kriegsfolgen für Deutschland führten dazu, dass nationalistischer Propaganda in Deutschland der Boden geebnet wurde und auch demokratische und gemäßigte Kreise den Forderungen der Nationalisten oftmals zustimmten. Große Wirkung entfaltete die Position des US-Präsidenten Woodrow Wilson, der vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ sprach; ein Grundsatz, den die europäischen Siegermächte in der Praxis oft missachteten.

Die Idee vom Selbstbestimmungsrecht wurde auch in den Kolonien europäischer Mächte begeistert aufgenommen, wenn sie dort auch erst 40 Jahre später durchgesetzt werden konnte. Das British Empire begann aber schon nach dem Ersten Weltkrieg zum Teil, sich vom Vormund London zu lösen: Irland wurde nach blutigen Aufständen zwischen 1917 und 1921 schrittweise unabhängig, die Dominions des Empires wie Südafrika, Australien und Kanada verlangten als Gegenleistung für ihre Kriegsbeteiligung weitreichende Autonomie.

Kriegsverbrecherprozesse

Hauptartikel: Leipziger Prozesse

Die Kriegsverbrecherprozesse des Ersten Weltkrieges stellten den ersten Versuch dar, Kriegsverbrechen zu ahnden. Sie wurden am damals höchsten deutschen Gericht, dem Reichsgericht in Leipzig, verhandelt. Die insgesamt 17 Gerichtsverfahren fanden zwischen 1921 und 1927 statt.

Besonderheiten des Kriegsgeschehens

Die Form der Kriegführung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaften und die einzelnen Menschen boten schon frühzeitig Anlass, den Ersten Weltkrieg als neue Art von Krieg zu betrachten.

Grabenkrieg

Der Grabenkrieg gilt geradezu als „Sinnbild“ des Ersten Weltkrieges[67] und kennzeichnete vor allem die Situation an der rund 700 Kilometer langen Westfront zwischen November 1914 und März 1918.

Luftkrieg

Luftkampf (Ölgemälde von Michael Zeno Diemer aus dem Jahre 1918): Deutscher Kampfzweisitzer vom Typ Albatros C.III kommt einem Kameraden (rechts unten) zu Hilfe, der nach dem Abschuss eines britischen Flugzeuges von englischen Maschinen (evtl. Martinsyde G.102) bedrängt wird.
Stummfilm über US amerikanische Piloten

Die wenig robusten Flugzeuge bei Kriegsbeginn wurden hauptsächlich zur Fernaufklärung eingesetzt. Doch bereits in diesem Zeitraum erfüllten sie eine wichtige, von den Generälen anfangs unterschätzte Aufgabe.

Als die Briten in Frankreich ankamen, brachten sie gerade einmal 48 Aufklärungsmaschinen mit. Sie beobachteten ständig die Front und meldeten die Feindbewegungen an das Oberkommando. Ihnen war es besonders zu verdanken, dass General Joffre die Offensive an der Marne einleitete. Das deutsche Heer hatte bei seinem Vormarsch beabsichtigt, Paris westlich zu umgehen. Als es plötzlich nach Südosten abdrehte und dabei eine große Lücke zwischen den einzelnen Armeen hinterließ, wurde dies zuerst von den Fliegern der Royal Flying Corps (RFC) bemerkt. Sie gaben die Nachricht an die französische Kommandokette weiter, die daraufhin den Gegenangriff an der Marne einleiten konnte.

Auf diesem Wege gewann die Luftaufklärung zunehmend an Bedeutung. Als der Stellungskrieg einsetzte, wurden die Flieger auch zu Artilleriekoordinierung eingesetzt, weswegen erste Methoden zu ihrer Bekämpfung entwickelt wurden. Die Einführung von telegrafischen Löschfunkensendern seit 1915 war gleichbedeutend mit dem eigentlichen Beginn des Flugfunks.

Der französische Luftfahrtpionier Roland Garros war der erste, der ein echtes Jagdflugzeug entwickelte. Er montierte ein Maschinengewehr an die Spitze seines Flugzeugs. Um den Propeller nicht zu beschädigen, verstärkte er ihn mit Stahlplatten. Im Frühjahr 1915 machte er mit seiner neuen Waffe 18 Tage lang über Flandern Jagd auf die Deutschen, bis er bei einer seiner Missionen abgeschossen wurde.

Wenig später baute der Niederländer Anton Herman Gerard Fokker ein Unterbrechergetriebe in seine Fokker E.III ein. Durch die Synchronisation setzte das MG immer dann sein Feuer aus, wenn es den Propeller getroffen hätte. Die ersten erfolgreichen Piloten dieser Maschinen waren Max Immelmann und Oswald Boelcke, die den Ruf der Fokkergeißel begründeten. Bis Anfang 1916 dominierten die Deutschen den Himmel über der Westfront.

Angriffe durch Bombenabwürfe kamen zuerst eher selten vor, wurden aber im Laufe des Krieges verstärkt. Die ersten Bomben wurden von einem deutschen Zeppelin am 24. August 1914 über Antwerpen abgeworfen.

Osmanische Piloten mit einer Albatros im Hintergrund im Kriegsjahr 1917

Im Dezember desselben Jahres griff man auch die britische Insel an. Die Briten wiederum konzentrieren sich bei ihren Angriffen auf die Industrie Westdeutschlands und die Zeppelinwerke am Bodensee. Der Erste Weltkrieg war die erste militärische Auseinandersetzung, in der Bomber eingesetzt wurden. Bei diesen handelte es sich um besonders große und stabile Doppeldecker, die Fliegerbomben mit einem Gewicht von teilweise über einer halben Tonne mit sich führten. Bis 1918 starben durch deutsche Bomben, die von Zeppelinen abgeworfen wurden, 1400 britische Zivilisten und fast 5000 wurden verwundet.

Im Zuge der Militarisierung der Luftfahrt wurde auch über den Meeren aufgerüstet. Bisher nur zur Aufklärung eingesetzte Wasserflugzeuge bzw. Marineflieger, die auf dem Wasser landeten, wurden bewaffnet und gegen Häfen, Küstenbefestigungen und militärische Einheiten zu Luft und zu Wasser eingesetzt. Der Erste Weltkrieg war zudem der erste Krieg, in dem frühe Flugzeugträger zum Einsatz kamen. Dazu bauten US-Amerikaner und Briten mehrere ihrer Kriegsschiffe um. Diese frühen Modelle waren nur für den Einsatz von Wasserflugzeugen geeignet, die vom Deck starteten und in der Nähe des Flugzeugträgers landeten, um mit einem Kran an Bord befördert zu werden. Die vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges beschleunigte Entwicklung von Flugzeugträgern sollte sich während des Zweiten Weltkrieges bei den Kämpfen im Pazifik als entscheidend herausstellen.

Bis 1917 wurden immer wieder schwere Angriffe auf London geflogen, worauf einige Industrien den Betrieb sogar stilllegen mussten. Danach wurden die Luftschiffe, welche eine zu große Angriffsfläche boten und zu unbeweglich waren, zunehmend durch Großflugzeuge abgelöst.

Ab 1916 verloren die Deutschen ihre Lufthoheit wieder. Die Alliierten hatten sich neu organisiert und flogen nun mit einigen robusten Flugzeugen (zum Beispiel Nieuport 11) sehr erfolgreiche Angriffe. Die Deutschen reagierten. Oswald Boelcke bildete einige der besten Flieger aus und vermittelte ihnen sein Kampfwissen, welches er in der Dicta Boelcke niederschrieb. Die deutschen Jagdstaffeln (kurz Jasta), insbesondere die Jasta 11, brachten den Alliierten schwere Verluste bei.

Nach dem Tod Boelckes wurde Anfang 1917 die Jasta 11 von Manfred von Richthofen geleitet. Er sorgte mit seinen Piloten für den blutigen April, in dem die Alliierten 443 Flieger verloren. Richthofen selber schoss in dieser Zeit 20 Flugzeuge ab, sein Bruder Lothar brachte es auf 15 Abschüsse. Ein anderer Pilot, Kurt Wolf, errang in diesem April 22 Luftsiege.

Als 1918 die US-Amerikaner eintrafen, wendete sich das Blatt. Die US-Amerikaner waren zwar unerfahren, ihre zahlenmäßige Überlegenheit an Flugzeugen konnten die Deutschen jedoch nicht ausgleichen. Ab Sommer 1918 mussten die kaiserlichen Piloten ihr Glück mit Sturzangriffen versuchen, da sie sonst keine Chance gegen die alliierten Geschwader hatten. Daraufhin ließen die Alliierten mehrere Staffeln übereinander fliegen, wodurch die Deutschen weiterhin bedrängt wurden.

Am 21. April 1918 wurde Manfred von Richthofen durch einen australischen MG-Schützen abgeschossen, während er von Arthur Roy Brown verfolgt wurde. Er war mit 80 bestätigten Luftsiegen der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkrieges. Durch den Verlust ihres Idols und durch zunehmende Nachschubschwierigkeiten verstärkte sich der Druck auf die kaiserlichen Jagdstaffeln. Zum Kriegsausgang konnten die Luftstreitkräfte wenig beitragen. Der Krieg wurde am Boden entschieden.

Zahlreiche gefallene Flieger, u. a. Richthofen, wurden in Berlin auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt.

Seekrieg

Untergang des deutschen Großen Kreuzers SMS Blücher im Gefecht auf der Doggerbank, die Besatzung versucht sich im Bild über die Schiffswände zu retten (berühmte Kriegsfotografie).

Dem Krieg zur See wurde vor 1914 eine große, wenn nicht entscheidende Rolle beigemessen. Tatsächlich kam es zwar mit der Skagerrakschlacht zur „größten Seeschlacht der Weltgeschichte“[68] aber nicht zur allseits erwarteten Entscheidungsschlacht. Der Anteil des Seekrieges am Ausgang des Ersten Weltkrieges insgesamt war so nicht ausschlaggebend, aber in seiner indirekten Wirkung dennoch von Bedeutung.

Auf allen Kriegsschauplätzen gab es eine eindeutige Überlegenheit einer Seite: England gegenüber Deutschland in der Nordsee, Deutschland gegenüber Russland in der Ostsee (faktisch), Frankreich und Italien gegenüber Österreich-Ungarn im Mittelmeer (außer Adria) und Russland (seit Ende 1915) gegenüber der Türkei im Schwarzen Meer, wobei der Türkei dennoch eine fortgesetzte Blockade der Schwarzmeerengen gelang. Die Meere waren ganz überwiegend Bewegungsraum für die Kriegsflotten, Handelsschiffe und Truppentransporter der Entente, nicht jedoch für jene der Mittelmächte.[69][70]

Gemälde der untergehenden Lusitania nach der Torpedierung durch das deutsche U-Boot SM U 20.

Die Blockade der Nordsee durch die Royal Navy trug zur Erschöpfung der Mittelmächte bei, die Blockaden der Ostsee und der Dardanellen hatten wesentlichen Anteil an der Niederlage der Russischen Armee. Aktionen der deutschen Mittelmeer-Division waren Anlass zum Kriegseintritt des Osmanischen Reiches auf der Seite der Mittelmächte. Der Kreuzerkrieg — das Mittel per se zahlenmäßig unterlegener Seestreitkräfte — hatte aufgrund der mangelnden Vorbereitung seitens der deutschen Admiralität und der fehlenden Stützpunkte nur unwesentlichen Anteil am Kriegsgeschehen. Unerwartet zeigte sich der U-Boot-Krieg als bedeutendste Facette des Seekrieges. Da das U-Boot als Waffe von allen Seiten unterschätzt wurde, war man auch auf den U-Boot-Krieg allgemein wenig vorbereitet. Deutsche U-Boote brachten dennoch die Entente vor allem in der ersten Jahreshälfte 1917 in ernsthafte Schwierigkeiten. Der U-Boot-Krieg führte aber indirekt zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und damit letztendlich zur Niederlage der Mittelmächte.

Der Einsatzbefehl zur Entscheidungsschlacht auf See wurde erst gegeben, als die Oberste Heeresleitung den Krieg verloren gegeben hatte, und führte zum Kieler Matrosenaufstand, der wiederum Auslöser der Novemberrevolution war.

Giftgas

Kanadischer Soldat mit mittelschweren Senfgasverätzungen
Durch Giftgas geblendete britische Soldaten warten auf die Behandlung
US-Soldat und Pferd mit Gasmaske

Der Erste Weltkrieg war der zweite Krieg, in dem Giftgas eingesetzt wurde.[71] Die im Stellungskrieg erstarrten Fronten erforderten den Einsatz einer Flächenwaffe, mit der man dem Feind von oben zusetzen konnte. Die klassische Waffe dafür war die Artillerie. Besonders für die Deutschen ergab sich jedoch das Problem, dass die Sprengstoffproduktion nicht mit dem Bedarf der Militärs Schritt halten konnte. Es mangelte an Rohstoffen, vor allem an Nitrat, welches damals aus Chile über den Atlantik, und damit durch vom Feind kontrolliertes Gebiet, importiert werden musste. Erst später konnte mit dem Haber-Bosch-Verfahren Ammoniak synthetisiert und dadurch der Nitratmangel gemindert werden. Der Einsatz von Gift galt zuvor als unmilitärisch und war laut HLKO verboten. Die Entwickler neuer Kriegswaffen stellten ethische Bedenken zurück und fingen an, nach geeigneten Stoffen zu suchen. Bis Kriegsende hatte man 3000 verschiedene Substanzen auf ihre Brauchbarkeit als Waffe geprüft.

Französische Truppen verwendeten schon 1914 Tränengas-Munition aus Beständen der Pariser Polizei. Die Patronen waren mit 19 ml Bromessigsäureethylester (ein recht schwaches Tränengas) gefüllt, die sich im Kriegseinsatz als wenig wirkungsvoll zeigten. Am 27. Oktober 1914 verschossen die Deutschen bei Neuve-Chapelle zum ersten Mal Granaten mit dem Reizstoff Dianisidinchlorsulfonat. Der Erfolg blieb auch hier aus, da sich die verwendeten Stoffe beim Abschuss durch die entstehende Hitze zersetzten.

Deutsche Gaswerfer

Der deutsche Chemiker und spätere Nobelpreisträger Fritz Haber experimentierte schon kurz nach Kriegsbeginn mit Phosgen und Chlorgas, Letzteres war ein Abfallprodukt der chemischen Industrie. Fritz Haber entwickelte in diesem Zusammenhang das Habersche Blasverfahren, mit dem das Chlorgas (schwerer als Luft und daher in Bodennähe konzentriert) nicht verschossen, sondern aus Behältern bei entsprechender Windrichtung abgeblasen wurde.

Ein erster dementsprechender Gaseinsatz hatte durchschlagenden „Erfolg“: Am 22. April 1915 fielen in Ypern (Belgien) bis zu 5.000 Menschen einem deutschen Chlorgaseinsatz zum Opfer (heutige Schätzungen: 1.200 Tote und 3.000 Verwundete[72]). Dieses Datum wird heute als eigentlicher Beginn der chemischen Kriegsführung angesehen.

Französischer Giftgas- und Flammenwerfereinsatz gegen deutsche Grabenstellungen in Flandern 1916
Englische Stellung nach einem überraschenden deutschen Gasangriff (vermutlich Phosgen)

Am 31. Mai 1915 kam bei einem deutschen Angriff bei Ypern erstmalig Grünkreuz und damit Phosgen zum Einsatz. Auf die Wirkung (und vor allem die Spätfolgen) dieses Kampfstoffes gehen die meisten Gastoten des Ersten Weltkrieges zurück. Im Herbst 1915 wurden die ersten Gasmasken eingeführt. Die Chemiker reagierten darauf u. a. mit der Entwicklung von Kontaktgiften: Senfgas als bekanntester Vertreter führt zu schweren Verletzungen (ähnlich Verätzungen) von Haut, Augen und Bronchien sowie bei hoher Exposition zum Tod. Der Ersteinsatz bei Ypern in der Nacht zum 13. Juli 1917 mit 50.000 Granaten wurde von den Briten zunächst nicht als chemischer Angriff erkannt, erst Stunden später bemerkten sie die Blasenbildung auf der Haut, den Augen und die inneren Verätzungen (14.200 Verletzte, 489 Tote).[73] Senfgas war auf deutscher Seite aufgrund der Markierung auf den Granaten auch als „Gelbkreuz“ bekannt. Zudem setzten vor allem die deutschen Truppen sogenannte „Maskenbrecher“ („Blaukreuz“) ein, welche die Filter der Gasmasken durchdrangen. Reizstoffe zwangen den so Angegriffenen, die Gasmaske abzunehmen. Oft wurde dabei bzw. kurz danach der lungenschädliche, meist tödliche Kampfstoff „Grünkreuz“ eingesetzt. Atemnot und Hustenreiz steigerten sich zum Erstickungsanfall. Der Tod trat bei nahezu vollem Bewusstsein ein. Diese Methode wurde verharmlosend „Buntschießen“ genannt.

Insgesamt wurden im Ersten Weltkrieg ca. 112.000 Tonnen Giftgas eingesetzt, davon von Deutschland 52.000 Tonnen. Die genaue Anzahl der im Ersten Weltkrieg durch Kampfgas Vergifteten und Toten ist nur schwer festzustellen, zumal ein Großteil der Soldaten erst nach dem Krieg an den Spätfolgen verstarb: Schätzungen gehen für die Westfront von etwa 500.000 Verletzten und 20.000 Toten aus, wobei die Zahl der Toten wahrscheinlich noch höher angesetzt werden muss. Für die Ostfront sind keine verlässlichen Zahlen verfügbar.[74]

Gebirgskrieg

Hauptartikel: Gebirgskrieg 1915–1918

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, welcher auch im Hochgebirge im Winter weitergeführt wurde. An der Südfront entwickelte sich ein Stellungskrieg im Hochgebirge zwischen Österreich-Ungarn und Italien.

Vom Stilfser Joch an der Grenze zur Schweiz wurde eine 600 km lange Linie bis zu den Julischen Alpen gebildet. Während im Osten der Südgrenze die Isonzoschlachten tobten, welche den Materialschlachten an der Westfront in nichts nachstanden, hatte sich insbesondere in den Dolomiten eine bis dahin unbekannte Art von Stellungskrieg entwickelt: die topografischen Bedingungen des Krieges waren eine Neuheit.

In Tirol wurden nach der Kriegserklärung durch Italien 1915 die Standschützen mobilisiert und an die Südgrenze gebracht; die Gebirgstruppen der ersten Linie (Kaiserschützen) waren in Galizien und hatten dort bereits schwere Verluste erlitten. Sie kamen in den Karnischen Alpen ebenso zum Einsatz wie in den Dolomiten, rund um den Gardasee und am Ortler und standen den italienischen Alpini gegenüber und hielten die italienischen Soldaten auf, bis die Verstärkungen durch Kaiserschützen und Kaiserjäger eingetroffen waren. Auch die bayerische Feld-Fliegerabteilung 9 b und das Deutsche Alpenkorps wurde zur Unterstützung Österreichs nach Tirol verlegt, aber schon im August wieder an die Westfront abzogen

Handelte es sich im Sommer schon um unwirtliches Gebiet, so waren im Winter nicht die Gegner, sondern Frost und Schnee die größten Feinde. Die Stellungen mussten von bis zu zwölf Metern Schnee freigehalten werden; von der Außenwelt abgeschnittene Stellungen waren üblich. Zehntausende Soldaten starben allein durch Lawinenabgänge, die teils von selbst, teils aber absichtlich vom Feind durch Beschuss der Hänge ausgelöst wurden. Einige Soldaten erfroren beim Einsatz im Freien. Heftigste Kämpfe tobten im Gebiet der Drei Zinnen und um den Paternkofel – in diesen Kämpfen fiel auch der bekannte Südtiroler Bergsteiger Sepp Innerkofler. Höchstgelegene Stellung war die des Ortlergipfels auf knapp 3900 Meter.

Das Gelände brachte es mit sich, dass jeweils die eine Kriegspartei einen Gipfel besetzt hielt, während die andere versuchte, den Gipfel zu erstürmen. Weil dies zumeist nicht möglich war, begann man damit, kilometerlange Stollen durch das Gestein zu treiben, um ohne Feindeinwirkung bis zum Gipfel vordringen zu können. In der Technik dieser Mineure wurzelt der moderne Tunnelbau (Alte österreichische Methode). Einige der Stollensysteme wurden auch mit Sprengstoff gefüllt und ganze Berggipfel zum Einsturz gebracht (z. B. der Col di Lana 1916). Noch heute zeugen viele erhaltene Stollen und Bergfestungen vom Kampf (siehe Sentiero della Pace und Le vie della pace).

Für die Versorgung und vor allem dem Waffentransport kamen in großem Ausmaß Militärstraßen und später Seilbahnen zum Einsatz, außerdem wurden Klettersteige entwickelt, die die Versorgung über Leitern und entlang von Stahlseilen ermöglichten. In den Gletschergebieten wurden Stollen durch das Gletschereis getrieben, um Zugriff auf die gegnerischen Lager ohne Feindeinsicht zu erhalten (Marmolata). Für den Stellungskrieg im Hochgebirge benötigte man ausgebildete Bergsteiger und Bergführer. Dies führte wiederum zu einer rasanten Fortentwicklung der Alpinismustechnik.

Erster Weltkrieg an Kolonialschauplätzen

Im Ersten Weltkrieg wurden die meisten deutschen Kolonien in Afrika, Asien und dem Pazifik nach kurzen Kämpfen von den Alliierten eingenommen. Die Kolonialstreitkräfte waren nicht für den Krieg gegen äußere Gegner vorgesehen gewesen und die deutschen Territorien waren alle von Gebieten unter Kontrolle der Kriegsgegner umgeben, die dazu auch die Kontrolle über die Seewege innehatten. Lediglich in Deutsch-Ostafrika dauerten die Kampfhandlungen über das Jahr 1916 hinaus an. Die letzten Einheiten der dortigen Schutztruppe kapitulierten erst nach dem offiziellen Waffenstillstand in Europa.

Kriegsschauplatz Osmanisches Reich

Die zuerst einsetzenden und am längsten andauernden Kämpfe gab es für das Osmanische Reich gegen Russland an der Kaukasusfront, wobei bald große Gebiete an den Feind fielen. In diesem Zusammenhang kam es zum Völkermord an den Armeniern. Militärisch bedeutender waren die Kämpfe um die Dardanellen 1915/16 in der Schlacht von Gallipoli, wo eine Landungsstreitmacht des British Empire mit deutscher Unterstützung unter Liman von Sanders abgewehrt werden konnte.

Nach dem Scheitern eines osmanischen Angriffs auf den Sueskanal fiel das Ostufer 1916 an die Briten. Ein Vorstoß britischer Kolonialtruppen in Mesopotamien scheiterte vorerst im April 1916 bei Kut, im März 1917 konnte jedoch Bagdad erobert werden. Nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg Anfang 1918 versuchte die osmanische Führung weitreichende Kriegsziele im Kaukasus, im Sinne des Turanismus zu verwirklichen. Die mit der Unterstützung aufständischer Araber (Lawrence von Arabien) im Rahmen des Sinai- und Palästinafeldzugs vordringenden Briten unter Allenby brachten den Osmanen in der Palästinaschlacht im September 1918 die letzte entscheidende Niederlage bei.

Industrialisierter Krieg

Neue Waffe: britischer Tank „Mark I“ im Einsatz in der Schlacht an der Somme
Deutscher Fernmeldesoldat, 1914

Der Erste Weltkrieg war der erste vollständig industrialisierte Krieg, in dem man versuchte, alle verfügbaren personellen und materiellen Reserven aufzubieten. Die Ursprünge des von den Nationalsozialisten propagierten „Totalen Krieges“ finden sich vor Verdun und an der Somme. Hatte das Zeitalter der Millionenheere bereits während der Französischen Revolution mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht begonnen, erreichte es während des Ersten Weltkrieges eine neue Dimension. Das Deutsche Reich hatte während des Krieges durchschnittlich knapp sieben Millionen Männer unter Waffen, die ausgerüstet werden mussten. Die Kriegswirtschaft erreichte aufgrund der gewaltigen Material- und Blutschlachten im Ersten Weltkrieg zuvor ungekannte Ausmaße. An manchen Tagen des Krieges wurde mehr Munition verschossen als während des gesamten Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.

Die völlige Industrialisierung der Kriegsführung zeigte sich auch in der tausendfachen Produktion von Geschützen, Maschinengewehren, Panzern und Kampfflugzeugen, die es zuvor nicht gegeben hatte. Ohne Rücksicht auf zivile Belange wurden alle Ressourcen an die Front umgeleitet. Die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland bis 1923 (Hungersnöte, Inflation, Hyperinflation) waren zum erheblichen Teil Spätfolgen dieser Kriegspolitik.

Wehrtechnische Entwicklung

Der Erste Weltkrieg revolutionierte die Wehrtechnik in zahlreichen Aspekten. Aus dem ersten mäßig erfolgreichen Tank Mark I entwickelten die Alliierten die effektive Angriffswaffe Mark IV und das Muster für heutige Panzertypen, den Renault FT 17. Das Maschinengewehr wurde von schwer transportablen Modellen (z. B. das deutsche MG 08 mit ca. 30 bis 40 kg Gewicht) zu leichteren Modellen weiterentwickelt (z. B. das später sprichwörtliche MG 08/15 mit 14 kg). Die vor allem zur Unterstützung von neuen Infanterietaktiken (Sturmtruppen) konzipierte erste „echte“ Maschinenpistole MP 18 wurde bezeichnenderweise auch „Grabenfeger“ genannt.

Die Grenzen schwerster Artillerie führte im Laufe des Ersten Weltkrieg zum Bedeutungsgewinn von Bombenflugzeugen, so zeigte z. B. die zu Beginn des Krieges gegen feste Ziele mitunter effektive „Dicke Bertha“ systembedingte Schwächen (Immobilität, hoher Schussverschleiß, mäßige Treffgenauigkeit) und wurde deswegen nicht nachgefertigt. Das technisch aufwändige Paris-Geschütz hatte einen militärisch zweifelhaften Wert, während beispielsweise die leichte und bewegliche französische "Canon 75" schon vor dem Krieg die Artillerie revolutionierte und das vermutlich „erfolgreichste“ Geschütz des Krieges war.

Aus Provisorien entstanden die ersten serienmäßigen Jagdflugzeuge (z. B. Fokker E.I), die mit starr eingebauten Maschinengewehren und dem gesamten Flugzeug auf den Gegner zielten. Ebenfalls aus Provisorien entwickelten sich frühe Bombenflugzeuge (z. B. die deutschen Siemens-Schuckert R-Typen oder der britische Handley Page Type O), die zunehmend Kriegszeppeline ablösten. Der Erste Weltkrieg kann zudem mit dem eigentlichen Beginn des Flugfunks gleichgesetzt werden, der die Möglichkeiten der Luftaufklärung auf ein völlig neues Niveau hob.

Das U-Boot – vor dem Krieg allenfalls als Hilfswaffe eingeschätzt – wurde zur zentralen Angriffswaffe im Seekrieg. Die überlegene Funkaufklärung („Room 40“) der Briten erschwerte den Einsatz der Hochseeflotte bis zum völligen Erliegen von relevanten Einsätzen in der Nordsee. Die Briten setzten ihre überlegene Grand Fleet vor allem aufgrund der Bedrohung durch U-Boote kaum offensiv ein, so dass mit dem Ersten Weltkrieg der Bedeutungsrückgang von Großkampfschiffen begann.

Bild des Soldaten

Der Erste Weltkrieg mit seinen Materialschlachten führte einen starken Mentalitätswechsel herbei. So war vor dem Ersten Weltkrieg die allgemeine Vorstellung vom Krieg noch von offenen Feldschlachten geprägt, in denen der Soldat verwegen, ritterlich und heldenmütig dem Feind die Stirn bieten sollte. Dieses Bild konnte den Erfordernissen und Erfahrungen des Stellungskrieges nicht standhalten. So verschob sich während und nach dem Krieg das Idealbild des Soldaten hin zur vollständigen Abhärtung, Emotionslosigkeit und grenzenlosen Belastbarkeit. Auch die Ausbildung der Soldaten wurde von vielen Armeen der Kriegsteilnehmer dahingehend abgewandelt.

Zum Bild gehörten jedoch auch die verkrüppelten Kriegsteilnehmer, die mit vorher unbekannten (Gesichts-)Entstellungen und Amputationen in ein Zivilleben entlassen wurden, das noch keine moderne Prothetik, berufliche und medizinische Rehabilitation kannte.[75]

Ausrüstung

Feldspaten aus dem Ersten Weltkrieg. Im Grabenkrieg wurde der Spaten scharf geschliffen oft als Waffe eingesetzt, der Stiel wurde bei diesem Modell nach einem Bruch gekürzt.

Auf die wichtig gewordene Tarnung und Deckung im Feld nahmen mehrere Armeen zunächst keine Rücksicht.

Erst seit dem Burenkrieg (1899–1902) hatte sich die Bedeutung von Felduniformen in gedeckten Farben erwiesen. Zwischen 1903 und 1914 hatte eine Kommission der französischen Armeeführung versucht, mit verschiedenen Experimentaluniformen Neuerungen in Schnitt und Farbe durchzusetzen, was letztendlich jedoch bis zum 27. Juli 1914, sechs Tage vor Kriegsausbruch, ergebnislos blieb. Erst an diesem Tag fiel eine Entscheidung. Die Franzosen mussten also zunächst mit den alten blau-roten Uniformen in den Krieg, mit denen sie weithin sichtbar waren. Auch die deutsche Pickelhaube gehörte eigentlich in eine vergangene Epoche.

Im Laufe des Jahres 1916 wurden die meisten deutschen Frontsoldaten mit einem zeitgemäßen Stahlhelm ausgestattet.

Sowohl der Begriff „Tarnung“ als auch das Verb „tarnen“ setzten sich im Umfeld des Ersten Weltkriegs im deutschen Wortschatz durch. Der Tarnungseffekt von gedeckten Uniformfarben hatte sich bei den sandfarbenen Uniformen vieler Kolonialtruppen bereits seit dem 19. Jahrhundert bewährt. Um nicht mehr das aus dem Französischen stammenden Wort „camouflieren“ verwenden zu müssen, benötigte man ein deutsches Wort für „verstecken/verbergen“, das aber dennoch nicht die Konnotation von Feigheit haben sollte. In dieser Situation lebte das lange vergessene, seit dem 19. Jahrhundert, z. B. in „Tarnkappe“ durch deutsche Literaten wieder aufgegriffene mittelhochdeutsche Wort „tarnen“ wieder auf.[76]

Ende der Kavallerie

Deutscher Kavallerist in Deutsch-Südwestafrika

Der traditionelle Einsatz von Kavallerie stellte sich, besonders unter den Bedingungen der Westfront, bald als anachronistisch heraus. Massives Auftreten von Reiterverbänden hatte bereits zu Kriegsbeginn schwere Verluste zur Folge. Deutlich anders war die Situation in den ausgedehnten Räumen der Ostfront; beide Seiten machten besonders im Bewegungskrieg der Jahre 1914/15 umfangreichen Gebrauch von ihren Kavallerietruppen, vor allem zur bewaffneten Aufklärung und Geländesicherung. Doch auch im Osten war die Ära der altbekannten „Schlachtenkavallerie“ bereits 1914 unweigerlich an ihr Ende gekommen. In den späteren Kriegsjahren reduzierten sämtliche kriegführenden Mächte ihre Reitertruppen stark. Bisherige Kavalleristen wurden oft als Ordnungskräfte im Hinterland der Front eingesetzt oder wechselten in andere Waffengattungen über, etwa in das umfangreiche Nachschubwesen der Artillerie mit seinem großen Pferdebestand. Viele Kavallerieoffiziere traten zu den Fliegerkräften über.

Lediglich die britische Armee setzte bis zum Ende des Krieges auch an der Front ihre Reiterei ein. So sollten in der Flandern-Schlacht von 1917, britische Kavallerie-Einheiten flüchtende deutsche Truppen endgültig schlagen, wozu es jedoch nicht kam. Einer der letzten großen erfolgreichen Kavallerieangriffe der Geschichte wurde am 31. Oktober 1917 unter General Edmund Allenby von der australischen 4. Light Horse Brigade und der britischen 5. Mounted Brigade bei der Eroberung von Beerscheba geführt.

Aberglaube

Der während des Ersten Weltkrieges stark verbreitete Aberglaube stand in einem gewaltigen Gegensatz zu der militärischen Realität. Viele Soldaten erwarben Talismane und „Nothemden“, mit denen sie sich vor Verwundungen zu schützen suchten. Dasselbe Phänomen trat gehäuft bereits während des Dreißigjährigen Krieges auf. Angesichts von Maschinengewehren mit einer Feuerrate von bis zu 600 Schuss pro Minute und Geschützen mit einem Kaliber von bis zu 42 cm wirkt dieser Aberglaube wie ein Überbleibsel aus mittelalterlicher oder sogar vorchristlicher Zeit. Auf der andern Seite förderte gerade das verbreitete Gefühl, einem unbegreiflichen, technikbestimmten Kriegsgeschehen hilflos ausgeliefert zu sein, Okkultismus und abergläubische Vorstellungen.[77]

Urteilsfähigkeit der Militärs

Das ebenso unerwartete wie allseitige Weltkriegsdesaster der Kriegführung hatte seine wesentliche Ursache in der ungleichen Entwicklung von Technik und militärischer Taktik. In den letzten 30 Jahren vor dem Krieg häuften sich neue Erfindungen in der Waffentechnik: Rauchschwaches Pulver, kleinkalibrige Mehrladegewehre, Schnellfeuergeschütz, Maschinengewehr, Flugzeuge und vieles mehr verdichteten sich zu einer „kritischen Masse“, deren Verhalten und Folgen sich ohne das „große Experiment“, das im Sommer 1914 losbrach, einfach nicht beurteilen ließen.

Sowohl die deutsche wie die französische Armeeführung versuchten die immer stärkere Gewichtung der Technik in ihrem Metier zu ignorieren bzw. abzuwerten, dagegen den Willen und den Angriffsgedanken in den Vordergrund zu stellen. Die Betonung der Kampfmoral bot sich zur Relativierung der durch die Technisierung der Rüstung hervorgerufenen Probleme an. Dementsprechend wurden auch nur einseitig Lehren aus der Belagerung von Port Arthur (1904/1905) gezogen, obwohl sich hier die neue militärtechnische Situation des industrialisierten Krieges schon deutlich abzeichnete.

Das Besondere an den Militärdoktrinen in Frankreich und Deutschland war nicht die Ausrichtung auf die Offensive, sondern deren einzigartige Übersteigerung – die taktische Vernunft kam dabei praktisch abhanden. Nicht zuletzt spielte dabei die weltanschauliche Prägung des Sozialdarwinismus eine Bedeutung. Dem Kriegshandwerk bot der Sozialdarwinismus eine neue, quasi wissenschaftliche Legitimation: Modernisierungsbewusstsein verband sich mit der Betonung des vitalen Elements der Kriegsführung und führte so auf einen Weg, der angesichts einer beispiellosen Entwicklung der Waffentechnik auf ungeheure Blutbäder zuleitete. Nirgends waren die Militärführungen bereit anzuerkennen, dass der seinerzeit ungleiche Entwicklungsstand von Feuerkraft und Bewegung einen konventionellen Overkill herbeigeführt hatte, der den offensiven Bewegungskrieg unmöglich machte. Der Sieg konnte nur noch mit Opfern erkämpft werden, die auch nach Maßstäben der Zeit in gar keinem Verhältnis mehr zum Gewinn standen.[78]

Propaganda

Deutsche Kriegskinematografen an der Westfront, 1917

Ein wesentliches Kennzeichen der Propaganda im Ersten Weltkrieg war, dass zur Motivation der eigenen Bevölkerung der teilnehmenden Länder zum Kriegsdienst mit fremdenfeindlichen Vorurteilen und patriotischen Symbolen geworben wurde.

Im Deutschen Reich wurde zwecks Propaganda die Zentralstelle für Auslandsdienst am 5. Oktober 1914 gegründet, es folgten die Militärische Stelle des Auswärtigen Amtes (MAA) am 1. Juli 1916 und letztlich das Bild- und Filmamt (BUFA) am 30. Januar 1917. In Österreich-Ungarn war das schon am 28. Juli 1914 geschaffene K.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) zuständig. Auf Seiten der Alliierten wurde in Frankreich das Maison de la Presse im Februar 1916 gegründet, in Großbritannien gab es zum gleichen Zweck das War Propaganda Bureau, in den USA das Committee on Public Information.

Im deutschsprachigen Teil Österreich-Ungarns konnte man unter anderem kriegsverherrlichende Zeichnungen in Plakatgröße mit der illustrierten Aussage „Jeder Tritt ein Britt, jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ“ und „Serbien muss sterbien“ finden. Prominente britische Wissenschaftler erklärten nach Berichten über den Brand der Universitätsbibliothek Löwen Ende August 1914, das deutsche Heer habe das Feuer absichtlich gelegt, deutsche prominente Wissenschaftler antworteten mit Gegenerklärungen.[79] Die „Hunnenrede“, mit der Wilhelm II. deutsche Truppen, die 1900 zur Niederschlagung des Boxeraufstands nach China entsandt wurden, zu einem rücksichtslosen Rachefeldzug aufgefordert hatte, trug den Deutschen in angloamerikanischen Ländern nachträglich die Bezeichnung „huns“ ein. Andere bekannte Propagandakampagnen waren etwa die behauptete Kreuzigung von Nonnen an Kirchentoren in Belgien oder das angebliche Abschlagen der Hände von Kindern durch die deutschen Truppen in Belgien.

Foto eines Massengrabes bei Vimy (oder evtl. bei Fromelles), wie es zunächst 1916 in kleiner Auflage als Postkarte veröffentlicht wurde.
Vermutlich aufgrund der zu lässigen Haltung der Offiziere angesichts der Gefallenen wurde das Bild vom Bild- und Filmamt retuschiert, so dass keine Offiziere mehr zu sehen waren.

Gut untersucht ist die Haltung der britischen Presse: Sie hatte in den letzten zwei Jahren vor dem Krieg eine zunehmend positive Haltung gegenüber Deutschland eingenommen. Die Zeitungen vertraten u. a. die Meinung, dass die deutsche Aufrüstung zur See zwar lästig sei, aber für die Royal Navy keine tatsächliche Gefahr bedeute.[80] Während der Julikrise wurde zunächst in erster Linie der russische Zar für die Eskalation verantwortlich gemacht. Dies änderte sich mit dem deutschen Ultimatum an Russland und vor allem mit dem Einmarsch in Belgien und Luxemburg. Mit dem weiteren Fortgang des Kriegs wurde Deutschland nicht nur als Gegner diskreditiert und als Alleinschuldiger am Krieg gebrandmarkt, sondern zum Feindbild der gesamten Menschheit stilisiert. Dabei wurde nur zu Beginn des Krieges noch zwischen Regierung und Bevölkerung differenziert. Umfang und Überzogenheit der Gräuelpropaganda waren ein wesentlicher Grund, dass ein eventueller Verständigungs- oder Verhandlungsfrieden unmöglich wurde, und erschwerte nach dem Krieg auf allen Seiten die Aussöhnung. Die Nationalsozialisten konnten später mit Hinweis auf diese Propaganda (Völkischer Beobachter vom 4. September 1939: „Greuelmeldungen wie einst“) ihre Verbrechen leichter vertuschen.[81]

Die Gräuelpropaganda der Mittelmächte war schon deswegen weniger ausgeprägt, da kaum deutsches Gebiet besetzt war und somit vergleichsweise wenige deutsche Zivilisten direkten Kriegseinwirkungen ausgesetzt waren. In erster Linie wurden die russische Seite (Armee und Bevölkerung) und die alliierten Soldaten aus den Kolonialgebieten verunglimpft oder dämonisiert. Die Propagandaabteilungen der Mittelmächte tendierten ansonsten eher dazu, den Gegner herabzuwürdigen, lächerlich zu machen und die eigene Stärke herauszustellen. Hierzu wurden auch zahlreiche Bilder veröffentlicht und als Postkarten vertrieben, die gefallene alliierte Soldaten sowie entsprechende Massengräber zeigten.[82]

In Deutschland wurde die feindliche – namentlich die britische – Propaganda als wesentlich effektiver als die eigene eingeschätzt, nicht wenige führten die deutsche Kriegsniederlage auf feindliche Propaganda zurück. Wilhelm II. schrieb in seinem niederländischen Exil über den englischen Verleger Northcliffe, dessen Zeitungen an der Spitze der antideutschen Propaganda standen: „Hätten wir einen Northcliffe gehabt, wir hätten den Krieg gewinnen können.“ Auch Erich Ludendorff äußerte sich im Nachhinein anerkennend. Adolf Hitler schrieb in Mein Kampf über die britische Propaganda: „An dieser feindlichen Kriegspropaganda habe auch ich unendlich gelernt.“[83]

Kriegswirtschaft in Deutschland

„Spare Seife! … aber wie?“ – Plakat des Kriegsausschusses für Öle und Fette, das auffordert, Seife und Öle zu sparen und Vorschläge unterbreitet, wie das zu tun ist.

Die deutsche Kriegswirtschaftspolitik hatte vier grundlegende Ziele:

  • das Herstellen von ausreichend Material (Munition, Waffen, sonstige Ausrüstung) für die neue Kriegsform der Materialschlachten, zu diesem Zweck vor allem die Sicherung der Rohstoffversorgung,
  • das Verteilen von Arbeitskräften beziehungsweise Soldaten zwischen Armee und Wirtschaft, vor allem Rüstungsbetrieben, um beide funktionsfähig zu erhalten,
  • das Erhalten des sozialen Friedens durch Ausgleich zwischen den Interessen von Unternehmern, Arbeitern und dem kriegsführenden Staat,
  • das Sicherstellen der Nahrungsmittelversorgung trotz des kriegsbedingten Importstopps.

Die verschiedenen staatlichen Eingriffe lösten keines dieser Probleme, brachten eine überbordende, wenig effektive Bürokratie hervor und wirkten sich letztlich auch kaum auf den Kriegsverlauf aus. Zum Kriegsende vereinigen sich die Einzelprobleme zu einer umfassenden Krise. Die wichtigsten Folgen der deutschen Wirtschaftspolitik waren die Aufwertung der Arbeiter und der Gewerkschaften, ein Konzentrations- und Wachstumsprozess vor allem der Schwerindustrie, die Ausweitung der sozialen Krise durch Versorgungsmängel und die Zerrüttung der Wirtschaftsstruktur, die durch Reparationszahlungen nach dem Krieg noch weiter geschädigt werden sollte.

Dazu kamen die Herausforderungen der Finanzpolitik: 1915 betrugen die Kriegsausgaben Deutschlands 24 Milliarden. Das war das Zehnfache der Steuereinnahmen des letzten Friedenshaushalts. Da die Kriegsfinanzierung nicht durch Steuern, sondern durch Kreditaufnahmen erfolgen sollte, kam es von Anfang an zu massiven Eingriffen in die Finanzwirtschaft. Zudem zog dieses Vorgehen alle negativen Folgen nach sich, die man von einer auf Schulden basierenden Volkswirtschaft kennt.

Kriegswirtschaftspläne vor Kriegsbeginn

Die wirtschaftlichen Maßnahmen waren anfangs noch unter der Voraussetzung getroffen worden, dass der Krieg in wenigen Monaten beendet sein würde. Eine weitere falsche Annahme war die Erwartung umfangreicher Rohstoffbeute aus den eroberten Gebieten. Entsprechend gab es beim Ausbruch des Krieges keine Behörden, die sich mit der Kriegswirtschaft befassten. Im Deutschen Reich war zudem die zivile Wirtschaftsverwaltung zwischen den Reichsbehörden und den Behörden der einzelnen Teilstaaten aufgeteilt. Aufgrund des Belagerungszustands, der im August 1914 ausgerufen wurde, begannen sich militärische Stellen verstärkt in die Wirtschaftsverwaltung einzumischen.

Kriegswirtschaft 1914 bis 1916

Munitionswerk, 1914

Kurz nach Kriegsbeginn gab es Bemühungen um eine Reform der Wirtschaftsverwaltung. Anlass war die sich abzeichnende Munitionskrise. Angesichts dieser Lage gründete das Kriegsministerium am 13. August die Kriegsrohstoffabteilung (KRA). Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen. Dazu wurden diese zentral bewirtschaftet, was auch Beschlagnahmung und Neuverteilung umfasste. Anfang November 1914 stand nur noch Munition für sechs Tage zur Verfügung. Danach begann die Wirtschaftssteuerung zu greifen und die Versorgungslage im deutschen Militär entspannte sich langsam.

Auch zur Arbeitskräfteverteilung zwischen der zivilen und militärischen Produktion sowie der Rekrutierung für die Armee hatte es vor dem Krieg keine Pläne gegeben. Im Januar 1915 entstand die „Abteilung für Zurückstellungswesen“ AZ(S), die von sozialreformerischen Wissenschaftlern und Bürokraten dominiert wurde.

Die Nahrungsmittelversorgung wurde anfangs von den staatlichen Stellen ebenfalls vollkommen ignoriert. Deutschland war vor dem Krieg im Gegensatz zu Großbritannien weitgehend Selbstversorger, nur 10 Prozent der Nahrungsmittel mussten importiert werden. Die britische Seeblockade wurde zur sogenannten Hungerblockade, als 1916 allgemeine Engpässe der deutschen Kriegswirtschaft eintraten.[84] Dazu kam der Mangel an Nitrat für Kunstdünger. Zum Jahresende 1914 kam es zu ersten Preissteigerungen und damit verbundenen Unruhen. Am 17. November 1914 wurde im Innenministerium die Kriegsgetreidegesellschaft gegründet. Sie sollte nach dem Vorbild der KRA Vorräte aufkaufen und bewirtschaften sowie Preise festlegen. Dieses Konzept ging nur ansatzweise auf. Im Januar 1915 gab es die erste Brotrationierung in Berlin, im Juni im ganzen Reich. Die Landwirte reagierten mit Schwarzhandel und dem Ausweichen auf andere Produkte. 1916 kam es zu einer massiven Verschlechterung der Lage nach einer schlechten Kartoffelernte. Es kam zu Hungerkrawallen. Auch die Industrieproduktion begann unter der schlechten Ernährung der Arbeiter zu leiden. Im Mai 1916 folgte die Gründung des Kriegsernährungsamtes (KEA). Damit wurden die Probleme nicht gelöst, jedoch verbesserte sich die Versorgung der Industriearbeiter leicht. Das Grundproblem der zu geringen Nahrungsproduktion blieb bestehen.

Auch die Sozialpolitik stand unter der Anforderung, die Wirtschaftsproduktion aufrechtzuerhalten. Der Staat versuchte die Gefahr von Streiks oder gar einer Revolution zu bannen. Ab 1915 betrieb das Kriegsministerium eine entschiedene Sozialpolitik. Die AZ(S) wurde schnell zur Trägerin einer progressiven, gewerkschaftsfreundlichen Sozialpolitik.

Kriegswirtschaft 1916 und 1917

Im August 1916 wurde Paul von Hindenburg Generalstabschef und Erich Ludendorff dessen Stabschef und Generalquartiermeister. Ihr zentrales wirtschaftspolitisches Instrument war das Hindenburg-Programm mit massiver Steigerung der Munitions- und Waffenproduktion, um den Mangel an Soldaten auszugleichen. Erfüllt wurde das Hindenburg-Programm nur in wenigen Teilaspekten.

Die bereits vorher wiederholt geführte Diskussion um einen Arbeitszwang bekam mit der neuen Obersten Heeresleitung wieder Auftrieb. Im Dezember 1916 wurde das Hilfsdienstgesetz (HDG) verabschiedet. Es sollte die gesamte männliche Bevölkerung dienstverpflichten und sah die Möglichkeit vor, Betriebe still- oder zusammenzulegen, um eine effizientere Produktion zu erreichen. Der erhoffte Effekt des HDG, die Verringerung von Rückstellungen, blieb weitgehend aus, eher wuchsen sie noch an, da die Industrie sich weigerte, ungelernte Kräfte anzustellen. Dagegen begann das Kriegsamt, sich verstärkt um weibliche Arbeitskräfte zu bemühen. Auch die Betriebszusammenlegungen nach dem HDG erzielten nicht die erwünschte Effektivierung. Das Hauptproblem des HDG bildete aber der Paragraph 9. Er sollte den Arbeitsplatzwechsel regeln und erlaubte den Wechsel zur „angemessenen Verbesserung“ von Lohn und Arbeitsbedingungen. Im Frühjahr 1917 entstand dadurch ein totales Chaos auf dem Arbeitsmarkt: Arbeiter, auch zurückgestellte Wehrpflichtige, nutzten die Regelungen, um besser bezahlte Stellen zu bekommen. Arbeitgeber warben Arbeiter mit höheren Löhnen ab. Dies führte unter anderem zu einer allgemeinen Lohnsteigerung, hoher Lohndifferenz zwischen Arbeitern der Kriegsindustrie und den übrigen Erwerbstätigen sowie zu Inflation.

Warteschlangen vor einer Brotausgabe, Ort und Datum unbekannt

Im Herbst 1916 begann die Transport- und Kohlekrise, die sich bis in das Frühjahr 1917 hinzog. Zusätzliche Anforderungen durch den Transport von Truppen, Waffen und Munition verschärften nach dem Kriegseintritt Rumäniens im August 1916 die Anforderungen an die lange vernachlässigte Eisenbahn-Infrastruktur. Mit dem Hindenburg-Programm kam der Zusammenbruch. Im September 1916 kam es zu ersten schweren Störungen im Kohletransport, die im Oktober Produktionsausfälle in Rüstungsbetrieben nach sich zogen. Der Kohletransport brach weitgehend zusammen. Im Januar und Februar 1917 wurden mehrtägige Transportsperren verhängt, um das Chaos zu entwirren. Das schädigte zwar die Produktion weiter, entlastete aber die Eisenbahn. Mit Abklingen der Transportkrise wurde klar, dass auch in der Kohleproduktion erhebliche Probleme herrschen, weil viele Bergarbeiter einberufen worden waren. Letztlich führte die Eisenbahn- und Kohlekrise zum Scheitern des Hindenburg-Programms. Die Waffen- und Munitionsproduktion brach im Januar und Februar 1917 ein, was einer der Gründe für den Rückzug an der Westfront auf die „Siegfriedlinie“ war. Ebenfalls im Winter 1916/17 kam es zu einer Krise der Nahrungsmittelversorgung, dem sogenannten Steckrübenwinter. Angesichts der katastrophalen Lage wurden die Nahrungsmittelrationen noch einmal deutlich gekürzt.

1917 begannen sich die Schwierigkeiten der Kriegsfinanzierung verstärkt auszuwirken. Versuche, Kriegskosten über neue Steuern zu decken, setzen erst 1916 ein und hatten wenig Erfolg. Der Staat verschuldete sich durch Kriegsanleihen im Inland. Die Reichsbank begann Geld zu drucken und löste damit eine Inflation aus, die durch steigende Löhne der Kriegsindustrie verschärft wurde.

Zudem kam die Wirtschaftspolitik ihrem sozialen Anspruch immer weniger nach. Die USPD verstärkte ab dem Beginn des Jahres 1917 ihre Agitation. Nach Kürzungen der Brotrationen kam es im April zu massiven Streiks, die erst Anfang August nach Repressionen des Militärs endeten.

Wirtschaft in den letzten Kriegsmonaten

In der sich verschlimmernden Krise ab Sommer 1917 wurden kaum noch wirtschaftspolitische Maßnahmen ergriffen. Das Lösen unmittelbarer Notlagen trat an die Stelle von weitreichenden Konzepten. In der zweiten Jahreshälfte brach die Ernährungsversorgung vollkommen zusammen. Dazu kamen vermehrte Forderungen nach politischen Reformen, die ihren Höhepunkt mit riesigen Streiks Ende Januar 1918 erreichten. Das Militär griff hart durch und brach die Streiks bis Ende Februar. Ab März 1918 trat Ruhe im Inneren ein. Die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte sich weiter, erstmals mangelte es auch an Kleidung und Wohnraum. Ab 1918 gab es erstmals auch massiven Mangel an Stahl. Die Industrie begann teilweise mit der Umstellung auf Friedensproduktion, was zum Kapazitätsabzug aus der Kriegsproduktion führte. Die britische Offensive am 8. August beendete schließlich auch die Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches.

Rezeption

Historische Forschung

Der Erste Weltkrieg zählte in der Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Themen der Neueren, Neuesten und Zeitgeschichte. Die „Weltkriegsforschung“ stellt auch nach fast 100 Jahren noch ein Gebiet dar, in dem sich allgemeinere Forschungstendenzen recht genau widerspiegeln:

„Kreisten die Fragen bis in die 1960er-Jahre um die Politikgeschichte, wurde diese zunehmend von sozialgeschichtlichen Schwerpunkten abgelöst. Seit etwa 15 Jahren [also seit Mitte der 1990er-Jahre] dominieren Studien, die sich der Erfahrungsgeschichte verpflichtet sehen oder den Repräsentationen des Krieges nachspüren. Mittlerweile ist dabei ein disparates und ausdifferenziertes Forschungsfeld entstanden, in dem sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte zusammengeführt werden.“[85]

In diesem Prozess hat sich die Militärgeschichtsschreibung an die allgemeine Geschichtswissenschaft angenähert.[85] Die Forschung seit der Jahrtausendwende lässt sich in verschiedene Schwerpunktthemen einteilen, in denen die Vielfalt der Methoden und Ansätze deutlich wird, mit denen sich Historiker dem Ersten Weltkrieg nähern. So geht die Untersuchung spezifischer sozialer Gruppen häufig einher mit der Analyse der sie repräsentierenden Medien und Symbole. Bildpostkarten etwa wurden als relativ junge Quellengattung für den Ersten Weltkrieg erschlossen, aber auch die Berichterstattung über die Kampfhandlungen in offiziellen Heeresberichten wie Massenmedien hat Forschungsinteressen geweckt. Ausdifferenzierte Untersuchungen der Kriegsauswirkungen auf verschiedene Gruppen behandelten etwa Kinder, Frauen, Korporationsstudenten, die Kriegsinvaliden und die bisher unterschätzten Kriegsdienstverweigerer im Ersten Weltkrieg. Aber auch Orden und Ehrenzeichen werden in der jüngeren Forschung nicht mehr kontextfrei analysiert, sondern in ihrer materiellen und symbolischen Bedeutung im Zusammenhang mit dem Konzept der militärischen Ehre beachtet.[85]

Die Untersuchung von Selbstzeugnissen wie Tagebüchern oder Briefen war stets ein wichtiger Bestandteil der Weltkriegsforschung. „Da Selbstzeugnisse häufig in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Geschehen angefertigt wurden, sind sie nicht durch spätere Ereignisse und Erkenntnis überformt“[85] und werden daher meist als besonders wertvolle Quellen eingeschätzt und in den vergangenen Jahren als solche ediert. Als „zweifellos bedeutendste Neuerscheinung“ gilt dabei Ernst Jüngers 2010 erschienenes Kriegstagebuch 1914–1918, aus dem Jünger die Anregungen für zahlreiche seiner literarischen Werke nahm.[85] Aber auch Briefe sozialistischer Soldaten, die zahlreiche kriegskritische Passagen enthalten, oder Tagebucheintragungen Intellektueller wurden als Quelleneditionen publiziert, so auch die Tagebücher der Juristen Karl Rosner und Harry Graf Kessler. Anders als Feldpostbriefe von Soldaten in die Heimat sind Briefe an Soldaten nur selten erhalten geblieben. Ihre neueren Editionen „zeigen das Bemühen von Soldaten und Daheimgebliebenen, Distanzen zu überbrücken und Einblicke in den Kriegsalltag von Front und Heimat zu gewähren.“[85]

Zu den Leitmotiven der gegenwärtigen Weltkriegsforschung zählt auch die Gewalterfahrung an und hinter der Front. Die Kriegsgewalt des Ersten Weltkriegs wird dabei als Verbindungsstück zwischen den älteren Gewaltformen, den technischen Neuentwicklungen seit der Jahrhundertwende und der Entgrenzung der Gewalt im Zweiten Weltkrieg betrachtet. Die Dynamik der Zerstörung gilt dabei als mentalitätsgeschichtlicher Bestandteil der kriegführenden Gesellschaften. Um Gewalt geht es aber auch bei Studien über die österreichische Besatzungspolitik in Serbien, bei der umstritten ist, ob es sich überwiegend um zufällige oder systematische Gewaltausbrüche handelt. Die Besatzungsherrschaft über Rumänien hingegen fand in enger Kooperation mit den dortigen Eliten statt, so dass Zwangsmaßnahmen nicht das prägende Element waren. Anderes gilt für die deutsche Besatzung Belgiens, in der der Weltkrieg als „globaler ökonomischer Konflikt zwischen Industrienationen“ sichtbar wird.[85] Im Herbst und Winter 1916 wurden belgische Arbeitskräfte nicht angeworben, sondern zu Zwangsarbeit gezwungen; diese Praxis erwies sich jedoch nicht als erfolgreich, so dass das Besatzungsregime unter dem Eindruck internationaler Proteste davon bald wieder Abstand nahm. Auch die Kriegsgefangenenlager wurden Gegenstand mehrerer jüngerer Studien; zunehmend fiel der Forschungsfokus auch auf die Internierung von Zivilisten: „Auch hier zeigt sich, dass die Trennlinie zwischen Kombattanten und Zivilisten im Ersten Weltkrieg verblasste.“[85]

Hinsichtlich der Kriegserfahrung der Frontsoldaten fand der Umgang mit Sport – der Popularisierung des Fußballs – und Tieren im Krieg neue Aufmerksamheit. Zur Erfahrungsgeschichte zählt auch „Das lange Warten“ von deutschen und britischen Marineoffizieren auf einen Seekrieg, „der schließlich doch kaum stattfand.“[85] Herkömmliche Themen klassischer Operationsgeschichte – Planungen, Taktiken, Kämpfe und Schlachtbeschreibung – wurden von der Forschung lange Zeit kaum beachtet: „Publikationen, die sich der neuen Militärgeschichtsschreibung verpflichtet fühlten, wichen solchen Fragen häufig aus und thematisierten militärisches Handeln im erweiterten Kontext. Mittlerweile ist der Kampfeinsatz der Militärangehörigen Thema einiger Untersuchungen geworden.“[85] Dabei sind Wandlungsprozesse in den Blick geraten, etwa die Abkehr vom französischen Offensivfetischismus während des Grabenkriegs und die Lernprozesse, bei denen die Kriegsparteien die Taktiken des Gegners übernahmen.[85] Doch auch die psychischen Belastungen von Frontsoldaten und die zum „Durchhalten“ der Kriegssituation beitragenden Faktoren wurden wissenschaftlich untersucht. Dabei entwickelte Alexander Watson[86] eine neue Erklärung für die Niederlage des Deutschen Reichs an der Westfront: Frontoffiziere hätten ihre Einheiten als Ausweg aus ihrer schlechten Lage, insbesondere der mangelnden Versorgung, in die Kriegsgefangenschaft geführt, indem sie auch vor zahlenmäßig unterlegenen feindlichen Truppen kapituliert hätten.[85]

Jenseits der Fronterfahrung haben die Kriegswirkungen in den Heimatstädten der Soldaten inzwischen einige Beachtung erfahren; Roger Chickering bemühte sich mit Freiburg im Ersten Weltkrieg[87] um eine totalgeschichtliche Perspektive, die den prägenden Einfluss des Krieges auf alle Lebensbereiche demonstrieren soll. Auch hier spielte die abnehmende Fähigkeit zum „Durchhalten“ seit dem Winter 1916/17 eine entscheidende Rolle.[85] Aber auch Großbritannien im Krieg erfuhr nähere Betrachtung, etwa von Adrian Gregory:[88] „Er weist die mittlerweile relativierte These der verbreiteten Kriegsbegeisterung im Jahr 1914 zurück und analysiert die Berichterstattung über die deutschen Kriegsgräuel. Die Propaganda habe keineswegs die Massen verführt, vielmehr hätten ‚real events‘ bis 1915 das Bild eines dämonischen Deutschlands unterstützt“.[85] In der deutschen wie in der britischen Gesellschaft spielte die staatliche Kontrolle der öffentlichen Kommunikation eine wichtige Rolle.[85]

Die drei folgenden Abschnitte stellen drei Schwerpunktthemen der vorhergegangenen historiographischen Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges dar.

Diskussion um Kriegsursachen

Ausgelöst hauptsächlich durch die im Versailler Vertrag behauptete alleinige Kriegsschuld des Deutschen Kaiserreichs, entstand in der Weimarer Republik in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein umfangreiches apologetisches Schrifttum zur Abwehr der „Kriegsschuldlüge“ (→ Kriegsschuldfrage). Historiker der Siegerstaaten hielten überwiegend an der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten fest. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte in Deutschland eine Unterbrechung ernsthafter Forschung und führte zu einer Abschottung der westlichen Geschichtswissenschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Ansicht des britischen Premiers David Lloyd George durch, die Völker Europas seien „in den Weltkrieg hineingeschlittert“. In den 1960er-Jahren stellte der Hamburger Historiker Fritz Fischer dieses Geschichtsbild in Frage. Er löste einen ersten, jahrelangen Historikerstreit aus (Fischer-Kontroverse), beginnend mit seinem Buch Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Fischer stützte sich auf umfangreiches Quellenmaterial (vor allem des Archivs des Auswärtigen Amtes). Er vertrat die These, das Deutsche Reich habe seit dem sogenannten „Kriegsrat“ vom 8. Dezember 1912 zielbewusst auf die Herbeiführung eines europäischen Krieges hingearbeitet, allerdings unter der Prämisse, dass Großbritanniens Neutralität gewährleistet bleibe. Insbesondere der Historiker Gerhard Ritter trat der Position Fischers scharf entgegen.

Über die „tieferen Ursachen des Machtkampfes zwischen den Großmächten“ ist in der Geschichtswissenschaft bis heute keine Einigkeit erzielt worden.[89] Volker Berghahn etwa sieht die Ursachen des Krieges im europäischen Bündnissystem, in Blockbildung, Wettrüsten und Imperialismus, außerdem in innenpolitischen Konflikten. Die Verantwortung für die Entscheidung zum Krieg liege bei einem kleinen Personenkreis in Berlin und Wien, wo „die Entscheidungsträger eine hohe Risikobereitschaft“ an den Tag legten, zudem „Missmanagement und Fehlkalkulationen […] die Julikrise von 1914 bis zur ‚Flucht nach vorn’“ verschärften.[90] Wolfgang J. Mommsen relativiert seine ältere Sozialimperialismus-These etwas, „der zufolge die deutschen Eliten einen Krieg anzettelten, um überfällige politische und gesellschaftliche Reformen abzuwehren“. Heute meint er nur noch, in „gewissem Sinne“ habe „die Führung im Juli 1914 ihre Zuflucht im Kriege gesucht.“ Die Bevölkerung sei jedoch der Propaganda gefolgt, „die den Krieg als einen lange vorbereiteten Überfall der Alliierten darstellte“.[91]

Michael Salewski hingegen weist innenpolitische Ursachen des Weltkriegs zurück. Um gesellschaftliche Veränderungen zu verhindern, sei ein Krieg kontraproduktiv gewesen. Auch die Großindustrie habe kein Interesse an einem Großen Krieg gehabt: „Sie wollten im Zeichen der Globalisierung vor 1914 ihre Geschäfte machen […]. Wer konnte so dumm sein, den Krieg zu wünschen, wenn doch allen klar sein musste, dass man damit mehr verlieren als gewinnen würde?“ Die Außenpolitik des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns hingegen sei „unfähig zu dem Eingeständnis gewesen, dass man eine Weltmachtrolle im 20. Jahrhundert nicht spielen könne oder wolle.“ Daher habe man sich in der Julikrise „wie bei einem Pokerspiel oder wie beim russischen Roulette verhalten“.[92] Niall Ferguson spricht sich dagegen für das seiner Meinung nach in der neueren Forschung oft missverstandene Deutsche Kaiserreich aus, das er gegen die Vorwürfe von exzessivem Militarismus, von außenpolitischem Verfolgungswahn und von europäischem Hegemoniestreben verteidigt. „Deutschland habe gar nicht nach der Weltmacht gegriffen, sondern lediglich gefürchtet, den Rüstungswettlauf zu verlieren.“ England hätte nicht in den Krieg eintreten müssen, schon gar nicht wegen des Einmarsches deutscher Truppen in Belgien.“ Er sieht die britische Politik gar als Hauptschuldigen an.[93] Es sei „die britische Regierung gewesen, die den Kontinentalkrieg in einen Weltkrieg verwandelt habe.“[94] Die Geschichtswissenschaft weist Fergusons Position allgemein entschieden zurück, ob nun aufgrund von Thesen, die „der Überprüfung nicht stand“ halten, anstatt überzeugender Einsichten,[95] oder weil trotz Anerkennung von Fergusons „bewunderungswürdigen ökonomischen Kenntnisse[n]“ angenommen wird „dass mit Ferguson die wissenschaftliche Phantasie durchgegangen ist.“[94]

Bruno Thoß und Hans-Erich Volkmann vergleichen den Ersten Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg. Sie seien einerseits verbunden dadurch gewesen, dass Deutschland „im 20. Jahrhundert zwei kriegerische Anläufe zur Weltmacht“ unternahm (wie es Ludwig Dehio bereits kurz nach 1945 interpretiert hatte), andererseits aber auch durch „den ihnen zugrunde liegenden Typus totaler Kriegsführung“ deutlich unterscheidbar.[96]

Kriegsbegeisterung

Abmarsch des Regiments Lübeck am 31. Juli 1914
Reservisten auf Lastwagen, Berlin, 1914

Lange Zeit war in der Forschung, insbesondere aber in populärwissenschaftlichen Abhandlungen unbestritten, dass die Propaganda auf fruchtbaren Boden fiel und im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und auch in Frankreich eine große Kriegsbegeisterung herrschte (Augusterlebnis, Ideen von 1914). Umstritten ist, ob sich diese Kriegsbegeisterung in der gesamten Bevölkerung wiederfand oder vor allem in der großstädtischen Mittel- und Oberschicht verbreitet war. Im Deutschen Reich wurde ein Notabitur eingeführt, damit kriegsbegeisterte Oberprimaner vorzeitig ins Heer eintreten konnten. Neuere regionalgeschichtliche Forschungen in Deutschland widerlegen jedoch die Annahme einer allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 und haben ein weit differenzierteres Verhalten der Bevölkerung bei Kriegsausbruch festgestellt.[97] In Frankreich zeigte sich ein Großteil der Bevölkerung bereitwillig zur Verteidigung der Nation, jedoch erst nach der deutschen Kriegserklärung. Bis dahin beschäftigte sich die Öffentlichkeit vorrangig mit innenpolitischen Fragen, von einer Erwartung oder gar Begeisterung eines bevorstehenden Krieges kann keine Rede sein. Lediglich nationalistische Politiker und Intellektuelle waren bereits vor dem Angriff offen für einen Krieg eingetreten, etwa zur Revanche und zur Rückgewinnung des Elsass und Lothringens.

Erklärungen für die These der Kriegsbegeisterung kamen etwa von George L. Mosse: Er beschrieb den Wunsch nach Wiederherstellung einer intakten Männlichkeit nach einer Phase der sogenannten Dekadenz, zu der neben einer vermeintlichen Vormachtstellung des Judentums die Frauenbewegung, erste Ansätze einer Schwulenbewegung und Künstler wie die „Dekadenzdichter“ gezählt wurden.[98]

Zumindest in kleinerem Umfang kam es auch zu Aktionen von Kriegsgegnern. Am 28. Juli 1914 fanden beispielsweise Antikriegsdemonstrationen im Berliner Lustgarten sowie in Hamburg-Altona-Wandsbek statt. Die SPD-Führung schreckte jedoch davor zurück, die Massenproteste als politisches Druckmittel einzusetzen und den Hurra-Patrioten offensiv entgegenzutreten. Antikriegsaktionen beschränkten sich zumeist auf von der Polizei genehmigte Versammlungen in geschlossenen Räumen, und die Straße blieb den kriegsbegeisterten Teilen des Bürgertums überlassen. Der radikale Schwenk der SPD-Leitung und der meisten SPD-Parteizeitungen wenige Tage später irritierte weite Teile der Arbeiterschaft, in der sich auch nach dem 1. August 1914 eher Resignation und wenig Kriegsbegeisterung einstellte.[99]

Am 1. Mai 1916 sprach Karl Liebknecht vor einer Demonstration von mehreren tausend Kriegsgegnern auf dem Potsdamer Platz, was zu seiner Verhaftung und späteren Verurteilung wegen Hochverrates führte.

Gesellschaftliche Umwälzungen

Mit dem Ersten Weltkrieg ging eine Epoche zu Ende – das lange 19. Jahrhundert wie es oft genannt wird, das mit der Französischen Revolution (1789) begonnen hatte und gemeinhin als das „bürgerliche Zeitalter“ apostrophiert wird. Das war bereits den Zeitgenossen bewusst. Der britische Außenminister Sir Edward Grey meinte, dass in Europa die Lichter ausgingen; Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sprach in düsterer Vorahnung von einem „Sprung ins Dunkle“.

Der Erste Weltkrieg war – wie es der US-amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan ausdrückte – die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Er war vor allem ein Ereignis, das sich fatal auf die weitere Geschichte Europas auswirkte: Oktoberrevolution, Stalinismus, Faschismus, Nationalsozialismus und schließlich der Zweite Weltkrieg sind ohne die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges nicht denkbar. Einige Historiker fassen die Jahre von 1914 bis 1945 als zweiten Dreißigjährigen Krieg zusammen und beschreiben die Zeit der Weltkriege als Katastrophenzeit der deutschen Geschichte.

Mit dem Ersten Weltkrieg endete eine Epoche unbedingten und optimistischen Fortschrittsglaubens, eine große Desillusionierung durch die mörderische Realität der Materialschlachten und Grabenkämpfe setzte ein. Die Ordnung des 19. Jahrhunderts geriet aus den Fugen: parlamentarisch-demokratische Republiken lösten die liberal-konstitutionelle Regierungsform mit stark autokratischen Zügen besonders im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn ab. Letzteres zerfiel in mehrere neue Staaten. Die republikanische Staatsform löste in Europa endgültig die monarchische ab. Diesen Republiken blieben jedoch die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen sowie die politischen Konzepte der Vorkriegszeit, um ihnen zu begegnen, erhalten. Alsbald brach sich die Krise der bürgerlichen Gesellschaft Bahn und sie wurden durch den Aufstieg großer faschistischer und kommunistischer Massenbewegungen bedroht, die in diktatorische und totalitäre Regime mündeten. Die bürgerlich dominierte Stände- und Klassengesellschaft wandelte sich in Teilen zur Massengesellschaft.

Der Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und in der Türkei und der daraus folgende soziale und politische Umbruch mündete vor dem Hintergrund weiterhin schlechter Wirtschaftskonjunkturen zum Teil in äußerst instabile Regierungssysteme in den Nachfolgestaaten vor allem Ostmitteleuropas.

Die USA wurden durch ihr Eingreifen in den Ersten Weltkrieg zur dominierenden Weltmacht. Staaten wie Großbritannien und Frankreich gerieten in wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. Der Erste Weltkrieg leitete das Ende der europäischen Vormachtstellung ein – auch durch die allmähliche Emanzipation der Völker Afrikas und Asiens vom Kolonialismus. Die eurozentrische Weltordnung wurde abgelöst durch eine zunehmende Polarisierung zweier Supermächte, die nach 1945 im Kalten Krieg offen zu Tage trat.

Ostfronthistoriografie

Die Historiografie zur Ostfront des Ersten Weltkriegs nimmt innerhalb der Literatur zu den Jahren 1914 bis 1918 wenig Raum ein. Gründe für das geringe Forschungsinteresse war u. a. der Kalte Krieg, der den Zugang zu den östlichen Archiven für westliche Forscher erschwerte. Unter Lenin wurden Soldatenfriedhöfe des Zarenreiches zerstört und so der Versuch unternommen, die damit zusammenhängenden Ereignisse aus dem Geschichtsbewusstsein der Menschen auszulöschen. In der Sowjetunion konnten sowohl positive und patriotische wie auch negative Darstellungen der zaristischen Armee im Ersten Weltkrieg zu Problemen für den Autor führen, so dass das Thema eher gemieden wurde.

Norman Stone verfasste 1975 die erste umfassende Darstellung der Geschehnisse an der Ostfront.[100] Stone bezweifelt die wirtschaftliche Rückständigkeit des Russischen Reiches. Die Schwäche Russlands lag für Stone in der veralteten Administration, der die Versorgungsschwierigkeiten und die ineffiziente Armeeführung anzulasten sei. Der Krieg im Osten unterschied sich markant von den Ereignissen an der Westfront, u. a. blieb es im Osten beim Bewegungskrieg, als im Westen die Fronten bereits erstarrt waren. Die Gründe hierfür lagen bei den spärlichen Kommunikationsmöglichkeiten und der schlechten Verkehrserschließung, aufgebrochene Lücken in den Verteidigungslinien konnten nicht so schnell geschlossen werden wie im Westen. Die räumliche Ausdehnung der Ostfront mit mehreren tausend Frontkilometern kontrastierte mit lediglich 800 Kilometern Länge der Westfront. Erst in den neueren westlichen Darstellungen und Forschungen zum Ersten Weltkrieg rückt die Ostfront wieder in den Blickpunkt. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) in Potsdam führte im August 2004 eine Konferenz über „Die vergessene Front“ durch.[101]

Künstlerische Rezeption

Aus heutiger Sicht stehen kritische literarische und künstlerische Rezeptionen des Ersten Weltkrieges wie Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues oder Stanley Kubricks Wege zum Ruhm unangefochten im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Anders verhielt es sich während des Ersten Weltkrieges und in den Folgejahren. Vor allem in Deutschland wurde ein problematischer ideologischer Überbau für das unmenschliche Geschehen konstruiert.

Der deutsche Schriftsteller Richard Dehmel, ein Wegbereiter des Expressionismus, interpretierte 1916 den Krieg wie folgt:

„Um unser höchstes Seelengut geht der Krieg: unsern Geist will man niederkämpfen, unsre eigentümliche Kraft, die jene körperlichen Besitztümer in so kurzer Zeit emporwachsen ließ, daß den andern Völkern um ihre Zukunft bangt, um den Machtbereich ihres eigenen Geists. Diese unsre Schaffenskraft will man knebeln.[102]

Die Auslegung des Ersten Weltkrieges als einen Vernichtungskampf gegen das überlegene deutsche „Sonderwesen“ war eine ideologische Novität und folgenschwer. Der nach dieser Interpretation von den Staaten der Entente aus Haß, Neid und Verzweiflung entfesselte Krieg richte sich nicht gegen Militär, Ökonomie etc., sondern gegen das alle materiellen Leistungen überhaupt erst ermöglichende Deutschtum. Der Krieg wurde in dieser Interpretation damit aus allen militärischen, ökonomischen und politischen Zusammenhängen herausgelöst und erhielt eine geradezu heilsgeschichtliche Qualität.

Im August 1914 meinte man eine Wiedergeburt des deutschen Wesens erkennen zu können, der Krieg wische die bedrohliche Dekadenz weg:

„Im Rückblick fällt sehr bald ein eklatanter Widerspruch auf zwischen der Idee einer zur geistigen Führung der Welt berufenen deutschen ‚Sonderart‘ und den vielfachen Klagen über eine abgrundtiefe ‚Dekadenz‘ der Jahre vor dem Krieg. Für die Zeitgenossen löste sich dieser Widerspruch durch die Auffassung einer unter dem Druck des neuen Krieges eingetretenen ‚Wiedergeburt‘ (Gerhart Hauptmann), des wahren, ‚des alten deutschen Wesens‘ (Rudolf Borchardt). Die allgemeine Überzeugung einer einzigartigen ‚Revolution der deutschen Seele‘ (Otto Ernst) im Moment der Mobilmachung bildet den wohl entscheidenden Schlüssel zum späteren Verstehen der Kriegsbegeisterung vom Herbst 1914. […] Die ‚Wiedergeburt‘ des deutschen ‚Wesens‘ manifestierte sich in einer schlagartigen Rückbesinnung der Deutschen auf ihre eigentlichen ‚Tugenden‘ und Denkhaltungen. Für Robert Musil gehörten dazu an erster Stelle ‚Treue‘, ‚Mut‘, ‚Unterordnung‘, und ‚Pflichterfüllung‘. Ganz ähnlich bestimmte Hermann Bahr ‚Entsagung, Pflicht und Ehrfurcht‘ als konstitutive Merkmale der deutschen ‚Persönlichkeit‘.[103]

Der kriegsfreiwillige Schriftsteller Walter Flex schrieb im Frühjahr 1917 als Nachwort zu „Der Wanderer zwischen beiden Welten“, das eines der sechs meistverkauften deutschen Bücher des 20. Jahrhundert wurde:

„Ich bin heute innerlich so kriegsfreiwillig wie am ersten Tage. Ich bin’s und war es nicht, wie viele meinen, aus nationalem, sondern aus sittlichem Fanatismus. Nicht nationale, sondern sittliche Forderungen sind’s, die ich aufstelle und vertrete. Was ich von der ‚Ewigkeit des deutschen Volkes‘ und von der welterlösenden Sendung des Deutschtums geschrieben habe, hat nichts mit nationalem Egoismus zu tun, sondern ist ein sittlicher Glaube, der sich selbst in der Niederlage oder […] im Heldentode eines Volkes verwirklichen kann […]. Mein Glaube ist, daß der deutsche Geist im August 1914 und darüber hinaus eine Höhe erreicht hat, wie sie kein Volk vordem gesehen hat. Glücklich jeder, der auf diesem Gipfel gestanden hat und nicht wieder herabzusteigen braucht. Die Nachgeborenen des eigenen und fremder Völker werden diese Flutmarke Gottes über sich sehen an den Ufern, an denen sie vorwärtsschreiten. – Das ist mein Glaube und mein Stolz und mein Glück, das mich allen persönlichen Sorgen entreißt ….[104]

Nahezu alle Deutschen waren in ihrer Vorstellung vom Krieg auf dem Stand von 1871 und früher stehengeblieben. Demgemäß war der Krieg auch als ein „offener, ehrlicher Kampf mit ritterlichen Waffen“ gedacht, der den Teilnehmern Abenteuer, Romantik und persönliches Heldentum bringen würde. Das Erlebnis an der Front zerstörte diese anfänglichen Vorstellungen: „Mut, Tapferkeit und Geschick – alles überflüssig …“. Der Erste Weltkrieg brachte den Soldaten nicht das erhoffte Abenteuer und Heldentum, sondern die verstörende Erfahrung einer völligen Degradierung des einzelnen zum wehrlosen Objekt der Kriegsmaschinerie.[105]

Die Realität und das Scheitern der so sicher erwarteten Übernahme der geistigen Weltherrschaft durch die „sendungsvolle“ (Thomas Mann) deutsche „Wesensart“ musste die Anhänger einer weltgeschichtlichen „Missionsaufgabe“ des deutschen „Wesens“ zutiefst verstören. Die Schuld dafür wurde immer mehr bei einem inneren Feind gesucht, der die großartige geistig-moralische „Erhebung“ des deutschen Volkes vom August 1914 untergraben und zerstört hatte. Mit dem Kriegsende 1918 kam dann zu der Auffassung eines geistigen Verrats noch die Behauptung des Dolchstoßes, also die Schuldzuweisung für den militärischen Ausgang des Krieges an die vermeintlich von Juden und Bolschewisten beherrschte Sozialdemokratie. Damit war eine wichtige Basis gelegt für den späteren Erfolg völkisch nationaler Ideologie:

„Eine neue Generation, gehärtet in den ‚Stahlgewittern‘ des Ersten Weltkrieges, galt nun als auserwählt zur Revision der Weltgeschichte.[106]

Kunstwerke

Romane und Essays

Bildende Kunst

Comics

Der französische Comiczeichner Jacques Tardi setzt sich in mehreren seiner Werke mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. Dabei legt er den Schwerpunkt auf die Gräuel und Erlebnisse der einfachen Soldaten in den Schützengräben.

Filme

Der Erste Weltkrieg bot Stoff für zahlreiche Verfilmungen, darunter auch NS-Propaganda-Filme. Bedeutendere Filme zum Thema sind:

Literatur

Einen Überblick über die neuere Forschungsliteratur hat Christoph Nübel erarbeitet.[85]

  • Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Hrsg. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1. (Standardwerk) teilw. online lesen bei google-books
  • Aus Politik und Zeitgeschichte 29-30/2004: 90 Jahre Erster Weltkrieg.
  • Jean-Jacques Becker / Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich 1914–1918. Klartext-Verlag, Essen 2010, ISBN 3-8375-0171-X
  • Volker R. Berghahn: Der Erste Weltkrieg. C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-48012-8.
  • Deutschlandfunk (Hrsg.): Feldpostbriefe / Lettres de poilus 1914–1918 (Audio CD). Bearbeitung: Peter Lieck, Philipp Schepmann, Cedrik Piquard. Berlin 1999, ISBN 978-3-89813-027-1. (Gemeinsame Hörfunk-Produktion von Radio France und Deutschlandfunk, gesendet 1998).
  • Martin Farndale: Western front, 1914–18. London 1986, ISBN 1-870114-00-0.
  • Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. München 2001, ISBN 3-423-30808-7 (Orig.: The pity of war. 1998).
  • Fritz Fellner; Heidrun Maschl/Brigitte Mazohl-Wallnig (Hrsg.): Der Zerfall der Donaumonarchie in weltgeschichtlicher Perspektive und Der Vertrag von St. Germain in: Vom Dreibund zum Völkerbund: Studien zur Geschichte der internationalen Beziehungen 1882–1919. Verlag: R. Oldenbourg, München 1994, ISBN 3-486-56091-3.
  • Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Düsseldorf 1961, 2000, ISBN 3-7700-0902-9. (Insbesondere die beiden Eingangskapitel lösten die Fischer-Kontroverse aus).
  • Fritz Fischer: Krieg der Illusionen. Die Deutsche Politik von 1911–1914. Düsseldorf 1970 (2. Aufl.), ISBN 3-7700-0913-4. (Untermauerung und Verschärfung der Thesen von Griff nach der Weltmacht.)
  • Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. Die europäische Krise und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 3. Aufl., München 1986, ISBN 3-423-02921-8. (Veröffentlichung wichtiger Dokumente durch den bekannten Schüler von Fritz Fischer)
  • Imanuel Geiss: Der lange Weg in die Katastrophe. Die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges 1815–1914. München 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-492-10943-8.
  • Sebastian Haffner: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Bergisch Gladbach 2001.
  • Richard F. Hamilton, Holger H. Herwig: The Origins of World War I. Cambridge 2004, ISBN 0-521-81735-8.
  • Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Lenz (Hrsg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch…“ Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkrieges. Essen 1993, ISBN 3-596-13096-4. (Beitrag zur neueren Forschungsperspektive der Mentalitätsgeschichte.)
  • John Horne, Alan Kramer: Deutsche Kriegsgreuel 1914. Die umstrittene Wahrheit. Hamburger Edition, Hamburg 2004, ISBN 978-3-930908-94-3.
  • Michael Howard: Kurze Geschichte des Ersten Weltkriegs. München 2004/05, ISBN 3-492-04588-X (Orig. Oxford 2002).
  • John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie. Reinbek bei Hamburg 2003 (2. Aufl.), ISBN 3-499-61194-5.
  • George F. Kennan: Die schicksalhafte Allianz. Frankreich und Rußland am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1990, ISBN 3-462-02036-6.
  • Heinz von Lichem: Der Tiroler Hochgebirgskrieg 1915–1918 im Luftbild, Steiger, Innsbruck 1986, ISBN 3-85423-052-4.
  • Vejas Gabriel Liulevicius: Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Hamburg 2002, ISBN 3-930908-81-6.
  • Peter März: Der Erste Weltkrieg. Deutschland zwischen dem langen 19. und dem kurzen 20. Jahrhundert, Verlag Ernst Vögel, Stamsried 2004, ISBN 978-3-89650-193-6.
  • Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung – Wahrnehmung – Analyse. Genehmigte Lizenzausgabe für Seehamer Verlag GmbH, Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1.
  • Wolfgang J. Mommsen: Der Grosse Krieg und die Historiker. Neue Wege der Geschichtsschreibung über den Ersten Weltkrieg. Essen 2002, ISBN 3-89861-098-5.
  • Wolfgang J. Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914–1918. (= Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd 17), Stuttgart 2002 (10. Aufl.), ISBN 3-608-60017-5. (enthält Quellen- und Forschungsüberblick)
  • Wolfgang J. Mommsen: Der Erste Weltkrieg – Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters, Bonn 2004, ISBN 3-596-15773-0.
  • Sönke Neitzel: Blut und Eisen. Zürich 2003, ISBN 3-85842-448-X.
  • Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution., Band 3 der Reihe Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, bebra-Verlag 2008, ISBN 978-3-89809-403-0.
  • Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, Econ Verlag, Düsseldorf/Wien/New York 1988, ISBN 3-430-17481-3.
  • Kurt Riezler: Tagebücher-Aufsätze-Dokumente. (Hrsg. Karl Dietrich Erdmann). Göttingen 1972, ISBN 3-525-35817-2. (Wichtiges Quellenwerk, Riezler war Mitarbeiter und Vertrauter von Reichskanzler Bethmann Hollweg.)
  • Daniel Marc Segesser: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive. Marixverlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-953-3.
  • David Stevenson: 1914–1918. Der Erste Weltkrieg. Düsseldorf 2006, ISBN 3-538-07214-0. (Wichtige Gesamtdarstellung; orig. 1914–1918. The History of the first World War. 2005.)
  • Norman Stone: The Eastern Front 1914–1917. Penguin Books, London 1975, 1998, ISBN 0-14-026725-5.
  • Hew Strachan: The First World War. Vol. 1: To Arms. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-820877-4. (Erster Band einer auf drei Bände geplanten umfassenden Darstellung, verfasst von einem der anerkanntesten modernen Militärhistoriker.)
  • Hew Strachan: Der Erste Weltkrieg. Eine neue illustrierte Geschichte. Pantheon Verlag, München 2006, ISBN 3-570-55005-2 (Orig.: The First World War. 2003).
  • Barbara Tuchman: August 1914. Verlag Fischer, 2. Auflage, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-15395-6.
  • Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hrsg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Ein historisches Lesebuch. Klartext Verlag, Essen 2008, ISBN 978-3-8375-0015-8.
  • Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hrsg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Quellen und Dokumente. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1994, ISBN 3-596-12544-8.
  • Theodor Wolff: Tagebücher 1914–1919. Der Erste Weltkrieg und die Entstehung der Weimarer Republik in Tagebüchern, Leitartikeln und Briefen des Chefredakteurs am „Berliner Tageblatt“ und Mitbegründer der „Deutschen Demokratischen Partei“. Zwei Teile. Hrsg.: Bernd Sösemann. Boppard am Rhein 1984, ISBN 3-7646-1835-3 (Wichtiges Quellenwerk).

Weblinks

Allgemeine Informationen

 Commons: Erster Weltkrieg – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Erster Weltkrieg – Quellen und Volltexte
Wiktionary Wiktionary: Erster Weltkrieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

 Portal:Imperialismus und Weltkriege – Weitere Artikel über Imperialismus und Weltkriege

Vorgeschichte

Militär und Kriegsverlauf

Folgen

Historische Forschung

Authors: Bilder und Karten

Einzelnachweise

  1. a b c d Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 273.
  2. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, S. 664 f.
  3. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: S. 128 (Nr.50); und Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/Leipzig 1930, Band 8: S. 370 f. (Nr. 10145).
  4. Michael Salewski: Seekrieg. In: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, ISBN 3-506-73913-1, S. 831.
  5. Georg Paul Rieß: „Aus Fürth’s Geschichte – von Georg Paul Rieß. Chronikschreiber, 1914. Viertes Jahr“, Fürth 1914 (offizielle handschriftliche Stadtchronik, Einzelexemplar im Stadtarchiv Fürth). S. 81; zit. nach Alexander Mayer: Fürth 1911–1914. Krieg der Illusionen – die lokale Sicht, Fürth 2000, ISBN 3-927347-44-2, S. 90.
  6. George Kennan: Bismarcks europäisches System in der Auflösung. Frankfurt am Main 1981, S. 12.
  7. Sebastian Haffner: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2001, ISBN 3-7857-2077-7, S. 17.
  8. Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. dtv, München 2001, ISBN 3-423-30808-7, S. 144 f.
  9. Matthias Erzberger (MdR): Die Rüstungsausgaben des Deutschen Reichs, in: Finanzwirtschaftliche Zeitfragen H. 14. Stuttgart 1914. S. 15 f.
  10. Niall Ferguson: The pity of war, Basic Books, 1999, ISBN 0-465-05712-8, Abschnitt Public Finance and National Security S. 106, dort zitiert nach John M. Hobson: The Military-Extraction Gap and the Wary Titan: The Fiscal-Sociology of British Defence Policy, 1870–1913, in: Journal of European Economic History 22(3) (1993), S. 466–507.
  11. ohne Ungarn
  12. Peter Graf Kielmansegg: Deutschland und der Erste Weltkrieg. Frankfurt am Main 1968, S. 21.3
  13. Fritz Fischer: Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–18. In: Fritz Fischer: Der Erste Weltkrieg und das deutsche Geschichtsbild. Beiträge zur Bewältigung eines historischen Tabus. Düsseldorf 1977, S. 151–206, hier S. 153; (Zuerst veröffentlicht In: Historische Zeitschrift 188 (1959), S. 473–518.) und Wolfgang J. Mommsen: Das Zeitalter des Imperialismus. Frankfurt am Main 1969 (= Fischer Weltgeschichte; Band 28), S. 302 f.
  14. Ulrich Cartarius (Hrsg.): Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914–1918. München 1982, S. 181 f. (Dok. Nr. 126); und Gunther Mai: Das Ende des Kaiserreichs. Politik und Kriegsführung im Ersten Weltkrieg. München 1997, ISBN 3-423-04510-8, S. 199–203.
  15. Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Düsseldorf 1964. S. 112.
  16. Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Düsseldorf 1964, S. 125 ff.; Hans W. Gatzke: Germany’s Drive to the West (Drang nach Westen). A study of Germany’s western war aims during the first world war. Baltimore 1950, S. 11 ff.
  17. Karl-Heinz Janßen: Der Kanzler und der General. Die Führungskrise um Bethmann Hollweg und Falkenhayn (1914–1916). Göttingen 1967, S. 207 und 290; und Werner Conze: Polnische Nation und Deutsche Politik im Ersten Weltkrieg. Graz/Köln 1958, S. 319.
  18. Wolfdieter Bihl: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse von Brest-Litovsk. Böhlau, Wien/Köln/Graz 1970, ISBN 3-205-08577-9, S. 118.
  19. Fritz Fischer: Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–18. In: Fritz Fischer: Der Erste Weltkrieg und das deutsche Geschichtsbild. Beiträge zur Bewältigung eines historischen Tabus. Düsseldorf 1977, S. 151–206 (Zuerst veröffentlicht In: Historische Zeitschrift 188 (1959), S. 473–518), hier: S. 202.
  20. Erich Volkmann: Die Annexionsfragen des Weltkrieges. Das Werk des Untersuchungsausschusses der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages 1919–1928. Vierte Reihe. Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918. Zweite Abteilung. Der innere Zusammenbruch. Band 12, 1. Halbband: Gutachten des Sachverständigen Volkmann. Berlin 1929, S. 16 und 20.
  21. Samuel R. Williamson, Jr: Austria-Hungary and the Origins of the First World War. Houndmills/Basingstoke/Hampshire/London 1991, S. 211.
  22. Imre Gonda: Verfall der Kaiserreiche in Mitteleuropa. Der Zweibund in den letzten Kriegsjahren (1916–1918).'. Budapest 1977, ISBN 963-05-1084-7, S. 344.
  23. Wolfdieter Bihl: Die österreichisch-ungarischen Kriegsziele 1918. In: Richard Georg Plaschka, Karlheinz Mack: Die Auflösung des Habsburgerreiches. Zusammenbruch und Neuorientierung im Donauraum.'. Wien 1970, S. 119–123, hier: S. 119.
  24. D. Stevenson: French war aims against Germany 1914–1919. New York 1982, S. 12.
  25. Georges-Henri Soutou: Übermut auf allen Seiten. Die Kriegsziele Frankreichs im Ersten Weltkrieg. In: Dokumente. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog. Jg. 43, 1987, Heft 4, S. 285–290, hier: S. 286 f.
  26. D. Stevenson: French war aims against Germany 1914–1919. New York 1982, S. 42–48.
  27. Pierre Renouvin: Die Kriegsziele der französischen Regierung 1914–1918. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 17, 1966, Heft 3. S. 129–168, hier: S. 135; und Friedrich Stieve (Hrsg.): Iswolski im Weltkriege. Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis aus den Jahren 1914–1917. Neue Dokumente aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen Auswärtigen Amtes. Berlin 1925, S. 213 (Wortlaut).
  28. Georges-Henri Soutou: Übermut auf allen Seiten. Die Kriegsziele Frankreichs im Ersten Weltkrieg. In: Dokumente. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog. Jg. 43, 1987, Heft 4, S. 285–290, hier: S. 288 ff.
  29. Horst-Günther Linke: Das zaristische Rußland und der Erste Weltkrieg. Diplomatie und Kriegsziele 1914–1917. München 1982, ISBN 978-3-7705-2051-0, S. 40 f. und 237; und Henryk Batowski: Pläne zur Teilung der Habsburgermonarchie im Ersten Weltkrieg. In: Österreichische Osthefte, Jg.10, Heft 3 (1968). S. 129–140, hier: S. 130.
  30. V. H. Rothwell: British War Aims and Peace Diplomacy 1914–1918. Oxford 1971, S. 18.
  31. David French: British strategy and war aims 1914–16. London 1986, ISBN 0-04-942197-2, S. 22 und 83.
  32. Harry Hanak: Great Britain and Austria-Hungary during the First World War. A Study in the Formation of Public Opinion. London/New York/Toronto 1962, S. 205.
  33. V. H. Rothwell: British War Aims and Peace Diplomacy 1914–1918. Oxford 1971, S. 71 und 145–149; und W. B. Fest: British War Aims and German Peace Feelers During the First World War (December 1916–November 1918). In: The Historical Journal 15, 1972, S. 285–308, hier: S. 293.
  34. Keith Robbins: The First World War, Oxford/New York 1984, ISBN 0-19-289149-9, S. 112.
  35. Friedrich Stieve (Hrsg.): Iswolski im Weltkriege. Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis aus den Jahren 1914–1917. Neue Dokumente aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen Auswärtigen Amtes. Berlin 1925, S. 191 ff.; und Die Beschlüsse der Londoner Konferenz vom 26. April 1915
  36. Jürgen Möckelmann: Das Deutschlandbild in den USA 1914–1918 und die Kriegszielpolitik Wilsons. Dissertation, Hamburg 1964, S. 147 und 153.
  37. a b Jürgen Möckelmann: Das Deutschlandbild in den USA 1914–1918 und die Kriegszielpolitik Wilsons. Dissertation, Hamburg 1964, S. 157 ff.
  38. David French: Allies, Rivals and Enemies: British Strategy and War Aims during the First World War. In: John Turner (Hrsg.): Britain and the First World War. London 1988, ISBN 0-04-445108-3. S. 22–35, hier: S. 32.
  39. David French: Allies, Rivals and Enemies: British Strategy and War Aims during the First World War. In: John Turner (Hrsg.): Britain and the First World War. London 1988, ISBN 0-04-445108-3, S. 22–35, hier: S. 33.
  40. Charles Seymour (Hrsg.): Die vertraulichen Dokumente des Obersten House. Stuttgart 1932, S. 227 f. und 333 f.
  41. Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Volksausgabe. Manzsche k.u.k. Hof-Verlags- und Universitäts-Buchhandlung, Wien 1915, Dok. 7, S. 15–18.
  42. Teile von Abessinien (Ende 1915 bis 27. Oktober 1916 unter Iyasu IV.), das Fur-Sultanat (Darfur ab 1916), der Senussi-Staat (seit 1915) und Persien (Anglo-Russische Invasion Irans seit 2. November 1914) kämpften teilweise auf Seiten der Mittelmächte. Zentralarabien und der Hedschas standen in der Arabischen Revolte seit Juni 1916 militärisch auf Seiten der Entente. Bolivien, Peru, Ecuador, Uruguay und die Dominikanische Republik brachen 1917 unter Einfluss der USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. Vgl. Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 672.
  43. Angegeben ist der tatsächliche Beginn der Kampfhandlungen, Daten der einzelnen Kriegserklärungen sind davon teilweise abweichend. Falls nicht anders angegeben laut Erik Goldstein: Wars & Peace Treaties 1816–1991. Routledge, London 1992, ISBN 0-203-97682-7, S. 197 ff. Eingeschränkte Vorschau auf Google Books
  44. Provisorische Regierung / Königliche Regierung
  45. Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., München 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 364 f.
  46. Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., München 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 370.
  47. Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815–1849. Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 3. Aufl., München 1993, ISBN 3-486-49763-4, S. 16, 42, 234, 238; Laurence van Ypersele: Belgien, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1, S. 44; Der große Ploetz. Freiburg i.B. 1993 (32. Aufl.), S. 1041.
  48. Luigi Albertini: The Origins of the War of 1914. Bd. 3, London/New York/Toronto 1952, S. 484 ff.; Fritz Fischer: Der Krieg der Illusionen. 2. Aufl., Düsseldorf 1970, S. 732.
  49. Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., München 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 347, 371.
  50. Auszug des belgischen Graubuchs, Eintrag No. 27 vom 4. August 1914
  51. Thomas Müller: Imaginierter Westen. Das Konzept des „deutschen Westraums“ im völkischen Diskurs zwischen politischer Romantik und Nationalsozialismus. transcript Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1112-0, S. 25; Gottfried Niedhart (Hrsg.), Gustav Mayer: Als deutsch-jüdischer Historiker in Krieg und Revolution, 1914–1920. Tagebücher, Aufzeichnungen, Briefe (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts; Bd. 65), Oldenbourg, München 2009, ISBN 3-486-59155-X, S. 49.
  52. Imanuel Geiss (Hrsg.), Hermann Kantorowicz: Gutachten zur Kriegsschuldfrage 1914. DVA, Frankfurt am Main 1967, S. 260; Irene Strenge: Spa im Ersten Weltkrieg (1914–1918). Lazarett und großes Hauptquartier. Deutsche Besatzungspolitik in Belgien. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3693-4, S. 10; Andreas Wirsching: Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Beck, München 2001, ISBN 3-406-44765-1, S. 25.
  53. Vgl. dazu An das deutsche Volk! bei Wikisource
  54. John N. Horne, Alan Kramer: German Atrocities, 1914. A History of Denial. Yale University Press, 2001, ISBN 978-0-300-10791-3, S. 15.
  55. Peter Hoeres: Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Verlag Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71731-6, S. 104.
    Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 192.
  56. Jeremy Black: Rethinking military history. Routledge, 2004, ISBN 978-0-415-27533-0, S. 132.
  57. Patrick O´Sullivan: „Die Lusitania – Mythos und Wirklichkeit“, Hamburg/Berlin/Bonn 1999, ISBN 3-8132-0681-5, S. 85
  58. Philipp Witkop (Hrsg.): Kriegsbriefe gefallener Studenten. Teubner, Leipzig 1918, S. 115 f.
  59. Francois Caron: Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851–1918 (= Jean Favier (Hrsg.): Geschichte Frankreichs. Bd. 5), DVA, Stuttgart 1991, ISBN 3-421-06455-5, S. 600.
  60. Brigitte Hamann: Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten. München 2004, ISBN 3-492-4590-1 (formal falsche ISBN), S. 177.
  61. Heeres-Sanitätsinspektion im Reichswehrministerium (Hrsg.): Sanitätsbericht über das Deutsche Heer im Weltkriege 1914/1918 (deutsches Feld- und Besatzungsheer; deutscher Kriegssanitätsbericht 1914/1918). Band 3, Verlag Mittler, Berlin 1934
  62. Arnold Suppan: Jugoslawien und Österreich 1918–1938. Bilaterale Außenpolitik im europäischen Umfeld. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1996, ISBN 3-486-56166-9, S. 30.
  63. Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich 1871–1918. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1973, ISBN 3-525-33542-3, S. 203.
  64. Ernst Willi Hansen: Der Staat im Staate. Militärgeschichte der Weimarer Republik 1919−1933. In: Karl-Volker Neugebauer, Michael Busch (Hrsg.): Grundkurs deutsche Militärgeschichte. Band 2: Das Zeitalter der Weltkriege 1914 bis 1945. Völker in Waffen. Verlag Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58099-0, S. 86–197, hier: S. 91; und Horst Möller: Europa zwischen den Weltkriegen. Verlag Oldenbourg, München 1998, ISBN 3-486-52311-2, S. 2.
  65. Friedrich Raab: Die Entwicklung der Reichsfinanzen seit 1924. Zentralverlag, Berlin 1929, S. 15.
  66. Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919, Berlin 2007, S. 509.
  67. Paul M. Kennedy, Aufstieg und Verfall der britischen Seemacht, Herford 1978, S. 263.
  68. So bezeichnen z. B. Janusz Piekałkiewicz (Der Erste Weltkrieg. Düsseldorf/Wien/New York 1988, S. 408) oder Eberhard Orthbrandt (Bildbuch Deutscher Geschichte. Laupheim 1955/61, S. 466) die Skagerrakschlacht, vermutlich beziehen sie sich auf die Gesamttonnage der beteiligten Schiffe (ca. 1,8 Mio. Tonnen Verdrängung).
  69. David Stevenson: „Seekrieg und Blockade.“ In: Ders.: 1914–1918. Der Erste Weltkrieg. Düsseldorf 2006, S. 296 f.
  70. Michael Salewski: Seekrieg, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2009, S. 829 f.
  71. Der erste war der Krieg Italiens gegen das Osmanische Reich 1911–12.
  72. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 520.
  73. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 521.
  74. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 521 f.
  75. Formblatt des Militärarchivs Freiburg i.Br.: Benutzungsantrag/Rechercheantrag – Übersicht: Verwahrung personenbezogener Unterlagen, 1. Weltkrieg aus dem Jahre 2010. Hierin sind folgende Hinweise: „Im Bundesarchiv-Militärarchiv sind nur wenige Akten über Personen und ihre Militärdienstzeiten aus dem Ersten Weltkrieg bzw. der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg überliefert. Die Stammrollen und sonstigen Karteimittel der ehemaligen Preußischen Armee sind bei einem Luftangriff auf Potsdam im Jahr 1945 im Heeresarchiv fast vollständig vernichtet worden. Für Angehörige des Kontingentsheeres der Bayerischen, Sächsischen, Württembergischen und Badischen Truppen sind die jeweiligen Landesarchive in München, Dresden, Stuttgart und Karlsruhe zuständig, auch hier ist mit Verlusten zu rechnen.
    Eine Ausnahme bildet der Bestand Pers 9 (Krankenunterlagen der Preußischen Armee, Kaiserlichen Marine und Schutztruppen). In diesem Bestand sind – keineswegs vollständig – die im Zusammenhang mit einer Lazarettbehandlung entstandenen Krankenpapiere von Soldaten erhalten. Diese Papiere, meist mit Stammrollenauszügen verbunden, sind nach Geburtsdaten geordnet und liegen in der Abteilung Militärarchiv für die Geburtsjahrgänge 1802–1899 vor.
    Von den Geburtsjahrgängen 1891–1899 sind nur die Unterlagen der im Januar und Juli Geborenen überliefert. Die Geburtsjahrgänge ab 1900 finden sich bei der Deutschen Dienststelle (WASt.). […] Allgemein ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der großen Schriftgutverluste im Zweiten Weltkrieg personenbezogene Recherchen nicht immer zu einem positiven Ergebnis führen.
  76. Artikel Tarnkappe. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. (gedruckt: 16 Bde., S. Hirzel, Leipzig 1854–1960). „Tarnkappe“ z. B. aufgegriffen von Heinrich Heine. Vgl. Eintrag tarnen. In: Duden, Bd. 7: Das Herkunftswörterbuch. Dudenverlag, Mannheim u. a. 1989, ISBN 3-411-20907-0.
  77. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, S. 323.
  78. Dieter Storz: Die Schlacht der Zukunft. Die Vorbereitungen der Armeen Deutschlands und Frankreichs auf den Landkrieg des 20. Jahrhunderts. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1, S. 271 und 273 f.
  79. The Oxford Companion to the History of Modern Science (J. L. Heilbron, ed.), Oxford University Press, New York 2003, S. 419.
  80. Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 498 ff.
  81. Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 510.
  82. Vgl. z. B. Brigitte Hamann: Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten. Piper, München 2004; J. M. Winter: Propaganda and the Mobilziation of Consent, in: Hew Strachan (Hrsg.): World War I – A History. Oxford 1998, S. 216–226.
  83. Zit. nach Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 362 u. 512 f.
  84. Alan Kramer: Kriegsrecht und Kriegsverbrechen, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, S. 281–292, hier: S. 285.
  85. a b c d e f g h i j k l m n o p Christoph Nübel: Neue Forschungen zur Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Themen, Tendenzen, Perspektiven. In: H-Soz-u-Kult, 14. Juni 2011, abgerufen am 14. Juni 2011.
  86. Alexander Watson: Enduring the Great War. Combat, Morale and Collapse in the German and British Armies, 1914–1918. 2. Auflage, Cambridge 2009.
  87. Roger Chickering: Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914–1918. Paderborn 2009.
  88. Adrian Gregory: The Last Great War. British Society and the First World War. Cambridge 2008.
  89. Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Jay Winter, Geoffrey Parker, Mary R. Habeck (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, Hamburg 2002, in: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  90. Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Volker Berghahn: Der Erste Weltkrieg. München 2003. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  91. Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Wolfgang Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914–1918. Stuttgart 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  92. Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Michael Salewski: Der Erste Weltkrieg. Paderborn 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  93. Niall Ferguson, The Pity of War. 1998.
  94. a b Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. München 2001. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  95. Klaus Hildebrand: Wie entstand der Erste Weltkrieg? Rezension zu: Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das zwanzigste Jahrhundert. Stuttgart 1999. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 175 vom 31. Juli 1999, S. 7.
  96. Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Bruno Thoß, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Erster Weltkrieg – Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland. Paderborn 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  97. Exemplarisch Christian Geinitz: Kriegsfurcht und Kampfbereitschaft. Das Augusterlebnis in Freiburg. Eine Studie zum Kriegsbeginn 1914, Essen 1998; Volker Ullrich: Vom Augusterlebnis zur Oktoberrevolution. Beiträge zur Sozialgeschichte Hamburgs und Norddeutschlands im Ersten Weltkrieg. Bremen 1999.
  98. Vgl. hierzu auch Thomas Rohkrämer: August 1914 – Kriegsmentalität und ihre Voraussetzungen, in: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltlkrieg. München 1994, S. 759–777.
  99. Volker Ullrich: Vom Augusterlebnis zur Oktoberrevolution. Beiträge zur Sozialgeschichte Hamburgs und Norddeutschlands im Ersten Weltkrieg. Bremen 1999, S. 12 ff.
  100. Vgl. Neuauflage: Norman Stone: The Eastern Front 1914–1917, 2., überarbeitete Auflage, Penguin Global, New York 2008.
  101. Tagungsbericht: Die vergessene Front – der Osten 1914/15: Ereignis, Wirkung, Nachwirkung
  102. Zitat nach Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 833.
  103. Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg, in: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 834 f.
  104. Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten, München o.J. (Aufl. „315. bis 321. Tausend“, ca. 1930; zuletzt neu aufgelegt 1998), S. 101.
  105. Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 840.
  106. Helmut Fries: Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 844.
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